»Free Way«, Datenbank und Informations-Manager von Omikron

Bild 1. Der Editor zeigt es: Datensätze in FreeVtäy sind einfach aufgebaut

Freie Fahrt für freie Daten!

Kaum sprachen wir in der letzten Ausgabe von einer Datenbank-Flaute auf dem ST-Sektorf schon belehren uns die Software-Häuser eines besseren. Nach »Twist«, dem aktuellen Datenverwalter von Maxon, beschert uns nun Omikron mit »FreeWay« eine Freitext-Datenbank, mit der Sie neben Ihrer CD-Sammlung auch noch Bilder, Dokumente und sogar ganze Bibeltexte verwalten, wenn Ihnen der Sinn danach steht.

Wissen Sie, was eine »Volltext«-Datenbank ist? Nein? Gut, dann wollen wir Ihnen zu Beginn unseres Tests kurz das Konzept dieser Gattung erläutern -und damit natürlich auch schon verraten, was Sie bei FreeWay erwartet. Im Gegensatz zu herkömmlichen Datenbanken sind ihre Volltext-Verwandten nicht auf die Definition spezieller Datenfelder angewiesen. Theoretisch ließe sich also ein Datensatz »einfach nur so« ohne spezielle Einteilung (wie z.B. Name, Alter, Beruf etc.) in FreeWay eingeben. Was vielleicht auf den ersten Blick ein wenig abwegig erscheint, hat in der Praxis allerdings einen durchaus praktischen Nutzen: Zusammenfassungen von Büchern, Artikeln oder Vorträgen lassen sich so auf einfachste Weise archivieren. Eine Aufgabe, der »normale« Datenbanken in der Regel nicht gewachsen sind. Auch als komfortables Tage-, bzw. Notizbuch eignen sich die Volltext-Künstler hervorragend. Da es jedoch auch eine große Anzahl von Anwendungen gibt, bei der die Freitext-Eingabe des Datenbestandes eher hinderlich als effektiv wäre (z.B. bei der Verwaltung des Lagerbestandes), gestattet FreeWay auch die Definition »herkömmlicher« Datenfelder. Der große Vorteil für den Benutzer liegt nun darin, daß er sich um Art und Länge dieser Felder keine unnützen Gedanken zu machen braucht: Alle Daten sind automatisch vom Typ »Text« und dürfen beliebige Länge annehmen. FreeWay arbeitet übrigens strikt fensterorientiert, das heißt alle Ein- und Ausgabe-Aktionen erfolgen in einem eigenen Fenster.

Das Anlegen einer neuen Datenbank gestaltet sich unter FreeWay denkbar simpel: einfach im Menü »Datei« die Option »Neue Datenbank« anklicken und dann mit Hilfe von »Datensatzvorgabe editieren« die entsprechenden Datenfelder in den integrierten Texteditor eintippen. Das war es schon. FreeWay benötigt zwar zur Kennzeichnung der Felder zu Beginn und am Ende eckige Klammern, doch die fügt unser Proband bequemerweise selber ein, sobald Sie mit einem Doppelpunkt das Ende eines Datenfeldes markieren.

Bild 2. Mit den Connections stellen Sie Verbindung zur Außenwelt her

Haben Sie Ihre Maske komplettiert, geht es an die Eingabe des Datenbestandes. Wie nicht anders zu erwarten, stoßen Sie auch hier auf keine schwerwiegenden Probleme: Mit der TAB-Taste wechseln Sie von Feld zu Feld und geben die gewünschten Informationen ein. Im Unterschied zu herkömmlichen Datenbanken ist bei diesem an sich unkomplizierten Arbeitsschritt allerdings etwas mehr Sorgfalt gefordert. Während die »Kollegen« im allgemeinen die Daten auf ihre »Verträglichkeit« hin überprüfen, also beispielsweise eine Texteingabe in einem Datumsfeld nicht zulassen, ist es FreeWay relativ gleichgültig, ob Sie im Feld »Geburtstag« nicht versehentlich den Vornamen oder die Schuhgröße des zu erfassenden »Opfers« eintragen. Auch hinsichtlich der Länge der einzelnen Datenfelder verlangt FreeWay von seinen Benutzern ein wenig Disziplin, vor allem dann, wenn es um die Realisation »klassischer« Anwendungen wie der bereits erwähnten Lagerverwaltung geht. Im Interesse einer einheitlichen Gestaltung der einzelnen Datensätze sollte man tunlichst der Versuchung widerstehen, aufgrund der nicht begrenzten Feldlänge allzu »geschwätzige« Eintragungen vorzunehmen.

Ihren vollständigen Datenbestand nehmen Sie schließlich im Listen-Fenster in Augenschein. Das Aussehen dieser Liste konfigurieren Sie unter »Feldeinstellung und -Sortierung«. Hier legen Sie fest, welche der einzelnen Datenfelder in welcher Reihenfolge in der Liste auftauchen sollen. Die Breite der einzelnen Felder läßt sich durch einfaches Auf- und Zuziehen der Spalten mit der Maus bestimmen.

Die Kunst der Ähnlichkeitssuche

Über ein frei definierbares Exportformular geben Sie diese Liste auch formatiert auf einem Drucker oder auf das GEM-Clipboard aus. Die Suche nach bestimmten Datensätzen ist in FreeWay geradezu genial unkompliziert: Sie geben einfach in der Befehlszeile über der Datenliste den gewünschten Suchbegriff ein, betätigen »Return«, und schon durchforstet FreeWay den kompletten Datenbestand und zeigt alle passenden Datensätze im Listenfenster an. Der Clou daran: Sie können zwar die Feldtypen spezifizieren, wobei dann auch Und-bzw. Oder-Verknüpfungen möglich sind, müssen es aber nicht!

Auch bei nicht benanntem Feldnamen findet FreeWay die Daten in Windeseile. Intern arbeitet FreeWay übrigens mit einer speziellen Programmiersprache, SQL genannt. Diese Sprache ist in einer mitgelieferten Datenbank dokumentiert und läßt sich auch vom Anwender über die Befehlszeile nutzen.

So, nachdem Sie nun mit den Grundfunktionen von FreeWay vertraut sind, ist es an der Zeit, Ihnen die Leckerbissen unseres Kandidaten vorzustellen. FreeWay beherrscht nämlich zunächst einmal die Kunst der Ähnlichkeitssuche, die hier auf den schönen Namen »FACT« (Fragmentary Alikeness Comparing Technique) hört. Wie das funktioniert? Ganz einfach. Stellen Sie sich einmal vor, Sie hätten einen bayrischen Brieffreund namens Alois Muchseneder. Dem haben Sie schon seit geraumer Zeit nicht mehr geschrieben und sind sich daher auch nicht mehr ganz über die Orthografie des Nachnamens im klaren. Bei herkömmlichen Datenbanken wäre jetzt das heitere Suchen per Joker und Wildcards fester Programmpunkt. Nicht so bei FreeWay, hier tippen Sie einfach Ihren »best guess« in die Befehlszeile, z.B. Muxenedder. Da FreeWay keinen passenden Eintrag findet, setzt es FACT in Aktion, das Ihre Eingabe mit dem Bestand der Datenbank vergleicht und anschließend im Protokollfenster ähnliche Begriffe vorschlägt. In unserem Beispiel stünde dort z.B. Muchseneder 88%, Buchsbaum 33%, Murmeltier 22%, Müller 3%. Jetzt brauchen Sie bloß noch mit der Maus auf »Muchseneder« zu klicken, und schon haben Sie den betreffenden Datensatz auf dem Bildschirm. Haben Sie es bemerkt, wir haben Ihnen gerade ein weiteres Highlight verraten: FreeWay ist Hypertext-fähig, das heißt ein Doppelklick auf einen beliebigen Begriff führt sofort zu einem Querverweis, wo dieses Wort sonst noch in Ihrem Datenbestand zu finden ist. Eine bei Literatur- oder Notiz-Datenbanken geradezu unverzichtbare Hilfestellung.

Bild 3. Auf einem kleinen SM 124 kann es gelegentlich etwas unübersichtlich werden

Doch zurück zu unserem Namensproblem, das Sie natürlich auch mit der in FreeWay integrierten »Tippmatic« lösen können. Dazu geben Sie einfach »Mu« in die Befehlszeile ein und betätigen dann mehrere Male die Tabulator-Taste. Dabei zeigt Ihnen Freeway jeweils die Begriffe aus der Datenbank, die ebenfalls mit »Mu« beginnen, also Mueller, Musbeck, Murnau etc. Haben Sie dann den entsprechenden Suchbegriff gefunden, genügt ein Druck auf »Return« und FreeWay zeigt den dazugehörigen Datensatz.

Etwas umständlich gestalteten sich in unserer Testversion hingegen einige Suchoperationen, die normalerweise zum Standardrepertoire guter Datenbanken gehören sollten. So erfordert z.B. die Suche nach »Datenfeld kleiner oder größer als x« die Eingabe einer komplizierten SQL-Befehlszeile, wo doch eigentlich ein einfaches Kleiner-bzw. Größer-Zeichen völlig ausreichen sollte. Nach Auskunft der Omikron-Hotline arbeitet man aber bereits an einem Update, bei dem dieses Manko behoben sein wird. Alle registrierten FreeWay-Anwender bekommen die neue Programmversion voraussichtlich noch im Juni kostenlos zugesandt. Mit FreeWay bietet Omikron eine leistungsstarke Volltext-Datenbank, die den Anwender bei der Informationssuche mit vielen raffinierten und innovativen Funktionen tatkräftig unterstützt. An vorderster Stelle seien hier nur noch einmal die Ähnlichkeitssuche, die »Tippmatic« sowie die »Connections« genannt. Herausragendes Merkmal von FreeWay ist sicherlich auch seine enorme Geschwindigkeit. Auch bei großen Datenmengen sind die gesuchten Einträge immer blitzschnell zur Hand. Nicht ganz so glücklich geriet unserer Ansicht nach das Fensterkonzept. Zwar bieten Fenster auf der einen Seite ein hohes Maß an Flexibilität, doch gerade auf einem SM 124 läßt sich die Tendenz zur Unübersichtlichkeit nicht ganz abstreiten. Leichte Defizite weist FreeWay auch bei der optischen Gestaltung der Eingabemasken auf. Gut gelungen hinwiederum der Serienbriefgenerator.

Aufgrund der spezifischen Volltext-Architektur eignet sich FreeWay im besonderen zur Erfassung aller stark textorientierten Daten bestände wie sie beispielsweise bei Literaturdatenbanken anfallen. Auch die Archivierung des eigenen CD-Bestands gerät mit FreeWay zum Kinderspiel. Wer schon einmal versucht hat, alle Titel eines Tonträgers mit einer herkömmlichen Dateiverwaltung zu erfassen, wird an FreeWay seine helle Freude haben. Souverän meistert unser Proband außerdem die Verwaltung von Datenfiles aller Art. Gerade für Bildverarbeitungsprofis bietet sich mit FreeWay eine nicht zu unterschätzende Arbeitshilfe. Für die bereits mehrfach zitierten »Standardanwendungen« würden wir jedoch eher zu einer klassischen Datenbank wie z.B. dem in der letzten Ausgabe getesteten TWIST raten. Zwar lassen sich diese Aufgaben auch mit FreeWay lösen, und vermutlich sogar schneller, doch haben die Fachgenossen auf dem Gebiet der Maskengenerierung, der Relation von Datenbanken zueinander und der Datensicherheit bei der Eingabe deutlich die Nase vorn. Für Text- und Datei-lastige Archivierungsaufgaben ist FreeWay jedoch die allererste Wahl.

(wk)

Omikron GmbH, Sponheimstr. 12, 75177 Pforzheim,

WERTUNG

Name: FreeWay

Hersteller: Omikron GmbH

Preis: 298 Mark, Update von EasyBase 129 Mark

Stärken: hohe Suchgeschwindigkeit □ Ähnlichkeitssuche □ »Tippmatic« □ Volltext-Suche □ Hypertext □ Connections

Schwächen: optische Maskengestaltung etwas unflexibel □ nur eine Datenbank zur Zeit im Speicher

Fazit: Eine komfortable und schnelle Volltext-Alternative


Kai Schwirzke



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