Fdrum-Drumcomputer - I've got rhythm

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Daß das Einsatzgebiet des Falcon030 durch dessen überragende Soundmöglichkeiten hauptsächlich im Musikbereich liegt, dürfte inzwischen durch die Vielzahl an neuen Musikprogrammen deutlich geworden sein. So wundert es nicht, daß neben den professionellen Produkten wie Cubase-Audio oder Notator-Logic nun auch Programme für den schmalen Geldbeutel auf den Markt kommen, die der geneigte Hobbymusiker zu Hause einsetzen kann. Trifolium macht hier den Einstieg in Form eines preiswerten 16stimmigen Drumcomputers.

Eines der ersten Anwendungsgebiete des digitalen Sound-Samplings war es, Schlaginstrumente zu speichern und als Sequenz abzuspielen. Schon vor über 10 Jahren entstand dadurch der erste digitale Drumcomputer, der seine analogen Vorgänger nicht nur in Sachen Klang um Längen schlug. In diesen 10 Jahren hat die Entwicklung einen erstaunlichen Verlauf genommen. Inzwischen sind professionelle Drumcomputer kaum noch von einem echten Schlagzeug zu unterscheiden, so daß man sie bei nahezu allen Studioproduktionen einsetzt, wenngleich der Trend bei Live-Konzerten wieder zum Trommler aus Fleisch und Blut mit der guten alten "Schießbude" aus Holz geht. Die Kasseler Firma "Trifolium" hat mit "Fdrum" ein Programm in den Vertrieb genommen, das einen Drumcomputer ersetzen können soll.

Das Prinzip

Fdrum ist eine spezielle Falcon030-Applikation, läuft also ausschließlich auf diesem Computer. Das wird verständlich, wenn man sich die Funktionsweise von Fdrum näher betrachtet. Bis zu 16 digitale Instrumente (in Stereo, 16 Bit, 33 KHz) lassen sich laden und werden beim Abspielen von Sequenzen in Echtzeit übereinandergemischt. Das Mischen der Instrumente übernimmt der digitale Signalprozessor im Falcon030. Das daraus entstehende Stereosignal wird über das Soundsubsystem des Falcon030 ausgegeben. Die Erstellung von Sequenzen erfolgt in zwei getrennten Schritten. Zunächst werden die sogenannten "Rhythmen" angelegt, die immer aus einem ganzen Takt bestehen. Die einzelnen Rhythmen können anschließend in beliebiger Folge zu einem ganzen Song kombiniert und abgespeichert werden. Aber auch ein einzelner Rhythmus läßt sich separat speichern, was den Austausch von Teilen eines Songs erleichtert.

Der Grid-Editor

Die Eingabe von Rhythmen erfolgt in der "Rhythmsection" über einen sogenannten "Grid-Editor". In diesem Editor wird jeweils ein ganzer Takt in tabellarischer Form dargestellt (Bild 1). Die maximale Auflösung beträgt hier eine 32tel Note, wobei wir bei der ersten Einschränkung des Programmes sind. Für einfache Rhythmen mag das ausreichend sein. Um aber ein halbwegs realistisches Spielgefühl hervorzurufen, ist diese Auflösung zu gering. Professionelle Drumcomputer arbeiten hier mit 1/192tel-Noten oder noch höheren Auflösungen. Durch einen Mausklick in der Zeile eines Instrumentes wird die Note an die entsprechende Position innerhalb des Taktes gesetzt. Ein nochmaliger Klick löscht sie wieder. Ein Rhythmus wird dadurch grafisch am Bildschirm dargestellt, und man kann sich sehr gut in den Aufbau des Grooves hineindenken. Besonders wichtig ist dabei, daß der Rhythmus während der Noteneingabe in einer Endlosschleife abgespielt werden kann und jede Änderung dadurch sofort hörbar wird. Leider kann man im Grid-Editor keine Blöcke definieren, um mehrere Noten gleichzeitig zu bearbeiten (Verschieben, Löschen, Setzen, Intrument wechseln). Man ist gezwungen, für jede Note einen Mausklick anzusetzen. Je nach Komplexität der Rhythmen und der Änderungswünsche wird dies sehr schnell zu einer "wilden Klickerei". Es existiert allerdings eine Funktion, um alle Notenwerte innerhalb des Rhythmus auf einmal zu löschen. Zu jedem einzelnen Rhythmus lassen sich verschiedene Parameter einstellen. Zunächst natürlich das Tempo in bpm (beats per minute). Hier reicht die Skala von 60 bis 240 bpm, was für alle Anwendungsfälle (Slow Waltz bis Speed- Metal) ausreichen sollte. Auch die Taktart läßt sich ändern. Angeboten werden: 3/4tel, 4/ 4tel, 6/8tel, 5/4tel, 7/4tel und deren triolische Verwandte. Leider fehlt ein 2/4telTakt! 2/4tel? Wozu? Oft kommt es vor, daß innerhalb eines Songs ein Break oder Fill lediglich über einen halben Takt geht. Hier muß man sich behelfen, indem man einen 4/4tel-Takt mit doppelter Geschwindigkeit benutzt und die Notenpausen verdoppelt. Bei einem sehr schnellen Song geht das natürlich nicht mehr. Alle Einstellungen werden für jeden Rhythmus separat gespeichert. Dadurch ist es ohne weiteres möglich innerhalb eines Songs die Geschwindigkeit oder gar die Taktart zu ändern. Das macht Fdrum sehr flexibel bezüglich der Song-Zusammenstellung.

Bild 1: In der Rhythmsection werden die Rhythmen grafisch per Grid-Editor erstellt. Im Sequencer rechts daneben lassen sich die einzelnen Rhythmen zu einem Song zusammensetzen.

Der Sequencer

Ein fertiger Rhythmus bekommt einen eigenen Namen und wird in den "Sequencer" übernommen. Hier legt man die Abfolge der Rhythmen fest, wobei man jederzeit Rhythmen ersetzen, anfügen, einfügen oder löschen kann. Der so entstandene Song wird in Form einer Liste dargestellt, durch die man mit einem Realtime-Slider scrollen kann. Die Liste kann aus maximal 100 Einträgen bestehen, was für die meisten Fälle ausreichend sein dürfte. Auch beim Sequencer hat man leider auf Blockfunktionen für die gleichzeitige Bearbeitung mehrerer Rhythmen verzichtet. Eine Zusammenfassung von Rhythmen zu Parts (z.B. Strophe, Refrain, Solo, Schluß) ist leider auch nicht möglich. Für einen einfachen Songaufbau ist das System mit den einzelnen Rhythmen aber durchaus genügend.

Besonderheiten

Die Bedienung gewinnt deutlich an Flexibilität durch die Möglichkeit, Buttons und sonstige Bedienelemente auch dann direkt anwählen zu können, wenn sich das entsprechende GEM-Fenster nicht im Vordergrund befindet. Nach kurzer Eingewöhnungszeit ist man dadurch in der Lage, sehr schnell Rhythmen und Songs aufzubauen. Für GEM- Fanatiker ist dieses eher GEM-untypische Verhalten aber in einem "Optionen-Dialogfenster" abschaltbar. Als besonderes Bonbon kann man einen Song noch mit einem Halleffekt versehen. Dieser Effekt wird ebenfalls vom DSP generiert. Hier zeigt sich wieder die besondere Leistungsfähigkeit dieses Wunderchips.

Der Sample-Editor

Wie schon erwähnt, kann Fdrum bis zu 16 digitale Klänge verwalten. Im Extremfall können sogar alle 16 Stimmen gleichzeitig erklingen. Der DSP addiert die Stimmen und rechnet sie in Echtzeit zu einem Stereosignal zusammen. Trifolium liefert ein komplettes Instrumentenset mit Fdrum aus. Darüber hinaus kann man aber auch eigene Instrumente samplen. Jede der 16 Stimmen kann somit neu belegt und in einem individuellen Set gespeichert werden. Als Werkzeug dazu wurde ein kompletter Sample-Editor in das Programm integriert (Bild 2). Mit dem Editor kann man zunächst bis zu 8 Sekunden (Stereo, 33 kHz) aufnehmen und auf Festplatte speichern (.SAMFormat). Das entstandene Sample wird daraufhin als Amplitudendarstellung getrennt für den rechten und linken Kanal dargestellt. Hier wirken nun auch die sehr wichtigen Blockfunktionen. Mit der Maus kann man einen Block einfach aufziehen und einen bestimmten Teil des Samples ausschneiden. Die bekannten Cut-, Copy-, und Paste-Funktionen sind somit implementiert. Natürlich kann man auch Samples laden, die nicht mit Fdrum erzeugt wurden. Allerdings sollte man auf das korrekte Format achten (16 Bit Stereo, ca. 33 kHz). Konvertierfunktionen besitzt Fdrum gegenwärtig noch nicht, sie sind aber vorgesehen.
Man kann in die Darstellung bis auf das Einzel-Sample hineinzoomen, um absolut exakte Schnittpunkte zu setzen. Daneben läßt sich ein Block auch durch Berechnung manipulieren. Dazu sind lineares Ein- und Ausblenden sowie Spiegelung (Rückwärtsabspielen) vorgesehen.
Bei der Übernahme eines so erzeugten Instrumentes in ein Set wird allerdings nur ca. eine halbe Sekunde berücksichtigt, der Rest wird kommentarlos abgeschnitten. Im Klartext heißt das, daß jedes einzelne Instrument eine maximale Abspieldauer von 0.5 Sekunden haben kann. Für Instrumente wie Bassdrum, Snare und Hihat mag das reichen. Becken allerdings (Crash, Ride, China-Crash) oder tiefe Tomtoms (Stand-Tom) klingen in der Natur wesentlich länger aus (ca. 3 bis 4 Sekunden), so daß man mit 0.5 Sekunden bei weitem nicht auskommt.

Bild 2: Der Sample-Editor dient zum Aufnehmen und Schneiden von neuen Instrumenten.

Das Feeling

Im Test stellte sich sehr bald heraus, daß die Arbeit mit Fdrum relativ einfach und zügig vonstatten geht. Sehr schnell hat man die ersten Takte eines Songs zusammengestellt. Leider hat Trifolium in der Wahl der mitgelieferten Instrumente unserer Meinung nach kein besonders glückliches Händchen bewiesen. Zwar befinden sich neben den klassischen Schlaginstrumenten wie Bassdrum, Snare, Hihat und Tom-Toms auch Harmonieinstrumente wie Bass und Piano im Set, aber auf Becken hat man gänzlich verzichtet. Auch die für viele Grooves unverzichtbaren Instrumente wie Cowbell, Shaker oder Rimshot sucht man vergebens. Durch den guten Sample-Editor kann man allerdings die meisten fehlenden Instrumente leicht selbst erzeugen. Alles, was man dazu braucht, sind ein CD- Player und eine Drums- und Percussion-CD, aus der man sich die gewünschten Instrumente "heraussampelt" oder ein Mikrofon und die Instrumente in natura. Kurz vor Redaktionschluß erreichte uns noch die Nachricht, daß Trifolium eine weitere Diskette mit Drumsamples dem Paket beilegen wird. Damit sollen die Lücken in der Instrumentierung geschlossen werden.

Fazit

Fdrum ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Der Falcon-Markt braucht solche interessanten Produkte, um auf sich aufmerksam zu machen. Im gegenwärtigen Stadium ist das Programm zwar noch nicht als vollwertiger Ersatz für einen professionellen Drumcomputer anzusehen, Trifolium versichert allerdings die Weiterentwicklung des Programms und bei entsprechender Ergänzung der Feature-Liste kann man Fdrum sicherlich eine große Zukunft vorhersagen. Die 149 DM, die Trifolium für Fdrum verlangt, sind allerdings auch jetzt schon eine gute Investition.

Preis: 149 DM

Bezugsquelle:
Trifolium
Grassweg 14
34121 Kassel

Positiv:
sauberes GEM-Programm
guter Klang
16stimmig
jede Stimme kann in Stereo sein
flüssige Bedienung
eigener Sample-Editor

Negativ:
Maximale Instrumentenlänge mit 0.5 Sekunden etwas kurz
Hardware-Kopierschutz (Paddle-Port)


Christian Möller


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