
Nach einer kurzen Sommerpause folgt nun der zweite Teil des Cubase-Testberichtes. Zur Erinnerung an den ersten Teil noch einmal ein kurzer Abrià der dort schon erlÀuterten Themen. Zur Sprache kamen bereits das Arrange-Window, der List-, Drum- und Key-Editor.
Cubase soll angeblich auf einem 1-MB-Rechner lauffĂ€hig sein, ist es auch, aber ein komfortables Arbeiten mit allen aktiven Modulen ist dabei nicht möglich. Diese lassen sich zwar installieren, erlauben dann aber keine allzugroĂen Songs im Arbeitsspeicher. Eine Minimalkonfiguration von 2 MB ist auf jeden Fall zu empfehlen. Aber wie es nunmal im Leben ist, steht mehr Arbeitsspeicher zur VerfĂŒgung, wird der Wunsch nach Accessories und Hintergrundprogrammen, die die Arbeit erleichtern sollen, immer gröĂer und macht eine erneute AufrĂŒstung erforderlich. Der Aufpreis fĂŒr eine Speichererweiterung bei einem Neukauf steht in keinem VerhĂ€ltnis zum Aufwand bei einem nachtrĂ€glichen Umbau, darum an dieser Stelle der Tip an alle, die sich einen neuen ATARI zulegen wollen; lieber 4 MB Arbeitsspeicher und 1 MB ungenutzt, als 2 MB Arbeitsspeicher und 1 MB zuwenig. Sollen alle Cubase-Möglichkeiten gleichzeitig griffbereit sein, steht ein groĂer Speicher auĂer Frage. Dies betrifft besonders den Score-Editor, der diesmal unter anderem zur Sprache kommt.
Abbildung 1: Die MenĂŒleiste ist die Cubase-Schaltzentrale.
Die MenĂŒleiste ist der Dreh- und Angelpunkt. Von hier aus erreicht man die Editoren und hat Zugriff auf eine stolze Anzahl von Funktionen. Unter âFILEâ befinden sich die direkten Diskettenzugriffe zum Laden eines neuen StĂŒckes, Löschen eines Files und Formatieren einer Diskette. âNEW" öffnet eine neues Arrangewindow, verwirft den alten Song aber nicht, sondern hĂ€lt ihn im Arbeitsspeicher und trĂ€gt den Namen in eine unter âWindowsâ zu findende Liste ein. Es können also mehrere Songs direkt ohne Diskettenzugriff nacheinander aktiviert werden. Ein Klick auf âOPEN" öffnet eine Fileselector-box mit 7 Auswahlmöglichkeiten. 1 =Song, 2=Arrangement, 3=Part , 4=24 Song, 5= MIDI File. 6= Drum Map. 7= Set Up. Unter âSave" findet man bis auf den Eintrag â24 Song" dieselben Optionen. Des weiteren werden unter âFileâ der Printer eingestellt und der Ausdruck gestartet. "Preferencesâ erlaubt das Einstellen einer automatischen Sicherung. Eine sehr nĂŒtzliche Einrichtung, da das Sichern des öfteren in Vergessenheit gerĂ€t. Der Mousespeeder und die Maustasten (vertauschen) werden hier ebenfalls eingestellt. âUse Crosshair Cursor" stellt ein Fadenkreuz als Hilfe zum Verschieben der Parts bereit. StandardmĂ€Ăig öffnet der Doppelklick auf einen Part den Key-Editor. Wer aber den Score- oder List-Editor vorzieht, vermag dies hier ebenfalls einzustellen. Unter âEDIT" werden die oben schon erwĂ€hnten Editoren aufgerufen. Alle sind auch durch direkte Tastatureingabe verfĂŒgbar.
âInfoâ zeigt Informationen zum aktiven Part und stellt den MIDI-Filter ein. Zur Wahl stehen Note On, Poly Pressure, Controller, Program Change, After Touch, Pitch Bend und Sys Ex.
Im Logical Editor hat der Benutzer die Möglichkeit, bestimmte MIDI-Daten umrechnen zu lassen. Dies geschieht durch Presets oder eigene Einstellungen, die zusammen mit dem Song abgespeichert werden. Mit den gewĂ€hlten Daten addiert, subtrahiert oder multipliziert und dividiert man einfach Werte. Eine Zufallsfunktion sorgt hier und da fĂŒr interessante Effekte. Der âLogical Editorâ ist gleich zweimal vorhanden, nĂ€mlich als Expert- und als Easy-Editor. Der Unterschied liegt lediglich in der Anzahl der Beeinflussungsmöglichkeiten. Wer zum Beispiel ab einer bestimmten Notenhöhe einen Velocity-Wert hinzufĂŒgen will, weil erst dann der gewĂŒnschte Sound richtig erklingt, kann die UnzulĂ€nglichkeiten seines Einspiel-Keyboards hiermit schnell ausgleichen. Sollte es einmal Vorkommen, daĂ nur ein bestimmter Notenbereich zu verĂ€ndern ist, wĂ€hlt man in der Filtersektion âoujsideâ oder âi nsideâ, um entweder auĂerhalb oder innerhalb eines Datenfensters zu beeinflussen. Dieser nicht zu unterschĂ€tzende Editor birgt unzĂ€hlig viele Möglichkeiten.
Im âFILE MenĂŒâ findet man noch eine besondere Aufnahmespur, âMastertrackâ benannt. Sie dient lediglich der separaten Aufnahme von Tempo- und TaktartĂ€nderungen. Wie der Name schon sagt, ist diese Spur, falls gewĂ€hlt, maĂgebend fĂŒr das Tempo.
Unter âStructureâ befinden sich die direkten Zugriffsmöglichkeiten auf die Tracks, Parts undGroups. Das MenĂŒ âFunctionsâ stellt die Quantisierungen bereit, die bis zu vierundsechsigstel Triolen einstellbar sind. Je höher der Quantisierungswert eingestellt ist, desto geringer ist die musikalische Korrektur. Bei einem zu niedrig gewĂ€hlten Wert besteht die Möglichkeit, daĂ die VerĂ€nderungen so gravierend ausfallen, daĂ ein weiteres Arbeiten unsinnig erscheint. In diesem Fall ist noch nicht alles verloren, da mit UNDO Quantize das Original wieder zum Tragen kommt und die miĂglĂŒckte Aktion verworfen wird. Die Originaleinspielung bleibt immer in einem dafĂŒr reservierten Puffer vorhanden und steht jederzeit wieder bereit. Die Logical Presets sind hier im Functions-MenĂŒ direkt aufrufbar. Die weiteren Parameter dienen ebenfalls der direkten Beeinflussung der Abspielparameter.
Im MenĂŒ âOptionsâ werden globale Einstellungen durchgefĂŒhrt, die der Anpassung des MIDIequipments dienen und die Synchronisation regeln. Unter anderem sind hier auch die Mixermaps nachladbar, auf die wir aber spĂ€ter noch zu schreiben (sprechen) kommen. Unter âWindowsâ wird die Darstellungsform auf dem Bildschirm eingestellt und bei Bedarf das Transportfeld ausgeblendet. Die speicherresidenten Songs sind hier ebenfalls aufgelistet, wobei der aktive Song durch einen vorangestellten Haken gekennzeichnet ist.
Abbildung 2: Der âLogical Editorâ ist ein mĂ€chtiges Werkzeug zur Beeinflussung von MIDI-Daten.
MIDI MIXER und MIXER-Tracks
Wieder mal ein echtes Highlight von Cubase 3.0. Der MIDI-Mixer steuert wie ein richtiges Mischpult, eben nur auf M1DI-Ebene, die angeschlossenen GerĂ€te. Nicht, daĂ hiermit nur die LautstĂ€rke eingestellt wird, es ist sogar möglich sein komplettes MIDI-Equipment damit zu editieren. In Abbildung 3 ist zum Beispiel ein Roland D50-Editor realisiert. Im Options-MenĂŒ sind unter âSetup Mixermapsâ zahlreiche Applikationen zu finden, die mit den Additionals-Disketten zum Lieferumfang gehören.
Fertige Mixer-Einstellungen sind zum Beispiel fĂŒr den Dl 10, D50, DMP7, DWEX 8000, Kl, K4, JX8P und viele mehr vorhanden. Wer die Zeit hat, selbst welche zu erstellen, kann sie selbstverstĂ€ndlich auch abspeichern. Eine Mixer-Map muĂ sich auf einer Spur befinden, die als eine solche deklariert ist. Ohne Mixer-Track keine Mixer-Map. Experimentierfreudige Komponisten werden an diesen Mixern, von denen mehrere aktiv sein können, ihre helle Freude haben. Mal eben alle EffektgerĂ€te anders einstellen oder die LautstĂ€rken wie auf einem Audiomischpult justieren, alles kein Problem mehr.
Abbildung 3: Mischpulte und Editoren liefert Cubase als Mixer-Maps frei Haus.
Der MIDI-Prozessor
Ein EffektgerÀt mit integriertem Chorus, Echo und Pitch-Shifter kostet in der Regel schon fast 1000,-DM. Cubase kostet ebenfalls knapp 1000,-DM. Warum also ein EffektgerÀt kaufen, wenn alles gleich mitgeliefert wird? Ganz so einfach kann man sicherlich nicht rechnen, aber immerhin sind sehr interessante Einstellungen möglich. Der durchschlagende Vorteil des MIDI-Prozessors liegt darin, daà das Effektsignal auf digitaler Ebene abgespeichert werden kann. Dies ist bei einem analogen Signal nur mit erheblich höherem Aufwand (A->D-Wandlung) möglich.
In Abbildung 4 sind die als Schieber ausgelegten Regler zu sehen. Sie dienen der Einstellung der Wiederholungen (Re-peats), der Pause zwischen den Wiederholungen (Echo), dem Quantisierungswert und den dynamischen Effekten. Die dynamischen Effekte, mit Vel Dec, Echo Dec und Note Dec abgekĂŒrzt, erlauben die Beeinflussung der Echophasen, indem die Pausen oder der Velocity-Wert kontinuierlich verĂ€ndert werden. Mit âNote Decâ sind sogar Harmonielinien und Arpeggien möglich, da es in diesem Fall zu einer Addition bzw. Subtraktion zur/von der eingespielten Note kommt.
Bereits bespielte Spuren gelangen direkt zum MIDI Effect Processor, wenn der Trackoutput auf MROS gestellt ist, (siehe Abbildung Inspector). Voraussetzung ist die Prozessor-Input-Einstellung auf MROS. MROS verwaltet als eigenes Betriebssystem die MIDI-Daten im Hintergrund und leitet sie auf die entsprechenden Programme und Programm-Module um. Ist der Prozessor-Output ebenfalls auf MROS gestellt, ist die Aufnahmemöglichkeit auf eine separate Spur (falls auf MROS geschaltet) gegeben. Bei Verwendung der Variante Input und Output auf ATARI gelangt das Siganal des MIDI-INs ĂŒber den Effekt-Prozessor zum MIDIOUT.
Abbildung 4: Digitale Effekte auf digitalen Spuren sind keine Zukunftsmusik mehr.
DER IPS
Der Interactive-Phrase-Synthesizer, so die vollstĂ€ndige Bezeichnung, erzeugt keine neuen KlĂ€nge, sondern manipuliert die Events eines Tracks, die zuvor mit âCOPY to PHRASEâ in einen der 32 Slots des IPS kopiert wurden. Die VerĂ€nderung des Notenmaterials geschieht vergleichbar mit der Programmierung der Klangfarben eines Synthesizers. In Abbildung 5 sind einige Parameter zu sehen, die fĂŒr das Generieren neuer Phrasen verantwortlich sind. Auf Diskette sind mehrere Kompletteinstellungen zu finden, die einige Möglichkeiten veranschaulichen.
Wie und was letzendlich vom IPS verbogen werden soll, bestimmt der Benutzer selbst. Die zunĂ€chst etwas unĂŒbersichtlich erscheinende BenutzeroberflĂ€che ist nach einer kurzen Einarbeitungszeit schnell zu durchschauen und lĂ€Ăt sehr schnelle VerĂ€nderungen zu. Die einzelnen Werte werden durch die Maus oder sich öffnende Pop-Up-MenĂŒs geĂ€ndert. Das Herumsuchen in irgendwelchen UntermenĂŒs entfĂ€llt. Um die Sache noch effizienter zu gestalten, sind gleich 2 IPS-Module vorhanden, die mit den Buttons am unteren rechten Bildschirmrand umzuschalten sind. Die Beeinflussung der Noten ist nicht auf vorhandene Parts beschrĂ€nkt, sondern geschieht auch bei direktem Einspielen. Es ist wichtig, darauf zu achten, wie die Input- und Output-Schalter gesetzt sind. Da der IPS-Output eine MROS-Stellung zur VerfĂŒgung stellt, ist es möglich, die Phrasen direkt auf einem MROS-Track aufzunehmen. Der IPS verĂ€ndert die Tonhöhen, bildet Skalen, manipuliert die Velocity-Werte und vieles mehr. Alle Möglichkeiten aufzuzĂ€hlen, die aus den zahlreichen Parametern entspringen könnten, wĂŒrde mir beim Schreiben einen unlösbaren Knoten in den Fingern einbringen. Allein die Random-Generatoren liefern so viele Varianten, daĂ keine genauen Angaben möglich sind.
Abbildung 5: Der programmierbare Synthesizer im ATARI
Score-Editor
Cubase ist eines der wenigen Sequenzerprogramme, das einen professionellen Notendruck gewĂ€hrleistet. Nicht nur der Ausdruck, sondern auch die Editierparameter lassen nicht zu wĂŒnschen ĂŒbrig.
Prinzipiell funktioniert dieser Editor genauso wie die anderen, mit dem Unterschied, daĂ die Form und Darstellungsweise der Ereignisse gestaltbar sind. Um eine bessere Ăbersicht zu schaffen, ist es möglich, das Notenblatt im Page Mode zu zoomen. Die Zoom-Faktoren 50, 75, 100 und 200 % sind rechts neben dem unteren Scroll-Balken einstellbar. In einer speziellen âStaff Settings-Dialogboxâ stellt man fĂŒr jeden Part unabhĂ€ngig die Darstellungsweise ein. Dies entfĂ€llt bei aktivierter âPolyphonic Voice-Functionâ, die es erlaubt, Akkorde in Zweierpaaren auseinanderzunehmen. Der profihaft ambitionierte Komponist findet in diesem Editor alle Funktionen, die einen professionellen Ausdruck gewĂ€hrleisten. Eigentlich liegt fĂŒr die Notenbearbeitung ein komplettes eigenstĂ€ndiges Programm vor, was schlieĂlich der Preis von knapp 1000,-DM bestĂ€tigt.
Satellite
Dieses nĂŒtzliche Hilfsprogramm ist als Accessory oder als normales Programm lauffĂ€hig. Durch einfaches Ăndern der Extension in SATELLIT.ACC bzw. SATELLIT.PRG ist dies schnell zu bewerkstelligen. Eine ganze Reihe von gĂ€ngigen Setups erwerben Sie bereits zusammen mit dem Programm. Satellite dient zum Senden und Empfangen von Sounds oder ganzen Sound-BĂ€nken, die im Synthworks-Format vorliegen mĂŒssen. Es ist sogar möglich, wĂ€hrend einer laufenden Sequenz, Sounds an ein GerĂ€t zu senden, ohne vorher zu stoppen. Der integrierte âMacro Editorâ erlaubt sogar das Modifizieren der im Synthesizer befindlichen Sounds. Dies soll noch nicht alles sein, denn ein universelles âDUMP UTILITYâ erlaubt das Lesen und Empfangen nahezu jedes MIDI-GerĂ€tes.
Abbildung 6: Der ATARI-Monitor kann nur annÀhernd die QualitÀt des Notendrucks darstellen.
MROS-Switcher...
... oder Multitasking auf dem ATARI. MROS ist die AbkĂŒrzung âMIDI REALTIME OPERATING SYSTEMâ und stellt eine Erweiterung des ATARI-Betriebssystems dar. Es erlaubt das gleichzeitige Arbeiten mit bis zu 10 verschiedenen Programmen, falls diese ausreichend Platz im Arbeitsspeicher finden. 2MB sollten auf jeden Fall vorhanden sein, um wenigstens mit 2 oder 3 Programmen hantieren zu können. Hier machen sich, wie eingangs schon erwĂ€hnt, 4 MB schnell bezahlt. Leider ist mir der MROS Switcher nicht mitgeliefert worden, so daĂ ich hier keine Erfahrungswerte weitergeben und nur auf die Bedienungsanleitung verweisen kann. Eventuell holen wir dies bei Bedarf an anderer Stelle nach.
Am Ende sind wir noch lange nicht...
... aber fĂŒr einen Einblick in die Cubase-Organisation soll es fĂŒr diesmal reichen. Auf jede Einzelheit genauestens einzugehen, hĂ€tte zu weit gefĂŒhrt. Dies soll die Betriebsanleitung und evtl, das in der vorherigen Ausgabe vorgestellte Cubase-Buch ĂŒbernehmen. Die ĂŒbersichtliche BedieneroberflĂ€che und das Handling bei laufender Sequenz gestalten den Einstieg auch fĂŒr AnfĂ€nger sehr leicht. Eigene Fonts, ein sehr guter Noteneditor und weitere spezielle Editoren lassen keine WĂŒnsche mehr offen. Aber das haben wir vor ein paar Jahren auch schon mal gedacht. Nun stellen wir fest, daĂ das lĂ€ngst noch nicht alles war. Wir werden sehen, was ein nĂ€chstes Update aus dem Hause Steinberg noch alles zu bieten hat.
Bezugsquelle: Steinberg (Hamburg)
Vertrieb: TSI
Neustr. 12
W-5481 Waldorf