14. Internationale Musikmesse in Frankfurt: Eine ruhige Messe

»Schön ruhig« - So lautete das übereinstimmende Urteil sowohl von Ausstellern als auch Besuchern der diesjährigen Frankfurter Musikmesse. Die allgemein flaue wirtschaftliche Lage fordert eben auch in der Musikindustrie ihren Tribut.

Deutlich positive Akzente setzten die bedeutenden Softwarefirmen für den Falcon 030, der zum Zeitpunkt der Musikmesse bereits in größeren Stückzahlen in den Kaufhausketten erhältlich war. Viele Firmen präsentierten Harddisk-Recording-Systeme für den Falcon und zeigten sich von der Leistungsfähigkeit der Hardware stark beeindruckt. Es scheint, als ob der Falke nun doch - wenn auch mit leicht angesengten Schwingen - seinen verdienten Höhenflug antreten könnte, Gewinner der Musikmesse war jedoch ohne Frage der PC, der von den Herstellern in Hülle und Fülle mit Soft- und Hardware bedacht wurde. Vom einfachen Einsteigersequenzer bis hin zum professionellen Mastering-System - es gibt keinen Bereich, in dem die MS-Dosen nicht mit qualitativ hochwertigen Lösungen Fuß gefaßt hätten. Das angesagte Betriebssystem heißt dabei »Windows 3.1«, von OS/2 weit und breit keine Spur. Auffällig übrigens, daß viele vom -angeblich unprofessionellen - ST kommende Entwickler beim Stichwort »Programmentwicklung unter Windows« leidvoll die Augenbrauen gen lichten Scheitel verzogen...

Die C-LAB Nachfolgefirma EMA-GIC präsentierte auf dieser Messe wie nicht anders zu erwarten ihre Sequenzerneuentwicklung »Notator Logic« auf allen drei relevanten Rechnerplattformen. Neben der Freude über frischen Wind auf dem Sequenzer-Sektor sorgten die Hamburger aber auch mit einem etwas zweifelhaften »Upgrade-Service« für die Produkte ihres stärksten Mitbewerbers aus Hamburg für einige Verärgerung bei manchem Messeteilnehmer.

Auch die Firma Steinberg bietet mittlerweile ihre komplette Sequenzer-Palette angefangen von Cubase-Lite bis zum Cubase-Score/Audio auf den drei »angesagten« Rechnertypen an. Weiterhin sollen die bereits im Vorjahr angekündigten Module (Studio Module, Style-Trax und CueTrax) in Kürze ausgeliefert werden. Einen echten Knüller zeigten die Hanseaten allerdings mit einer speziell für den Falcon angepaßten Cubase-Audio-Version, die Achtspur-Digital-HD-Recording ohne zusätzliche Hardware auf diesem Computer ermöglicht - eine schnelle SCSI-Platte vorausgesetzt. Zwei digitale Tracks lassen sich dabei zeitsparend im Rechner-RAM installieren, einzelne Klangereignisse aus einer Spur herausschneiden und dann parallel als Einzelsamples in einer normalen Cubase-Spur (!) weiterverwenden. Selbstverständlich besteht 100prozentige (Audio-)File-Kompatibilität zu den auf dem Yamaha CBX-D5 basierenden Cubase-Versionen. Die Audioqualität erreicht dabei zwar nicht ganz den Standard des Yamaha HD-Rekorders, dürfte aber für viele Anwendungen voll und ganz ausreichen. Soft Arts überraschte mit »Live +«, der nun Fenster-orientierten und MultiTOS-fähigen Version des bereits bekannten Live-Sequenzers. Notendrucker durften am Stand die Version 2.0 des erfolgreichen Score Perfect Professional begutachten.

Bei Geerdes programmiert man nun schon seit beinahe zwei Jahren unermüdlich am »Star Track«-Sequenzer und demonstrierte in diesem Jahr eine grafisch völlig neugestaltete Fassung des Programms mit integrierter Online-Hilfe. Die Stichworte »objektorientiert, hierarchisch, modular« machen Appetit auf die verkaufsfertige Version des »Star Track Delight«. DVP1 präsentierte die neue Version 2.0 des beliebten Session Partners, der nun über einen integrierten Sequenzer inklusive Grid-Editor verfügt. Weiterhin bietet Session Partner II nun acht Part-Banks anstatt der bekannten zwei. Hinter dem MIDI-Manager verbergen sich zehn Fader, mit denen sich für alle Instrumente die Lautstärke, Program-Changes, Aftertouch, kurz, sämtliche MIDI-Controller verändern und in Real-Time aufnehmen lassen. Der Preis für den Session Partner II: 698 Mark inklusive eines einjährigen Upgrade-Services.

»Live+«, nun Fensterorientiert und MultiTOS-fähig

Neues auch von der Berliner Firma SoundPool. Neben dem leicht verbesserten Freestyle 3.1 - jetzt sorgt M-ROS für präzises Timing - stellte man eine erste Version eines Zweispur-Mastering-Programms für den Falcon vor, das in einigen Wochen für circa 398 Mark in den Handel kommen soll. Gemessen an der kurzen Entwicklungszeit vermochte diese Vorversion aber durchaus zu überzeugen. Speziell auf Gitarristen zugeschnitten ist »Guitar Dreams«, ein LerrWLehr-und Trainingsprogramm für Skalen, Akkorde und Intervalle.

Mit dem 05R/W hat nun auch die Firma Korg einen kleinen Expander im halben 19-Zoll-Format im Programm. Preis und Ausstattung zielen dabei eindeutig in Richtung SoundCanvas (Roland) und TG100 (Yamaha). Wir stellen Ihnen dieses interessante Produkt in unserer MIDI-Rubrik etwas genauer vor. Kawai bescherte auf der Messe den Kl 1, einen 32stimmigen Synthesizer mit 384 Sounds, 512 Wellenformen und 18Bit Signalverarbeitung (siehe MIDI-Rubrik). Weiterhin zeigte Kawai eine neuentwickelte Keyboard-Serie, bestehend aus den Modellen X40-D, X50-D und dem ARA10, das speziell auf die Bedürfnisse arabischer Musiker hin konzipiert wurde. Die Keyboards bieten die bekannte »One-FingerAd-Lib« Begleitautomatik, ein anschlagsdynamisches Keyboard mit 61 Tasten sowie ein neuartiges »Super 3D«-Soundsystem. Die Keyboards sind kompatibel zum GM-Standard.

Neu von Ensoniq gab es den TS-10 Performance/Composition-Synthesizer zu bestaunen. Diese klassische, 32stimmige Workstation bietet 6 MByte Sample-ROM, bis zu 8 MByte Sample-RAM, einen 24-Bit-Effektprozessor, 1,44-MByte-Diskettenlaufwerk und einen 24-Spur-Sequenzer. Was will man mehr? (wk)


Kai Schwirzke
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