Salon Atari - Ohne Rückblick in die Zukunft

Endlich fand es statt: Das »Atari Forum«, Pendant Frankreichs zur Atari Show in Düsseldorf. 1989 wegen eines Feuers im Verwaltungsgebäude von Atari France ausgefallen, verliehen ihm nun die Urväter einen prominenten Rahmen: in den Hallen des Forums von »La Defense«, Frankreichs jüngstem Prunkbau in einer der schönsten Gegenden der Metropole Frankreichs.

Und ebenso imponierend — zumindest für französische Verhältnisse — stellte sich Atari dar. Auf einer Fläche von 25.000 Quadratmetern zeigten über 80 Aussteller, was ST und TT derzeit leisten.

Im Foyer zeigte eine bekannte Pariser Galerie, wie man Computerkunst auf dem ST umsetzen kann: Da gab es Computerbilder in Plakatgröße zu bewundern. Auch die Spielehersteller, ein in Frankreich bedeutender Markt, trumpften auf: Großer Beliebtheit erfreute sich vor allem Sam Tramiels Lieblingskind, die populäre Spielekonsole »Lynx«.

Eine weitere Premiere: Der ST als Lehrmittel bei der Erziehung und Bildung! Förderer dieser Ausstellung war die Region Paris.

Den Löwenanteil der Ausstellungsfläche besetzten jedoch die professionellen Anwendungen. Auch die deutsche Firma »IBP« ließ sich in Paris sehen. In Deutschland längst bekannt durch den 190 ST, soll nun die VME-Technik in Frankreich Einzug halten. Bedingt durch die VME-Technologie des TTs stießen die Produkte beim Publikum auf reges Interesse. Allerdings ist auf diesem Gebiet noch viel Pionierarbeit zu leisten.

»Der Anwender«, so Geschäftsführer Werner Pfingstmann, »weiß mit der neuen Technik noch nicht richtig umzugehen. Im Grunde wissen die meisten nicht mehr, als daß auf einem einheitlichen Bus verschiedene Karten miteinander arbeiten können.« Dabei ist gerade VME einer der wenigen Standards, die dem Anwender unzählige Betätigungsfelder öffnen. »Portalog«, die mobile Meßstation für den Portfolio, stand viel diskutiert im Mittelpunkt des Interesses.

Überhaupt stiehlt der Portfolio den anderen Produkten fast die Schau: Gerade erst auf dem Atari Forum der Öffentlichkeit Frankreichs präsentiert, entpuppt er sich schon als »Superstar«. Für den Anschluß an fremde Welten sorgen leistungsstarke Interfaces. Die »Firma Antipode« stellt die Verbindung zum ST und PC mittels eigener Software her, während »M & A« sogar für die Kommunikation mit Apples Macintosh sorgt. Bequeme Anwender schalten sich ganz einfach über die Adreßverwaltung und spezielle Software direkt ins Minitel-Netz ein.

Schon auf dem »SICOB« im Frühjahr dieses Jahres konnten die Messebesucher eine Vorversion der 3D-CAD-Software »ZZ Volume« von »Human Technologies« bewundern. Nach letzten Verbesserungen läuft das Programm jetzt ohne Probleme auf der ganzen ST-Familie und wird seit zwei Monaten ausgeliefert. Die Geschwindigkeit ist beeindruckend, obgleich die Software nur auf dem TT zu sehen war. ZZ-Volume arbeitet menüorientiert: Eindeutige Symbole im Desktop repräsentieren die Funktionen, sämtliche Zusatzfunktionen verbergen sich in Pull-Down-Menüs. Die Berechnungszeiten von der 2D-Darstellung zum 3D-Synergie macht mit seinem Aufrüstsatz das Bedrucken von Etiketten zum Kinderspiel Modell sind relativ kurz, was auch auf die Rechenleistung des TTs zurückzuführen ist. Derzeit kostet das Programm 9428,70 FF.

Ebenfalls ausgereift und an alle gängigen Scanner angepaßt ist »Lazy Paint«: Ein einfaches Retouchierprogramm, das jedoch für die meisten Anwendungen ausreichend ist. Ohne großen Aufwand lassen sich gescannte Bilder bearbeiten, verfremden, verbessern und an den späteren Verwendungszweck per Rasterung anpassen. Zum TT stellte Atari Frankreich den neuen 19-Zoll-Farbbildschirm mit der Bezeichnung »TT194« vor: Die Bildwiedergabe hebt sich deutlich von der des bisherigen Monitors ab. Ende dieses Jahres soll der TT194 in Stückzahlen verfügbar sein.

Des weiteren zeigte »Synergie« auf dem Atari Forum eine interessante Lösung zum Bedrucken von Etiketten per Laserdrucker: Als Basis dient der normale Atari-Laser SLM 804, den die Entwickler in eine Mechanik integrierten. Auf einer Grundplatte sind zwei Rollenträger befestigt. Eine Art Einzelblatteinzug kann Etiketten jeder Art verarbeiten: ein- oder mehrbahnige, gestanzte sowie einzelne. Das Programm »Neodruck« verwaltet unterschiedliche Schriften, Barcodes und! steuert Epson- sowie Cannon-Scanner. Für den Druck unterschiedlicher Etiketten speichert der Anwender die einzelnen Vorlagen und ruft sie nach Belieben ab.

Das Komplettsystem, bestehend aus dem modifizierten SLM804, Mega ST4, Megafile 30 sowie Steuer-Software Neodruck, kostet 95000 FF. Es ist geplant, einen Umrüstsatz für Laserdrucker herauszubringen; der Preis steht jedoch noch nicht fest.

Absolute Renner brachte auch der Salon Atari nicht hervor. Dennoch ist, gleich der Atari Show in Düsseldorf, ein deutlicher Aufschwung zu spüren. Die vorherrschende pessimistische Stimmung machte positiver Zuversicht Platz. Das spiegelt sich auch in den Worten von Pascal Foutrel, Einkauf Software, wider: »Die Zukunft des STs sieht wieder gut aus. Natürlich war das mal anders. Aber mit saisonalen Schwankungen hat jede Firma zu leben.« (uw)


Bernhard Reimann
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