AtarICQ - I seek you...

Wer neben seinem Atari einen Macintosh oder PC benutzt, der kennt vielleicht den Buddy-Service von AOL. Etwas ganz ähnliches gibt es auch im Internet: ICQ. Und das gute daran ist, dass sich dieser Service nun auch mit dem Atari nutzen lässt. Jan Daldrup hat sich eine öffentliche Vorab-Version des ICQ-Clients AtarICQ schon einmal genauer angeschaut.

ICQ (I seek you = Ich suche dich) ist ein populärer sogenannter Buddy-Service. Das bedeutet im Klartext: Wenn ICQ aktiviert ist, wird automatisch angezeigt, wann ein Bekannter bzw. Freund (Buddy) ebenfalls online ist. Dann ist es möglich, mit ihm z.B. zu chatten oder Dateien auszutauschen. Die letzten ICQ-Inkarnationen bieten inzwischen noch wesentlich mehr Funktionalität: Von Internet-Telefonie bis hin zu Online-Games geht die Leistungsspanne.

Das Problem bei diesen und ähnlichen Services ist die Tatsache, dass es sich - im Gegensatz zu anderen Internet-Services wie eMail, IRC und dem World Wide Web - um Eigenentwicklungen bestimmter Firmen handelt (bei ICQ z.B. Mirabilis). Letztere geben daher auch nur ungern die Sourcen ihrer Clients frei, bzw. überhaupt Informationen über die verwendeten Protokolle preis. Somit bleiben diese und ähnliche Clients meistens nur der Windows- und Mac-Plattform Vorbehalten. Selbst auf der Linux-/Unix-Plattform sieht es schon eng aus.

Land in Sicht

Zumindest für den ICQ-Dienst gibt es jedoch schon seit geraumer Zeit nachprogrammierte Clones. Ein Beispiel ist micq, das es als textbasierten Port bereits für die Atari-Plattform (für MiNTNet und STiK/STinG) gibt. Allerdings ist ein reines Textinterface für den GEM-verwöhnten Atarianer sicherlich nicht das Optimum der Benutzerfreundlichkeit. Seit kurzem ist aber auch dieser Missstand endgültig beseitigt worden. AtarICQ ist ein neuer Client, der die besten Teile verschiedener ICQ-Clones mit einer ansprechenden Benutzeroberfläche vereint. Momentan befindet sich AtarICQ jedoch noch in Entwicklung, doch die diesem Preview zugrunde liegende Version 0.146 ist bereits sehr gut (unter MiNTNet bzw. STiK/STinG) für den täglichen Gebrauch einsetzbar. Leider arbeitet der IRC-Client noch nicht mit iFusion zusammen, weshalb IConnect- und Draconis-Nutzer erst einmal außen vor bleiben.

Vorbereitungen

Nach dem ersten Start erscheint eine Dialogbox, über die entweder ein neuer ICQ-Account eingerichtet oder ein bereits existierender Account übernommen werden kann. Beide Prozeduren sind unkompliziert und schnell erledigt. Es müssen nur Nickname und Passwort gewählt werden, und den Rest erledigt AtarICQ. Man erhält seine UIN (also die eigene ICQ-Adresse) und kann noch zusätzlich Angaben zur Person machen. Sollte bereits ein ICQ-Account vorhanden sein, kann auch direkt die UIN eingetragen werden, und es geht umgehend los.

In der linken oberen Ecke erscheint nun das „Contact List"-Fenster, also quasi das Adressbuch. Neue Einträge werden über den Menüpunkt Add Contact der Liste hinzugefügt. Hierzu wird lediglich die UIN der Person benötigt, als Nickname kann der Name eingetragen werden, der in der Liste am Ende erscheinen soll. Es muss nicht der tatsächliche Nickname der Person eingetragen werden.


Die Konfiguration geht schnell vonstatten: Es müssen nur Nickname und Passwort festgelegt werden, den Rest erledigt AtarICQ für Sie.

Wer vor allem mit Atari-Usern in Kontakt treten möchte oder einfach nur eine umfassende Einführung in die Thematik sucht, sollte der Atari ICQ-Info Seite von Jerry Martins (icqinfo.atari.org) einen Besuch abstatten.

Weitere mögliche Bekannte können mit der Funktion Search ausfindig gemacht werden. Über die Kriterien Nickname, First Name, Last Name und Email kann die Suche hierbei eingegrenzt werden. Ist die Contact List erst einmal gefüllt, kann mit der Kontaktaufnahme begonnen werden. Durch die Aufteilung der Liste in Online und Offline kann schnell überblickt werden, wer gerade ansprechbar ist und wer nicht. Durch ein kleines Icon wird bei allen denjenigen, die gerade online sind, zudem der Status etwas genauer vermerkt (nicht anwesend, beschäftigt etc.). Der eigene Status kann durch den Button in der rechten unteren Ecke der Kontaktliste verändert werden. Besondere Beachtung sollte hier dem Eintrag invisible geschenkt werden. Ist er aktiviert, wird man selbst für andere unsichtbar, kann jedoch weiterhin verfolgen, wer online und offline ist. Dies ist z.B. praktisch, wenn man zwar nicht gestört werden möchte, sich selbst aber jederzeit die Option der Kontaktaufnahme offen halten möchte.

Nachrichten

Aber jetzt endlich zum Verschicken einer Nachricht. Durch einen Rechtsklick über einem Eintrag öffnet sich ein PopUp-Menü, über das der Punkt Send Message ausgewählt werden kann. Nun öffnet sich das Message-Fenster, und die Nachricht kann eingetippt werden. Der komplette Nachrichtenverkehr wird über dieses Fenster abgewickelt. An welche Person gerade geschrieben wird, erfährt man durch eine kleine Infozeile. Um Vielschreibern die Arbeit zu erleichtern, bietet AtarICQ eine sogenannte „Quick-List". Mit einem Links-Doppelklick landet ein Name in selbiger und mit TAB bzw. SHIFT-TAB kann schnell zwischen den Einträgen hin- und hergeschaltet werden.

Das eben erwähnte PopUp-Menü beherbergt noch ein paar weitere Funktionen. Neben einer Nachricht können auch URLs (Web-Adressen) versendet, ein Eintrag aus der Liste entfernt oder nähere Informationen über den Eintrag abgerufen werden. Zu den näheren Informationen gehören u.a. Vor- und Nachname sowie eMail-Adresse. Zusätzlich kann hier der Eintrag einer bestimmten Liste zugeteilt werden. Neben der Standardliste, kann ein Eintrag auch auf die Visible- bzw. Invisible-Liste gesetzt werden. In diesem Fall bleibt man selbst für die betreffende Person immer sichtbar oder unsichtbar, egal welcher Status gerade gesetzt wurde. Sollte man während einer Sitzung von jemandem kontaktiert werden, der noch nicht in der eigenen Contact List ist, landet diese Person zunächst in einer temporären Liste, die für das nächste Mal wieder gelöscht wird. An dieser Stelle kann die Person zusätzlich direkt in die reguläre Liste übernommen werden.

Details

Das war nun soweit eine kleine Einführung in ICQ sowie in den Funktionsumfang von AtarICQ. Zwei kleine Details für ICQ-Neulinge sollen an dieser Stelle jedoch noch erwähnt werden. Über die eMail-Adresse UIN@pager.icq.com kann man stets auch von Leuten ohne ICQ erreicht werden. Es können bis zu 450 Zeichen lange Nachrichten auf diese Weise empfangen werden. Der Empfang klappt über AtarICQ bereits problemlos, nur leider ist es nicht möglich, auf so empfangene Nachrichten zu antworten. Unter der Web-Adresse wwp.icq.com/ UIN findet man zusätzlich eine eigene Informationszentrale, über die andere einen ebenfalls direkt benachrichtigen können. In beiden Fällen sollte UIN natürlich durch die eigene Nummer ersetzt werden.


Neben einer Nachricht können über das komfortable CEM-Interface auch Web-Adressen an andere ICQ-Teilnehmer versendet werden.

Über AtarICQ bleibt noch zu sagen, dass bereits die Version 0.146 einen sehr guten und stabilen Eindruck macht. Alle Basisfunktionen sind bereits vorhanden und für die Zukunft ist noch einiges geplant.

Wie schnell die Entwicklung vorangeht, können Sie selbst mitentscheiden. Die Autoren Joakim Högberg und Dan Ackerman haben sich entschieden, AtarICQ zu uneingeschränkter Shareware zu erklären. Wer die Autoren also für Ihre Arbeit belohnen bzw. eine zügige Weiterentwicklung vorantreiben möchte, sollte sich eine Registrierung überlegen.

www.icq.com/ (offizielle ICQ Homepage) hem.passagen.se/gokmase/atari/ataricq/

(AtarICQ Homepage)


AtarICQ in Aktion: Das Programm bietet eine übersichtliche GEM-Oberfläche und ist auch in der frühen Version bereits weitgehend konfigurierbar. Wir freuen uns auf weitere Versionen des ICQ-Clients für den Atari.

Jan Daldrup
Aus: ST-Computer 11 / 2000, Seite 40

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