Cooles aus dem hohen Norden: Linux auf dem Atari

Linux ist in aller Munde und wird auch auf dem Atari immer interessanter. In lockerer Abfolge wollen wir Ihnen in den kommenden Monaten einen Einstieg in die Installation und die Arbeit mit diesem alternativen Betriebssystem ermöglichen.

Linux, das alternative Betriebssystem für mehr als nur die Intel-Plattform, ist seit Jahren in aller Munde. Aufgestiegen vom mit hohem administrativen Aufwand verbundenen Experimental-Betriebssystem zur kostengünstigen und stabilen Plattform für fast alle Aufgaben, verrichtet es auch auf Atari-Computern mit Motorola-Prozessoren klaglos seinen Dienst.

Das Atari-Betriebssystem bzw. seine legitimen Nachfolger MagiC, N.AES und Geneva Zeichen sich besonders durch ihre Benutzerfreundlichkeit, ihre Stabilität und ihren schonenden Umgang mit Ressourcen aus. Dazu gehören auch die im Verhältnis zu den aktuellen Mainstream-Betriebssytemen gesehen schlanken und preiswerten Applikationen. Leider offenbart sich hierbei jedoch auch ein Manko, denn teure kommerzielle Lösungen werden entweder nicht weiterentwickelt (Cubase Audio, Twist etc.) oder es fehlen sogar Programme in bestimmten Bereichen (Web-Server, einheitliche TCP/IP-Stacks, o.ä.). Sind die meisten Atarianer mit ihren Maschinen sehr zufrieden und besitzen sogar Programme, um die sie Besitzer anderer Computer beneiden (Calamus, Papyrus, CAT), so schielt doch mancher aus obigen Gründen auch gerne einmal in die umgekehrte Richtung. Mit der Möglichkeit, Linux auch auf originaler Atari-Hardware einzusetzen, erübrigt sich dies jedoch, denn hier gibt es eine Fülle von Software für fast alle Bereiche, die darüber hinaus auch noch frei verfügbar ist.

Fremde Welten in vertrauter Umgebung

Linux läßt sich nahezu problemlos auf Atari-Computern installieren und bietet eine Reihe von Highlights:

Da diese Features nicht zum Nulltarif zu erhalten sind, stellt Linux höhere Ansprüche an die verwendete Hardware als das TOS. So benötigt man zum Betrieb von Linux einen Atari mit einer MMU (Memory Management Unit). Dies trifft auf die folgenden Maschinen zu:

Wer einen Atari besitzt, der diese Voraussetzungen erfüllt und über eine genügend große freie Festplattenkapazität (mindestens 1 GB) verfügt, kann sich in das Abenteuer stürzen. Im Übrigen gilt hier (wie auch in der Intel-Welt): Je schneller der Rechner und je mehr RAM, umso besser.

Eine Frage der Ehre - die Distributionen

Ein Punkt, über den mittlerweile genauso heftig und leidenschaftlich gestritten wird, wie damals über die Frage, ob ein Atari oder ein Amiga der bessere Computer sei, ist die richtige Distribution für Linux. Hier gilt es einige Verwirrungen zu beseitigen: Bei Linux als solches handelt es sich zunächst einmal ausschließlich um den Betriebssystemkern und einige Programme, die zum Betrieb des Rechners notwendig sind. Diese sind frei kopierbar. Das, was im Buchhandel oder bei den Versandhändlern als Linux angeboten wird, geht aber darüber hinaus. So haben einige Firmen oder Organisationen sogenannte Distributionen zusammengestellt, die zusätzliche Programme beinhalten, z.B. einfache Installationstools oder kommerzielle Applikationen (beschleunigte X-Server, Office-Applikationen usw.), die dem Copyright des jeweiligen Eigners unterliegen und nicht frei verfügbar sind. Dadurch unterscheidet sich jede Linux-Distribution von der anderen und bietet viel Gesprächsstoff für die beliebten Rechnerkriege.

Einige der wichtigsten und bekanntesten Distributionen sind:

Beim Atari hat man es einfacher, da lediglich die Debian-Distribution verfügbar ist, während alle anderen Distributionen ausschließlich für Intel bzw. (im Falle der Red-Hat-Distribution) für den Amiga verfügbar sind. Darüber hinaus gibt es auch noch Distributionen für Rechner mit PowerPC-Architektur (z.B. Apple-Macintosh-Computern) oder DEC-Alpha, die sich auf dem Atari aber genauso wenig einsetzen lassen wie die Intel-Distributionen. Für Verwirrung hat auf dem Atari auch noch der Umstand gesorgt, dass die sogenannte ALD (Atari Linux Distribution) existiert hat, die von Delta Labs herausgegeben wurde und auf der Debian-Distribution basierte, jedoch noch ein zusätzliches GEM-Installationspaket enthielt. Leider war diese Version nur sehr begrenzt tauglich, um auf Ataris eingesetzt zu werden, sodass sich leider bei den Anwendern der Irrglaube verbreitet hat, Linux sei auf dem Atari gar nicht vernünftig zu installieren.

An dieser Stelle wird nun die Installation am Beispiel der im Internet frei erhältlichen Debian-Distribution erläutert. Diese zeichnet sich von den oben genannten Zusammenstellungen dadurch aus, dass die gesamte mitgelieferte Software der GNU-Lizenz unterliegt und somit frei kopierbar ist.

Vorbereitungen

Zunächst einmal muss für genügend Platz auf der Festplatte gesorgt werden. Hierzu sollte als erstes ein Backup aller Atari-Betriebssystem-Daten gemacht werden. Danach müssen die Atari-Partitionen, auf denen zukünftig Linux liegen soll, mit einem geeigneten Harddisk-Tool (z.B. HD-Driver) mit der Kennung für Linux versehen werden (Bild 1). Möchte man die Partitionen auch unter einem Atari-Betriebssystem nutzen (z.B. unter MiNT), so muss man dies dem Atari-Festplattentreiber ebenfalls mitteilen. Beim HD-Driver stellt man dies beispielsweise unter dem Menüpunkt Einstellungen->Spezielles... ein. Ab Version 7.8 ist dies übrigens nicht mehr erforderlich (Bild 2). Wichtig ist dabei, die Partition für den virtuellen Speicher unter Linux nicht zu vergessen, denn anders als bei anderen Betriebssystemen wird für den Auslagerungsspeicher (Swap-Bereich) eine eigene Partition benötigt. Dies erhöht einerseits die Performance, andererseits verhindert es jedoch auch, den Swap-Bereich gegebenenfalls vergrößern oder verkleinern zu können. Als übliche Größe hat sich hier ein Wert doppelt so groß wie der reale Hauptspeicher bewährt. Wenn Ihr Atari aber über mehr als 64 MB RAM verfügt, sollten Sie jedoch bedenken, dass eine einzelne Swap-Partition nicht mehr als 128 MB umfassen darf. Es sind jedoch mehrere Swap-Bereiche möglich, so dass auch Atarianer mit sehr viel Speicher zusätzlich genügend virtuellen Speicher einrichten können. Nun sollte man , sich die Partitionen merken, die man für Linux und den Swap-Bereich reserviert hat, denn im späteren Verlauf der Installation benötigt man diese Informationen wieder.

Zunächst einmal muss für genügend Platz auf der Festplatte gesorgt werden. Hierzu sollte als erstes ein Backup aller Atari-Betriebssystem-Daten gemacht werden. Danach müssen die Atari-Partitionen, auf denen zukünftig Linux liegen soll, mit einem geeigneten Harddisk-Tool (z.B. HD-Driver) mit der Kennung für Linux versehen werden.
Möchte man die Partitionen auch unter einem Atari-Betriebssystem nutzen (z.B. unter MiNT), so muss man dies dem Atari-Festplattentreiber ebenfalls mitteilen. Beim HD-Driver stellt man dies beispielsweise unter dem Menüpunkt Einstellungen->Spezielles... ein. Ab Version 7.8 ist dies übrigens nicht mehr erforderlich.
Die Parameter für BOOTSTRA.PRG und den Kernel in der Datei BOOTARGS. Wer einen Atari sein Eigen nennt, der gar nicht oder nur geringfügig modifiziert ist, kann direkt mit der Installation beginnen, indem er das Programm BOOTSTRA.PRG doppelt anklickt.

Die Installation

Es gibt verschiedene Stände einer Linux-Distribution. Stable bezeichnet dabei eine Version, die getestet und vielfach im Einsatz ist und sich also vor allem für Anwender eignet, die ein möglichst unkompliziertes System wünschen. Als Frozen wird eine Version bezeichnet, die bald in den Zustand Stable übergehen wird und an der keine weiteren größeren Entwicklungen, sondern lediglich Bugfixing stattfinden. Unstable sind hingegen Entwicklerversionen, an denen noch sehr stark gearbeitet wird. Diese Versionen sind besonders für Linux-Kernel-Entwickler gedacht sowie für Personen, die ein besonderes Feature einer neuen Version brauchen. Linux-Einsteigern ist von Unstable-Versionen abzuraten. In diesem Artikel wird es um die „Stable"-Version gehen, da möglichst wenig Probleme durch instabile Kernel vermieden werden sollen. Die verschiedenen Stände werden bei Debian mit unterschiedlichen Namen belegt. Die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gültigen Versionen sind dabei:

Wer sich über die eigentümlichen Namen wundert, sollte wissen, dass es sich dabei um Charaktere des Films „Toy Story", der bei den Pixar Studios entwickelt wurde, handelt.

Die für die erste Installation benötigte Software findet sich unter folgenden Serveradressen:

Das gepackte Archiv Atariinstall.lzh sollte nun auf eine Atari-Partition in ein geeignetes Verzeichnis kopiert und dort entpackt werden. In das so entstandene Verzeichnis DEBIAN muss nun ebenfalls das Archiv base2_1.tgz kopiert werden.

Mittels Doppelklick auf das File BOOTSTRA.PRG kann dann die eigentliche Installation gestartet werden.

Möchte man dem Programm bzw. dem Kernel bestimmte Parameter übergeben, die im folgenden Abschnitt erläutert werden, so empfiehlt es sich, das File in BOOTSTRA.TTP umzubenennen und die Parameter dann an der Konsole zu übergeben - oder besser noch die Datei BOOTARGS zu editieren.

Die Parameter für BOOTSTRA.PRG

Wer einen Atari sein Eigen nennt, der gar nicht oder nur geringfügig modifiziert ist, kann direkt mit der Installation beginnen, indem er das Programm BOOTSTRA.PRG doppelt anklickt. Haben Sie eine Grafikkarte oder möchten Sie vielleicht Debug-Ausgaben gleich zu Beginn des Installationsprogrammes sehen, können Sie die Datei BOOTARGS modifizieren, denn diese wird von BOOTSTRA.PRG ausgewertet.

Die Parameter

-s -k linux -r root.bin root=/dev/ram video=keep load_ramdisk=1

sollten aber ausschließlich erweitert und bis auf video= auf keinen Fall eigenmächtig verändert werden. Hinzu können eine Vielzahl von Optionen angegeben werden, die immer wieder zu Verwirrung führen und darüber hinaus zum Starten des fertig installierten Systems vom GEM-Desktop aus benötigt werden. Daher wird nun detailliert auf die einzelnen Wahlschalter und Parameter eingegangen:

Wahlschalter für BOOTSTRA.PRG.
-?

zeigt einen Hilfebildschirm an

-d
Debugging einschalten. Damit werden beim Start von Ataboot einige zusätzliche Informationen noch unter GEM ausgegeben. Darüber hinaus wartet das Programm auf einen zusätzlichen Tastendruck.

-k <Kernel-Name>
Lädt ein Kernel-Image mit dem entsprechenden Namen statt des voreingestellten vmlinux. Diese Option ist für Leute interessant, die mehrere verschiedene Kernel besitzen.

-r <Ramdisk-Name>
Damit kann man dem Kernel eine entsprechende RAM-Disk mit übergeben (normalerweise wird keine benutzt). Soll der Kernel von der RAM-Disk booten, muss zusätzlich root=/dev/ram übergeben werden.

-s („ins ST-RAM“)
Lädt den Kernel ins ST-RAM statt (wie voreingestellt) ins Fast-RAM. Auf dem Afterburner kann man dies bei Problemen ausprobieren, aber normalerweise nicht benutzen, da sonst Performance-Einbußen hingenommen werden müssen.

-t („ignoriere TT-RAM“)
Mit dieser Option kann man das gesamte Fast-RAM abstellen. Sie scheint aber nur zu Testzwecken sinnvoll zu sein, da Linux ja sehr speicherhungrig ist.

-S <Größe> („erzwinge ST-RAM-Grösse“)
Gibt die Größe des ST-RAMs in <Größe> an. <Größe> kann dezimal, mit einer vorangestellten 0 oktal oder mit vorangestelltem 0x hexadezimal angegeben werden. Ein angehängtes k oder m gibt die Zahl in KBytes oder MBytes an. Der Sinn dieses Parameters ist es, die Größe des verfügbaren ST-RAMs künstlich zu reduzieren, denn jeder Zugriff auf ST- statt TT-RAM verlangsamt das System. Voraussetzung ist natürlich, dass man möglichst viel TT-RAM besitzt (mindestens 16, besser 32 MB oder mehr RAM). Natürlich darf hierbei nicht vergessen werden, dass ein Mindestmaß an ST-RAM für den DMA-Puffer (Video, Diskettenzugriffe, Sound usw.) benötigt wird). Daher werden bei einem Wert unter 256 KB ST-RAM trotzdem 256 KB zur Verfügung gestellt. Gibt man mehr ST-RAM an, als man besitzt, stürzt der Kernel ab.

-T <Größe> („erzwinge TT-RAM-Grösse“)
Wie die Option -S beim ST-RAM, jedoch fürs TT-RAM.

-m <Adresse>:<Größe> („Speicherblock“)
Teilt der Kernel mit, dass sich zusätzlicher Speicher im System befindet, der weder ST- noch TT-RAM ist (könnte man für Falcon-Speichererweiterungen benutzen, die nicht direkt unterstützt werden - die BlowUp-FX-Card, die Magnum-Karte und der Afterburner werden unterstützt). Ist der hier angegeben Speicher allerdings nicht vorhanden, stürzt das System ab. <Adresse> gibt dabei die physikalische Startadresse des Speicherblocks an. Die Notation ist dabei (oktal, hexadezimal, dezimal) wie bei den beiden vorherigen Parametern. Gleiches gilt für <Größe>

Parameter für den Kernel

root=/dev/<device> oder: root=<hex_nummer>
Dieser Parameter teilt dem Kernel mit, welches Device er als Root-Filesystem „mounten" soll, d.h. auf welchem Gerät (z.B. Festplatte) sich das Root-Verzeichnis befindet. Das Gerät muss ein Block-Device mit einem gültigen Filesystem sein. Es gibt eine ganze Reihe von Devices [1], hier nur einige wichtige als Beispiel:

Hinweis zum ACSI-Device: Dieses wird nur gefunden, falls der Kernel auch mit ACSI-Unterstützung kompiliert wurde. Dies ist nicht immer der Fall, daher empfiehlt sich für die Erstinstallation ein IDE- oder SCSI-Device.

ro oder: rw
Diese beiden Optionen teilen dem Kernel mit, ob er das Root-Filesystem Nur-Lesend oder Lesend-Schreibend öffnen soll. Default ist Nur-Lesend, mit Ausnahme der RAM-Disks, die Lesend-Schreibend geöffnet werden.

debug
Dies erhöht den Kernel-Log-Level auf 10 (Voreinstellung: 7), es werden also noch mehr Debug-Informationen beim Start von Linux ausgegeben. Dies ist nicht zu Verwechseln mit dem Wahlschalter -d für das BOOTSTRA.PRG, denn dieses gibt dann noch Debug-Information unter dem Atari-Betriebssystem aus.

debug=<device>
Diese Option veranlasst den Kernel Meldungen auf einem ausgewählten Debug-Gerät (device) auszugeben. Das kann dazu genutzt werden, die Fehlerausgaben auch auf einem anderen Gerät zu empfangen. Welche Geräte verfügbar sind, hängt vom verwendeten Computer ab. Auf dem Atari sind dies:

ramdisk=<Größe>
Diese Option weist den Kernel an, eine RAM-Disk in der angegeben Größe in KBytes einzurichten. Die einzige Anwendung ist für Root-Filesysteme, die sich auf Disketten befinden, die in den Speicher geladen werden sollen. Dazu müssen Sie einfach die entsprechende Größe als RAM-Disk einrichten und das Root-De-vice auf das Disklaufwerk setzen.

hd=<Zylinder>,<Köpfe>,<Sektoren>
Diese Option setzt die Geometrie einer IDE-Festplatte. Man kann diese Option zweimal angeben: Einmal für die erste und ein weiteres Mal für die zweite Festplatte. Da der Kernel diese Daten aber selber herausfindet, ist diese Option nur dann nötig, falls die Festplatte nicht erkannt wird. Auf dem Atari scheint sie daher unnötig zu sein.

max_scsi_luns=<n>
Setzt die Anzahl logischer Einheiten (LUN: von 1 bis 8) der SCSI-Geräte, die am SCSI-Bus gescannt werden sollen.

st=<Puffer_Größe>,[<Schreib_Blöcke>,[<Max_Puffer>]]
Setzt verschieden Parameter des SCSI-Band-Treibers. Diese Option ist für diejenigen interessant, die einen SCSI-Streamer besitzen: <Puffer-Größe> ist die Anzahl 512-Byte-Puffer, die für Band-Operationen für jedes Gerät reserviert werden sollen. <Schreib_Blöcke> setzt die Anzahl der Blöcke, die gefüllt sein müssen um eine tatsächliche Schreiboperation auf dem Band durchzuführen. Der Maximalwert ist dabei die gesamte Anzahl der Puffer. <Max_Puffer> begrenzt die Gesamtmenge verfügbarer Puffer für alle Bandgeräte.

dmasound=[<Puffer>,<Puffer_Größe>[,<Catch_Radius>]]
Es ist empfehlenswert die Vorgabewerte zunächst unverändert zu lassen. Nur, wer bei der Soundausgabe Probleme erhält, sollte an diesen Parametern etwas ändern. Dabei ist anzumerken, dass generell die Unterstützung von Sound den Kernel verlangsamt und daher bei einem Kernel ohne Soundunterstützung dieser Parameter vernachlässigt werden kann. Ansonsten kontrolliert diese Option die Konfiguration des m68k-DMA-Soundtreibers: <Puffer> ist die Anzahl von Puffern, die man benutzen möchte (mindestens 4, Vorgabe: 4), <Puffer_Größe> gibt die Größe jedes Puffers in Kilobyte an (Mindestens 4, Vorgabe: 32) und <Catch_ Radius> gibt an, wieviel Prozent eines Fehlers beim Setzen der Frequenz toleriert wird (Maximal: 10, Vorgabe: 0). Beim Falcon würde dies z.B. bedeuten, dass ein AU-File mit 8000-Hz-Frequenz mit der Rechner-Hardware-Frequenz von 8195 Hz abgespielt würde und die Sounddatei daher nicht konvertiert werden muss, um abgespielt zu werden. Eine Verfremdung des Sounds muss dabei allerdings prinzipbedingt in Kauf genommen werden.

video=<Unteroptionen,…>
<Unteroptionen> werden mit Kommas getrennt angegeben und nachfolgend erläutert:

Video Mode Diese Unteroption kann einem der in atari/atafb.c im Linux/68k-Source-Tree vordefinierten Modus entsprechen. Diese entspricht

Sollte external: (s.u.) aktiviert sein, darf diese Option nicht angegeben werden.

inverse
Invertiert die Anzeige sowohl auf der Textkonsole als auch unter X11.

font:<Fontname>
Gibt den Schriftsatz an, der im Textmodus benutzt wird (entweder VGA8x8 oder VGA8xl6). VGA8x8 ist der Vorgabewert, falls das Display einer Vertikalauflösung weniger als 400 Pixel beträgt, sonst VGA8xl 6.

hwscroll_<n>
Diese Option beschleunigt das Scrolling bei Maschinen, die feines Hardwarescrolling erlauben (STE, MSTE, TT und Falcon). Bei STs oder Rechnern mit Grafikkarten funktioniert dieser Schalter nicht. Der Vorgabewert entspricht der Anzahl der sichtbaren Textzeilen. Wird <n> auf 0 gesetzt, wird das Hardware-Scrolling deaktiviert.

internal:<xres>;<yres>[;<xres_max>;<yres_max>;<offset>]
Diese Option gibt die Möglichkeiten von bestimmter interner Videohardware - wie beispielsweise Overscan - an. <xres> und <yres> entsprechen dabei den physikalischen Dimensionen des Bildschirms.

eclock:
Hier kann der externe Pixeltakt am Falcon-VIDEL-Shifter angegeben werden. Diese Option funktioniert bisher ausschließlich mit dem ScreenWonder.

monitorcap:<vmin>;<vmax>;<hmin>; <hmax>
Beschreibt die Hardware-Fähigkeiten eines Multiscan-Monitors. Achtung: Nicht bei einem Festfrequenzmonitor verwenden! Allerdings wird dieser Eintrag sowieso nur beim Falcon ausgewertet. <vmin> und <vmax> beschreiben dabei Minimum und Maximum der Vertikalfrequenzen in Hertz, die der Monitor verträgt. <hmin> und <hmax> gelten entsprechend in kHz für die Horizontalfrequenz. Die Voreinstellung beträgt: 58;62;3I;32 (VGA kompatibel).

keep:
Wieder eine „Falcon-only“-Option, die dafür sorgt, dass die beim Booten vorgefundenen Video-Einstellungen vom Framebuffer-Device beibehalten werden. Dies ist für die Fälle nötig, in denen die externe Videohardware des Falcon nicht von Linux erkannt wird. Allerdings lässt sich dann die Videohardware unter Linux auch nicht mehr verstellen. Ein Beispiel für den Einsatz der „keep"-Option ist der ScreenBlaster.

Basis- und I/O-Adressen verschiedener Grafikhardware

Grafikhardware Basisadresse I/O-Adresse
Gengtec ET4000 0xc00000 0xd00000
Imagine 0xc00000
Mega4000 0xfec00000 0xfeff0000
MedusaET4000 0x7f000000 0x7f300000
Nova Falcon 0xc00000 0xb00000
Nova VMEplus 0xfec00000 0xfedc0000
Supernova 0xfea00000 0xfe900000

atamouse = <x-threshold>,[<y-threshold>]
Diese Option legt das Verhalten der Maus fest. Höhere Werte bedeuten, dass die Mausbewegung seltener zum Kernel gemeldet wird und verursachen ein mehr oder minder stark ausgeprägtes „Ruckeln" beim Bewegen der Maus, jedoch werden damit Überläufe des Tastaturprozessors verhindert („Dauerklicken der Tastatur"). Wer damit also Probleme hat, sollte mit diesem Eintrag einfach experimentieren. Die Voreinstellung lautet 2.

ataflop=<Laufwerkstyp>[,<trackpuffern>[,<steprateA>[,<steprateB>]]]
Der Laufwerkstyp ist entweder 0, 1 oder 2 - je nachdem, ob es sich um ein DD-, HD- oder sogar ein ED-Laufwerk handelt. Durch die hier getätigten Einstellungen wird festgelegt, wieviel Puffer reserviert wird und welche Formate geprüft werden. Due Voreinstellung ist 7 (HD). Es kann nur ein Typ angegeben werden. Sind mehrere verschiedene Laufwerkstypen im Rechner eingebaut, muss hier der höchste Typ angegeben werden. Der zweite Parameter ist nur für Besitzer einer Medusa interessant. Hier wird festgelegt, ob die Tracks gepuffert werden (Medusa 0 = nein, alle anderen 7 = ja). Mit den beiden letzten Parametern wird die Steprate für Laufwerk A und B festgelegt.

atascsi=<can_queue>[,<cmd_per_lun>[,<scat-gat>[,<host-id>[,<tagged>]]]]
Hiermit werden einige Paramater des Atari-SCSI-Treibers gesetzt. Abgesehen vom ersten Parameter sind alle Einträge optional und werden mit der Voreinstellung ausgewertet, sofern sie mit einem negativen Wert belegt sind.

<can_queue>:
Maximale Anzahl der SCSI-Kommandos, die in die Warteschlange eingereiht werden (7 = aus): Voreinstellung: 76 (TT) bzw. 8 (F030)

<cmd_per_lun>:
Maximale Anzahl der SCSI-Kommandos, die zum Treiber pro logischer Einheit (LUN) abgesetzt werden können. Voreinstellung: 8 (TT) bzw. 7 (F030 - höhere Nummern verursachen Fehler auf dem Falcon)

<scat-gat>:
Auf dem Falcon sollte 0 eingetragen werden, falls der Eintrag benutzt wird, da „scatter-gather" mit ST-DMA nicht funktioniert. Auf dem TT macht diese Option aber sehr viel Sinn, da hiermit die Anzahl der Anfragen an ein SCSI-Gerät pro SCSI-Kommando festgelegt wird (Voreinstellung: 255 (TT)) und das Ausschalten dieser Möglichkeit auf dem TT erhebliche Performanceeinbußen mit sich bringt.

<host-id>:
Die SCSI-ID des Rechners (normalerweise 7, dies ist auch die Voreinstellung)

<tagged>:
Sollte abgeschaltet werden, da nicht alle SCSI-Geräte diesen Modus unterstützen

sw_acia, sw_snd6, sw_snd7
Hiermit wird festgelegt, wie externe Videohardware - wie z.B. eine OverScan-Erweiterung - angeschaltet wird:

Voraussetzung dafür, dass diese Option ausgewertet wird, ist natürlich das Verwenden der „internal:“ Video-Option.

external:<xres>;<yres>;<Tiefe>;<org>;<scrmem>[;<scrlen>[;<vgabase>[;<colw>[;<coltype>]]]]
Dies ist wahrscheinlich der komplizierteste Parameter. Er gibt an, dass im Atari externe Hardware (eine Grafikkarte) eingebaut ist und wie sie unter Linux/m68k benutzt werden soll. Der Kernel ist nämlich nicht in der Lage, mehr über die Hardware zu wissen, als hier angegeben wird! Der Kernel kann darüber hinaus weder einen Videomodus setzen noch ändern, da er intern nichts über irgendeine Grafikkarte weiß. Dies bedeutet leider auch, dass Besitzer von Grafikkarten die Grafikauflösung vor dem Booten von Linux festlegen müssen und bis zum erneuten Booten keine Änderung der gewählten Auflösung vornehmen können.

Die ersten 3 Parameter der Unteroption sollten offensichtlich sein: <xres>, <yres> und <Tiefe> geben die Dimension der Auflösung und die Anzahl der Planes (Tiefe) an. Tiefe ist der Logarithmus zur Basis 2 der möglichen Farben (anders ausgedrückt: Die Anzahl der Farben ist 2^Tiefe - bei 256 Farben also 8).

Darüber hinaus muss dem Kernel mitgeteilt werden, wie der Videospeicher organisiert ist. Dafür dient ein Buchstabe: <org>:

Bei den monochromen Modus (d.h. <Tiefe> ist auf 1 gesetzt) hat der <org>-Buchstabe eine andere Bedeutung:

Die nächste wichtige Information bezüglich der Videohardware ist die Basisadresse des Videospeichers. Diese wird im <scrmem>-Parameter als hexadezimale Ziffer mit einem Ox-Präfix angegeben. Dieser Parameter ist von Grafikkarte zu Grafikkarte unterschiedlich und muss -sofern er nicht im Handbuch angegeben ist - vom Hersteller erfragt werden. Da diese Informationen leider nicht mehr immer so einfach zu erhalten sind, finden Sie in Infobox 2 eine Übersicht bekannter Adressen [2].

Der nächste Parameter, <scrlen>, sagt dem Kernel, wieviel Videospeicher zur Verfügung steht. Falls der Wert fehlt, wird die Größe aus der X- und Y-Auflösung, sowie der Farbtiefe errechnet. Momentan ist es nicht sinnvoll, hier einen Wert anzugeben, man lässt also diesen Wert aus, indem man zwei Semikolons hintereinander schreibt.

<vgabase> ist optional anzugeben. Falls der Anwender diesen Parameter nicht setzt, kann der Kernel die Farbre-gister der Videohardware nicht eigenständig lesen oder schreiben, daher müssen geeignete Farben gesetzt werden, bevor Linux gestartet wird. Da diese Prozedur doch etwas umständlich anmutet, ist anzuraten, diesen Parameter mit sinnvollen Werten zu versehen.

<colw> ist nur dann sinnvoll, falls <vgabase> angegeben ist. Diese Option teilt dem Kernel mit, wie weit ein Farbregister ist, d.h. wieviele Bits pro Farbe (Rot/Grün/Blau) benutzt werden. Die Voreinstellung ist 6, ein anderer üblicher Wert ist 8.

<coltype> wird zusammen mit <vgabase> benutzt. Es teilt dem Kernel mit, welches Farbregistermodell die Grafikkarte benutzt. Momentan werden „vga" (Voreinstellung) und „mv300" (SANG MV300) unterstützt.

Wer also beispielsweise bei einem Falcon mit einer 2-MB-NOVA-Karte bereits beim Start bzw. der Installation ein Bild auf der Grafikkarte und nicht auf der eingebauten Atari-Auflösung sehen möchte, sollte also z.B. folgende Parameter in die Datei BOOTARGS aufnehmen:

-d -s -k linux -r root.bin root=/dev/ram video=external: 7024;768;8;p;0xc00000;;0x  b00000;8;vga load_ramdisk=1

Sorgenkind Afterburner

Der Afterburner als schnellste Prozessorerweiterung für die originale Falcon-Hardware würde sich eigentlich besonders für den Einsatz von Linux eignen. Leider ist beim Design der Prozessorkarte aber nicht sauber gearbeitet wollen, so dass die Standardkernel leider dort nicht funktionieren. Ärgerlicherweise ist so aber der Eindruck entstanden, Linux könne auf einem Afterburner überhaupt nicht zur Arbeit zu bewegen sein. Das beim Autor seit geraumer Zeit laufende System beweist jedoch, dass diese Aussage falsch ist, wenn man einige Punkte berücksichtigt:

Wer diese Regeln beherzigt, wird auch auf dem Afterburner mit einem stabilen und verhältnismäßig schnellen Linuxsystem belohnt.

Aussichten

Ab hier kann der geneigte Atarianer bereits beginnen, das Gesamtsystem Linux zu installieren. In der nächsten Folge dieser Reihe wird darauf aber noch gesondert eingegangen - insbesondere das Einrichten der grafischen Oberfläche XI1 und die Paketauswahl der zu installierenden Programme ist leider doch mit ein paar kleinen Fallstricken verbunden.

Literatur:

[1] Linux Anwender Handbuch - ISBN 3-929764-04-0
[2] Linux/68k Atari Inside Ausgabe 6 - Okt./Nov. (1995) S. 18ff


Frank Szymanski
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