Leserbriefe

Pro Mac I

ln der ST-Computer 3/95 druckten Sie einen Brief von Burkhardt A. ab, der mit dem neuen Konzept der ST-Computer, von nun an verstärkt über MagiCMac und Apple-Hardware zu berichten, den Untergang der ATARI-Gemeinde befürchtet. Am Ende seines Briefes bat er alle engagierten ATARIanerum ihre Meinung. Hier kommt sie:

Seitdem ATARI sich offiziell vom Computermarkt zurückgezogen hat und sich nur noch auf den Verkauf vom Jaguar konzentriert, ist die Hardware-Plattform ATARI gestorben. In den letzten beiden Jahren konnte wohl keine Firma vom Verkauf der Hardware leben - es gab ja kaum noch etwas zu verkaufen. Die ATARI-Gemeinde schrumpfte zusehends, so haben von 2000 angeschriebenen Script-Usern nur noch 500 ein Update bestellt, neue Käuferschichten wird man nicht mehr hinzugewinnen können. In diesem Zusammenhang von verbleibenden Millionen ATARI-Usern zu schreiben, ist doch mehr als realitätsfern.

Die Firma ATARI hat doch schon seit längerem nur noch für Verärgerung gesorgt. Wie lange dauerte es, bis das ST-Book herauskam und wer wollte solch eine Fehlkonstruktion schließlich kaufen? Der Falcon ist mit seiner integrierten Tastatur meiner Ansicht nach auch ein Schuß in den Ofen gewesen. Die ATARI-Gemeinde war in den letzten Jahren vom technischen Fortschritt auf dem Computermarkt ausgeschlossen. Insofern kann ich dieser kalifornischen Firma mit ihren nicht nachzuvollziehbaren Launen keine Träne nachweinen.

Viel wichtiger finde ich, daß die deutschen Software-Firmen überleben können, denn die haben zu sehr günstigen Preisen und trotz schlechter Überlebensbedingungen ein Angebot aufrecht erhalten, was kaum eine Konkurrenz zu fürchten braucht. Ein ATARI-User kann noch jahrelang mit seinem Mega-STE arbeiten und so die reine Lehre verkörpern, ein ATARI-Laden oderein Software-Produzent muß verkaufen. Und wenn es nichts zu verkaufen gibt (Hardware) bzw. wenn die Zahl der Abnehmer ständig schrumpft, muß man Konkurs anmelden. Übrig bleiben dann einige Hobby PD-Fundamentalisten.

MagiCMac ist meiner Meinung nach eine elegante Möglichkeit, Anwender beim Wechsel derHardware-Plattform weich fallen zu lassen. Sie brauchen erst einmal das Betriebssystem nicht zu wechseln und können mit der gewohnten Software weiterarbeiten. Für die Software-Produzenten, die zum Teil schon seit längerem ums nackte Überleben kämpfen müssen, bedeutet MagiCMac eine Galgenfrist, möglicherweise wird es viele Anwender von einem Wechsel der Software abhalten und bereits zum Mac abgewanderte Kunden zurückgewinnen können. Das wird aber nicht reichen. Am Ende dieser Entwicklung steht meiner Ansicht nach der Wechsel des Betriebssystems. Was nutzt preiswerte Software, wenn der normale Apple-Kunde noch 300,- DM für MagiCMac drauflegen muß. Also wird parallel zu TOS, Signum! oder Script etc. auch für System 7.5 entwickelt werden müssen, denn -unter Berücksichtigung der normalen Abwanderung -kann ohne Erschließung neuer Käuferschichten auch die beste Software nicht überleben.

Und genau darum muß es gehen! Der ATARI-User konnte weniger wegen der Hardware, als wegen der Software zufrieden sein. Wir sind in der privilegierten Lage, mit engagierten Entwicklern über Verbesserungsvorschläge persönlich reden zu können. MagiCMac sollte für die Anwender ein Signal sein, wieder vermehrt Programme und Updates zu kaufen, damit sie auch noch in einigen Jahren mit ihren bewährten und immer noch weiterentwickelten Programmen arbeiten können I

Egbert K„ 10965 Berlin

Contra Mac I

Einige Verärgerung hat (nicht nur) bei mir der veränderte Titel Ihrer Zeitschrift ausgelöst. Es gibt auf dem deutschen Markt genügend Apple-Zeitschriften, aber von den einstmal vier Blättern, die sich mit ATARI beschäftigten, sind noch etwa eineinhalb übrig. In dieser für ‘reine’ ATARIaner schweren Lage versetzen Sie mit Ihrem Schwenk in Richtung Apple den Übriggebliebenen einen schweren Schlag! Es soll also nach Ihren Vorstellungen, die eindeutig nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgerichtet sind, keine professionelle ATARI-Zeitschrift mehr geben? Selbstverständlich müssen Sie besorgt sein, wenn Ihnen die Leser abwandern und der Strom der gewerblichen Anzeigen zurückgeht. Falls Sie allerdings den ATARI-Fans weiter so vor den Kopf stoßen, könnte sich Ihre Taktik als verhängnisvoll herausstellen: Neue Mac-Leser gewinnen Sie dann womöglich weniger hinzu, daß als Sie verärgerte Stammleser verlieren!

Der Artikel über die Apple-Notebooks war ebenfalls sehr eindeutig gefärbt. Sie schreiben darin, daß das ST-Book keine Freude ausgelöst habe, da es mit zu schlechtem Display und unbrauchbarem Mauspad ausgerüstet sei und mit 1MB-RAM kaum Software auskomme. Dazu muß ich aber anmerken, daß am ST-Book serielle PC-Mäuse anschließbar sind und mit PD-Treiber-Software sehr gutes ‘Arbeits-Feeling’ liefern. Die zu kleingeratenen Mac-Trackballs kommen da jedenfalls nicht mit. Auch das gelobte 4-Graustufen-Display hat so seine Macken -jedenfalls werfen helle oder dunkle Flächen oder Linien Schatten über andere Bildteile Die fehlende Hintergrundbeleuchtung beim ST-Book bewirkt außerdem, daß die Einsatzdauer erheblich (fast4mal) länger ist als beim preisgünstigsten Mac-Book. Ihnen dürfte außerdem nicht entgangen sein, daß es neben RAM-Erweiterungen auf 4MB auch CPU-Speeder für das ST-Book gibt. Mich würde auch sehr interessieren, welcher Privat-User heute noch etwa 8000,- DM für einen portablen Rechner ausgeben will. Das sind wohl eher Apple-Yuppi-Preise und für ebensolche Benutzer gedacht. In ATARI-Kreisen wird die Begeisterung für ein so teures Gerät eher mager ausfallen!

Ein Blick über den Tellerrand der ATARI-Szene ist sicher interessant und ab und zu angebracht, aber zu Spectre-GCR- oder PC-Speed-Zeiten haben Sie die Fahne auch nicht gleich nach dem Wind gehängt und die ST-Computer umgetauft.

Lars B., Münstertal

Contra Mac II

Mit Entsetzen mußte ich feststellen, daß die berühmte ST-Computer langsam die „ATARI-Segel“ einrollt, und sich auf die „Mac-Reise“ vorbereitet. Es wurde genug Kritik an der Marktstrategie der Firma ATARI ausgeübt. Leider kann ich Eure Strategie beim besten Willen nicht ve stehen. Habt ihr vielleicht die Absicht, die verbleibenden ATARI-Leser an Eure Konkurrenz zu verjagen? Oder wie soll man die Überschrift „Die Fachzeitschrift für ATARI-Computer & Apple Macintosh" verstehen? Ich habe nämlich keine Lust, einen Zwitter zu lesen. Wo sich alle anderen Computer-Zeitschriften auf ein System konzentrieren, versucht ihr ein Magazin zu kreieren, welches sowohl ATARI als auch Mac-Anwender zufrieden stellen soll. Es ist möglich, daß Ihr dadurch ein paar Mac-Anwender gewinnt, die sich mit dem Titel anlocken lassen, aber mit großer Wahrscheinlichkeit verliert Ihr eine große Anzahl ATARI-Anwender.

Ich bezweifle nicht die Tatsache, daß „Apple“ ein leistungsfähiges System ist. Allerdings ist und bleibt es eine eigenständige Rechnerplattform, auf der der ATARI nuremuliertwird. Und wie es mit Emulatoren aussieht, wissen wir ATARI-Anwender genaustens. Es wundert mich auch, wie Ihr das Produkt der Firma ASH lobt. Meiner Meinung nach ist es weniger als ausreichend, wenn von 104 getesteten Programmen nur 23 einigermaßen funktionieren und die Hälfte von ASH stammt. Wäre es nicht besser, sich einen Pentium-Rechner zuzulegen und auf die Fülle der DOS-Programme zuzugreifen und die Janus-Emulation zu nutzen? Wenigstens laufen dort 34 der getesteten Programme. Da es nur eine Alternative aber keine Lösung ist, sollte es sich jeder überlegen, ob er diesen Sprung wagt. Ich hoffe ihr überlegt Euch Eure Entscheidung noch mal.

Mirko L, 76698 Stettfeld

Pro Mac II

Antwort auf den Leserbrief von Herrn Burkhardt A. aus Tuttlingen: Was sollnurdie-ses lächerliche Gejammere, ob nun in einer ATARI-Zeitschrift über Apple-Computer berichtet werden soll oder nicht? Im Zweifelsfalle läßt sich diese Tatsache doch auch so sehen, daß man seinen Computer-Horizont auch mal etwas erweitern kann und sich mit anderen Systemen beschäftigt. Welcher eingerostete und verbohrte DOSen-User kann das wohl von sich behaupten, daß er sich für etwas anderes als seinen „Kompatiblen“ interessiert. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Da wir ATARIaner uns in dieser Richtung ganz bewußt und ganz erheblich von der breiten Masse absetzen wollen - sonst hätten wir sicherlich keinen ATARI und ich ganz bestimmt nicht meinen zweiten Rechner sollten Sie sich als etwas flexibler erweisen. Oder wollen Sie sich, ebenso wie die D0Sen-User, Scheuklappen überziehen, um nun überhaupt nichts mehr vom Drumherum mitzubekommen? Jedes Ding hat zwei Seiten - so auch dieses Thema.

Außerdem haben sich eine ganze Reihe von Firmen bereits auf den Weg gemacht und bieten umgesetzte ATARI-Software auch für andere Rechnerplattformen an - so eben auch für Apple-Computer. Woran mag das nur liegen? Darüber versucht aber niemand zu diskutieren. Hiermit findet man sich offensichtlich ab. Oder würden Sie deswegen - beispielsweise - Application Systems Heidelberg boykottieren, nur weil diese Firma solche Programme mittlerweile anbietet und damit auch noch Werbung in ATARI-Zeitschriften macht?

Dieter A., 53639 Königswinter

Red.: Noch nie war die Reaktion seitens unserer Leser auf eine Ausgabe der ST-Computer so groß, wie im letzten Monat. Dies ist verständlich und wir haben das auch erwartet. Nachdem wir die Leserpost durchgesehen und sortiert hatten, zeigte sich allerdings, daß die Posthaufen mit „Pro-Mac-Stimmen“ in etwa gleichhoch waren, wie die mit „Contra-Rufen“. Wir haben reagiert, wie Sie, liebe Leser, an dieser Ausgabe erkennen können. Ab diesem Monat gibt es einen separaten Macintosh-Teil in der ST-Computer, der zusätzlich (also nicht abzüglich!) zum bekannten ATARI-Inhalt integriert ist. All diejenigen, für die diese Seiten nicht von Interesse sind, können sie getrost überblättern, sie verlieren dabei nichts! Wir glauben aber, daß immer mehr Mac-Anwender, Umsteiger und Programmierer/Entwickler hinzukommen werden. Diese bekommen in unserer Rubrik „MacOPEN“ zukünftig Hilfestellung, Information und Unterstützung Um es noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen: „MacOPEN" ist ein zusätzlicher Teil zur ST-Computer - quasi ein Heft im Heft - und nimmt dem ATARI-Teil keinen Platz weg. Wir glauben, daß dies der Kompromiß ist, der allen gerecht wird.



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