Eagle - Der ATARI-Clone läuft vom Stapel

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Vor etwas mehr als einem Jahr berichteten wir erstmals über den ATARI-Clone „Eagle“ aus dem Hause GE-Soft. Inzwischen ist die Serienproduktion angelaufen, und wir konnten einen ersten Blick auf ein lauffähiges Gerät werfen.

Ein Besuch bei der Firma GE-Soft in Troisdorf brachte endgültig Klarheit: der Eagle ist fertiggestellt und läuft! Zwar konnten wir nur an einem gehäuselosen und „fliegend“ mit seinen Peripheriegeräten verdrahteten Eagle arbeiten, aber er funktionierte stabil, und wir hatten etwas Zeit, um einige Standardprogranime aus dem ATARI-Markt anzustarren. Tatsächlich verhält sich der Eagle von der Sicht des Benutzers aus exakt wie ein TT. Im Augenblick werkelt noch ein mit 33 MHz getakteter 68030Prozessor nebst 68882-FPU seinen Dienst im Eagle. Subjektiv ist die Geschwindigkeit etwas höher als die des TTs. Erste Messungen bei Standard-Applikationen haben ungefähr den Faktor 1.7 bis 2 zum TT ergeben. Sobald allerdings die Prozessorkarte mit dem 68040 erhältlich sein wird, wird die Maschine den TT deutlich abhängen können.

Auf dem Foto erkennt man deutlich die eingesteckte Prozessorkarte, sie ist der wichtigste Teil des hardwareseitig offenen Konzepts des Eagle. Insgesamt 8 Slots eines speziellen Bussystems, das von GESoft „Eagle-Channel“ getauft wurde, stehen dem Anwender für Erweiterungskarten zur Verfügung. Durch Einbau weiterer Slot-Sockel kann die Anzahl der Steckplätze auf 12 erhöht werden. Zunächst existiert neben der Prozessorkarte eine Karte, die TT-RAM- Speicher bis zu einer Menge von 256 MB und ST-RAM bis zu 14 MB aufnehmen kann. Das ST-RAM ist dabei volle 32 Bit breit gehalten und bietet somit die gleiche Zugriffsgeschwindigkeit, wie das TT-RAM beim ATARI-TT. Dadurch wird ein merklicher Geschwindigkeitszuwachs all der Applikationen erreicht, die unbedingt im ST-RAM laufen müssen. Auf der RAM-Karte befinden sich übrigens Standard-SIMM-Sockel. Dies erleichtert TT- Umsteigern den Speicherausbau. Man ist dadurch nämlich in der Lage, den TT-RAM-Speicher in den Eagle zu übernehmen und spart sich so eine Speicherneuanschaffung.

Ein weiterer Vorteil des Eagle-Channel ist es, daß auch andere Prozessoren (68040, 68060, Intel 486 oder PPC 601) auf dem Eagle-Bus eingesetzt werden können. Dadurch bleibt das System auf lange Sicht hinaus zukunftssicher. Wenn es beispielsweise einmal eine Power-PC-taugliche TOS-Version geben sollte, ist der Eagle hardwaremäßig schon jetzt darauf vorbereitet.

Neben der RAM-Karte bietet GE-Soft auch eine Erweiterungskarte an, die den schon vom TT und Mega-STE her bekannten VME-Bus zu Verfügung stellt. Diese Karte ist bereits im Lieferumfang des Eagle enthalten. Besitzer von VMEKarten, meist sind dies Grafikerweiterungen, können also ihre Hardware direkt in den Eagle einstecken. Der Prototyp war mit einer Standard-ET-4000-Karte ausgerüstet. Als Treiber-Software verrichtete ein unmodifiziertes NVDI-ET-4000 problemlos seinen Dienst. Dies allein macht schon deutlich, wie kompatibel die Eagle- Hardware zum TT ist. GE-Soft wird allerdings eine spezielle, eigene Grafikkarte mit ausliefern, auf der die Standard- Auflösung (640 mal 480 Pixel in 16 Farben) sowie die hohe TT-Auflösung (1280 mal 960 Pixel in Schwarzweiß) bereitgestellt wird. Diese Auflösungen werden direkt vom originalen TT-TOS (3.06) unterstützt und benötigen keinen speziellen VDI-Treiber. Allerdings teilte uns der Entwickler des Eagle mit, daß die hohe TT-Auflösung zunächst RGB-Signale (und nicht wie beim TT ECL-Signale) benutzen wird. Aber auch hier wird es eine optionale Erweiterungsmöglichkeit geben, um reine ECLMonitore weiter benutzen zu können.

Verbindung zur Außenwelt

Auch, was weitere Schnittstellen angeht, hat man sich an das ATARI-Vorbild gehalten. Vier serielle und eine parallele Schnittstelle sind ebenso vorhanden, wie der LAN-Port, und natürlich die MIDI-Schnittstellen. Besonders wichtig für die DTP betreibende Zunft ist die ACSI- und SCSI-Schnittstelle. Beide sind TT-kompatibel implementiert. Vorhandene Peripheriegeräte, wie Massenspeicher, Scanner und Drucker können also mit der gleichen TT-Treibersoftware weiter benutzt werden. Übrigens: auch der ROM-Port fehlt natürlich nicht. Als Eingabegeräte waren an dem Prototyp eine TT-Tastatur nebst ATARI-Maus angeschlossen, ebensogut kann man aber auch ein MF2-kompatibles PC-Keyboard verwenden. Ein entsprechendes Interface ist bereits im Eagle eingebaut.

Zur Praxis

Wir konnten leider in der Kürze der Zeit keinen so ausführlichen Praxistest, wie bei der Medusa in Ausgabe 9/94 durchfuhren. Sobald wir allerdings einen Eagle dauerhaft in der Redaktion haben, werden wir das natürlich nachholen. Auch genauere Benchmarks werden wir dann noch nachliefern, besonders im Hinblick auf die angekündigte 68040-Prozessorkarte wird das sicherlich interessante Ergebnisse liefern. Im Augenblick sei nur soviel gesagt: Standard-Anwendungen, wie Calamus, DA’s Layout, diverse Textverarbeitungen und Tools liefen sehr flott und verhielten sich auf dem Eagle völlig problemlos. Man kann mit dem Eagle also, wie vom TT her gewohnt, seiner täglichen Arbeit nachgehen.
GE-Soft hat die ursprüngliche Absicht, den Eagle nur als Platine im Gehäuse ohne RAM-Speicher und Festplatte an ATARIHändler auszuliefern aufgegeben. Es wird also auch Geräte direkt von GE-Soft geben, die bereits in der Grundausstattung mit RAM ausgestattet sind. GE-Soft teilte uns einen Grundpreis von ca. 3.800,- DM für ein fertiges System (mit Gehäuse, Tastatur, Maus und 4 MB RAM) mit. Damit ist der Eagle deutlich billiger als sein Konkurrent, die Medusa, zumal dieser Preis das Upgrade auf die 68040er-Prozessorkarte bereits beinhaltet.

Fazit

Der Eagle bietet mit seinem offenen Konzept besonders in Bezug auf zukünftige Erweiterungen mehr, als je ein TOS- kompatibler Computer vor ihm. Auf der proTOS’94 wird man sicherlich die ersten Seriengeräte zu sehen bekommen. Schauen Sie sich den Eagle an und machen Sie sich ihr eigenes Bild - ein Besuch in Bonn/ Hennef lohnt sich also allemal.

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Bezugsquelle:
GE-Soft
Landgrafenstraße 37-39
53842 Troisdorf


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