Literaturverwaltung leicht gemacht - Der ATARI in der Forschung

Gerade im Bereich der wissenschaftlichen Textverarbeitung hat der ATARI lange eine führende Marktposition gehalten. Obwohl „Apfelrechner“ und „Dosen“ hier in Riesenschritten Boden gut gemacht haben, scheint es, als ob ATARI dank deutscher Software einmal wieder die Nase vorn hätte ...

Wissen allein hat im Forschungsbetrieb noch nie genügt - „wer schreibt, der bleibt“ [1]. Um dabei das Rad aber nicht ständig wieder neu zu erfinden, heißt es, sich zur Einarbeitung in ein neues Fachgebiet zunächst einmal über das einschlägige Schrifttum zu informieren. Den nächsten Arbeitsschritt bildet das Herausfiltern der wesentlichen bzw. für die eigene Fragestellung relevanten Arbeiten und deren Bestellung. Für den kreativen Geist ist diese Aufgabe nicht unbedingt dankbar, hat er doch meistens bereits einen konkreten Entwicklungsansatz und muß sich lediglich über das Treiben der anderen informieren. Genau das findet jedoch selbst in den Labors der deutschen Industrie offensichtlich nicht statt. Sogeben nach Angaben des Kölner „Instituts der Deutschen Wirtschaft“ deutsche Unternehmen jährlich über 20 Milliarden Mark für Doppelarbeit im Bereich Forschung und Entwicklung aus. Bei konsequenter und effizienter Nutzung der heute zur Verfügung stehenden Informationssysteme eigentlich vermeidbar war dies nicht mit vermeintlich hohem Aufwand verbunden. Ein hierfür besonders geeignetes Werkzeug dürfte in Zukunft der ATARI werden -Power without the Price!

Literaturrecherche heute

Tatsächlich hat die Sichtung vorhandener Literaturverzeichnisse im Schneeballsystem als klassisches Werkzeug zur Lileralurrecherche längst ausgedient. So bequem das Verfahren auf den ersten Blick auch scheint, angesichts hunderttausender weltweit pro Jahr erscheinender Artikel ist es nicht nur zu aufwendig, es bietet auch keine Gewähr für Vollständigkeit der hiermit ausgewerteten Literaturzusammenstellungen.

Schon seit Jahrzehnten werden daher spezielle bibliothekarische Katalogsysteme für die systematische Suche eingesetzt. Der „Index Medicus“ z.B. als bekanntestes und vollständigstes bibliografisches Nachschlagewerk für Mediziner wertet ca. 3.200 Zeitschriften aus. aus denen allein im Jahre 1987 ca. 300.000 Artikel aufgenommen wurden. Die bereits erschienenen Monatsbände werden am Jahresende nochmals ineinander geordnet (2). Allein ein solcher Jahresband erreicht den halben Umfang eines großen Brockhaus. Es lag daher auf der Hand, die Archivierung und den Zugang zu derartigen Datenmengen mit Hilfe der Informationstechnologie zu vereinfachen. Mittlerweile ist die Recherche in elektronischen Datenbanken, wie z.B. Medline (Index Medicus On-Line), Embase oder Scisearch, nicht nur „Stand der Technik“ -sie hat sich aufgrund ihrer Schnelligkeit sowie der höheren und präziseren Ausbeute an Suchergebnissen auf breiter Front durchgesetzt!

Der bisher dominierende Online-Zugang zu den Datenbanken verschiedener Hersteller erfolgte über spezialisierte Anbieter, sog. „Hosts“. In der Bundesrepublik ist diese Aufgabe seitens der Bundesregierung den Fachinformationszentren (FIZ) übertragen worden [2]. Das Fachinformationszentrum Medizin, Biologie und Sport ist das „Deutsche Institut für Medizinische Datenverarbeitung und Information“ (DIMDI) in Köln - aufgrund der großen Anzahl medizinischer Promotionen vielleicht die bekannteste Institution seiner Art. Formale Voraussetzung für die Nutzung des Angebotes (über 100 verschiedene elektronische Datenbanken) ist eine Benutzerkennung, mit Hilfe derer die anfallenden Gebühren zugeordnet werden. Für den Online-Zugang sind darüber hinaus ein Modemanschluß, die entsprechende Software sowie die Beherrschung der DIMDI-eigenen Abfragesprache erforderlich. Es ist jedoch gar nicht gefordert, die Abfragevorgänge eigenhändig durchzuführen. Nach amerikanischem Vorbild bieten viele Universitätsbibliotheken ihren Benutzern mittlerweile einen entsprechenden Service an, wobei die Definition der Suchkriterien Aufgabe des Benutzers bleibt. Das Ergebnis einer derartigen Abfrage liegt als ASCII-Datei vor und wird dem Benutzer als Ausdruck oder auf Diskette zur Verfügung gestellt.

In zunehmender Zahl werden Literaturdatenbanken auch von den jeweiligen Datenbankherstellern selbst im Abonnement auf CD-ROMs angeboten. Mittels spezieller Lesesysteme („Silverplatter“) wird dann meist am PC die Recherche eigenhändig durchgeführt. Das Ergebnis liegt anschließend ebenfalls als Ausdruck oder ASCII-Datei vor, wobei deren Format sich (natürlich) vom erstgenannten unterscheidet. Unter wirtschaftlichem Aspekt eine interessante Alternative, zumal der einmal gekaufte Datenträger ohne zusätzliche Betriebskosten beliebig oft und lange ausgelesen werden kann. Die Erfahrung zeigt jedoch, daß die Auswertung zahlreicher Jahrgänge in mehreren Datenbanken mit erheblichem zeitlichen Aufwand verbunden ist - Stichwort „Diskjockey“. Hinzu kommt, daß institutseigene DOS-Rechner „für alle“, an welchem Lesegeräte in der Regel installiert sind, dazu neigen, just in dem Moment besetzt oder abgestürzt zu sein, in dem man sie brauchte. Wer mag es in dieser Situation dem Kollegen verübeln, daß er (oder sie) die kleinen Silberlinge kurzerhand zu sich in Verwahrung genommen und zum Schutz vor skrupellosem Diebstahl sicher eingeschlossen hat...

Auswertung der Ergebnisse

Auf welchem Weg auch immer die Recherchedaten entstanden sind, mit ihnen setzt erst die gern gemiedene Kleinarbeit der Strukturierung ein: Anhand des Titels, vor allem jedoch mit Hilfe meistens vorhandener Kurzzusammenfassungen („Abstracts“) ist zu beurteilen, welche der gefundenen Bücher oder Zeitschriftenartikel im vollständigen Original benötigt werden. Für diese ist dann anhand eines Kataloges festzustellen, ob und an welchem Ort sie vorhanden sind. Für den eigentlichen Leihvorgang bleibt anschließend in der Regel ein Leihschein auszufüllen, wobei je nach Standort der Publikation ein lokaler Leihschein oder der bundeseinheitliche rosa „Fernleihschein“ zur Anwendung kommen. Hierauf werden in unterschiedlicher Plazierung Autor, Titel und Auflage sowie Band oder Jahrgang, Seitenzahl und Erscheinungsjahr eingetragen. Für den lokalen Leihverkehr ist zudem noch die Lokalisation als „Signatur“ anzugeben - jeder Büchereibenutzer kennt diesen Vorgang. Bedenkt man, daß beinahe die gleichen hier eingetragenen Informationen später noch einmal für das Literaturverzeichnis der Publikation benötigt werden und daß zumindest die bibliografischen Informationen schon im o.g. ASCII File enthalten sind, liegt eine Weiterverwendung dieser Informationen nahe.

Versuche mit Adimens

Eine erste derartige Anpassung stellten Hamburger Krankenhausärzte an gleicher Stelle bereits vor [3]. Diese Lösung basierte auf dem mittlerweile nicht mehr unterstützten relationalen Datenbankprogramms Adimens ST. Trotz der weiten Verbreitung von Adimens und der Unterstützung fast aller erforderlichen Arbeitsschritte setzte sich diese Lösung jedoch nicht durch. Die Ursache hierfür dürfte darin liegen, daß Adimens aufgrund seiner Programmstruktur für den angesprochenen Verwendungszweck nur bedingt geeignet ist: Der Anwender muß bereits beim Entwurf der Datenbank im INIT-Modul die voraussichtlichen Speicherbedarfsmaxima festlegen. Diese werden dann auch tatsächlich verbraucht, unbeschadet der Frage, ob die reservierten Speicherplätze wirklich in jedem Datensatz mit Informationen gefüllt sind. Gerade im Hinblick auf die Verwaltung von Abstracts, deren Länge stark variiert, resultieren hieraus immense Speicheranforderungen. Aus diesem Grunde wurde in der Adimens-Anpassung auf die Verwaltung der Abstracts verzichtet. So einleuchtend die Einschränkung auch sein mag - den praktischen Nutzen des Gesamtsystems stellt sie in Frage. Hinzu kommt die allgemein geringe Arbeitsgeschwindigkeit von Adimens, welche von der Verwaltung aller Daten vom Massenspeicher herrührt. Obendrein verlangt die Benutzerführung einige Einarbeitung, welche weder von der Dokumentation der als PD vertriebenen Anwendungslösung noch vom Adimens-Handbuch ausreichend unterstützt wird.

Riesenvogel Phoenix

Eine deutlich verbesserter Funktionalität bietet „Phoenix“, das übrigens von denselben Programmierern wie Adimens geschrieben wurde. Die angesprochene Speicherverwaltung wurde hier geändert und die Arbeitsgeschwindigkeit durch Laden der Datenbank in den Hauptspeicher erhöht. Dadurch wird die Verwaltung der Abstracts unter realistischen Anforderungen an den Massenspeicher ermöglicht - ausreichend RAM vorausgesetzt. Im Hinblick auf die beschriebene Aufgabenstellung bleiben jedoch aus der Programmstruktur resultierende Probleme erhalten. So wird vom Anwender verlangt, zu Beginn der Arbeit im Designer-Modul die Größen aller Datenfelder sowie die Struktur der durchzuführenden Arbeitsvorgänge genau festzulegen. Im Falle einer typischen Bestandsverwaltung mit Kunden-, Lager- und Rechnungsdatei mag dies funktionieren. Die Entwicklung eines Wissenschaftsgebietes ist jedoch naturgemäß nicht vorhersehbar. Häufige Umdefinitionen sind daher nur nach gründl icher Einarbeitung in das Programm ohne Schweißausbrüche möglich. Ähnliches gilt für die Beherrschung der Phoenixeigenen Batch-Kommandos.

Ein Krankenhausarzt aus Calw hat eine Literaturdatenbank auf der Basis von Phoenix entwickelt und vor kurzem an anderer Stelle vorgestellt [4]. Die Applikation ermöglicht immerhin die Verwaltung vorhandener Abstracts innerhalb der Bildschirmmaske. Diese Funktion bleibt jedoch ein zweischneidiges Schwert: Zwar liegen nicht zu allen Literaturangaben überhaupt Abstracts vor (und sei es, weil der Anwender selbst noch unvollständige Datensätze eingefügt hat). Wenn aber welche vorhanden sind, erreichen sie z.T. erhebliche Längen. Bei normaler Zeichengröße sind dadurch auch auf einer Großbildschirmseite kaum alle Datenfelder eines vollständigen DIMDI-Datensatzes unterzubringen. Es gilt daher, Datenfelder scrollbar zu gestalten. Zu deren Bedienung wünschenswerte vertikale Slider stellt der „Designer“ von Phoenix leider nicht zur Verfügung. Erfahrene Phoenix-Anwender helfen sich, indem sie den Cursor in das über den Rand gefüllte Feld setzen und mit dem Abwärtspfeil herunterscrollen.

Die Voraussetzung für die Verwendung der Phoenix-Applikation ist zunächst der Erwerb von Phoenix selbst. Für die aktuelle Version 2.1 muß der geneigte Interessent DM 448,- investieren. Studenten kommt der Feuervogel in gleicher Ausstattung allerdings für DM 298 - ins Haus geflogen. ATARIaner, die hier und da auch auf einer „DOSe“ arbeiten, werden allerdings enttäuscht sein, daß eine direkte Übernahme der Phoenix/ATARI-Datenbanken auf die Windows-Version nach Auskunft des Herstellers derzeit nicht möglich ist.

Ohne Datenkonvertierung

Vom Konzept her eigentlich pfiffig erscheint das als Sonderdisk vertriebene „That’s Literatur“ [5]. Wie der Name schon vermuten läßt, handelt es sich hierbei um ein Accessory, daß zur Verwendung mit der weit verbreiteten Textverarbeitung „Thafs Write“ vorgesehen ist. Textverarbeitung und Literaturverwaltung tauschen ihre Daten über das XACC-Protokoll aus, so daß in That’s Literatur verwaltete Datensätze per Accessory - Aufruf an beliebiger Stelle in That’s Write eingetragen werden können. Das Konzept erscheint auf den ersten Blick recht überzeugend. Sollten Freunde anderer Textverarbeitungen deshalb alle „umsteigen“? Immerhin ist That’s Literatur für ein derart günstiges Programm erstaunlich gut durchdacht und dokumentiert. Dennoch kommt es im Zusammenhang mit einigen Funktionen hier und da zu „bombigen“ Überraschungen. Zudem beherrscht es nicht den Import codifizierter Daten (z.B. vom DIMDI) und deren anschließende Konvertierung ins eigene Format. That’s it, leider!

Review

Eine relationale Datenbank, die speziell für die Archivierung von Literatur entworfen wurde, wird vom Heim-Verlag unter dem Titel „Review (2.0)“ für DM 148,-angeboten. Das Programm wurde bereits an anderer Stelle ausführlich besprochen [6]. Auch dieses Programm erlaubt den Import sowie die automatische Konvertierung z.B. von DIMDI-Daten in das Format der Datenbank. Ein zusätzliches Feature ist die weitere Aufschlüsselung einiger Datenfelder, wodurch eine gewisse Anpassung der bibliografischen Angaben an die Anforderungen wissenschaftlicher Zeitschriften möglich wird.

Wie schon im Falle der Phoenix-Applikation, schränkt die Konzeption des Programms als relationale Datenbank seine Flexibilität jedoch ein. So ist innerhalb der Eingabemaske frühzeitig ein Thema aus einem Themenkatalog auszuwählen. Dieser Katalog ist zwar editierbar, und die Auswahl findet relativ komfortabel durch Anklicken aus einer Liste statt. Die Beschränkung auf 32 mögliche Themen zwingt den Benutzer jedoch zu genau der vorherigen Festlegung, die mit ausreichender Sicherheit eigentlich gar nicht möglich ist. Zudem erfordert die Art der Strukturierung eine rein horizontale Gliederung der Themengebiete. Das Erstellen einer praxisnahen Baumstruktur erfordert daher die „Auslagerung“ von Einzelthemen in weitere Datenbanken. Der Geschwindigkeit von Suchfunktionen mag diese Programmkonzeption zwar entgegenkommen, und die Beschränkung auf 32 Themen mag Speicherplatz sparen. Sie leitet sich aber aus computerspezifischen Zwängen ab und widerspricht der intuitiven menschlichen Arbeitsweise - vergleichbar etwa mit der Situation im DTP: Kein Grafiker käme jemals von selbst auf die Idee, für jede Skizze zunächst einen „Rahmen“ anzulegen ...

Immerhin stellt Review für die Bearbeitung, Suche und Auswahl der Datensätze leistungsfähige Suchfunktionen zur Verfügung. Neben einer autoren- oder themenbezogenen Suche ermöglicht das Programm auch die Volltextrecherche in einzelnen oder allen Feldern einer Datenbank. Angesichts der eingeschränkten Themenvielfalt und der dadurch verursachten Auslagerungsproblematik werden jedoch evtl. mehrere Suchoperationen in den angelegten Einzeldatenbanken erforderlich.

Zur Verwendung in einer geplanten Publikation werden die benötigten Datensätze in Listenform zusammengestellt. Für deren Konvertierung stehen im Prinzip die gleichen Funktionen wie beim Import zur Verfügung. Ausgegeben werden die Datensätze schließlich über den Reportgenerator als ASCII- oder DOC-Datei. Damit bleibt aber noch ein gutes Stück Arbeit: In der Textverarbeitung wird die Datei zunächst geladen (bzw. importiert). Anschließend müssen die jeweils benötigten Informationen zur Wahrung der vollen Funktionalität der Endnotenverwaltung „ausgeschnitten“ und nach Numerierung im Haupttext als Endnote eingefügt werden.

Computer und Medizin

Eine neue Lösung zur integrierten Literaturdatenkonvertierung und -Verarbeitung wurde dieses Frühjahr in Hamburg auf dem Kongreß „Computer und Medizin 3“ vorgestellt. In Zusammenarbeit mit der Hamburger Universitäts-Zahnklink hatte der Hersteller von „Topics“ spezielle Import- und Exportfilter für sein „Infobank“-Programm entwickelt. Auf Topics 2.0 fiel die Wahl der Mediziner, weil das Programm aufgrund seiner Struktur über die reine Datenkonvertierung hinaus für das angestrebte integrierte Literaturmanagement besonders geeignet schien.

Jenes „Infobank“-Konzept von Topics wurde an gleicher Stelle bereits ausführlich dargestellt [7]. Zusammengefaßt unterscheidet es sich von anderen Datenbanksystemen u.a. durch die größere Flexibilität, welche etwa nachträgliche Änderungen an den Eingabemasken sowie beliebig viele, jederzeit veränderbare Themenbereiche (Tabellen) und zahlreiche Datensatztypen zuläßt. Der Benutzer arbeitet dabei rein visuell in zwei Vergrößerungsstufen: In einer Gesamtdarstellung werden die einzelnen „Bereiche“ der Infobank durch vertikale Balken repräsentiert, die von links nach rechts in einer Baumstruktur hierarchisch strukturiert und angeordnet sind. Aus dieser grafischen Umsetzung der Baumstruktur gelangt der Benutzer mit einem Mausklick in die Arbeitsansicht. Hierin sind die einzelnen Datensätze wie in einer konventionellen Datenbank zu lesen und zu bearbeiten. Auf Wunsch (und im Gegensatz zu den bereits beschriebenen Programmbeispielen) bleibt in der Arbeitsansicht die Baumstruktur jedoch erhalten. Der Zusammenhang zwischen beiden Modi wird über eine Umrißlinie hergestellt, welche bei Aufschaltung der Gesamtdarstellung den in der Arbeitsansicht zugänglichen Bereich markiert.

Informationsmanagement mit Topics 2.0

Mittlerweile liegt das Programm in der erweiterten und überarbeiteten Version 2.0 vor. Eine wesentliche Neuerung betrifft die Anzahl der möglichen Datenfelder pro Information (Datensatz). Die bisher gegebene Beschränkung auf acht verschiedene Datenfelder pro Information entfällt. Für die angesprochene Verarbeitung z.B. von DIMDI-Daten bedeutet dies, nicht nur die „wichtigsten“, sondern alle (bis zu 28) vom DIMDI übermittelten Angaben importieren und in der Infobank verwalten zu können. Zum vollautomatischen Import einschließlich Datenkonvertierung ist lediglich der Filtertyp (DIMDI) einzustellen.

In das Konzept des integrierten Informationsmanagements paßt die Option, zusätzliche aktuelle (DIMDI)Recherchedaten nachträglich in eine bereits bestehende Infobank hineinzukonvertieren - diese „wächst“ sozusagen mit.

Ein weiterer Vorteil ist, daß in Topics verschiedene Datensatztypen gemeinsam und gemischt verwaltet werden können. So ist es nicht nur prinzipiell möglich, in dieselbe Datenbank, in der DIMDI-Daten verwaltet werden, auch Recherchedaten, die z B. von CD-ROMs gelesen wurden, ohne zusätzliche Konvertierung zu integrieren. Ein spezieller Importfilter für den „Silverplatter“ ist mittlerweile genauso in das Programm integriert wie einer für die „Current Contents on Diskette“. (Diese aktuellste aller Datenbanken listet, nach Zeitschriften geordnet, in den letzten Wochen weltweit neu erschienene Veröffentlichungen kommentarlos auf und wird von Universitätsbibliotheken zunehmend auch als elektronisches Medium angeboten.)

Abstracts elegant integriert

In der vorgestellten DIMDI-Literaturdatenbank besonders gelungen erscheint die Lösung zur Verwaltung der Abstracts: Bereits innerhalb des DIMDI-Files erkennt der Importfilter die vorhandenen Abstracts, trennt sie aus dem restlichen Datensatz heraus und legt sie (mit Pfad) als selbständige ASCII-Datei ab. In der Arbeitsansicht genügt nun ein Tastendruck, um das zu einem selektierten Datensatz gehörige Abstract in einem separaten GEM-Fenster darzustellen. Mittels direkten Übergangs in eine vorgewählte Textverarbeitung ist der Text zudem editierbar.

Auch die Suchfunktion ist auf das Konzept der ausgelagerten Abstracts abgestimmt. Auf Wunsch werden Such Vorgänge nicht nur in der Infobank selbst, sondern gleichzeitig auch in den Abstract-Files durchgeführt. In einem Durchgang ist dadurch eine Volltextrecherche über die gesamte Infobank mit all ihren Themenbereichen möglich. Vorabdefinitionen von Schlüsselmerkmalen (Themen!) und Verknüpfungen werden dem Benutzer erspart.

Bestellwesen

Druckausgaben erledigt Topics auf zweierlei Wegen. Mit Hilfe eines komfortablen, mit der Maus zu bedienenden Reportgenerators ist die Druckausgabe z.B. publikationsfertig bearbeiteter Literaturlisten in eine ASCII-Datei möglich (Print to File). Bei diesem Verfahren erfolgt die Weiterverarbeitung innerhalb des Textprogrammes in der bereits beschriebenen Art und Weise.

Alternativ bietet Topics die Ausgabe über 1st Adress oder dessen „großen Bruder“ 1st Base an. Als Accessory installiert, erweitern diese alle bekannten TOS-Versionen zu tauglichen Multitasking-Arbeitsumgebungen. ohne mit den hohen Hardware-Anforderungen von MultiTOS (oder Windows bzw. MAC System 7) aufzuwarten.

Ebenfalls in Kooperation mit der Hamburger Universitäts-Zahnklinik wurden hierfür bislang zwei Anwendungen realisiert:

  1. Das Bedrucken von Leihscheinen. Hierfür werden die im Original benötigten Literaturangaben in Topics zusammengestellt und an 1st Adress/1st Base übergeben. Ohne Topics zu verlassen, wird dann Ist Adress/1st Base aufgerufen, der vorbereitete Leihscheinreport per Mausklick angewählt und das Briefkartenformular mittels eines (parallel) installierten Nadeldruckers bedruckt. Derzeit bleibt damit als letzter „eigenhändig“ zu erbringender Arbeitsgang das Heraussuchen und Eintragen der Bibliothekssignatur. Die Automatisierung auch dieses Arbeitsschrittes wird derzeit vorbereitet. Zu seiner Realisierung fehlt es jedoch noch an Arbeiten im Bibliotheksbereich.
  2. Die Übernahme der Literaturdaten direkt in die Textverarbeitung. Auch hier wird eine Literaturliste an das 1st Adress/1st Base-Accessory übergeben. Zum Schreiben des Publikationstextes wird nun in die Textverarbeitung gewechselt und im Text an der gewünschten Stelle eine Fuß- oder Endnote gesetzt. In das sich daraufhin z.B. in That’s Write oder Tempus Word öffnende Endnotenfenster wird nun aus dem Accessory die „Reference“ direkt übergeben, wodurch sofort die Endnotenfunktionen des Textprogramms voll anwendbar werden.

Da Topics bereits beim Import die Aufschlüsselung bestimmter DIMDI-Formatangaben ermöglicht, lassen sich die „References“ bei der Ausgabe in die Literaturliste schon entsprechend den Anforderungen des Publikationsorgans formatieren - was bei der eigentlichen Schreibarbeit zusätzliche Schreibarbeiten spart.

Angeboten wird die neue Version zum alten Preis von DM 598,- in einer praktisch unbegrenzten „Professional“-Ausführung. Den Einstieg in „die Welt von Topics“ ermöglichen fortan eine „Lite“-Version zum Preis von DM 248,- und eine „Compact“-Version für DM 398,-. Eingeschränkt sind diese beiden Versionen lediglich in der Anzahl der verschiedenen Infotypen (acht bzw. 16 Stück). Für die ausschließliche Nutzung z.B. des DIMDI-Importfilters reicht bereits die Lite-Version aus. Für den Import und die parallele Verarbeitung verschiedener Datenbankformate bzw. Infotypen ist der Aufstieg in die Compact-Version erforderlich. Dort sind die mit der „kleineren“ Version erstellten Infobanken jedoch sofort lauffähig.

Keinerlei Kompatibilitätsprobleme zu befürchten haben zudem vorsichtige Anwender, die mit einem späteren Systemwechsel liebäugeln: Das 2.0-Format ist vollständig kompatibel zur bevorstehenden Windows-Version!

Fazit

Unser Überblick über die Möglichkeiten der Literaturverwaltung auf dem ATARI hat gezeigt, daß die kleine graue Kiste dank pfiffiger Software in einer Nische einmal mehr die Nase vom hat.

Bei den vorgestellten Lösungen müßte eigentlich jeder Interessent etwas für sich gefunden haben. So dürften erfahrene Phönix-Anwender dazu neigen, ihr vorhandenes Programm auch für die Literaturverwaltung zu nutzen. Diese Offenheit bietet Review als ausschließlich für eine Spezialanwendung konzipiertes Programm naturgemäß nicht. Bei allem Funktionsreichtum fehlt beiden Lösungen zudem die Möglichkeit, Einzeldaten direkt in die Textverarbeitung zu übernehmen.

Der Verdienst, hier einen einfachen Weg gefunden zu haben, kommt That’s Literatur zu. Noch flexibler wird das Konzept durch die Zusammenarbeit von Topics und 1st Adress bzw. 1st Base. Angesichts seiner unglaublich guten Funktionalität markiert Topics 2.0 aber auch solo eine neue Ära in der Literaturverwaltung. Auf dem von skeptischen Apple-Fans dominierten o.g. Kongreß faßte ein habilitierter Informatiker es wie folgt zusammen: „Brilliant, das ist das Beste, was ich auf diesem Gebiet bisher gesehen habe, wann gibt’s das auf dem MAC?“ Bisher eben nicht!

Dr. M. Oliver Ahlers

Literatur:

[1] Kröncke. A., Kerschbaum, 7. Wissenschaftler müssen schreiben. Carl Hanser Verlag. München-Wien. 1990

[2] Hausen, V. : Literatursuchen in der Medizin, In Lippert, H. (Hrsg. ): Die medizinische Dissertation. Eine Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten für Medizinstudenten, 3. Aufl. S. 135-164 Urban & Schwarzenberg. München - Wien - Baltimore 1989

[3] Wünhner, J„.Dettmann, J: Graue Kiste im weißen Alltag.
Der ST im Krankenhaus.
ST Computer 3/92. S. 10-11

[4] Körner, H.: Gewußt wo! Gewußt wie! Literaturdatenbank mit Phönix. TOS 1/93, S. 64/65

[5] Proffen, T. That’s Literatur. Sonderdisk L15 Heim-Verlag. Darmstadt

[6] Payerl, E., Strasheim, C. Review 2.0,
Eine relationale Datenbank, die speziell für die Archivierung von Literatur jeglicher Art entworfen wurde ATARI Journal 4/92. S. 81-83

[7] Kühner. D. Topics - die visuelle Datenbank. ST Computer 7/8/92. S. 55-63


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