Mit Sicherheit: Datensicherungsverfahren und Backup-Systeme

Nachtest Protar Streamer 155 MB

Für 2198 Mark liefert Protar neben dem Laufwerk eine Cassette und die Steuer-Software für den 155-MB-Streamer.

Manch einem fallen zum Thema „Sicherheit am Computer“ nur Stichworte ein wie Notstromanlage, Datenverschlüsselung oder Zutrittsregelung - meist eine gut abgeschlossene Tür zum Rechnerraum. Wohl dem, der die Ergebnisse seiner Arbeit noch nicht auf einer zerschossenen Festplatte zusammensuchen mußte. Denn dann hilft nur das ungeliebte, weil unbequeme Backup.

Bei Profis ein Muß, von manchen eher semiprofessionellen Anwendern gern umgangen - die Sicherheitskopie. Für viele verdient die feierabendliche Beschäftigung mit Disketten, Wechselplatte oder Streamer nur geringschätziges Abwinken nach dem Motto „Kein Mut zum Risiko“. Wenn jedoch die mühsam erstellte Datensammlung, die komplette Korrespondenz der letzten 7 Monate oder das in nächtelanger Kleinarbeit entstandene Programm nur noch in der Erinnerung an eine ehemals funktionierende Festplatte existiert, war das Risiko offensichtlich etwas zu hoch.

Was für den Privatmann schon höchst unangenehm, kann für den geschäftlich Aktiven den Ruin bedeuten. Beispiele dafür gibt es genug, angefangen beim Programmierer, dessen Basis-Modulsammlung sich eines Tages im unheimlichen Schaben eines defekten Festplattenlaufwerks verlor, bis zum Besitzer eines DTP-Studios, der sein komplettes Auftragsvolumen der begrenzten Lebensdauer der Harddisk anvertraute. Als die Hardware streikte und er seinen terminlichen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte, war er binnen weniger Tage „aus dem Geschäft“ - dieser Headcrash endete vor dem Konkursgericht. Und selbst bei Studenten zählt das Argument, der Rechner sei abgestürzt, nicht mehr, wenn man aus diesem Grunde eine Fristverlängerung für die Examens- oder Diplomarbeit benötigt: Die Datensicherung gegen Gerätedefekte liegt im Verantwortungsbereich des Anwenders ...

Trotzdem schlägt sich niemand - auch ich nicht - darum, als letzten Streich des Tages neue und veränderte Dateien im Dienste der Sicherheit zu kopieren. Dabei kann die Anfertigung eines Backups fast im Handumdrehen erledigt sein. Dazu gehören nur etwas Eigenantrieb und eine Portion Computertechnik. Letzteres läßt sich aber in verschiedener Weise ausführen: Langsam, mühselig, aber billig: die Diskettenlösung; rasend schnell, sicher, aber relativ teuer: der Streamer; und auch anderweitig nutzbar, nichtsdestoweniger kostenintensiv: die Wechselplatte.

Die bei Diskette und Wechselplatte angewandte Technik dürfte den meisten unserer Leser bekannt sein. Für die Bandlaufwerke gilt das aber wohl kaum, deshalb hier eine kurze Beschreibung.

Im Prinzip ja

Grundsätzlich funktioniert ein Datenbandgerät kaum anders als ein HiFi-Cassettenrecorder. Wie dieser verwendet der Streamer Cassetten, die den notwendigen Bandvorrat beherbergen. Doch schon beim Bandmaterial scheiden sich die Geister. Und die typische Streamercassette enthält neben dem Magnetband einen Antriebsriemen, der straff über die beiden Wickel geführt und um eine Antriebsrolle geschlungen, besondere Wickelmotoren erübrigt. Es genügt, die Antriebsrolle mit Motorkraft in Bewegung zu setzen. Anders dagegen die beim Atari ST zumeist eingesetzten Bandlaufwerke von TEAC, die mit Cassetten für 60 oder 155 MB arbeiten; diese Cassetten gleichen normalen HiFi-Tonträgern bis auf eine Kerbe an der Rückseite völlig und kommen ohne den internen Treibriemen aus.

Stattdessen setzt TEAC auf einen Dreimotorenantrieb: Zwei kleine Elektromotoren treiben die Bandwickel, ein weiterer sorgt für die Kopfpositionierung. Ein per Reibrad mit dem Band mechanisch gekoppelter Tachogenerator liefert der Bandbewegung proportionale Signale, anhand derer die Spulenmotoren gesteuert werden. Zusammen mit den auf dem Band gespeicherten Kontroll- und Synchronisationssignalen reicht diese Technik aus, um das Band genügend gleichmäßig am Schreib-/Lesekopf vorbeizubefördern. Die TEAC-Kenndaten nennen zum Stichwort Gleichlaufschwankungen einen für HiFi-Freunde wenig tolerablen Wert von ±4%. Dafür bringt der Streamer nicht nur 4 Spuren auf dem Band unter wie das Stereogerät, sondern beim 155-MB-Modell 17 Spuren, die im Zickzack beschrieben und gelesen werden.

Tempo, Tempo

Ein weiterer Punkt unterscheidet das Streamer-Laufwerk vom HiFi-Cassettendeck: Während im Audio-Gerät das Cassetten-Band mit gemütlichen 4,75 cm/sec befördert wird, jagt der TEAC-Streamer sein Magnetband mit 228,6 cm/sec durch die Mechanik, also mit mehr als 2 Metern pro Sekunde bzw. über 8 km/h. Bei diesem Tempo reicht der Bandvorrat in der Cassette natürlich nicht sehr lange. Daher bremst der Streamer das Band kurz vor Erreichen des Bandendes ab und kehrt die Laufrichtung um („Auto-Reverse“), während eine Hubsteuerung - Schrittmotor mit Gewindetrieb - den Magnetkopf auf die nächste Spur positioniert. Nach und nach bearbeitet das Laufwerk alle 17 Spuren, und mit dieser Hin- und Her-Methode lassen sich über 150 MB auf dem gut 600 Meter langen Band unterbringen.

Spielen alle Rädchen im Datengetriebe mit, schafft der TEAC-Streamer eine typische Transferrate von 116,2 kByte/sec. Dabei „saugt“ das Gerät schon recht ordentlich an der DMA-Schnittstelle, so daß der Treiber-Software nicht viel Zeit bleibt, die zu kopierenden Daten heranzuschaffen. Ohne den Bandantrieb zu einer Pause zu zwingen, im sogenannten Streaming-Modus. gelingt dies nur beim „Image-Backup“, das einfach alle Sektoren der zu sichernden Festplatte der Reihe nach aufs Band schreibt. Die Art der darauf befindlichen Daten - ob Directory oder Text-File - spielt keine Rolle. Eine Atari-Software könnte so eine PC-Festplatte aufs Band sichern, da sie die zu schreibenden Daten nicht „verstehen“ muß. Eine Abart des Image-Backups kommt dann zur Anwendung, wenn eine komplette Partition zu kopieren ist. Auch dann ist es nicht notwendig, daß die Software die Daten irgendwie interpretiert.

So schnell das Image-Backup geschrieben wird: sein größter Nachteil ist, daß sich einzelne Dateien nicht separat bearbeiten lassen. Hat also eine Fehlfunktion nur eine Datei auf der Platte zerstört, und will man jetzt das Image-Backup zurückspielen, überschreibt dieser Vorgang („Restore“ genannt) die gesamte Festplatte.

Jeder für sich

Abhilfe verspricht hier das File-Backup. Dabei liest die Steuer-Software von der Festplatte solange Dateien ein, bis der RAM-Puffer voll ist. Danach schreibt der Rechner den Pufferinhalt auf einen Rutsch aufs Band. Vorteil: Im Bedarfsfall läßt sich jede Datei einzeln wieder restaurieren. Nachteil der Aktion: Die Kopiererei braucht deutlich länger, um eine komplette Platte zu sichern. Da bei dieser Art des Backups die Lesezeiten von der Platte zum Füllen des Puffers mit in die Geschwindigkeitsrechnung eingehen, verringert sich die effektive Datentransferrate auf ca. 70 kByte/sec.

Soweit zur Streamer-Technik. Ein Probelauf der verschiedenen Verfahren sollte Vor- und Nachteile ans Licht bringen. Dazu stellte ich eine Test-Partition mit 9.539.399 Bytes (=9315,8 kB) zusammen - zumindest zeigte das Desktop-Info diese Zahl an; das Platteninfo nennt 9420 kB. Insgesamt bestand die Datenflut aus 218 Dateien in 17 Ordnern. Die Dateigröße schwankte zwischen 81 und 1.441.752 Bytes.

Als Test-Terrain kamen eine Seagate-Festplatte ST 177 N (58 MB) und eine Wechselplatte SyQuest 555 an einem Mega-4-ST zum Einsatz. Für die Diskettenmessungen verwendete ich ein normales SF 314.

Darüber hinaus lief ein Protar-Streamer 155 MB mit. Dieses Gerät wurde in der Februar-Ausgabe 1991 getestet und zeigte damals beim Partition-Backup (Image) einen miserablen Datendurchsatz von nur 14 kb/sec. Inzwischen hat die Steuer-Software eine andere Versionsnummer, und der Fehler, der für den gebremsten Betrieb sorgte, ist behoben. Außerdem berücksichtigte der Programmierer manche Anwenderwünsche. So wurde die Anzeige während des Backups komplett umgestellt. Man erhält jetzt eine ausführliche Information über den Stand der Aktion, wieviele Bytes zu sichern sind und wieviele schon aufs Band kopiert wurden. Zusätzlich gibt ein Balken in Prozent an, wie weit das Backup schon fortgeschritten ist, so daß sich absehen läßt, wie lange die Kopiererei noch dauern wird. Schließlich beinhaltet die Steuer-Software jetzt einen Rekorder für die Batch-Dateien, mit dem diese interaktiv zu erstellen sind. Bei einem File-Restore kann man jetzt einstellen, ob neuere Dateien mit dem gleichen Namen überschrieben werden sollen oder nicht. Auch der Betrieb am TT stellt für den Protar Streamer kein Problem dar.

Neu an der Steuer-Software für den Protar-Streamer ist nicht nur dieses Anzeigen-Fenster.

Backup am Stück...

Wohl kaum eine Partition wurde binnen weniger Stunden so oft unverändert gesichert wie die Testpartition auf der Seagate. Zuerst ließ ich „Kobold“, den Nachfolger des „Fast File Movers“, auf die Testdaten los. Er sollte den gesamten Datenbestand auf die Wechselplatte kopieren. Das Utility erledigte den Job trotz aktiver Verify-Option in wenig mehr als zwei Minuten. Daraus ergibt sich eine Transferrate von etwa 77 kb/sec - nicht übel. Im Vergleich dazu: das Desktop schaffte nur 30,19 kb/ sec.

Das Backup auf die Wechselplatte verbindet mehrere Vorteile. Zum einen stehen die kopierten Dateien ohne weitere Umwandlungen direkt vom Desktop aus zur Verfügung, wenn „Not an der Date“ ist. Auch die vorgelegte Geschwindigkeit genügt professionellen Ansprüchen. Von Nachteil jedoch ist die begrenzte Kapazität von etwa 43 MB, was schon für eine 60er Platte im Falle eines Total-Backups kaum ausreicht. Auch der Preis, den man allein für den Datenträger berappen muß, liegt mit 46 Mark für je 10 MB in ziemlich professionellen Bereichen. Daß das Laufwerk zusätzlich mit etwa 1600 Mark zu Buche schlägt, macht dieses Backup-Verfahren nur wenig sympathischer. Wer also, der allgemeinen Empfehlung folgend, sein Backup auf drei verschiedenen Medien unterbringt, um im Katastrophenfalle auch die vorletzte Backup-Generation noch greifen zu können, muß schon ca. 600 Mark allein für die Cartridges auf den Ladentisch legen.

Allerdings bietet die Wechselplatte sich nicht nur als Backup-Medium an. Sie verheißt vielmehr die Lösung für alle, deren Festplatte aus allen Nähten platzt. Und für knapp 200 Mark erweitert man die Wechselkapazität um weitere 43 MB. Auch zum Transport sehr großer Dateien - etwa zum DTP-Belichter - erweist sich das austauschbare Medium als praktisch.

… am Band…

Im zweiten Durchmarsch mußte der Streamer ran. Er absolvierte das Image-Backup der Partition in gut eineinhalb Minuten und kam so auf einen Datendurchsatz von 108,49 kb/sec - schon ein gehöriges Tempo, verglichen mit dem alten Testergebnis. Landen die Dateien jedoch im Gänsemarsch, also fein einzeln und separat, auf dem Band, sinkt die Transferrate auf etwa 70 kb/sec; in diesen Wert flössen sowohl die Zeiten für das Zusammensuchen der Dateien als auch die Positionierungsmanöver des Bandlaufwerkes mit ein.

Gegenüber der Wechselplatte zeigt sich der Streamer in puncto Tempo - je nach Betriebsweise - als satt überlegen bzw. unwesentlich langsamer. Bei einem Anschaffungspreis, der in ähnlichen Regionen wie das Wechselplattensystem liegt, schlagen aber die erfreulich geringen Kosten für den Datenträger voll durch: für je 10 MB belastet die Streamer-Cassette den Rechnerhaushalt mit nur 6,39 DM. Allerdings zeigt der Streamer einen weiteren Vorteil: Man kann ihn nicht zweckentfremden - dazu später noch mehr.

… oder in Scheiben

Die Salami-Taktik - das Disketten-Backup - erweist sich, wie kaum anders zu erwarten, als besonders zeitintensiv. Die Sicherheitskopie, für die Streamer und Wechsel-platte um die zwei Minuten den Rechner blockierten, beanspruchte fast eine halbe Stunde (für knapp 10 MB!) sowohl den Computer als auch die Nerven des Benutzers. Es macht eben keinen Spaß, in regelmäßigen Abständen Disketten in das/die Laufwerk(e) zu legen und die Return-Taste zu drücken. Und auch die pfiffigste Bildschirmgrafik kann über die unvermeidlich aufkommende Langeweile nicht hinwegtrösten.

Wer übrigens der Meinung war, das Disketten-B ackup sei besonders preisgünstig, der rechne sich die Sache einmal durch. Bei einem mittleren Preis von 1,80 DM (fürs Backup sollte man besser keine „Bulk-Ware“ verwenden) kosten die langsamen Scheibchen fast 25 Mark je 10 MB. Allerdings darf die „Startinvestition“ -Laufwerk und/oder Software - als mit Abstand günstigste gelten. Dem Stichwort Backup-Software ist der nebenstehende Textkasten gewidmet.

Kosten und Geschwindigkeit im Vergleich - Startinvestitionen und Betriebskosten relativieren das Tempo.

Zahlenzauber

Mit zunehmender Belustigung verfolgt des Testers Auge die sehr variable Zahl, die hinter der Bezeichnung „Partitionsgröße“ erscheint. Jede Software hat da offensichtlich ihr eigenes Rezept, und demzufolge erweisen sich die meisten Angaben als zumindest originell. So schwankte die „Größe“ der zu kopierenden Partition zwischen 9.539.399 und 9.674.752 Bytes. Zur Klärung vielleicht noch einmal: Ein kByte (nicht Kilo-Byte) entspricht 1024 Bytes (2 hoch 10). Ein MByte (nicht Mega-Byte) entspricht 1024 kByte, also 1.048.576 (2 hoch 20) Bytes. Auch manche Programmierer gehen da eigene Wege.

Tempo-Messung:

Quelle: Partition mit 9646080 Bytes = 9420 kB belegter Kapazität auf Wechselplatte:

Kobold: 77,21 kB/sec
Desktop: 30,18 kB/sec

Streamer:
Protar Prostream 155 MB Image: 108.49 kB/sec
nur belegte Cluster: 103.82 kB/sec
Filebackup: 70,30 kB/sec

Diskette: Anz. Frmt. Ver. komp. Sp. Sek.
FastCopy Pro (Image) 10 X X X 80 10 | 8,56 kB/sec
HDU III (File) 8 X X 82 11 | 8,49 kB/sec
Argon ß-Vers. (File) 11 X X 82 11 | 8,41 kB/sec

Je nachdem

Wer jetzt aber meint, unbedingt eine Wechselplatte oder einen Streamer nur deswegen erstehen zu müssen, um sein wöchentliches Pensum von 2 1/2 Briefen zu sichern - der irrt. Denn neben dem Total-Backup, bei dem alle auf der Platte befindlichen Dateien kopiert werden, gibt es eine weitere Disziplin: das sogenannte inkrementelle Backup. Dabei sucht die Kopier-Software alle Dateien zusammen, die seit der letzten Sicherung verändert wurden oder neu entstanden sind. Als Entscheidungskriterium dient dabei das Archiv-Bit, um das sich bekanntlich das Betriebssystem kümmert. Mit Kobold oder ähnlichen Utilities lassen sich alle Dateien, die seit dem letzten Backup bearbeitet wurden, auf diese Weise schnell ermitteln und auf einen Schlag kopieren.

Beim inkrementellen oder Folge-Backup zieht man je nach Notwendigkeit alle 4 bis 8 Wochen eine komplette Kopie aller Daten. Zwischen diesen Grundsicherungsdurchläufen genügt das inkrementelle Backup, das einmal pro Woche oder öfters anfällt. Sammelt man alle Zwischenkopien und legt sie sorgfältig mit der Gesamtsicherung beiseite, läßt sich damit im Bedarfsfall der aktuelle Zustand der Festplatte restaurieren; dazu spielt man einfach alle Backups in der Reihenfolge auf die Harddisk, in der sie angefertigt wurden. Jeweils veränderte Files korrigiert das betreffende inkrementelle Backup.

Für viele Computer-Anwendungen genügt es also, sich im Abstand von mehreren Wochen der Total-Sicherungs-Tortur zu unterziehen. Die dazwischen liegenden „kleinen Sicherungen“ sind meist in wenigen Augenblicken erledigt. Allerdings erfordert diese Art der Datensicherung eine gewisse Stabilität in der Plattenorganisation.

Wer mehrmals am Tage die Ordnerstruktur erweitert oder variiert, wird mit dem Folge-Backup seine liebe Not haben, wenn es daran geht, die aktuelle Verzeichnis-Situation wieder herzustellen. Doch nicht nur für „Umräum-Aktivisten“ zeigt das Folge-Backup einen Pferdefuß. Auch alle, die mit sehr großen Dateien umzugehen pflegen - Scanner-Benutzer, DTP-Fachleute, Groß-Datenbankanwender -werden auf die Dauer kaum um ein professionelles Medium zur Datensicherung herumkommen.

Gretchenfrage

Gerade bei der Wechselplatte taucht ein weiterer Aspekt auf, den folgende Regel beleuchtet: „Benutze nie ein Backup-Medium, das auch anderen Zwecken dienen kann“. Denn viele machen es wie ich; man kauft die Wechselplatte in der Absicht, sie als Backup-Gerät einzusetzen, doch - oh Wunder - spätestens nach einem Vierteljahr ist die Cartridge ebenso voll wie die „Haupt“-Festplatte, und für keine der aufgespielten Dateien möchte man auf den schnellen Zugriff verzichten. Aber womit macht man das Backup? Selbst die Anschaffung einer eigens zu diesem Zwecke reservierten Cartridge beseitigt nicht das Problem, wie man nun das zweckentfremdete erste Wechselplattenmedium sichert. Womit man schließlich wieder beim leidigen Disketten-Backup angelangt wäre.

Für die Entscheidung für oder wider ein Datensicherungssystem zählt also nicht nur die Transferrate. Neben den Kosten will auch die Zeit, die man fürs Backup aufwenden muß, berücksichtigt sein. Denn wer den mehr oder weniger genervten „Disk-Jockey“ spielt, kann sich kaum einer anderen, anspruchsvollen Aufgabe widmen. Doch auch das ausgefeilte Sicherungskonzept mit perfekter Hard- und Software hat noch einen Haken: Ganz ohne Eigeninitiative geht es nicht. Mittlerweile muß ich mich schon zu einem Streamerbackup aufraffen, das den Rechner selbst im File-Modus bei einem Komplett-Backup von Fest- und Wechselplatte nur für eine knappe halbe Stunde beansprucht. Heute wundere ich mich am meisten darüber, wie ich mich jemals zu nur einer der vielen, mehr als 4stündigen, stupiden Kopieraktionen habe durchringen können. Der Streamer verwöhnt.

Ulrich Hilgefort

Streamer:
Protar Elektronik, Alt-Moabit 91 D W-/000 Berlin 21

Preise der Protar-Geräte:
Protar Streamer 155 MB 2198,- Band dazu 99,-
60 MB 1598,- Band dazu 79,-
Protar Wechselplatte
43 MB 1598,- Cartridge: 198,-

Backup auf Disk

Wer ein Programm sucht, um seine Datensicherung mit Disketten vorzunehmen, steht vor einer größeren Zahl von Produkten, die sich speziell für diesen Zweck empfehlen. Wir stellen eine kleine Auswahl vor: Den „Senior“ HDU in der Version III, den Universal-Dateikopierer Kobold, den Sektor-Kopierer FastCopy Pro, den Neuling Argon und die PD-Lösung Turtle.

Hard Disk Utility III

Als Veteran im Bereich Disketten-Utilities darf das HDU von Application Systems gelten. Die Version „III“ gestattet neben dem komfortablen Backup auch die normale Dateikopie von einer Partition auf eine andere. Eine eigene Benutzeroberfläche reagiert auf das Verschieben von Icons; beispielsweise löst eine Verschiebeaktion des betreffenden Partition-Icons auf das Streamer-Icon ein Backup aus, HDU III verarbeitet normale DD-Disketten mit maximal 10 Sektoren.

Ein gewichtiger Nachteil des HDU liegt in seiner Eigenschaft verborgen, das Inhaltsverzeichnis der Kopie nur auf der letzten Diskette abzulegen. Wird diese irgendwie beschädigt, erweist sich das gesamte Backup als wertlos. Da ein normaler Zugriff auf die gespeicherten Dateien auch ohne Einsatz der Komprimierung vom Desktop aus nicht möglich ist, scheitert jeder Versuch, ein defektes Backup „wiederzubeleben“.

Die aktuelle Version III vom August 1990 zeigt einige Detail-Verbesserungen; z.B. hat die Geschwindigkeit beim Restore deutlich zugelegt. Bei Boot-Virenbefall der Backup-Disketten rettet das doppelt aufgespielte Systeminfo vor Datenverlust. Obendrein arbeitet HDU jetzt auflösungsunabhängig.

Das Senior-Backup-Programm aus Heidelberg kombiniert für 69 Mark die Punkte Sicherheit und Platzersparnis mit einer akzeptablen Geschwindigkeit; allerdings empfiehlt es sich, vorformatierte Disketten zu benutzen. Der Schutz gegen Verlust der Datensicherung läßt sich aber noch weiter steigern, wie Argon beweist.

Kobold Hochleistungs-Dateikopierer

Mit dem Namen „Fast File Mover“ verbinden viele ST-Freunde enormes Tempo bei gutem Bedienungskomfort (siehe Test ST-Computer 2/91). Der Nachfolger des FFM heißt Kobold und arbeitet wie dieser dateiorientiert. Er verfügt zusätzlich über spezielle Features, die ihn für die Anfertigung von Backups auf die Wechselplatte (oder auch auf die Diskette) besonders befähigen, z.B. die Auswahl der zu kopierenden Dateien nach dem Status des Archiv-Bits. Anders als der FFM bearbeitet Kobold auch Dateien, die das Fassungsvermögen des RAM-Puffers übersteigen. Eine komplette Batch-Steuerung prädestiniert das Utility mit dem „Waldschrat“-Namen für ein automatisch ausgeführtes Backup. Mehr zum Thema Kobold finden Sie an anderer Stelle in dieser Ausgabe.

Fast Copy Pro

Als Shareware genießt der Schnellkopierer von Martin Backschat einen guten Ruf. Mittlerweile hat das Programm eine Leistungsdichte erreicht, die - aus der Sicht des Programmautors - den kommerziellen Vertrieb rechtfertigt (vielleicht haben auch zuviele Benutzer von F_Copy die Spielregeln des Shareware-Prinzips nicht beachtet).

Wie bereits die Ausgabe 3, wartet die Pro-Version in puncto Backup mit einer Funktion namens Streamer auf, die ein Image-Backup einer kompletten Partition erzeugt. Dabei berücksichtigt F_Copy Pro auf Wunsch nur die belegten Cluster. Backups der Vorversion lassen sich mit F_Copy Pro zurückschreiben. Ein Zugriff auf einzelne Dateien ist aber aufgrund der Image-Arbeitsweise nicht vorgesehen. Auch benutzt F_Copy Pro für das Backup ein eigenes, aber TOS-kompatibles Diskettenformat. Das Programm schreibt auf normale DD-Disketten maximal 11 Sektoren (vgl. Hyperformat), verarbeitet auch HD-Disks und setzt bei der Streamer-Funktion auf Wunsch einen Komprimierungsalgorithmus ein, der einen Wirkungsgrad von etwa 10-25 Prozent hat. Vermißt habe ich ein wechselweises Arbeiten mit zwei Diskettenlaufwerken.

Das sektororientierte Kopier-Utility eignet sich - neben seinen Fähigkeiten als „normaler Diskettenkopierer“ - vor allem für eine Hauptsicherung im Rahmen des inkre-mentellen Backups mit mehreren „Zwischenstufen“. Im Vergleich schneidet es besonders bei der Tempomessung gut ab; F_Copy arbeitet mit Formatierung so schnell wie die Dateikopierer ohne. Allerdings muß man für eine Dateikopie erheblich mehr programmtechnischen Aufwand treiben als für das Image-Backup. FastCopy Pro kostet 89 Mark.

Als Betaversion stand mir dieses neue Utility aus der Schweiz zur Verfügung. Es konzentriert sich ausschließlich auf die Anfertigung von Sicherheitskopien und wurde folgerichtig vor allem in puncto Sicherheit optimiert. So stellt es auch nachträglich ein Inhaltsverzeichnis der Sicherungsdisketten zusammen, beherrscht mehrere Komprimierungsverfahren und bietet erfreulichen Bedienungskomfort. Zusätzlich lassen sich neue Backups an bestehende Kopien anhängen, was die Ausnutzung von Diskettenkapazitäten verbessert.

Nicht nur auf den ersten Blick scheint es, als ob die Programmierer von Argon aus den konzeptionellen Schwächen des HDU gelernt hätten. Im Prinzip arbeitet Argon genauso wie das Utility aus Heidelberg. Allerdings legten die Schweizer deutlich mehr Gewicht auf den Schutz des Backups; dabei muß das Handling einer Software nicht schlechter ausfallen. Zur Zeit fehlt noch die Bearbeitung zweier Disk-Laufwerke im Wechsel, womit sich die Gesamtzeit noch verbessern läßt.

Zwar zeigt die Beta-Version von Argon noch leichte Fehler, wenn z.B. die Anzeige Gesamt-Vorgang nicht korrekt der bereits geleisteten .Arbeit folgt. Im Vergleich hält Argon aber gut mit. Sobald die Vollversion fertiggestellt ist, werden wir darüber berichten. Argon wird für 79 Schweizer Franken erhältlich sein.

Turtle

Auf dem PD-Markt gilt Turtle, das Backup-Utility, seit langem als Alternative zum kommerziellen Angebot. Mir lag die Version 3.10 (August 1990) zum Vergleich vor.

Die Grundausstattung von Turtle vereint im wesentlichen drei Programme unter einem Dach: Eine mit üblichen Menüs ausgestattete Shell übernimmt die Parameterabfrage. Eine spezielle, nicht resetfeste RAM-Disk bildet eine getreue Kopie der zu beschreibenden Disks. Das Hauptprogramm übernimmt die von der Shell gelieferten Parameter (TTP), füllt die ausgewählten Dateien in die RAM-Disk und schreibt diese anschließend sektorweise auf die „echten“ Disketten; dabei verzichtete der Programmautor mit Ausnahme des VT-52-Emulators auf jede grafische Gestaltung. Turtle bezieht beide Laufwerke (soweit vorhanden) in seine Arbeit mit ein und beschreibt auch hyperformatierte Disks (11 Sektoren); eine Formatierung mit 11 Sektoren beherrscht Turtle leider nicht. Der Disk-Wechsel erfolgt einfach und problemlos; nachdem man das entsprechende Laufwerk neu ausgestattet hat, reicht ein Tastendruck, um dies der Software mitzuteilen. Die Kontrollanzeigen genügen auch informationshungrigen Anwendern. Der PD-Kopierer schreibt die betreffenden Dateien in ihrer „ursprünglichen Gestalt“. So ist auch der Zugriff auf ein einzelnes File von der Backup-Disk kein Problem.

Der größte Nachteil von Turtle ähnelt dem des Fast File Movers: Dateien, die größer als die Kapazität der zu beschreibenden Disketten sind, bezieht Turtle nicht in die Kopie mit ein. Denn eine Zerlegung solcher Files in mehrere Portionen beherrscht das amerikanische Programm nicht. Dafür steht eine zusätzliche Software bereit, die sich besonders solchen „Übergrößen“ widmet. Die Tempomessung mit Turtle ergab zwar einen durchaus respektablen Wert; auf der Testpartition waren aber mehrere übergroße Dateien zu bearbeiten, deren Kopie Turtle verweigerte. Darum läßt sich das Ergebnis nicht mit den anderen vergleichen.

Wer für die Sicherheit seiner Daten nicht den Kaufpreis einer kommerziellen Software investieren möchte, sollte es einmal mit Turtle versuchen. Das Programmpaket liegt u.a. in vielen Mailboxen, z.B. aus dem MAUS-Netz, bereit, und ist auch auf den neuen PD-Disks der ST-Computer enthalten.

Ulrich Hilgefort

Bezugsadressen:

Hard Disk Utility (HDU) III:
Application Systems, Englerstr. 3
W-6900 Heidelberg 1

Argon Backup:
EDV-Dienstleistungen, CH-Richterswil

Kobold und F_Copy Pro:
siehe Testberichte in diesem Heft


Ulrich Hilgefort
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