Kommunikation des Unbewußten

Belanglos nennen wir ihn Kommunikation, den Informationsaustausch, wenn zwei Menschen miteinander reden. Für uns ist es DIE Kommunikation schlechthin. Als Computernutzer kennen wir aber noch eine andere Form des Informationstransportes; er läuft über die sogenannte Mensch-Maschine-Schnittstelle. Das ist hauptsächlich der Fall, wenn uns irgendwelche Software Hinweise zu ihrer Arbeit auf den Bildschirm bringt.

Wohin die Informationen beim Menschen schließlich gelangen, ist uns ebenso geläufig: das Bewußtsein nimmt sie auf. Jener Ort in unserem Gehirn, der unmittelbar unser Handeln und Denken steuert, nimmt diese bewußten Informationen auf und läßt uns ebenso bewußt darauf reagieren. Lange schon streitet sich die Geisteswissenschaft, in den Disziplinen Medizin, Psychologie, Soziologie bis hin zu Randgebieten der Schulweisheit, ob es auch eine Wahrnehmung außerhalb der Kontrolle unseres Bewußtseins geben kann. Sehr schnell ist der Beweis, ob es eine unbewußte Wahrnehmung gibt, in den Bereich der Scharlatanerie und der Jahrmarktssensationen entglitten.

Geheime Verführer

Tatsache ist, daß es geglückte Experimente gibt, die auf eine unterschwellige, nicht wahrnehmbare Kommunikation hin-weisen. Schon im Laufe der 50er Jahre wies Prof. Vance Packard in einem Buch auf die 'nicht bewußte Information' in der Werbung hin, Titel des Buches in Deutschland: „Die geheimen Verführer“. In eben diesem Buch berichtete er von einem Experiment, wo bei einer Kinoveranstaltung das kurzzeitige Einblenden von Eiscremewerbung zu einem ungeahnten Anstieg des Speiseeisumsatzes führte. Einen ähnlichen Effekt machen sich die amerikanischen Fernsehsender heute zunutze, um Filmbeiträge an besonders sensiblen Handlungspunkten zu unterbrechen und einen Werbespot einzuspielen. Kurz vor einem Spannungshöhepunkt soll die Aufnahmefähigkeit am größten sein, ein Produkt bleibt länger in Erinnerung. Die Amerikaner treiben es sogar schon zum Exzeß, indem sie einen Film fast im Minutenabstand für Sekunden unterbrechen, um ihre Werbebotschaften zu plazieren.

Zur selben Zeit, als Prof. Packard mit seinen Experimenten an die Öffentlichkeit trat, sind auch Versuche in ähnlicher Richtung von dem amerikanischen Marktforscher James Vicary bekannt geworden. Er soll nach eigenem Bekunden während eines Kinofilms im Abstand von mehreren Sekunden Schrifttafeln mit der Aufforderung „Trinkt Cola“ oder „Eßt mehr Popcorn“ jeweils in einer Dauer von nur einer Dreitausendstelsekunde auf die Leinwand projiziert haben. Der Popcorn-Umsatz stieg um fast die Hälfte an, und Cola-Limonade wurde um fast 20% mehr verkonsumiert.

Ein Fall politischer Einflußnahme wurde vom letzten Wahlkampf zur französischen Präsidentschaft bekannt. Es sollen dreimal am Tage, über drei Monate hinweg, im Indikativ (Vorspann) einer Nachrichtensendung Bilder von Francois Mitterand so extrem kurzzeitig in das Sendebild eingeblendet worden sein, daß eine bewußte Realisierung durch die Zuschauer nicht möglich war. Glücklicherweise ist eine solche Stimulation der Fernsehzuschauer in Deutschland für jede Art von Werbung grundsätzlich verboten worden.

Es gibt bereits eine regelrechte Industrie, die sich dieser unterschwellingen Informationsvermittlung bedient. In jedem Kaufhaus plätschern (fast) unhörbar Melodien auf uns nieder, die einerseits die Kauflust steigern, andererseits den Kaufhausdiebstählen entgegenwirken sollen. Auch in der Musik gibt es unzählige Beispiele unbewußter Informationsübermittlung. Neben hörbaren Melodien liegt eine Textinformation so leise darunter, daß sie die Wahrnehmungsschwelle nicht erreicht. Selbst kein Geringerer als Alfred Hitchcock hatte sich in der Erstverfilmung seines Streifens ‘Psycho’ dazu hinreißen lassen, die Worte „Messer“, „Mord“ und „Blut“ an geeigneter Stelle unter die (laute) Musik flüstern zu lassen, um die Spannung unter den Zuschauern zu steigern.

Für alle Beispiele, ob Texttafel, Bild oder Musik, gibt es eine Gemeinsamkeit. Die unbewußt übermittelte Information wird zwar an den menschlichen Empfänger übertragen, aber aufgrund besonderer Umstände (zu kurzzeitig, zu leise) dem Bewußtsein nicht zugeführt. „Subliminal“ heißt insgesamt der Vorgang der unbewußten Kommunikation.

Seit geraumer Zeit ist eine andere Spielart der unterschwellingen Informationsübertragung zu beobachten, das sogenannte ‘Lernen im Schlaf’, oder neumodischer ausgedrückt: Superlearning. Es gibt zwei völlig verschiedene Verfahren des Superlearnings. Einerseits wird durch Sphärenklänge ein Beruhigungszustand erreicht, bevor beispielsweise ein Fremdsprachenprogramm abläuft. Die andere Technik bedient sich bestimmter Vorgänge beim nächtlichen Tiefschlaf.

Zur Zeit geht in den Vereinigten Staaten die Diskussion um eine ähnliche Einflußnahme an Computerarbeitsplätzen. Es gibt die Bestrebung, den Arbeitern und Sekretärinnen an den Terminals unterschwellig solche Meldungen wie „Ich liebe meine Arbeit.“, „Ich arbeite gerne hier.“, „Ich freue mich auf mein Büro.“ usw. unterzujubeln. Es sind bereits mehrere Verfahren anhängig, die eine derartige Manipulation im Sinne der Arbeitgeber zu unterbinden versuchen.

Subliminale Texte

Im Grunde ist es technisch überhaupt kein Problem, solche unterschwelligen Botschaften per Bildschirm zu übermitteln. Vor kurzem wurde uns ein Programm vorgelegt, das nunmehr auch auf dem Atari ST/TT solche subliminalen Mitteilungen erzeugt. Sein Name: MIND_SUP.ACC (was immer das auch heißen mag). Die Firma Olaf Blum in Berlin stellt uns diese Software, die als Accessory betrieben wird, mit einem sogenannten Gesundheitsmodul vor.

Eigentlich hätte es ein Programmtest werden sollen. Nachdem ich mich aber etwas genauer mit Subliminals im allgemeinen und mit der Wirkung des Programms im speziellen beschäftigt habe, wollten wir eine Besprechung dieses Produktes doch unter einer anderen Rubrik erscheinen lassen - so wurde ein ST-Report daraus. Im Grunde hätte ein Test auch nicht viel erbracht. Das Programm lauert im Hintergrund, blendet kurzzeitig diverse Schrifttafeln ein - und das war’s denn auch schon.

Ob irgendwann einmal Resultate aus den subliminal hervorgebrachten Texten festzustellen sind, müßte über einen langen Zeitraum beobachtet werden. Und dann wäre nicht auszuschließen, daß es mir wohl ohne subliminales Programm auf meinem ST kaum anders (besser oder schlechter) ergangen wäre. Daß das Programm funktioniert, will ich gerne bestätigen.

Lassen Sie uns dennoch einen kleinen Blick auf das Programm selbst werfen, das als ACC installiert sein soll. Zu dem Rumpf-ACC gehören verschiedene Module, die entsprechende Texte zu fest umrissenen Wissensgebieten enthalten. Uns wurde ein Gesundheitsmodul beigelegt. Die Texte befassen sich allesamt mit gesundheitlichem Wohlbefinden und körperlicher Reinheit.

Beispiele: „Meine Sinne arbeiten für mich und sorgen für einen optimalen Austausch mit meiner Umwelt.“ „Der Leistungsumfang meines Hirns wächst ständig und weitet mein Bewußtsein Tag für Tag.“

Als Informatiker bin ich Realist, ich habe im Studium gelernt, wie man analytisch aus wertet, wie man nach fest vorgegebenen Formeln Gleichungen löst. Ich glaube auch, daß es Techniken gibt, die an das Unterbewußtsein gelangen und ihm Informationen weitergeben, ohne daß ich es wahrnehme. Aber ist das alles so einfach?

Reicht es einfach aus, kurzzeitig Schrifttafeln auf meinen Bildschirm zu blitzen - und schon fühle ich mich besser? Oder genügt ein subliminaler Hinweis, während ich mit der Textverarbeitung wirke - und schon ist mein Heißhunger nach Gummibärchen gestillt? Ich halte es mit Shakespeare: „... allein mir fehlt der Glaube.“

Das Programm kostet DM 199,-inkl. Gesundheitsmodul, alle weiteren Textmodule gibt es zum Preis von DM 99,-. Sonderwünsche bezüglich der Texte ist man bereit, für DM 200,- pro Modul zu erfüllen. Angesichts der schweren Nachprüfbarkeit einer Wirkung erscheint mir die Preisgestaltung um einige „Etagen“ zu hoch. Zudem befaßt sich das 13seitige Handbüchlein nur sehr oberflächlich mit der zugrundeliegenden Technik der Subliminalmethode.

Das Steuerpult von MIND_SUP.ACC

Wie schon gesagt, es hätte eigentlich ein Programmtest werden sollen. Die Rubrik „ST-Report“ befaßt sich vornehmlich mit außergewöhnlichen Anwendungen auf oder mit dem Atari-Computer - und dieses Subliminalprogramm gehört durchaus dazu. In meinen Augen sind die gerade erst in Erforschung begriffene Unterbewußtseinsebene unseres Gehirns und die dortigen Vorgänge ungemein interessant, andererseits aber sind uns Anwendungen wie das Programm MIND_SUP. ACC den Beweis noch schuldig, ob sie wie gewünscht und erwartet funktionieren. Ihre reine Existenz und Ablauffähigkeit beweisen das noch nicht.

DK

Eine kleine Auswahl subliminaler Texte


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