Yamaha CX-5M, der Musik-Maestro

Yamahas MSX-Computer CX-5 hat es in sich. Neben den üblichen Standardeigenschaften besitzt er eine Synthesizereinheit und bietet Anschluß für Klaviatur und Stereo-Anlage. Musikbegeisterte Computer-Fans kommen an dieser Konsole nicht vorbei.

Grand Prix der Heimcomputer 1985. Tosender Beifall im Saal für den neuen Sieger. Ein Wunderkind von einst, vernichtend geschlagen, sitzt traurig im Eck: Der Commodore 64. Denn der neue Stern am Firmament der musikalischen Heimcomputer heißt Yamaha CX-5.

Dieser Grand Prix hat in Wirklichkeit nicht stattgefunden, aber am Ausgang eines solchen Wettbewerbs gäbe es keine Zweifel, denn den neuen Stern am Firmament der Musik-Heimcomputer gibt es wirklich. Nach längeren Geburtswehen sieht man ihn jetzt in den Regalen des Musikalienhandels und auch in Computershops vereinzelt stehen.

Yamaha hatte das Wunderkind CX-5 dem erstaunten Publikum bereits im Februar 1984 auf der Musikmesse in Frankfurt vorgestellt. Ein Jahr verging, man hörte viel, aber man sah nichts. Selbst heute geizt Yamaha noch mit Testgeräten, was auch wir zu spüren bekamen. Schließlich erhielten wir »unseren« CX-5 von einem Computer-Shop geliehen.

Das scheint damit zusammenzuhängen, daß Yamaha den CX-5 primär über den Musik-Fachhandel vertreiben will. Eine einseitige Haltung, da auch viele Computerfans sich für ihn interessieren.

Die Konsole vereint zwei Geräte in sich: Zum einen den MSX-Computer, zum anderen ein Musikinstrument. Bevor wir uns auf die besonderen Sound-Talente des guten Stücks stürzen, werfen wir zunächst einen Blick auf seine Qualitäten als »normaler« Heimcomputer.

Solide Tastatur

Wie die meisten MSX-Computer besitzt auch der CX-5 eine sehr gute, übersichtliche Schreibmaschinentastatur. Das Tippgefühl ist gut und sicher. Die fünf doppelt belegten Funktionstasten und der Cursorblock sind von der alphanumerischen Tastatur abgesetzt. Die vier Cursortasten sind spielgerecht angeordnet, liegen für meinen Geschmack aber etwas zu eng beisammen.

Die Konsole wirkt mit ihrem schwarzen Design sehr elegant und paßt optisch gut in die Gesellschaft edler Hifi-Geräte. Weniger elegant ist da das externe Netzteil. Der CX-5 wird über ein klobiges schwarzes Trafo-Kästchen mit Strom versorgt.

Der Yamaha bietet für Joysticks, Drucker, ROM-Module, Kassettenrecorder, Monitor und Fernseher alle MSX-genormten Anschlüsse. Um die Soundtalente voll auszuschöpfen, besitzt er darüber hinaus einen Stereo-Ausgang zum Anschluß an eine Hifi-Anlage. Erfreulich auch die beiden Midi-Buchsen, an die Synthesizer der Midi-Norm angeschlossen werden. Der Anschluß einer Klaviatur ist auch vorgesehen.

Programmierer werden sich über das komfortable MSX-Basic freuen, das im 32 KByte starken ROM abgelegt ist. Beim RAM-Bereich gibt sich der CX-5 etwas bescheiden: Der Arbeitsspeicher beträgt lediglich 32 KByte, von denen gut 28 KByte vom Basic aus angesprochen werden können.

Selbstverständlich ist der CX-5 zur breiten Palette an Peripherie und Software im MSX-Standard voll kompatibel.

Spezialitäten des Hauses

Bei der Konstruktion dieses Heimcomputers hat Yamaha seine Erfahrungen im Musik-Bereich voll ausgespielt. Bei der Wahl des Soundchips war man natürlich an den MSX-Standard gebunden, der den AY-3-8910 als »Musikmacher« vorschreibt.

Dieser Chip verfügt über drei voneinander unabhängige Tbngenera-toren mit variabler Lautstärke und einem Rauschgenerator. Von Dreiklängen bis zu Brandungsrauschen läßt sich alles mit ihm realisieren. Die Lautstärke des Sounds während des Klangablaufs läßt sich mit dem internen Hüllkurvengenerator bestimmen. Dieser ist jedoch eine Schwachstelle des AY-3-8910, wenn man ihn mit dem SID-Chip des Commodore 64 vergleicht. Man kann hier nur aus einigen fest vorgegebenen Lautstärkeverläufen wählen. Commodore-Musiker haben diesbezüglich viel mehr Freiheiten.

Dafür läßt sich der Chip im Yamaha-Computer, dank den speziellen Sound-Befehlen des MSX-Basic, sehr viel einfacher und schneller programmieren. Gründliches Studium der Funktionsweise des Chips ist jedoch Voraussetzung. Danach ist es keine Kunst mehr, die 14 Register des Chips auf passende Werte zu setzen. Bald tönen die gewünschten Sounds und Melodien aus dem Lautsprecher.

Hier helfen die Basic-Befehle SOUND, PLAY und BEEP Der PLAY-Befehl nutzt die sogenannte »Music Macro Language«. Will man zum Beispiel einen D-Dur-Akkord spielen, gibt man einfach »PLAY ”D”, " + F", 'Ä* ein und schon tönt es aus dem Lautsprecher. Genauso einfach setzt man die Register für Tonlänge, Lautstärke und Hüllkurve. Ein entsprechender Befehl sieht folgendermaßen aus: »PLAY”m2000sllt 200”«. In diesem Fall wäre das Hüllkurvenregister (m) auf den Wert 200, die Kurvenform des Oszillators (s) auf 11 und das Tempo (t) auf 200 gesetzt.

Der Klang ist beim AY-3-8910 genauso mäßig wie der aller anderen entsprechenden Chips. Auch der vielgerühmte SID-Chip des C 64 macht hier keine Ausnahme. Es fehlen die satten Bässe und brillanten Höhen. Das Signal ist ständig, wenn auch schwach, von sirrenden Störgeräuschen überlagert.

Das Herz des musikalischen Wunderkindes

Das eigentliche Goldstück des Yamaha-Musik-Computers liegt in einer Art Safe gesichert, an der Unterseite des Gerätes: das FM-Klangmodul SFG01. Es sorgt auf Wunsch statt des Sound-Chips für den Tbn, liegt also außerhalb des MSX-Standards. Dieses Kästchen erzeugt die Töne nach einem völlig neuen Klangsynthese-Prinzip, das der Profi »Frequenz-Modulations-Synthese« nennt und nach dem Yamaha als erster und einziger Synthesizer-Hersteller seine Instrumente erklingen läßt. Die Vorteile an der Sache: fantastischer Klang auch für verwöhnte Musikerohren und ein relativ niedriger Preis. Vor noch nicht mal zwei Jahren erschienen der erste FM-Synthesizer, der legendäre Yamaha DX-7, auf dem Markt. Jetzt gelang das Kunststück, das Volumen des Musikmachers nochmals schrumpfen zu lassen. Der Synthesizer findet heute bequem im »Safe« des CX-5 Platz.

Die Klänge aus dem Yamaha-Computer haben sich von den bekannt blassen Tönen der diversen Sound-Chips hiermit völlig losgelöst. Erstmals auch für Profis salonfähig, besitzen sie eine Brillianz, die nur noch von wenigen Synthesizern der obersten Spitzenklasse übertroffen wird.

Acht verschiedene Klänge kann man dem Modul gleichzeitig entlocken und mit verschiedenen Tönen belegen. Genauso, als hätte man eine Band mit acht verschiedenen Instrumenten vor sich. 43 verschiedene Instrumentenklänge stehen bereits abrufbereit zur Verfügung, vom Piano über das Xylophon bis hm zum Vogelzwitschern. Wem das nicht genügt, dem sind im Erfinden von neuen Klängen kaum Grenzen gesetzt.

Mit der Software wird der Synthesizer richtig ausgereizt

Eine Klaviatur gehört zum System

Wie es sich für einen Musik-Computer gehört, hat man den CX-5 auch mit einem Klaviatur-Anschluß versehen. Yamaha bietet zur Zeit eine externe Klaviatur an: Das Mini-Keyboard YK-01 für zirka 300 Mark mit 44 Schmal-Tasten. Ein weiteres Keyboard mit 49 Tasten soll bald folgen.

Im Betriebssystem des Computers ist bereits ein fertiges Musikprogramm integriert. Der Befehl »Call Music« macht es binnen einer Sekunde startklar. Um es sinnvoll zu nutzen, benötigt man eine der beiden Klaviaturen. So ausgerüstet hat man eine Musikmaschine, die viele der altbewährten Heimorgeln weit in den Schatten stellt. Man kann gleichzeitig Solomelodie und eine polyphone Begleitung spielen. Hierzu läßt sich die Klaviatur per Software an beliebiger Stelle in eine linke und eine rechte Hälfte teilen. Für Spielfaule ist zusätzlich eine Begleitautomatik, die selbsttätig Baß und Begleitharmonien spielt, sowie eine Art Elektronik-Schlagzeug integriert.

Fünf verschiedene rhythmische Grundmuster (Disco, Swing, 16 Beat, Slow-Rock, Walzer und Jazz-Rock) stehen bereit. Der Harmonie-Begleitautomat kann wahlweise nach Flöte, Gitarre, Horn oder Blasinstrument klingen. Leider sind diese Klangfarben jedoch etwas schmalbrüstig programmiert und lassen sich auch nicht ändern. Für den Begleitbaß stehen zwei verschiedene Versionen zur Verfügung, die recht ordentlich klingen.

Mit den zwölf tiefsten Tasten der Klaviatur transponieren wir unser Begleitorchester und bestimmen, ob wir Dur-, Moll-, Mollseptimen oder Septakkord wünschen. Das Ganze funktioniert genau wie die Begleitautomaten herkömmlicher Heimorgeln. Für die kreativere Seite des Ganzen, die von Hand gespielte Begleitung und das Solo, stehen nun jeweils alle 47 Preset-Klangeinstellungen des FM-Moduls zur Auswahl bereit. Mit einer Art Softwaremischpult regeln wir die Lautstärken der einzelnen Orchestergruppen, die Tonhöhe kann man auch stimmen. Mit einem sogenannten LFO lassen sich interessante zusätzliche Tonhöhen-Effekte erzielen. Ein eingebauter »Software-Recorder« schneidet nach Belieben unser Konzert mit und behält sie im Speicher. Natürlich lassen sich die aufgenommenen Musikstücke, genau wie die Parametereinstellungen der aktuellen Vorführung auf Kassette, abspeichern.


Auch bei der Tastatur überzeugt der Yamaha

Die Bedienung des Programms ist kinderleicht. Mit der RETURNTaste lenkt man einen roten Cursor von Parameter zu Parameter. Die Cursortasten dienen dann zur Veränderung des jeweiligen Wertes. Ein Druck auf eine Taste der Klaviatur startet das Begleitorchester, das Drücken der Taste »R« auf der alphanumerischen Tastatur stoppt die Musik wieder. Für professionelle Musiker hat Yamaha den CX-5 midikompatibel entwickelt. Dies verraten die beiden 5poligen DIN-Buchsen an der linken Seite des Computers: »Midi-In« und »Midi-Out«. Über diese Buchsen läßt sich der CX-5 mit anderen midikompatiblen Synthesizern verbinden. Letztere lassen sich dann zum Beispiel von der Klaviatur des CX-5 aus bedienen.

Für Musiker sind auch die ersten drei Softwaremodule gedacht, die Yamaha anbietet. Der FM Music-Composer YRM-101 ermöglicht das mehrstimmige Komponieren im Bildschirmdialog per Notenschrift. Mit dem YRM-102 Voicing-Programm erhält man ein Werkzeug zur gezielten Klangerzeugung des FM-Synthesizers. Das dritte Programm erlaubt DX-7-Besitzern, ihren Synthesizer schnell und übersichtlich zu programmieren. Die spezielle Sound-Software und die Möglichkeiten des Midi-Anschlusses, werden wir in einer der nächsten Ausgaben von Happy-Computer noch ausführlich vorstellen.

(Richard Aicher/hl)

CPU: Z80A
Frequenz: 3,58 MHz
RAM: 32 KByte
ROM: 32 KByte
Grafik: 16 Farben, 32 Sprite-Ebenen, Auflösung: 256 x 192 Bildpunkte
Tastatur: Schreibmaschinen-Tastatur, Leuchtdioden für »Power on« und »Caps lock«
Preise (zirka): Konsole inklusive Synthesizereinheit: 1500 Mark
Klaviatur mit 44 Tasten: 300 Mark
Musiksoftware auf ROM-Modul: je 150 Mark
Die wichtigsten Daten auf einen Blick



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