Textverarbeitung für Atari im Vergleich

Bei einer effektiven Textverarbeitung kommt es nicht nur auf die Programme an, sondern auch auf die Handbücher Lesen Sie einen Vergleich zwischen dem »Atari Schreiber« und »Atext 1«.

Beide Textverarbeitungssysteme sind auf allen gängigen Atari-Computern einsatzfähig. Doch für welches soll man sich entscheiden? Was können diese beiden Textsysteme und wie schneiden sie im direkten Vergleich miteinander ab?

Das Programm »Atari Schreiber« wird als Modul geliefert und kostet etwa 199 DM. Als Datenträger sind sowohl Disketten, wie auch Kassetten verwendbar. Zum Ausdrucken der Texte sind bei diesem Programm bereits Voreinstellungen für diverse Drucker vorgenommen worden. Dabei handelt es sich um den Atari 1020, den 1025, den 1027 und den Epson FX-80 Drucker. Für alle anderen Drucker muß entweder ein spezielles Drucksteuerprogramm verwendet werden, oder man versieht seinen Text mit den entsprechenden Steuerkommandos, die der Drucker benötigt. Geliefert wird ein Modul, zwei Handbücher, eine Referenzkarte und Aufkleber für die Tastatur.

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Atari-Schreiber

Atari-Schreiber

Die Anleitung besteht aus zwei Handbüchern mit jeweils zirka 30 Seiten und einer Referenzkarte. Diesem Punkt hat man bei Atari relativ viel Aufmerksamkeit geschenkt. Im ersten Handbuch findet man Allgemeines und Tips zum richtigen Umgang mit dem Textverarbeitungssystem. Das zweite Buch beinhaltet sämtliche Befehle mit einer kurzen, aber informativen Beschreibung. Zum schnellen Nachschlagen einzelner Befehle dient die Referenzkarte, die ein überaus nützliches Hilfsmittel bei der späteren Arbeit mit dem Programm darstellt.

Das Programm »Atext 1« ist in drei Versionen erhältlich. Man kann hier wählen, ob man sein Programm auf Modul für etwa 199 DM, Diskette für 169 DM, oder Kassette für 149 DM haben möchte. Zur Textspeicherung sind auch hier Disketten oder Kassetten geeignet. Welcher Version man den Vorzug geben soll ist nicht zuletzt eine Preisfrage und wird selbstverständlich von der vorhandenen Konfiguration abhängig sein. Auf die Frage wie und ob dieses Programm mit einem bestimmten Drucker zusammenarbeitet, antwortet das mitgelieferte Handbuch nur vage und es wird dem Benutzer überlassen, dies selbst herauszufinden.

Bei dem Programm » Atext 1« erschien dem Autor eine gute Anleitung offenbar nicht so wichtig. Nicht nur, daß man es versäumt hat, ein Inhaltsverzeichnis anzulegen, der Aufbau ist darüber hinaus derart unübersichtlich, daß dieses Buch als Nachschlagewerk vollkommen ungeeignet ist. Auch wird mancher Benutzer etwas ratlos vor dem einen oder anderen Kapitel sitzen, da einige Erläuterungen unterschlagen wurden, oder zumindest recht dürftig ausfielen.

Schreiben wie mit der Schreibmaschine

Die Textdarstellung des Atari Schreibers erfolgt in 21 Zeilen mit je 35 Zeichen, die sich aufgrund der farblichen Gestaltung - weiße Buchstaben auf blauem Grund auch recht gut auf dem Bildschirm lesen lassen. Deutsche Umlaute und Sonderzeichen sind selbstverständlich und, was besonders überascht, durch ihre Tastaturbelegung wird eine vollkommene Übereinstimmung mit der Tastatur einer deutschen Schreibmaschine erreicht. Dies dürfte vor allem für diejenigen, die des Zehn-Finger-Systems mächtig sind, eine angenehme Überraschung sein. Ebenfalls umgetauscht und damit normgerecht angeordnet sind die Buchstaben Y und Z, sowie alle Satzzeichen. Die Kennzeichnung der neuen Tasten erfolgt mittels der beigefügten Aufkleber, die verschiedene Größen besitzen, passend zu dem jeweils verwendeten Computer.

Das System »Atext 1« hat nichts dergleichen zu bieten. Deutsche Umlaute lassen sich nicht auf dem Bildschirm darstellen und man hat es sogar versäumt, dem Benutzer zu erklären, wie er Umlaute wenigstens auf dem Drucker erzeugen kann. Bei der Textdarstellung auf dem Bildschirm hat man auch einen anderen Weg eingeschlagen. Sie erstreckt sich auf nur 16 Zeilen, dafür aber mit je 38 Zeichen. Erwähnenswert ist hierbei, daß jede Zeile ab der Eingabe des zwanzigsten Zeichens horizontal zu scrollen beginnt. Auf diese Weise lassen sich Zeilen bis zu einer Gesamtlänge von 255 Zeichen erstellen, ohne daß ein Zeilenvorschub auf dem Bildschirm ausgeführt wird.

Auf eine Menüsteuerung wurde bei Atext 1 vollkommen verzichtet. Was das in der Praxis heißt, weiß jeder, der schon einmal mit einem Programm dieser Art gearbeitet hat. Was man also nicht im Kopf hat, das muß man in den Fingern haben - beim Nachschlagen im Handbuch. Um die äußere Form des Textes zu bestimmen, zu editieren und zur Cursorsteuerung werden die Befehle direkt über verschiedene Controltasten eingegeben. Beim Laden oder.Speichern von Texten, sowie beim Drucken wird der entsprechende Befehl in eine Kommandozeile eingetippt, die man durch Drücken der »ESC« Taste erreicht.

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Atext

Atext

Beim Atari Schreiber tut man sich bei der Bedienung schon leichter. Es fängt damit an, daß dieses Programm über ein Hauptmenü verfügt, mit dem sich wichtige Funktionen wie Drucken, Laden, Speichern, Löschen und Anzeigen der vorhanden Dateien und das Formatieren von Disketten einfach ausführen lassen. Hinzu kommt, daß zwar die Editier- und Formatierbefehle nicht einfacher zu behalten sind, daß man aber durch die Referenzkarten wesentlich besser unterstützt wird, als durch das unübersichtliche Handbuch von » Atext 1«. Erwähnen muß man jedoch, daß bei Atext 1 keine Steuerzeichen auf dem Bildschirm erscheinen, wodurch das Schriftbild sauberer wirkt.

20 KByte Textspeicher

Bei beiden Programmen lassen sich etwa 20 KByte Text im RAM speichern. In der Regel dürfte das ausreichen, um erstellte Texte ohne Zwischenspeicherung zu bearbeiten. Sollte ein Text wirklich einmal zu lang werden, so muß er eben in mehrere Teile zerlegt und einzeln abgespeichert werden. Wann man an die Grenze der Speicherkapazität stößt, kann man in beiden Programmen kontrollieren. Bei Atext 1 erscheint ständig eine entsprechende Anzeige am oberen Bildschirmrand, bei Atari Schreiber kann man den verfügbaren Raum über Tastendruck erfahren.

Für manche Benutzer ist es sicherlich interessant, Texte mit Variablen versehen zu können. Dies ermöglicht nämlich die Erstellung von Serienbriefen, die sich nur durch andere Namen und Adressen unterscheiden. Man erstellt also einen Rahmentext, versieht ihn an den gewünschten Stellen mit Variablen und legt eine Datei an, die alle Daten enthält. So wird es einfach, beispielsweise Rundschreiben mit persönlicher Anrede zu erstellen, ohne jeden Brief einzeln schreiben zu müssen. Dies ist bei Atari Schreiber in der oben erwähnten Form ohne weiteres möglich. Bei Atext 1 hingegen ist dies wesentlich umständlicher. Hier muß man den Rahmentext in einen Kopierspeicher übernehmen, alle Variablen per Hand eingeben und dann jeden Brief einzeln ausdrucken.

Zusammenfassend kann man also sagen, daß Atari Schreiber das wesentlich ausgereiftere Programm im Vergleich mit Atext 1 darstellt und eine vernünftige und rationelle Textverarbeitung auf dem Atari ermöglicht.
Wolfgang Czerny/wb


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