Befehlsgewalt: Die wichtigsten MS-DOS-Kommandos

Eine Gemeinsamkeit von TOS und DOS ist die Umständlichkeit beim Kopieren von Disketten. Während Sie sich im ST-Betriebssystem mit so komfortablen Programmen wie »FCopy« behelfen können, raten wir Ihnen im Betrieb unter DOS zum Befehl DISKCOPY. Dieser Befehl ist sehr einfach zu handhaben:

	DISKCOPY A: A:

Im Gegensatz zur Kopierfunktion des Atari-Desktops können Sie bei diesem Befehl zwei gleiche Laufwerke angeben - in unserem Beispiel steckt die Quelldiskette in Laufwerk A. Da der Disketteninhalt nicht auf einmal in den Speicher paßt, fordert Sie das Betriebssystem mehrmals auf, die Diskette zu wechseln. Der große Vorteil dieses Befehls ist die (falls notwendig) automatische Formatierung der Zieldiskette. Der Befehl DISKCOPY ist trackorientiert, das heißt, er kopiert die Quelldiskette eins zu eins auf die Zieldiskette. Wenn sich auf der zu kopierenden Diskette viele durch häufiges Löschen und Beschreiben zerstückelte Dateien befinden, sollten Sie einen anderen Befehl verwenden:

	XCOPY A: B: /S /E

Dieser Befehl kopiert die einzelnen Programme dateiweise. Das heißt, er ist imstande, zersplitterte Dateien wieder zusammenzufügen. Die Parameter legen fest, daß der XCOPY-Befehl - im Gegensatz zum normalen COPY - auch Unterverzeichnisse mitkopiert. Während der Parameter /S den Befehl nur veranlaßt, Verzeichnisse mitzukopieren, in denen sich Dateien befinden, erweitert der Parameter /E den Kopier-Befehl auch auf leere Unterverzeichnisse. Mit dem Parameter »/D: dd.mm.yy« bringen Sie XCOPY dazu, nur Dateien zu kopieren, die an oder ab einem bestimmten Datum gespeichert wurden. Damit ist schon ein relativ einfaches Backup wichtiger Dateien möglich.

Mit zunehmendem Alter von Festplatte oder Disketten müssen Sie sich an den Befehl CHKDSK gewöhnen. Da DOS normalerweise ohne Verify arbeitet, sollten Sie hin und wieder

	CHKDSK C: /F /V

eingeben. Dieser externe Befehl überprüft die Festplatte oder Diskette im angegebenen Laufwerk und identifiziert eventuelle Fehler. Der Parameter /F gibt an, daß gefundene Fehler sofort beseitigt werden. CHKDSK überprüft allerdings nur die Inhaltsverzeichnisse des jeweiligen Mediums. Stößt der Befehl auf verlorene Zeichenketten, legt er sie in Dateien mit den Namen FILEnnnn.CHK ab. Nach Beendigung von CHKDSK sollten Sie diese Dateien auf noch verwendbare Text-Informationen durchsuchen. Der Parameter /V legt fest, daß der Name der gerade untersuchten Datei auf dem Monitor erscheint.

Sie wissen sicher, daß Sie sich mit dem Befehl »DIR« ein Directory auf dem Bildschirm ausgeben lassen. Befinden sich in dem betreffenden Inhaltsverzeichnis jedoch mehr als 25 Dateien, scrollt das Betriebssystem diese - zu schnell zum Mitlesen - einfach durch. Diesen Mangel beheben Sie mit den Parametern /P beziehungsweise /W. Während DIR in Verbindung mit /P den Inhalt des Verzeichnisses seitenweise anzeigt und am Ende jeder Bildschirmseite auf einen Tastendruck wartet, bewirkt die Verwendung des Parameters /W, daß nur die Dateinamen erscheinen. Dadurch passen dann bis zu fünf Einträge in eine Zeile, wodurch das Scroll-Problem sehr elegant umgangen wird. Befinden sich in einem Directory mehr als 120 Dateien, können Sie die beiden Parameter auch zusammen ein setzen.

Sehr nützlich ist auch der folgende Befehl:

	TREE /F

Dieser weist das Betriebssystem an, den Pfad (und falls Sie den Parameter /F verwenden, auch den Inhalt) jedes Verzeichnisses und Unterverzeichnisses auf dem Bildschirm darzustellen. Beachten Sie aber, daß es hierbei sehr leicht zum Durchlaufen des Bildschirms kommt, da Sie die Parameter /P oder/W des DIR-Befehls hier nicht verwenden dürfen.

Gerade wenn Sie Ihren DOS-Emulator nur mit Disketten betreiben, wollen Sie sicher je nach Anwendung von verschiedenen Disketten booten. Dazu ist es allerdings erforderlich, daß die Systemdateien (bei MS-DOS heißen diese IO.SYS und MSDOS.SYS) auf der Bootdisk vorhanden sind. Da es sich bei diesen Dateien um versteckte Files handelt, die mit normalen Kopierbefehlen nicht erreichbar sind, müssen Sie zum Aufbringen der Systemdateien auf die jeweiligen Disketten den Befehl SYS verwenden. Bitte beachten Sie allerdings, daß sich beim Eintippen dieses Befehls eine andere, schon bootfähige Diskette im Laufwerk befindet, die Sie erst auf Anforderung gegen die Zieldiskette auswechseln.

Auch auf DOS-Computern sind Public-Domain-Utilities praktisch unentbehrlich. Wie vom Atari ST gewohnt, sind auch hier die Anleitungen zu diesen Programmen gewöhnlich als READ.ME-Fileauf der Diskette gespeichert. Man könnte sich die Anleitungen zwar per PRINT-Befehl auf dem Drucker ausgeben lassen, aber um nur kurz in die Disketten hineinzuschnuppern, ist diese Vorgehensweise doch zu umständlich. Einfacher ist es, Sie benutzen den Befehl

	TYPE HALLO.DOC /MORE

Der TYPE-Befehl gibt Ihnen die angegebene Textdatei auf dem Bildschirm aus - wie beim DIR-Befehl würde der Bildschirm jedoch durchscrollen. Der Anhang / MORE veranlaßt den Computer deshalb zur seitenweisen Ausgabe des Textes.

Eine große Hilfe für den gestreßten DOS-Anwender ist der PROMPT-Befehl. Mit der Zeile

	PROMPT Uhrzeit = $t$h$h$h$h$h$h$_ 
	Datum = $d$_$p$g

bringen Sie das Betriebssystem dazu, statt eines mickrigen "C:>"-Prompts bei jeder Eingabeaufforderung die Uhrzeit, das Datum und den aktuellen Pfad anzuzeigen. Dabei steht der Parameter $t für die aktuelle Zeit. Leider erscheint diese mit Sekunden und Hunderstel-Sekunden. Um diese unnötigen Angaben zu löschen, fügen wir sechsmal $h ein. Während $__ die Ausgabe zu einem Zeilenvorschub veranlaßt, fügt $d das aktuelle Datum ein. Damit Sie diesen Befehl nicht bei jedem Systemstart neu eintippen müssen, sollten Sie diese Zeile in die Datei Autoexec.Bat schreiben.

**Für alle, die gerne kommandieren, ist MS-DOS genau das richtige.**

Die Batch-Datei

Während der Arbeit mit Ihrem DOS-Emulator werden Sie bemerken, daß sich manche Befehlsgruppen ständig wiederholen. Sie können sich nun viel Zeit und Nerven sparen, wenn Sie diese oft gebrauchten Befehle in einer Stapelverarbeitungsdatei - auch Batch-Datei genannt - zusammenfassen. Sie starten diese Befehlsreihe dann, indem Sie nur noch den Namen der Stapelverarbeitungsdatei eingeben. In der Namensgebung der Batch-Dateien sind Ihnen nur geringe Grenzen gesetzt: Als Extension einer solchen Datei müssen Sie BAT angeben, und der Filename darf nicht von einer anderen Datei belegt sein.

Wenn Sie die Stapelverarbeitungen anwenden, müssen Sie also nur noch einen einzigen Befehl statt einer ganzen Reihe davon eingeben. Sie können sich also mit Hilfe von Batch-Dateien eigene Befehle entwickeln.

Batch-Dateien können Sie sich auf verschiedene Weisen schreiben: Entweder Sie benützen EDLIN, den DOS-eigenen Zeileneditor, oder, was weniger bekannt sein dürfte, den Befehl COPY.

Geben Sie dazu den Befehl

	COPY CON DISKETTE.BAT

ein. Dies weist DOS an, alle folgenden Zeilen, die Sie in die Tastatur eingeben, in die Datei DISKETTE.BAT zu kopieren. Schreiben Sie nun

	REM Dieses Programm formatiert und überprüft neue Disketten.
	REM Legen Sie eine neue Diskette in Laufwerk A: ein 
	FORMAT A: /V 
	CHKDSK A:

Drücken Sie abschließend die Tasten < STRG Z >. DOS sichert nun diese Eingaben in der Batchdatei DISKETTE.BAT. Um diese Batchdatei auszuführen, brauchen Sie nur noch »Diskette« eingeben.

Wie Sie sich eine AUTOEXEC.BAT-Datei richtig anfertigen, können Sie im Artikel »Starthilfe« (Seite 34) nachlesen.

Weniger bekannt ist, daß Sie auch einige Programmierbefehle in Batch-Dateien verwenden können. Mit dem Befehl CALL können Sie aus einer Batch-Datei eine andere Batch-Datei aufrufen, ohne die Ursprungsdatei zu verlassen. Das heißt, sobald die nachgeladene Datei abgearbeitet ist, arbeitet der Rechner an der Ursprungsdatei weiter.

Wie schon weiter oben erwähnt, führt das Betriebssystem die Batchdatei genauso aus, als ob Sie die entsprechenden Befehle eintippen würden. Das bedeutet, daß jede Zeile der Batchdatei vor der Abarbeitung nochmal am Bildschirm angezeigt wird. Diese Ausgabe schalten Sie mit dem Befehl ECHO OFF ab.

Wie bei jeder Programmiersprache können Sie auch in Batchdateien den GOTO-Befehl verwenden. Mit GOTO können Sie aber nicht in andere Batch-Dateien, sondern nur zu Marken innerhalb der gleichen Stapelverarbeitungsdatei springen. Leiten Sie den Markennamen mit einem Doppelpunkt ein, da sonst das Betriebssystem die Sprungmarke als eigenen Befehl auffaßt.

Sie können in Batchdateien auch einen IF-Befehl verwenden. Dieser hat den gewohnten Zweck: Wenn die folgende Bedingung erfüllt ist, führt er den angegebenen Befehl aus.

Von besonderem Nutzen ist der Befehl PAUSE. Wenn Sie während der Ausführung einer Batchdatei eine Diskette auswechseln oder sonst eine Aufgabe durchführen müssen, unterbricht der Befehl PAUSE die Durchführung der Stapelverarbeitung solange, bis Sie eine beliebige Taste drücken.

Vielleicht kennen Sie aus den Tagen, an denen Sie noch mit dem ST-Basic experimentierten, den REM-Befehl. Genauso wie in Basic benötigen Sieden REM-Befehl bei Stapelverarbeitungen zum Anbringen von Kommentaren oder Titelzeilen. Solange Sie die Textausgabe nicht mit ECHO OFF unterbinden, zeigt DOS auch den Inhalt der Kommentarzeilen an. (uh)


Gerhard Bauer
Aus: TOS 06 / 1991, Seite 28

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