Mailboxnetze: ...natürlich mit der MAUS!

Die Mailbox-Szene boomt wie nie. Ein Modem gehört mittlerweile zur Grundausstattung eines Computers. Erfahren Sie Historisches und Aktuelles über die erste Adresse für Atari-Benutzer, das MausNet.

Seitdem Modem- und Computerpreise in erschwingliche Regionen gefallen und der Anschluß an das Telefonnetz einfach geworden sind, erfahren Mailboxen einen regen Benutzer-Zuwachs. Kein Wunder, bieten sie doch einen schnellen Informationsaustausch mit Teilnehmern in der ganzen Welt. Längst ist das Medium nicht mehr reiner Selbstzweck. Die noch vor einiger Zeit dominierenden Themen à la »Wie bohre ich mein Modem auf« machen mittlerweile nur noch einen Bruchteil des Datenaufkommens aus. Neben Computer-bezogenen Foren eröffnen sich den Mailbox-Usern Diskussionsmöglichkeiten über das Zeitgeschehen, der Austausch von hausgemachter Lyrik und medizinische Fachsimpelei, um nur einen kleinen Ausschnitt der Bandbreite zu nennen.

Für Sie als Atari-Anwender ist das »MausNet« der heiße Tip. Hier können Sie sich kompetenter Ansprechpartner gewiß sein, wenn Schwierigkeiten bei der Anwendung oder Programmierung von Applikationen auf STe, TT oder Falcon auf-treten. Viele Hürden, die ohne Mailbox-Zugang unüberwindlich scheinen, nehmen Sie mit dem Rat anderer MAUS-User locker.

Start mit 2 Disketten

Zunächst zur Entstehungsgeschichte des MausNet: Mitte der 80er Jahre haftete den wenigen existierenden Mailboxen noch ein Hauch von Exotik an. Sie waren aufgrund ihrer kryptischen Benutzeroberflächen nur für wenige Freaks benutzbar. Einige Computer-Fans im westfälischen Münster hatten die Nase voll von dieser Art Mailbox und faßten den Entschluß, ein eigenes System aufzubauen - auf dem inzwischen legendären »Basis 108«, einem Apple-II-Nachbau mit zwei 640-kByte-Diskettenlaufwerken. Ihre Mailbox sollte durch übersichtlich gegliederte, hierarchische Menüs leicht zu bedienen sein und trotzdem genügend Leistungsreserven für fortgeschrittene Benutzer bieten. Gesagt, getan: Nach mehrwöchiger fleißiger Programmierarbeit in Turbo Pascal konnte am 30.4.1985 die Mailbox in Betrieb genommen werden. Ein Name war auch schnell gefunden: M.A.U.S. - Münsters Apple User Service.

Die Software wurde rasch weiterentwickelt. Schon bald portierten die Programmierer die Mailbox auf einen IBM-kompatiblen PC. Da der Name M.A.U.S. nun nicht mehr uneingeschränkt galt, ließ man einfach die Punkte verschwinden. Nach kontinuierlichen Detailverbesserungen an der MAUS brachte das Jahr 1989 einen Quantensprung: in Aachen wurde eine weitere MAUS in Betrieb genommen und mit der Ur-MAUS in Münster vernetzt - das MausNet war geboren. Immer mehr Computerbesitzer fanden Gefallen an den Mäusen, so daß nach und nach die Zahl der Systeme anwuchs. Heute gibt es etwa 80 Mailboxen im MausNet, darunter einige Atari-Computer, auf denen die zum MausNet kompatible »Quark«-Software läuft.

Das MausNet ist seit einiger Zeit auch in Österreich präsent. Für grenzüberschreitenden Datenaustausch sorgen außerdem viele Gateways, die das MausNet mit anderen nationalen und internationalen Netzen verbinden (InterEunet, FidoNet, Z-Netz u. v. a. m.).

Einfach schneller

Die Attraktivität des MausNet ist nicht zuletzt durch die sehr kurzen Laufzeiten der Nachrichten begründet. Die Mäuse tauschen jeden Morgen ab 4 Uhr die Mitteilungen aus. Schreiben Sie also einem User einer anderen MAUS eine persönliche Mitteilung (Mail), können Sie schon am übernächsten Tag mit dessen Antwort rechnen. Da immer mehr MausNet-Boxen sich dem zusätzlichen abendlichen Austausch anschließen, sind Antworten auf Nachrichten, die Sie bis zum Abend abgeschickt haben, häufig schon am darauffolgenden Morgen beim Empfänger! Diese Form des Informationsaustausches ist also wesentlich schneller als Briefe und auch erheblich preiswerter. Viele andere private Datennetze haben mit der Beförderungsgeschwindigkeit dagegen des öfteren Probleme. Anders als in manchen Netzen muß sich jeder Benutzer mit seinem richtigen Namen eintragen. Pseudo-Namen werden nicht geduldet; schließlich möchte jeder wissen, mit wem er kommuniziert.

Neben der Möglichkeit des privaten Nachrichtenaustauschs zwischen zwei Benutzern per Mail gibt es die öffentlichen Mitteilungen, sog. Messages (in der Szene kurz »Msgs« geschrieben). Diese können Sie in vielen öffentlich zugänglichen »Gruppen« - das sind Foren mit einem definierten Themenspektrum -absetzen. Für die Teilnahme oder den Schreibzugriff bei einigen Gruppen müssen Sie zunächst den lokal zuständigen Gruppenchef um die Eintragung als Mitglied der Gruppe bitten. Zumeist handelt es sich dabei um Gruppen, die besondere Teilnahmebedingungen verlangen. Neben den bereits angesprochenen Gruppen mit vielfältigen, nicht auf Computer beschränkten Inhalten, gibt es für Atari-Benutzer ein reichhaltiges Angebot an Gruppen, die sich ausschließlich oder überwiegend mit der Hard-und Software der Firma aus Sunnyvale drehen. Einige Beispiele: Atari Soft, Atari Hard, Atari-Exp und die mit dem Internet vernetzten englischsprachigen Gruppen comp.sys.atari.st sowie comp.sys.atari.st.tech. Diese Namen können von MAUS zu MAUS abweichen.

Solidarbeitrag erbeten

Sie können sich vorstellen, daß die Bereitstellung der vielen Möglichkeiten, die die MAUS bietet, einiges kostet: Telefongebühren und Anschaffung von Computern, Festplatten, Modems und anderen Peripheriegeräten schlagen ins Kontor der Sysops, die ihre MAUS in der Regel hobbymäßig betreiben. Deshalb werden Sie nach dem Eintrag als User einer MAUS um eine Spende gebeten (ca. 30 bis 60 Mark jährlich), die Ihnen als Gegenleistung das »$« einbringt. Es ist Voraussetzung für die Möglichkeit, persönliche Mails über das Netz an andere Mailboxen zu schicken. Außerdem gestehen die Sysops Usern, die mit dem Dollar ausgezeichnet sind, längere Online-Zeiten in der MAUS zu, die sie unter anderem für das Empfangen von Programmen nutzen können (»Download« oder auch »Saugen«).

Online: Während es vor Jahren noch üblich war, seine Nachrichten während der bestehenden Verbindung zur Mailbox zu lesen und zu kommentieren, ist das heute die Ausnahme. Nun werden »Frontends« eingesetzt, die alle Ihre Mails und Messages, normalerweise komprimiert, an die MAUS senden und ein ebensolches Päckchen mit Nachrichten zurückbekommen. Sie können zuhause dann in Ruhe alles lesen und kommentieren. Resultat: die Online-Zeiten, und damit Ihre Telefongebühren sinken erheblich, und andere Benutzer haben bessere Chancen, die MAUS zu erreichen.

CAT stellten wir Ihnen bereits im vergangenen Jahr vor [1]. Jetzt liegt, nach langer Wartezeit, die neue Version 2 vor. Einige Verbesserungen: der Editor wurde vollständig erneuert, es gibt ein neues Datenbankformat, das jetzt auch dokumentiert ist. CAT läuft unter Magix und MultiTOS. Zitate in Kommentaren werden hervorgehoben und Textattribute wie Fettdruck und Kursivschrift unterstützt. Das Programm ist schneller geworden und wird komfortabel mit Hilfe eines Installationsprogramms auf Ihrer Festplatte eingerichtet. Allerdings benötigen Sie nun mindestens 800 kByte freien Hauptspeicher, damit CAT funktioniert. Weiterhin bleibt CAT Shareware, denn CAT 2 gibt es nur in der Vollversion, die im Gegensatz zu CAT 1 auch frei kopiert werden darf. Bei regelmäßiger Benutzung wird der Shareware-Beitrag von 50 Mark fällig (Update von Version 1 für 15 Mark), womit Sie das Recht auf weitere kostenlose Updates erwerben, thl

Die aktuelle Version von CAT erhalten Sie gegen Einsendung einer formatierten Diskette mit frankiertem und an Sie selbst adressierten Umschlag bei: Johannes Göttker-Schnetmann, Gasselstiege 458 a, D-4400 Münster. Infos auch per E-Mail: Johannes Göttker-Schnetmann @ MS, Dirk Steins @ K2.35

[1] Patrick Dubbrow, Tierische Leidenschaft, ST-Magazin 3/1992


Patrick G. Dubbrow
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