Papillon: Neuester Stand der Dinge

»State of the Art« nennt ASH sein Grafiktalent »Papillon« - weil es z. B. sauber unter GEM arbeitet. Wie groß ist der Schritt in Richtung Zukunft?

Heutzutage ist Farbe gefragt. Die Low-cost-Konkurrenz der PC-VGA-Karten hat in der Atari-Welt tiefe Komplexe und den Wunsch hinterlassen, zumindest auf dem Monitor genauso bunt wie die Dosen daherzukommen - auch wenn’s sich kaum zu Papier bringen läßt. Ein Grafikprogramm für TOS-Rechner, das dem Zeitgeist Rechnung trägt, arbeitet nicht nur auflösungsunabhängig, es beachtet auch penibel die GEM-Standards und bietet mindestens 256 Farben.

Genau in diese Kerbe schlägt Application Systems mit »Papillon«, einem Grafiktalent der 200-Mark-Klasse, das sich schon vom Preis her an ein breites Publikum wendet und dessen erste Vollversionen die Heidelberger seit kurzem ausliefern. Saubere Programmierung und Benutzerführung unter Berücksichtigung aller GEM-Standards, Lauffähigkeit auf allen TOS-Rechnertypen und den meisten Grafikkarten, beliebig große Bilder in echten GEM-Fenstern, eine dynamische Speicherverwaltung oder automatisches Mitscrollen des Bildes am Fensterrand - alles ehrbare Ansprüche, die den Sinneswandel bei der Programmierung von Grafiksoftware dokumentieren und die man gar nicht positiv genug bewerten kann.

Papillon ist ein reinrassiges Rastergrafikprogramm und jongliert mit Farbgrafiken gleichermaßen gekonnt wie mit monochromen Bildern, mischt sogar beide Typen über seine Konvertierungs-Algorithmen. Um es vorwegzunehmen: Papillon eignet sich in erster Linie zur Bearbeitung digitalisierter Grafik und weniger als Handwerkszeug für Vielzeichner, Pixelartisten oder gar Low-level-Konstrukteure.

Papillon bevorzugt die Atari-Standardformate Degas, Neochrome, Doodle, Stad, IMG oder das farbige XIMG. Der Flattermann (Papillon, franz. = Schmetterling) ist aber auch offen für Daten anderer Systeme - ein Tribut an die Tatsache, daß immer mehr Anwender mehrere Computersysteme parallel benutzen und deren Leistungsmerkmale kombinieren. Bilder vom Apple Mac (Mac-Paint) sind ebensowenig ein Problem für Papillon wie PC-Grafiken (GIF- bzw. PCX-Format) oder Amiga-Bilder (IFF). Lediglich die unterschiedliche Datenträgerformatierung steht dem grenzenlosen Datentausch noch im Weg, sofern die Übertragung nicht per Kabel erfolgt. Leider steuert Papillon selbst keine Scanner an.

Überhaupt versteht sich Papillon ganz offensichtlich nur als Puzzlestück zur optimalen Software-Umgebung: Das Programm will nicht alle Probleme selbst lösen, sondern überläßt Teilaufgaben anderen Applikationen, die das sowieso besser machen und spart dafür lieber am Kaufpreis.

Bereits im Handbuch erwähnen und empfehlen die Autoren zahlreiche Programme rund um den Schmetterling, die dem modernen Poweruser die Arbeit versüßen.

Unsere Papillon-Testversion stolperte einige Male über die Tatsache, daß zwei Grafikdateien mit gleichem Extender längst nicht immer dasselbe Format haben und daß es immer mehr Aufwand erfordert, dem wuchernden Formatwirrwarr Herr zu werden. Das Handbuch empfiehlt, in solchen Fällen auf einen Bildformatprofi wie Convert 2 zurückzugreifen.

Zurück zu den Programmfunktionen. Natürlich gilt es, beim Farbeinsatz Bilder unterschiedlicher Paletten zu kombinieren. Papillon stellt maximal 256 Farben zur Verfügung, sofern noch eine entsprechende Mindestauflösung zum Aufbau der Benutzeroberfläche gewährleistet ist. Im Klartext bedeutet das, daß der Schmetterling in 256 Farben zwar problemlos über Großbildschirme flattert und auch mit allen gängigen Grafikkarten liebäugelt, bei der niedrigen TT-Auflösung aber die Flügel streckt. 256 Farben sind ohne Zusatzhardware also nur auf dem Falcon zu haben.

Skalieren einer 256-Farben-Grafik funktioniert problemlos

Indirekt empfiehlt ASH im Handbuch den Kauf einer Grafikkarte: »So richtig zur Geltung kommt Papillon, wenn es mit einer Grafikkarte und einem Großbildschirm Zusammenarbeiten darf,...« und gibt auch gleich konkrete Tips zum Test von Karte und VDI-Treiber vor dem Kauf. Natürlich bleibt das »NVDI« in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt.

Was aber, wenn eine Grafik mit 16,7 Mio Farben z. B. vom Mac-Scanner kommt? Sie umfaßt mehrere MByte und wird wahrscheinlich auf einer Wechselplatte etc. geliefert. Zunächst gilt es, den Gigant auf 256 Farben zu reduzieren. Geschah das nicht schon auf dem Mac, kann es vielleicht der Amiga des Nachbarn oder das EBV-Programm im DTP-Studio. Die Datei wandert dann auf eine IBM-formatierte Diskette und von dort in Papillon auf einen TT. Da die hohe TT-Auflösung nur 16 Farben darstellt, konvertiert Papillon das Bild erneut. Dabei gibt es mehrere Verfahren.

Bevor wir näher darauf eingehen, sind allerdings noch einige Worte zum Ausbau des Arbeitsspeichers angebracht: Je größer eine Grafik ist und je mehr Farben sie besitzt, desto höher natürlich der Speicherbedarf. Papillon schlägt zwar DIN A4 oder DIN A5 bzw. das Format 640x400 vor, setzt dem Bildformat aber grundsätzlich keine Grenzen.

Wer die 32 000 Bildpunkte eines Monochrom-Bildes gewohnt war, wird über die Inflation erschrecken. Mit 1 MByte RAM funktioniert Papillon zwar theoretisch, damit können Sie aber schlicht und einfach nicht arbeiten. Sogar 2 MByte RAM sind in zwei von drei Fällen zuwenig. Vernünftiges Arbeiten ist erst ab 4 MByte RAM möglich, doch selbst da sind ganz flott die Grenzen erreicht: Papillon stützt z. B. seine Textfunktionen auf GDOS-Fonts. Wer so unvorsichtig ist, den Font-Suchpfad einfach auf den prallvollen GEMSYS-Ordner zu setzen, dem wird das Wasser in die Augen schießen, wenn Papillon den Arbeitsspeicher mit allen verfügbaren Fonts vollmüllt (wenn Calamus das täte!). Noch ein klitzekleines 32-Graustufen-Bildchen zusätzlich und Sie dürfen toben, wenn der Schmetterling nach minutenlangem Floyd-Steinberg-Konvertieren feststellt, daß 4 MByte doch ein bißchen zu wenig zum Weiterarbeiten sind.

Außerdem macht sich die - eigentlich lobenswerte -Speicherverwaltung von Papillon nachteilig bemerkbar: Um ein UNDO/REDO zu realisieren, fordert der Schmetterling jeweils einen Puffer in Bildgröße an. Bei einem gescannten Bild mit lediglich 32 Graustufen bleibt jedoch auch bei 4 MByte RAM kaum noch Spielraum. Es wäre sinnvoll, den UNDO-Puffer bei Bedarf per Tastaturkürzel und einer Dialogbox freizugeben: »Achtung! Wenn Sie den Puffer aufheben, ist kein UNDO mehr möglich! Ok/Abbruch«.

Doch zurück zu den verschiedenen Konvertierungsverfahren von 256 in 16 oder weniger Farben. Papillon unterscheidet drei Methoden: »Ähnlichste Farben« sowie das »Floyd-Steinberg«-Verfahren mit und ohne Vorausschau.

Alle Grafiken erscheinen, wie bereits erwähnt, in echten GEM-Fenstern. Importierten Bildern, z. B. Scans, stellt Papillon automatisch die passende Fläche zur Verfügung. In jedem Fall muß ein Bildausschnitt oder die gesamte Grafik als Block definiert werden, bevor die Bearbeitung möglich ist.

Das Konvertierungsverfahren »Ähnlichste Farben« wandelt die Farbe jedes Punktes aus der Palette der Quellgrafik in die ähnlichste verfügbare Farbe der Zielpalette. Vorteil: Schnelle Bildbearbeitung. Diese Methode eignet sich vor allem zur Konvertierung strichbetonter Grafik.

Das sog. Floyd-Steinberg-Verfahren ist das Standardverfahren zur Konvertierung von Bildern, bei denen es auf möglichst farbgetreue Wiedergabe ankommt. Im Gegensatz zum eben beschriebenen Verfahren wird hier nicht Punkt für Punkt angepaßt, sondern ein möglichst ähnlicher optischer Eindruck durch eine »Wolke« von Punkten verschiedener Farben erzeugt. Wird dieses Verfahren »mit Vorausschau« eingesetzt, bezieht der Algorithmus beim Ermitteln der Zielpunkt-Farbe die nähere Umgebung mit ein. So lassen sich schärfere und kontrastreichere Ergebnisse erzielen.

Gescannter Farbimport, im Floyd-Steinberg-Verfahren konvertiert
Floyd-Steinberg (o.L), einfach skaliert, 4x4-Raster und Halbtonverfahren

Neben der Wahl des Konvertierungsverfahrens beeinflußt natürlich die Wahl der Farbpalette das Ergebnis entscheidend. Fertig konvertierte Grafiken lassen sich außerdem durch Änderung von Kontrast und Helligkeit (über Schieberegler) optimal abstimmen.

Ein weiterer herausragender Bereich, in dem sich Papillon austobt, ist der Austausch von Bilddaten zwischen Farbe und Monochrom. Die Anwendungsmöglichkeiten sind herrlich: Farbgrafiken können konvertiert und schwarz auf weiß zu Papier gebracht werden, monochrome Bilder als Block in farbige Grafiken (und umgekehrt) eingearbeitet, Schwarzweißgrafiken nachträglich mit Farbe aufgepeppt, Farben verfälscht werden...

Papillon setzt unterschiedliche Methoden zur Wandlung von Vorlagen ein. Das sog. Halbtonverfahren dürfte aus dem Zeitschriften- und Zeitungsdruck bekannt sein: Mehrere (Farb)Kleckse liegen so übereinander, daß sie mit ihrer Größe Licht und Schatten und damit die Konturen des Bildes definieren.

Die sog. 4x4-Rasterung ersetzt Graustufen durch Punktraster. Eine weiße Fläche enthält natürlich keine schwarzen Pixel, eine ganz schwarze eben nur schwarze. Eine Pixelverteilung wie auf dem Schachbrett ergibt in etwa ein 50-Prozent-Grau, andere Grauwerte reduzieren oder verstärken entsprechend ihren Anteil schwarzer Pixel pro Flächeneinheit.

Das Floyd-Steinberg-Verfahren mit und ohne Vorschau haben wir bereits erwähnt: Es eignet sich dazu, einen möglichst naturgetreuen Eindruck, eine Impression des Originals durch vorausschauende Betrachtung der Umgebung zu erzeugen. Mit Vorschau beansprucht dieses Verfahren

die längste Rechenzeit, liefert aber mit Abstand die besten Ergebnisse - allerdings nur auf dem Monitor. Beim Ausdruck in Schwarzweiß dagegen sieht es anders aus: FS-konvertierte Grafiken wirken schnell matschig, weil sie ja gleitende Übergänge zwischen den Farbhelligkeiten erzeugen und daher meist sehr kontrastarm ausfallen. Zum Drucken kommen wir aber später. Grundsätzlich lassen sich wie bei Farbgrafiken Helligkeit, Kontrast, Größe und verwendete Rasterung auch bei monochromen Vorlagen ändern. In Schwarzweiß sehen die Methoden zur Änderung dieser Parameter naturgemäß etwas anders aus als in Farbe oder bei echten Graustufen. Die herausragende Funktion im Monochrom-Bereich ist zweifellos das stufenlose Skalieren, also Vergrößern und Verkleinern bzw. Anpassen von Rastergrafiken an ein gewünschtes Format. Wer die kümmerlichen Ergebnisse aus »Stad«, »Omikron Draw« oder dem »Creator« kennt, wird eine brauchbare Skalier-Routine schon lange vermissen. Papillon geht einen sehr (zeit)aufwendigen aber dafür sehr wirksamen Weg: Über eine sog. Gewichtsmatrix bewertet das Programm jeden einzelnen Bildpunkt in seinem Grauwert im Verhältnis zu den Grauwerten der umliegenden Pixel.

Dadurch entsteht eine ziemlich präzise Graustufenabbildung, die natürlich nur der Computer kennt, weil der Monitor ja keine echten Graustufen darstellen kann. Diese virtuelle Abbildung läßt sich nun um den gewünschten Faktor vergrößern oder verkleinern. Das virtuelle Graubild rechnet der Computer mit Hilfe des Floyd-Steinberg-Verfahrens wieder in ein Monochrombild zurück und präsentiert das Ergebnis schließlich schwarzweiß auf dem Bildschirm.

Wie die Bewertung der Grauwerte durch den Computer jeweils ausfällt, stellt man durch Änderung der Zahlwerte in der Gewichtsmatrix ein. In solchen Fällen ist eine UNDO/REDO-Funktion wichtig, da optimale Ergebnisse sich nur experimentell im schnellen Vergleich von Original und Resultat ermitteln lassen.

Beim Vergrößern strichbetonter Grafiken hilft zusätzlich die Funktion »Abrunden«, die häßliche Treppchen ausgleicht und weichzeichnet. Dadurch verdicken sich allerdings die Konturen etwas.

Sicherlich mag die Matrix-Methode verwöhnten Anwendern langsam und umständlich Vorkommen, ebenso das Drehen von Bildern über die Eingabe von Winkelwerten. Berücksichtigt man die Performance der TOS-Computer, läßt sich das Problem aber kaum eleganter lösen als mit der Flexibiliät einer variablen Matrix.

Unsere Testversion beanspruchte für aufwendige Aufgaben auch auf einem TT noch ziemlich haarsträubende Rechenzeiten. Bis dieser Testbericht erscheint, soll jedoch eine erheblich schnellere Version fertig sein. Außerdem: Das Ergebnis spricht für sich.

Fließende Farbverläufe im Hintergrund
Schrift im Bild und nachträgliche Änderung der Farbpalette
Schwarz/Weiß und Farbe kombinieren, Bilder beschriften

Ähnlich wie das Skalieren funktioniert auch das Filtern, eine Methode zur Kontraständerung monochromer Bilder. Auch hier kommt eine Matrix zum Einsatz. Zuerst errechnet der Computer wieder ein virtuelles Graubild und wendet dann die Regeln der Filtermatrix an, die zuvor durch Eingabe der Zahlwerte definiert wurden. Um die gewünschte Weichzeichnung zu erreichen, sind auch hier Erfahrungswerte und Experimentieren gefragt. Ein Filterlauf kann z.B. auch mehrmals hintereinander erfolgen, beansprucht dann aber entsprechend längere Rechenzeit.

Einstellung der Farbpalette...

Änderung der Helligkeit monochromer Grafiken erfolgt über das sog. Histogramm, das Kennern in ganz ähnlicher Manier aus »Fotolab« bekannt sein dürfte: Ein Koordinatensystem repräsentiert mit der horizontalen Achse die Helligkeitswerte der Quellgrafik und mit der vertikalen Achse die der Zielgrafik.

Durch manuelle Änderung des Funktionsgraphen (der aus 16 Stützpunkten besteht) ändert sich das Helligkeitsverhältnis zwischen Quelle und Ziel.

Kein Wort ist bisher zu den manuellen Bearbeitungsmöglichkeiten von Bildern gefallen. Am linken Rand jedes Bildfensters stellt Papillon in einer Werkzeugleiste elementare Malfunktionen zur Verfügung: Rechteck, Linie, Kreis/Ellipse, Sprühdose, Füllfunktion, Stift, Radiergummi usw.

Für die Malfunktionen sind leider keine Traumnoten drin: Die Größe der Sprühfläche läßt sich nicht variieren, das Radiergummi erlaubt nur rechteckige Formen, die etwas altbackene 3-Zoom-Lupe nur pixelweise Bearbeitung des Ausschnitts (anstatt alle Malfunktionen zu übernehmen). Füll- und Linienmuster lassen sich leider nicht editieren.

Außerdem übergeht die Füllroutine der Werkzeugleiste geschlossene Buchstaben-Innenräume bei Text im Bild (z. B. beim O, A, e, B, D etc.). Beim manuellen Nachfüllen trifft man dann leicht die Buchstabenfläche und das ganze Zeichen wird genauso gefüllt wie der Hintergrund, verschwindet also. Hier hilft nur Übung bzw. ein anderer Verknüpfungs-Modus (XOR). Die Möglichkeit zur Erzeugung von Farbverläufen tröstet aber über dieses kleine Manko hinweg. Was die Malfunktionen angeht, hat Application Systems außerdem bereits Nacharbeitung angekündigt.

Mit Recktecken, Kreis(bögen), Ellipsen, Bezierkurven und Splines geht Papillon ganz eigen um: Solange sie noch nicht abgelegt sind, lassen sie sich komfortabel wie Vektorobjekte ändern, erst abgelegt zeigen sie wieder ihren wahren Charakter als Pixelgrafiken. Praktisch! Wesentlich liebevoller als die Malfunktionen wurden die Blockfunktionen sowie Schere und Lasso gestaltet - ein deutlicher Hinweis, daß Papillon eigentlich Elektronische Bildverarbeitung (EBV) auf Low-cost-Niveau ist und kein Allround-Grafiker. Mit dem Blockwerkzeug markierte Ausschnitte sind grundsätzlich rechteckig, während mit der Schere ausgeschnittene Blöcke exakt der Cursor-Spur folgen. Beim Lasso schließt sich der Block pixelgenau um die Konturen seines Inhalts.

Mit der Lassofunktion lassen sich speziell in Farbe interessante Effekte erzielen: In Zusammenwirkung mit dem Menüpunkt »Farbtrennung« im »Einstellen«-Menü können Konturen durch Änderung der Farbtoleranz sauber von ihrer Umgebung gelöst werden. Anschließend werden sie aus dem Bild getrennt oder in ihrer Farbe verändert. Im Vergleich zu den mageren Maloperationen ein wunderbarer Experimentierkasten zur Bildmanipulation!

Papillon beherrscht natürlich auch Textoperationen im Bild. Wie beim DTP verlangt der Schmetterling dazu einen Textrahmen. Sobald er aufgezogen ist, öffnet sich ein Minimal-Editor und der gewünschte Text kann eingetippt werden. Längere Texte lassen sich zentriert, linksbündig, im Flatter- oder Blocksatz ablegen.

... sowie Kontrast, Helligkeit und Farbsättigung

Papillon verwendet GDOS-Zeichensätze. Die Fonts bieten bekanntlich mehrere feste Schriftgrößen, die im Bild auch zur Verfügung stehen. Leider gibt es bisher keine Farbdruckertreiber für GDOS-Fonts und die Atari-GDOS-Druckertreiber sind noch ziemlich buggy. Einerseits muß man sich wirklich freuen, daß ein Softwarehaus die Standards des Herstellers berücksichtigt, andererseits sind eben diese Standards noch so unvollkommen, daß es schon fast wieder ein Nachteil ist. Immerhin ist Besserung in Aussicht: Sollte Speedos als GDOS-Ersatz kommen (FSMGDOS ist vom Tisch), will Application sofort nachziehen.

Was nützt die schönste Bildbearbeitung, wenn sie nur auf dem Bildschirm beeindruckt? Mit dieser Frage kommen wir zum letzten Kapitel der Besprechung: Dem Eindruck beim Ausdruck. Grundsätzlich bietet Papillon Treiber für Atari-, Epson- und HP-Laser, für HP-Deskjet, NEC P6 und Epson FX. Da auch die meisten Modelle anderer Hersteller eines dieser Geräte emulieren, dürfte es in den seltensten Fällen Probleme bei der Anpassung geben. Das Handbuch enthält eine umfangreiche Liste der ersetzbaren Geräte. Soweit, so gut.

Verschiedene Konvertierungsmöglichkeiten bei der Anpassung
Kontrastwerte und Graumuster ändern über das Histogramm
Vergrößern und Verkleinern über Werteingabe
Die Filtermatrix bestimmt das Ergebnis

Die angesprochenen Druckertreiber eignen sich aber nicht für den Farbdruck. ASH empfiehlt dafür Signum 3, das ausgefeilte Treiber für Ausdrucke bis 64 Farben (ohne Dithering) bietet. Die Heidelberger argumentieren, Signum 3 sei so verbreitet, daß dies durchaus vertretbar sei. Außerdem biete man immerhin sehr attraktive Kombipreise. So ganz ohne eigene Farbdruckertreiber scheint es Application Systems aber trotzdem nicht besonders wohl zu sein: die Heidelberger haben bereits einen Treiber für den HP Deskjet Color 550 angekündigt.

Wer mit Calamus arbeitet und darauf spekuliert, mit Papillon ein preiswertes EBV-System zu erhalten, guckt in die Röhre: Einer Anfrage zufolge zeigt DMC leider wenig Interesse, Treiber für den Farbdruck von Papillon-Bildern zu entwickeln. Bleibt höchstens die Vierfarbseparation. Der Export als Farb-EPS auf MS-DOS oder an einen Dia-belichter ist zwar denkbar, tröstet den Durchschnittsanwender aber kaum.

Außerdem kann man sich darüber streiten, ob die erschwinglichen Farbdrucker für den Heimgebrauch überhaupt zufriedenstellende Ergebnisse liefern (vgl. auch Farbdrucker-Vergleichstest S. 26). Bei einfachen Farbflächen und strichbetonten Grafiken genügt deren Qualität zwar allemal. Mit Mischfarben und sanften Verläufen hat aber selbst ein HP Deskjet Color 550 zu kämpfen. Auf jeden Fall ist die Computerhardware der Leistungsfähigkeit von Druckern spürbar voraus und man sollte nicht zuviel erwarten. Farbe ist heute zwar gefragt, um zum Gedanken vom Anfang des Beitrags zurückzukehren, doch wird sie leicht zum Selbstzweck.

Die Moral von der Geschieht': Papillon leistet dem Hobbyisten unschätzbare Dienste beim Konvertieren von Farbe in Monochrom (daher sind die Farb-Features trotz aller Anmerkungen unverzichtbar), beim Skalieren monochromer Rastergrafik, ganz allgemein bei der Aufbereitung digitaler Bilder für den Ausdruck in Schwarzweiß.

Wer wirklich mit Farbe arbeiten muß (und nicht nur damit spielt und experimentiert), kommt auch mit Papillon nicht um zusätzlichen Aufwand herum: Ein TT oder Falcon mit wenigstens 8 MByte RAM, Grafikkarte und Großbildschirm, große Festplatte, mindestens ein sehr guter Farbtintenstrahler, vielleicht ein Farbscanner... (hu)

WERTUNG

Papillon

Hersteller: Application Systems Heidelberg
Preis: 198 Mark
ASH bietet sehr attraktive Kombiangebote. Unbedingt vor dem Kauf informieren!

empfohlene Hardware: ST/STE/TT/F030, Festplatte, 4-8 MByte RAM (min. 2 MByte), Grafikkarte, Großbildschirm

Stärken: GEM-konform, hervorragende Blockskalierung, sehr gute Konvertierung zwischen Farbe und Mono, Sonderfunktionen (Farbtrennung), effektive Blockoperationen (Schere, Lasso), gute Textoperationen über GDOS, sehr gutes Handbuch, sehr preiswert

Schwächen: kein Farbdruck, magere Malfunktionen, hoher Speicherbedarf, sogar auf TT sehr lange Wartezeiten bei der Berechnung, GDOS-Fehler

Fazit: Sehr empfehlens- und preiswerter Schritt in Richtung Zukunft mit kleinen Macken, die aber für eine 1.0-Version nichts ungewöhnliches sind

Application Systems Heidelberg, Englerstr. 3, 6900 Heidelberg 1


Hartmut Ulrich
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