MTT: Live- and let dial

MTT ist ein kleines, aber feines Programm speziell für den Nachrichtenaustausch mit dem Maus-Mailbox-Netz. Seine Besonderheit: Es ist voll auf den Multitasking-Betrieb unter MiNT und Multi-TOS abgestimmt.

Das MausNet erfreut sich steigender Beliebtheit. Es hat sich herumgesprochen, daß die Mäuse die Favoriten für Atari-Anwender mit Modem in Deutschland und Österreich sind. Im März stellten wir Ihnen »CAT«, ein Programm für die Vor- und Nachbereitung des »MausTauschs«, vor [1]. Damit können Sie Ihr tägliches Nachrichtenpaket übersichtlich bearbeiten und komfortabel eigene Beiträge verfassen.

Das Anwählen der Mailbox und den Austausch der Daten kann Ihnen CAT jedoch nicht abnehmen. Dafür benötigen Sie weiterhin ein Terminalprogramm. Viele DFÜ-Nutzer basteln sich zur Automatisierung des Datentransfers »Batch«-Kommandofolgen in den eingebauten speziellen Programmiersprachen der Terminalprogramme. Wollen Sie optimal auf Ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmte Batchs, müssen Sie erfahrungsgemäß in der Entwicklungsphase mit erhöhten Telefonkosten rechnen, weil da und dort die Kommunikation wegen falsch eingeschätzter Antwortzeiten der Mailbox oder nicht eingeplanter Rückmeldungen des Modems hakt.

Enttäuschungen erspart

Damit nicht jeder das Rad von neuem erfinden muß, hat Stephan Baucke sein »MTT« der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es führt den Maustausch komplett für Sie aus. Die einzigen notwendigen Aktivitäten Ihrerseits belaufen sich auf das einmalige Eintragen Ihrer systemspezifischen Daten — Modemkommandos, Dateipfade, Ihres User-Namens samt Paßwort etc. — in die mitgelieferte Konfigurationsdatei und das Starten des Programms.

Daß MTT eine schmucklose TTP-Anwendung ist, hat zwei gewichtige Gründe: Erstens müssen Sie während des Betriebs nicht eingreifen; die Applikation erledigt alles für Sie.

Zweitens — und das gibt dem Programm seinen Pep — ist es von Kopf bis Fuß auf den Betrieb unter MiNT/ MultiTOS eingestellt. Haben Sie MiNT installiert, können Sie den MausTausch im Hintergrund ablaufen lassen, während Sie Ihren Atari ganz normal weiterbenutzen, statt tatenlos auf das Ende der Datenübertragung zu warten.

MTT verläßt sich nicht auf externe Programme, sondern hat Zmodem, das meist-genutzte und sehr effektive Übertragungsprotokoll, gleich eingebaut. Dadurch kann es im Multitasking-Betrieb seine Priorität flexibel an die aktuellen Erfordernisse anpassen. Im Klartext: MTT überprüft laufend, ob die ihm zugewiesene Scheibe der Rechenpower ausreichend oder zu üppig ausgefallen ist. Je nachdem gibt es dann solidarisch einige PS an die übrigen aktiven Programme ab, oder nimmt diesen etwas von ihrer Kraft, um die Transfergeschwindigkeit über die serielle Schnittstelle zu halten. Damit auch bei starker Rechenbelastung Ihres Ataris die Übertragung sicher abläuft, kann es notwendig sein, den »Streaming«-Modus von Zmodem abzuschalten. Normalerweise überträgt der Sender so lange ohne Unterbrechung Daten an den Empfänger, bis dieser eine Fehlermeldung zurückgibt. Ist das Streaming ausgestellt, wartet die Mailbox vor jedem Block auf das O.K. von MTT, so daß sich Ihr Computer nicht an der Bit-Flut verschluckt.

Telekom auf die Finger schauen

Damit Sie den Überblick behalten, schneidet MTT ein Protokoll der Verbindung mit der Maus mit, das als Datei gespeichert wird. Ein Blick zeigt Ihnen vor dem Import der Daten, ob die Übertragung fehlerlos ablief und auf wie viele persönliche und öffentliche Nachrichten Sie sich einstellen können. Wenn Sie wünschen, speichert MTT auch die errechneten Telefongebühren in einer Datei ab. Das Format des Log-Files ist zu »Binkley-term«, das im FidoNet-Bereich verbreitet ist, kompatibel. Mit dem Public-Domain-Programm »GILB«, das in diversen Mailboxen erhältlich ist, können Sie Ihre von MTT protokollierten Telefonkosten verwalten. So wissen Sie schon zur Monatsmitte, ob Sie in puncto DFÜ etwas kürzer treten müssen...

MTT: Maustausch im Hintergrund

MTT eignet sich aber nicht nur zum vollautomatischen Maustausch. Sie können dem Programm mitteilen, daß es die Verbindung nicht sofort abbrechen soll, wenn der Transfer beendet wurde. Dann bekommen Sie den Terminalmodus zu Gesicht, in dem Sie wie gewohnt manuell mit der Mailbox kommunizieren können. Dort stehen Ihnen mit Floskeln frei belegbare Funktionstasten zur Verfügung. Für die nächste MTT-Version ist sogar der Aufruf externer Programme — beispielsweise alternativer Übertragungsprotokolle — geplant. Im Terminalmodus landen Sie auch, wenn Sie MTT per Kommandozeile als reinen Dauer-Wähler angemeldet haben und eine Verbindung zur Mailbox hergestellt wurde. Unter MiNT erledigt es das Wählen im wahrsten Sinne des Wortes nebenbei. Wir empfehlen Ihnen, in der Maus zu diesem Zwecke den VT52- oder reinen Textmodus einzustellen, da MTT auf den eingebauten VT52-Emulator des TOS zurückgreift und mit ANSI-Sequenzen und ähnlichem nichts anfangen kann. Der reine Textmodus erhöht darüber hinaus die Lesbarkeit Ihrer Log-Files.

Unter MiNT gibt es noch mehr angenehme Features des Maustausch-Terminalprogramms. Mit der Maßgabe gestartet, um 6 Uhr das Anwählen der Maus zu starten, wartet es beharrlich im Hintergrund, bis seine Stunde gekommen ist. Steht neben Ihrem nagelneuen TT oder Falcon noch Ihr treuer alter ST, können Sie diesen als Sichtgerät für MTT benutzen: Durch GEMDOS-Umlenkung auf die Midi-Schnittstelle landen alle Ausgaben auf dem Bildschirm des Veteranen. Sogar die komplette Fernsteuerung ist kein Problem mit diesem Gespann. Zwei mitgelieferte Utilities geben Ihnen volle Kontrolle über ein im Hintergrund laufendes MTT: »MTT_STAT« zeigt an, womit MTT gerade beschäftigt ist; »MTT_KILL« — richtig geraten — veranlaßt das Programm zum Abbruch. Vorher speichert es allerdings noch brav das Protokoll-File ab.

Mit unserer Testkonfiguration, einem Mega ST mit 16 MHz Speeder, gab es bei 9600-bps-Verbindungen mit Kompression auch bei installiertem MiNT keine Performance-Schwierigkeiten. Eine 8-MHz-Maschine kommt im Multitasking-Betrieb schon eher ins Schwitzen. Abhilfe schafft meistens das Ausschalten des Zmodem-Streamings und zur Not das Einschränken der anderen Prozesse. Falls Ihr Modem keine Fehlerkorrektur bietet, sollte Ihre Telefonleitung schon zuverlässig sein.

Neues Konzept: »Fair-Ware«

Jeder Übertragungsfehler kann das Scheitern des automatischen Maustauschs bedeuten. Zum Glück sind bei den derzeit erhältlichen Modems MNP oder V42bis Standardausstattung. Sind diese Bedingungen erfüllt, legen wir Ihnen den Einsatz von MTT ans Herz. Sie werden viel Freude daran haben. Und: Bitte denken Sie an den Obulus für den Programmierer. MTT ist »Fair-Ware«, das heißt, bei Benutzung wird ein Beitrag in angemessener Höhe erwartet. Damit tragen Sie zur Weiterentwicklung von MTT bei und Updates gibt’s gegen die Einsendung einer Diskette im Freiumschlag, (uw)

Bezugsquellen:

MAUS Aachen, MAUS Münster2
Telefonnummern weiterer Maus-Mailboxen in: Julian Reschke, Die Gruselwelt von AT-BUS-Platten, ST-Magazin 2/1992

[1] Patrick Dubbrow, »Tierische Leidenschaft«, ST-Magazin 3/1992


Patrick G. Dubbrow
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