Qatbol - Reif für die Klapsmühle

Man findet sie bei Bahnreisenden, bei Wertenden schlechthin — und auf dem Computer: Geduldsspiele wie Qatbol.

Die Erben des Sysiphus werden immer raffinierter. Im Altertum wälzten sie noch große Felsen irgendwelche Hügel hinauf, um sie kurz vor dem Gipfel wieder sausen zu lassen. Heute »vergnügen« sie sich zwar weniger schweißtreibend, aber kaum weniger selbstquälerisch — und vor allem freiwillig.

Da gibt’s beispielsweise dieses Holzkästchen mit dem Labyrinth: Der Spieler muß eine kleine Stahlkugel hindurchschaukeln, indem er das Kästchen kippt und dreht. Das wäre auch gar nicht so schwer, befänden sich auf dem Weg zum Ziel nicht die hinterhältigsten Bohrungen im Boden. Wer nicht höllisch aufpaßt, verliert die Kugel und darf nochmal anfangen.

Die Jungs und Mädels von Electronic Arts haben diese Spielidee aufgegriffen und Alberts physikalische Theorien gründlich auf den Kopf gestellt — heraus kam »Qatbol«.

Bis zu vier Spieler gleichzeitig können sich’s im Qatbol-Labyrinth mal so richtig geben — wahlweise mit Tastatur, Maus oder Joysticks (Bastelanleitung zum Anschluß mehrerer Joysticks liegt bei). Jeder Spieler besitzt Stahlkugeln, Glaskugeln und Plastikmurmeln. Damit muß er — wie beim Billard — kleine Bonuskügelchen innerhalb begrenzter Zeit in die Löcher auf dem Spielfeld schaufeln, ohne selbst hineinzuplumpsen. Schafft er es innerhalb der vorgegebenen Zeit nicht, muß er nochmal beginnen. Die anderen Mitspieler versuchen dabei, ihm die Kügelchen abzuluchsen und selbst welche zu versenken. Qatbol ist mit den hinterhältigsten Gemeinheiten gespickt: Geheimnisvolle Transporter bringen die Kugeln an entfernte Stellen, Ballfresser tauchen auf, vernaschen die Kugeln und verschwinden, wenn sie satt sind. Da gibt es Löcher, die keine sind, Löcher, die entstehen, wenn man bestimmte Punkte überfährt, Sprenglöcher mit Zünder und magnetische Stellen. Eine Vielzahl unterschiedlicher Labyrinth-Levels sorgen außerdem dafür, daß der Nervenzusammenbruch stets in greifbarer Nähe bleibt.

Das zweite Level ist nichts für Hektiker

Die unterschiedlichen Materialien der Spielkugeln wirken sich natürlich auf ihr Verhalten aus. Metall reagiert auf Magneten, hat viel Masse und ist unverwüstlich, Glas besitzt etwas weniger Masse, prallt aber stärker von den Wänden ab und zerbricht, wenn es mit zu viel Fahrt auf eine Wand trifft. Plastik hat die geringste Masse, prallt heftig ab und ist schwer zu kontrollieren. Für jede Kugelsorte gibt’s ideale Einsatzmöglichkeiten. Man kann z. B. eine Plastikkugel über das Brett jagen und kurz vor dem Aufprall in Metall umschalten. Wer eine Bonuskugel ins Loch befördern möchte, ohne seine eigene Kugel zu verlieren, schaltet auf die massige Stahlkugel um. Die gibt ihre Bewegungsenergie fast vollständig an die Bonuskugel ab und bleibt selbst liegen.

Am besten spielt man Qatbol mit einem präzisen Joystick. Die Steuerung mit der Tastatur oder gar mit der Maus empfiehlt sich höchstens in einem fortgeschrittenen Stadium der Sucht.

Mit dem dritten Level beginnt der Horror

Wer keine »echten« Mitspieler hat, kann den Computer auch mal versuchen lassen und ihm die drei übrigen Mitspieler anvertrauen. Doch es stellt sich schnell heraus, daß der 68000er kein geschickter Gegner ist: Sieht nix, reagiert träge und erkennt keine Fallen. Das macht keinen Spaß, ist aber nicht weiter schlimm — wer Einzelkämpfer spielt, hat schon genug zu rudern. Teilweise sind die Levels so schwierig, daß man ohne helfende Mitspieler kaum eine Chance hat.

Wer Qatbol länger als eine Stunde am Stück alleine spielt, sieht unweigerlich weiße Mäuse und feurige Brezeln: Spätestens ab dem dritten Level wird Qatbol derart listig, gemein und schwierig, daß man vorsorglich alle Fenster schließen sollte — sonst denken die Nachbarn Übles, wenn irres Geheul aus dem

Computerzimmer dröhnt. Und wer meint, ihn könne nichts aus der Ruhe bringen, der wird sein blaues Wunder erleben, wenn ihm nach drei Stunden »Qatbol« freundliche Männer in weißen Kitteln die Jacke von hinten zumachen ... (hu)

United Software GmbH, Carl-Bcrtclsmann-Str. 161, 4830 Gütersloh 1

Qatbol

Hersteller: Electronic Arts

Preis: 54,95 Mark

Benötigt: STE/STF, Farbmonitor

Kurzbeschreibung: Sehr schweres, aber gelungenes Geschicklichkeitsspiel


Hartmut Ulrich
Aus: ST-Magazin 09 / 1990, Seite 124

Links

Copyright-Bestimmungen: siehe Über diese Seite