Meinungen & Kritiken

Liebe Leserin, lieber Leser

Neben Briefen, die Zustimmung zu unserer redaktionellen Arbeit und zu unserem Gesamtkonzept aus-drücken, erhalten wir auch täglich Zuschriften, die sich zum einen oder anderen Punkt kritisch äußern. Wir freuen uns über diese Reaktionen, helfen sie uns doch ganz wesentlich, die redaktionelle Qualität des ST Magazins zu überwachen und ständig zu verbessern. Ganz besonders freut es uns, wenn uns die geäußerte Kritik nicht nur neue Anregungen und Ideen vermittelt, sondern noch dazu witzig geschrieben und treffend formuliert ist — so wie es Herrn Pfeifer in seinem Leserbrief »eine Handvoll Leute« gelang.

Ihr Paul Sieß Textchef

PS.: Bitte vermerken Sie bei jedem Brief, ob Sie mit einer Veröffentlichung einverstanden sind. Denken Sie daran: Kurze, aussagekräftige Zuschriften haben die größte Chance gedruckt zu werden. Wir behalten uns vor, Zuschriften gekürzt wiederzugeben.

DFÜ als ständige Rubrik

Zum Brief »Für Einsteiger und DFÜ« von Harald Eigner im ST-Magazin 12/89: Herr Eigner hat in allen Punkten Recht. Auch ich würde es begrüßen, wenn mehr Artikel für Einsteiger, bzw. fortgeschrittene Einsteiger im ST-Magazin wären. Und natürlich die DFÜ! Sie haben zwar in den Ausgaben 2/89 und 2/90 einiges über DFÜ veröffentlicht, aber trotz intensivem Studium der Artikel beherrsche ich Ihr Terminalprogramm »Taskterm«, das sogar in Deutsch verfaßt ist (ein großes Extralob an dieser Stelle), immer noch nicht völlig. Aus diesem Grund würde auch ich eine ständige DFÜ-Rubrik sehr begrüßen.

Peter Rajmundowicz, Rheinhausen

Viele Wünsche auf einmal

Meine Meinung zur Themenwahl im ST-Magazin:

1.) Mehr Mitte bitte, wie im Magazin 12/89 gewünscht. Als alter Basic-Programmierer, der so ziemlich die ganze PC-Entwicklung mitgemacht hat, kann ich dem nur zustimmen.

2.) Listings, die über mehr als ca. zwei bis drei Seiten gehen, finde ich nicht so notwendig, wer tippt schon gerne Hunderte von Zeilen ab und sucht nachher stundenlang die Tippfehler.

3.) Meine Wünsche an die Autoren von Listings: Es wäre schön, wenn jedes Programm am Anfang, neben den üblichen Angaben, eine Zeile mit Daten über die Sprache, den verwendeten Interpreter, Compiler etc. enthalten würde. Ansätze dazu sind vorhanden, leider noch nicht bei allen Autoren. Gut wäre auch, wenn in den Listings für die Null nur das Zeichen »0«, (durchgestrichene Null) verwendet würde, dieses Zeichen wurde doch nur zu dem Zweck erfunden, daß man es besser von dem Buchstaben »O« unterscheiden kann, weshalb es also nicht verwenden? (siehe ST-Magazin 12/89, abschreckendes Beispiel).

4.) Könnten Sie einmal einen Artikel über die Merkmale der verschiedenen Programmiersprachen bringen? Ich meine damit nur kurze Sätze wie:

Ein Pascal-Programm erkennt man daran, daß ...

C-Programme enthalten immer am Anfang_usw.

Mit diesen Angaben wäre es möglich, einem nicht näher be-zeichneten Listing anzusehen, um was es sich handelt.

5.) Immer lese ich von den diversen Bildern. Es gibt DOODLE-, DEGAS-, NEOCHROM- etc. Bilder. In was unterscheiden sich die Bildformate? Ein Artikel über diesen Gegenstand wäre gewiß sinnvoll.

Viele Wünsche auf einmal, gewiß. Sie sollen auch nur als Anregung verstanden werden. Das ST-Magazin ist für meine Bedürfnisse hervorragend gestaltet, es sollte, im Ganzen gesehen, so bleiben wie es ist.

Kurt Wagner, CH-Littau

Metafile-Format gewünscht

Zunächst einmal ein großes Lob für Ihr Magazin, das ich als sehr ausgewogen empfinde. Besonders die Calamus-Ecke gefällt mir ausgezeichnet. Ich melde mich auf die Aufforderung aus Ihrem Heft 11/89, Wünsche nach Formatkonvertern zu äußern. Ich bin glücklicher Calamus-Besitzer, der mir besonders wegen seiner Fähigkeit gefällt, Vektorgrafiken in Dokumente einzubinden. Doch woher sollen sie kommen?

Ich entschied mich für Arabesque, dem sich — sozusagen als dritte Stufe — Cyber Studio zugesellte. Doch leider ist der Austausch von Vektorgrafiken zwischen diesen Programmen ein recht frustrierender Prozeß. Das allen drei Programmen bekannte Metafile-Format erweist sich als echter »Superfilter«! Solche Kleinigkeiten wie selbstdefinierte Füllmuster, Pfeile, Texteinbindung etc. bleiben auf der Strecke.

Da steht man nun mit drei Programmen, die jeweils einige Fileformate mit tollen Features besitzen, aber alles, was man sieht, sind Haarlinien. Das kann doch wohl nicht alles sein! Nötig wäre also ein standardisiertes, stark erweitertes Metafile-Format oder ein Konverter, der die jeweiligen Spezialformate verlustfrei ineinander konvertieren kann.

Stephan Lehmke, Recklinghausen

Nochmals: PD-Lernsoftware

Zum Leserbrief von Herrn Halter in der Ausgabe 12/89 bleibt festzuhalten, daß zum Zeitpunkt des Erscheinens meines Leserbriefes in der Ausgabe 8/89 das von Herrn Halter erstellte Lernprogramm noch gar nicht auf dem Markt war, es somit bereits rein objektiv betrachtet weder absichtlich noch zufällig Angriffspunkt meiner Kritik an den kommerziell vertriebenen juristischen Lernprogrammen sein konnte.

Um den übrigen Leserkreis des ST-Magazins jedoch nicht unnötig mit tiefergehenden und auch sehr langwierigen Auseinandersetzungen über die Einsatzmöglichkeiten von jedweden lern Programmen im Jurastudium, seien sie nun Public Domain oder kommerzieller Art, zu langweilen, sei mir jedoch die folgende Bemerkung gestattet:

Kein Lernprogramm ersetzt das wissenschaftliche Studium von Lehrbüchern, den Besuch von Übungen und Seminaren im Rahmen der Lehrveranstaltungen an der Universität und gibt eine Garantie für den Erwerb der »Scheine«. Jedoch kann das von mir benutzte — und, dies noch einmal, um Mißverständnissen vorzubeugen, beruht auf meinen eigenen, persönlichen Erfahrungen, die jeder für sich nachvollziehen und aus denen er seine eigenen Schlüsse ziehen kann, wenn er möchte — PD-Programm »ST-Pauk« eine hervorragende und dazu noch preiswerte Hilfestellung beim Lernen sein, da es dem Benutzer völlig freigestellt bleibt, welche Fragen er sich mit dem Programm selbst stellt und ob er damit »paukt« oder Wissensstoff, eigenhändig thematisch gegliedert und aufbereitet, sinnvoll wiederholt.

Max-Hemer Berf, Frechen

Software fehlt

Der ST wird von Atari und den Medien immer wieder als der ideale Computer für die Ausbildung und für kommerzielle Anwendungen dargestellt. Neben vernünftiger Hard- und Software gehört ein guter Service dazu, um gerade Anwender aus diesen beiden Bereichen zufriedenzustellen. Im Bereich der Ausbildung fehlte einiges an Software: »normale« Programmiersprachen: Turbo *, Quick *, Ada...

Objektorientierte Programmiersprachen: Objective c, c+ + ; Actor, Eifel, Objekt Pascal...

Lisp: Scheine, TLC-Lisp, Common Lisp

Entwicklungswerkzeuge: Innovator, Pro Mod, Epos...

Sonstiges: GPS S, HyperCard, MS-Word...

Diese Liste läßt sich bestimmt, je nach Bedarf, ohne die geringsten Probleme fortsetzen.

Ralph Einfeldt, Blender

Eine Handvoll Leute

Anläßlich der Tips im ST-Magazin 12/89 möchte ich doch vor einem sehr gefährlichen Tip warnen, den Sie im ST-Podium abgedruckt haben. Es geht um den Tip zum Farbbänder sparen. Ich habe selbst meine Farbbänder früher auf diese Weise aufgefrischt. Nun enthalten die Farbbänder nicht nur Farbe, sondern auch ein Schmiermittel für den Druckkopf, das in der Stempelfarbe nicht enthalten ist. Die Folge ist ein inzwischen völlig ausgeleierter Druckkopf. Senkrechte Linien bringt der Drucker nur noch im Zickzack zustande, das Schriftbild hat sich innerhalb kurzer Zeit stark verschlechtert. Der Schaden ist auf alle Fälle höher als der eingesparte Preis für neue Farbbänder. Eine Warnung vor dieser Methode in Ihrer nächsten Ausgabe halte ich für durchaus empfehlenswert.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch Julian Reschke für sein sehr gutes und informatives Expertenforum ein Lob aussprechen. In der Regel ist dies für mich immer ein Grund, mal ins ST-Magazin reinzusehen. Oft stehen dort Informationen, die man sonst nirgends findet. Weiter so! Ansonsten muß ich Ihnen zu Ihrer Zeitschrift mal einige kritische Worte schreiben.

Manche Artikel lassen einen gewissen Informationsgehalt vermissen. Im Bericht über Stacy findet man als Gewichtsangabe »das Gewicht des Gerätes ließ sich selbst nach 15 Minuten Fußmarsch noch als tragbar bezeichnen«. Nun ja, auch ein Bodybuilder wird ein Klavier nach 15 Minuten noch als tragbar empfinden.

Solche subjektiven Vergleiche sind ja ganz hübsch, können aber Fakten (wie ein Gewicht in Kilogramm) nicht ersetzen. Und bei Laptops ist das Gewicht ein wichtiger Wert.

Ebenso bei »Schriftenvielfalt«: »Die Farbbandkassette ist leicht auszutauschen und größenmäßig für diesen Drucker ausreichend bemessen.« Klingt wie aus dem Werbeprospekt abgeschrieben. Meiner Erfahrung nach sind Farbbänder grundsätzlich zu klein, weshalb man u.a. auf die Idee kommen könnte, diese mit Stempelfarbe aufzufrischen.

Das im Artikel »Daten im Laser-Spiegel« durch schnelles Maschinenschreiben »Papier der Qualitätsstufe ’80 Gramm holzfrei blütenweiß’ erzeugt wird« — nun ja, kann ich leider mangels Schreibmaschinen und 300 Anschlägen/min. nicht ausprobieren. Wenn’s dann aber an die Geschwindigkeitsabschätzung des MO-Laufwerks geht, das dank langsamer Datenübertragung und hoher Spurzugriffszeiten fast genauso schnell wie schnelle Festplatten ist, um anschließend merklich träger als schnelle SCSI-Platten, aber schneller als eine Megafile-Platte zu sein, was man dann auch noch im Datenblatt und den Meßdaten der (natürlich fehlenden) Tabelle sehen kann — also, ich komm’ da nicht ganz mit. Sie etwa?

Gesetzt den Fall, der Brief ist noch nicht im Müll, hier noch ein letzter (kleiner Scherz-) Punkt, der mir schon öfter aufgefallen ist: die Preisausschreiben. Ich finde Preisausschreiben eigentlich gut, wer gewinnt nicht gerne etwas? Wenn man aber, um z.B. TmS-Graphics zu gewinnen, Bilder mit TmS-Graphics entwerfen muß, oder anders, wenn man Bilder mit TmS-Graphics entwirft und dafür TmS-Graphics gewinnt...

Ich glaube. Sie merken, worauf ich hinaus will. Voraussetzung für den Gewinn eines Programms ist das Programm selbst. Das paßt nicht. Auch wenn der Hauptgewinn etwas anderes Nettes ist.

Um jetzt mal auf den Hauptpunkt meiner bisher meterlangen Kritik zu kommen: Laut Impressum sind Sie mehr als eine Handvoll Leute, die das ST-Magazin hauptberuflich produzieren, dazu kommen dann noch einige Gelegenheitsschreiber. Da müßte es sich doch machen lassen, daß jeder mal die Artikel des anderen vor der Druckfreigabe durchliest und auf inhaltliche Fehler und Ungereimtheiten prüft. Und dann sollten Sie sich mal darauf einigen, für wen Sie die Artikel eigentlich schreiben, ob für blutjunge Anfänger, Programmierer, Freaks und so weiter.

So, nach so vielen harten Worten (ja, ja, ich bin ja gleich fertig!), noch ein allerletztes. Warum findet eine so große Zeitschrift nicht auch mal kritische Worte zu getesteten Programmen und zu Hardware. Alles, was man liest, klingt wie eine Kaufempfehlung der Hersteller. Wo sind die kritischen Worte? Warum haben Leser denn hinterher Probleme mit gekaufter Hard- und Software? Warum zählen sie nur immer Optionen auf und bemängeln so wenig und so zart?

In der Hoffnung, daß Sie sich einige Punkte mal überlegen und eventuell sogar zu Herzen nehmen, verbleibe ich

Stefan Pfeifer, Clausthal-Zellerfeld

Sehr geehrter Herr Pfeifer, vielen Dank für Ihre wirklich konstruktive Kritik. Selbstverständlich haben Sie Recht, wenn Sie feststellen, daß Vergleiche ganz hübsch sind, Fakten jedoch nicht ersetzen können. Doch »nobody is perfect«, auch wir nicht. Ich kann Ihnen an dieser Stelle aber zusichern, daß wir in Zukunft verstärkt darauf achten werden, hübsche Vergleiche immer mit aussagekräftigen Fakten zu untermauern.

Ihre Bemerkung zu den Preisausschreiben ist nicht ganz richtig, da man zur Teilnahme am TmS-Wettbewerb Graphics nicht benötigt. Über TmS konnten sich die Teilnehmer eine Wettbewerbs-Version für eine geringe Schutzgebühr besorgen. Da es sich bei dieser Version um eine Minimalausgabe von Graphics handelt, macht es sehr wohl einen Sinn, die Vollversion des Programms als Preis auszuloben. Prinzipiell haben Sie natürlich Recht, daß es witzlos ist, als Preise Dinge und Programme auszusetzen, die für eine Teilnahme vorausgesetzt werden. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Hofner Redakteur

Eine Anmerkung zum Leserbrief von Herrn Baier, »Kritik an Ataris Politik« im ST-Podium 2/90: Wegen Herrn Baiers Aussage, daß die Centronics-Schnittstellen des ST ungepuf-fert sei, erhielten wir mehrere Anrufe von aufgeregten Lesern. Sie befürchten, daß ihr Drucker den Soundchip des ST »zerschießen« könnte. Die Sachlage ist folgendermaßen: Bei den heutigen Druckern ist der Centronics-Anschluß so ausgelegt, daß der Anschluß an den ST ungefährlich ist. Nur bei sehr alten Druckern mit Original-Centronics-Beschaltung besteht die Gefahr, daß der Soundchip übermäßig belastet wird.

Noch eine A nmerkung zu den Tips, mit denen manche unserer Leser die Lebensdauer ihrer Druckerfarbbänder verlängern (Leserbrief von Herrn Hammer »Farbbänder sparen«, ST-Podium 12/89:

Die Warnung von Herrn Pfeifer im Leserbrief »Eine Handvoll Leute« ist berechtigt. Farbbänder enthalten Schmiermittel. Diese werden bei längerer Verwendung des Farbbandes auf gebraucht. Wenn kein Schmiermittel mehr vorhanden ist, kann eine Beschädigung des Druckkopfs die Folge sein.

Es gibt aber auch spezielle Farben, die besagte Schmiermittel enthalten. Diese Farben werden außerdem aus Materialien hergestellt, die nicht zum Verharzen neigen und deshalb den Druckkopf nicht verkleben. Bei Verwendung dieser Farben wird der Druckkopf mit Gewißheit nicht beschädigt. (uw/ps)



Aus: ST-Magazin 03 / 1990, Seite 132

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