CeBIT ’89: Das Computer-Mekka

Unmittelbar vor Druckbeginn erreichte uns ein erster Bericht von der CeBIT ’89. Atari präsentierte auf der größten Computermesse der Weit Stacy, einen ST-kompatiblen Laptop.

Beckercalc, ein neuer Stern am Kalkulationshimmel
ST-Depot: komfortable Lagerverwaltung

Die herausragende Neuheit auf dem Atari-Stand war Stacy, ein Laptop, der auf dem 1040 ST basiert. Stacy bietet dem Anwender an der Rückseite alle bekannten Schnittstellen der ST-Familie. Rechts befinden sich zwei Joystick-Ports. Die Steuerung des Cursors läßt sich vom integrierten Trackball auch auf eine externe Maus umschalten, die über den ersten Joystickport mit dem Computer verbunden wird. Links ist vor dem ROM-Port der Mega-Bus nach außen geführt, an dem alle Prozessorsignale anliegen. Das auf der Messe vorgestellte Gerät war mit einem dunklen LC-Display ausgestattet. Dies ändert sich aber bis zur Auslieferung von Stacy. Die endgültige Version wird mit einem paperwhite LC-Display ausgeliefert, das nicht Hintergrund-beleuchtet ist. Die Auflösung beträgt 640 x 400 Punkte. Der Atari-Laptop läßt sich mit Batterien oder Akkus netzunabhängig betreiben. Stacy kostet mit einem Diskettenlaufwerk 3498 Mark, mit zwei Laufwerken 3998 Mark und mit einem Diskettenlaufwerk und einer integrierten 20-MByte-Festplatte 5298 Mark. Als Liefertermin wurde das zweite Quartal 1989 genannt.

Offiziell war auch die Atari-Wechselplatte zu sehen. Die Megafile 44 kostet 2498 Mark, eine 44-MByte-Kassette 298 Mark. Atari bietet einen eigenen monochromen 19-Zoll-Monitor für den professionellen Einsatz an, der den Namen SM 194 trägt. Das CD-ROM ist nun auch verfügbar, die ersten 400 Stück sind bereits fertiggestellt. Zum Lieferumfang dieses Speichergiganten gehört eine Compact-Disk mit über 32 MByte Public Domain-Programmen. Die Preise des Atari SM 194 und des CD-ROMs stehen noch nicht fest.

Den von vielen sehnsüchtig erwarteten TT bekam das breite Messepublikum nicht zu sehen. Lediglich Fachjournalisten durften das neue Flaggschiff in einem Raum des Atari-Messestandes begutachten. Der 68030-Computer verfügt über 2 MByte »Normal-RAM«, das wie bei jedem ST genutzt wird und über 4 MByte »Fast-RAM«, das etwa doppelt so schnell ist als das Normal-RAM. Der TT ist mit einem VMEbus ausgestattet, als Betriebssystem dient Unix V 3.1. Die Software-Entwickler von Atari programmieren bereits einen MS-DOS-Emulator für den TT. Erste Benchmark-Tests, die Atari selbst durchführte, ergaben, daß der TT zum Teil um bis zu neunmal schneller ist als ein ST. Bei der auf der CeBIT gezeigten Maschine handelte es sich um einen reinen Prototypen, so daß über das endgültige Gehäuse keine Informationen vorliegen.

Die Auslieferung des bereits im letzten Sommer getesteten TOS 1.4 verzögert sich noch etwas. Als Grund nannte Atari, daß man sicher gehen wolle, daß TOS 1.4 hundertprozentig kompatibel sei zu TOS 030, das dem TT beiliegt. So wolle man seitens Atari sicherstellen, daß Aufsteiger vom ST ihre Software auf dem neuen Flaggschiff weiter nutzen können.

Der Atari-Transputer wurde ebenfalls offiziell vorgestellt. Die Entwicklung von Helios, dem Transputerbetriebssystem, ist abgeschlossen, X-Window dient als Benutzeroberfläche. Atari überraschte die meisten Besucher mit dem neuen Taschen-PC, der nur winzige 18 Zentimeter breit, 9 Zentimeter tief, 2,7 Zentimeter hoch und 450 Gramm schwer ist. Der Winzling hört auf den Namen PC Folio und ist trotz seiner kleinen Maße ein voll MS-DOS-kompatibler PC mit einem 8088-Prozessor und 128 KByte RAM. Die Tastatur mit 63 Tasten und der Bildschirm, ein Flüssigkristall-Display, das 8 Zeilen mit je 40 Zeichen darstellt, sind ins Gehäuse integriert. Der PC Folio verwendet sogenannte Bee-Cards im Scheckkartenformat, die 32 bis 128 KByte Daten aufnehmen. Im 256 KByte großen ROM befinden sich bereits vier Programme: Textverarbeitung, Lotus-kompatible Tabellenkalkulation, Terminal-Programm und Terminplänen Mit drei 1,5-VöIt-Batterien arbeitet der PC Folio rund drei Wochen lang. Das Gerät kostet 798 Mark und ist ab Mai lieferbar.

Heimsoeth & Borland erfreute die Atari-Gemeinde nicht mit einer erweiterten Palette, sondern zeigte die bekannten Produkte: Turbo-C, Turbo-Assembler und Debugger. Die neueste Version, 1.1, von Turbo-C spricht den Arithmetikprozessor 68881 mit Hilfe der Floating Point Library an und verfügt über eine nahezu doppelt so umfangreiche Online-Hilfe. Darüber hinaus sind jetzt ein externer Preprozessor und ein Resource Construction Set im Lieferumfang enthalten.

Cubit, das erste »integrierte« Sequenzerpaket

**Die Grafikauflösungen des TT **

Auflösung Farben Palette
320 x 200 16 4096
320 x 480 256 4096
640 x 200 4 4096
640 x 400 2 4096
640 x 480 16 4096
1280 x 960 Monochrome

GFA Systemtechnik präsentierte die verkaufsfertige Version ihres Statistik-Programms für 998 Mark. Als Vorversion war dieses Programm bereits auf der Düsseldorfer Atari-Messe zu sehen.

ADI Software zeigte ihr Adimens kommunikationsfähig für mehrere Benutzer. Brandneu ist Adimens STI, die Netzwerkversion des bekannten Adimens ST Version 2.3. Die Netzwerkversion kostet 1750 Mark und gestattet fünf Benutzern den gleichzeitigen Zugriff. Adimens STI arbeitet mit dem Netzwerk der Berliner Firma GTI zusammen. Bis zu 254 Benutzer lassen sich in einem solchen Netz integrieren.

Application Systems, Heidelberg, präsentierte bekannte und bewährte Produkte, wie STAD Version 1.3, Signum 2 und Creator. Neue Produkte befinden sich zwar in Planung, doch möchte man erst die Marktreife für eine Präsentation abwarten.

Omikron Software zeigte auf der CeBIT ein Entwicklungssystem für den Atari ST mit Crossassembler für IBM-kompatible Computer. Das Produkt kostet inklusive Übertragungskarten 998 Mark. Während der Konkurrent GFA Systemtechnik sein GFA-Basic auf den Amiga übertrug, präsentiert Omikron Software die PC-Version ihres Basic zum Preis von 398 Mark.

Das bekannte Zeichenprogramm Draw liegt nun in der Version 3.0 vor. Großer Wert wird bei dieser Version auf die Kompatibilität zu anderen Programmen wie Signum, 1st Word, Calamus oder Beckerpage gelegt. Außerdem war Draw auch als Accessory-Version zu sehen.

Die Library-Palette für Omikron-Basic wächst weiter. Neu hinzugekommen ist eine SQL-Libary für 298 Mark. SQL ist eine Datenbanksprache, vergleichbar mit der in dBase verwendeten Sprache.

Das amerikanische Softwarehaus Softlogik demonstrierte auf dem Atari-Stand ihr Desktop Publishing-Programm Pagestream. Basierend auf Publishing Partner wurde es durch eine Vielzahl neuer Funktionen ergänzt. Einen deutschen Vertrieb gibt es zur Zeit noch nicht, da Pagestream nicht vom Vertreiber des Publishing Partner übernommen wurde. Pagestream kostet 199,95 Dollar. Ob Pagestream gegen Calamus konkurrieren kann, muß sich erst zeigen.

Tommy Software zeigte neben den bekannten Produkten wie ihrem exzellenten Soundmachine auch die Mega Paint Grafikprogramme. Außer der Junior-Version präsentierten die Berliner ihr neues Mega Paint 2.1. Zusätzlich ist die Überarbeitung der Handbücher angekündigt.

Data Becker vergrößert seine »rote Reihe«. Mit Beckercalc 3.0 erschien pünktlich zur CeBIT ein weiteres leistungsfähiges Kalkulationsprogramm für den ST. Vollständige GEM-Einbindung, Grafik-Fähigkeiten und Macro-Recording versprechen vielfältige Anwendungen.

Im professionellen Businessbereich ist die Firma C.A.$.H. GmbH sehr aktiv. In Hannover präsentierte C.A.$.H ein Update von Banktransfer. Neu vorgestellt wurde ST-Depot, eine leistungsfähige Depotverwaltung, mit der die »Time is money« Reihe zunächst komplettiert ist. Der Datentransfer mit den anderen Programmen der Augsburger Firma garantiert flexible Einsatzbereiche. ST Depot befindet sich trotz Auslieferung noch in einer gewissen Entwicklungsphase. Die Wünsche der jetzigen Benutzer sollen direkt in das erste Update einfließen, das jeder registrierte Kunde einmal kostenlos erhält.

Die Vernetzung schreitet immer mehr voran. Eine Reihe von Netzwerken war auf dem Atari-Stand zu sehen. In Verbindung mit einer Arztpraxenverwaltung namens »Lisa« zeigte die Firma Inotech ein relativ preisgünstiges Netzwerk auf MIDI-Basis, das für den Einsatz in kleinen bis mittleren Unternehmen, Praxen und Betrieben gedacht ist.

Maßgeschneiderte Komplettlösungen für Kunden aus dem grafischen Bereich, aber auch einzelne Peripherie und Software bot die Firma TmS Technische und medizinische Datensysteme GmbH an. Die Produktpalette umfaßt Rasterscanner und Grautonscanner wie die Hawk-Scanner von Marvin, Panasonic-Scanner und Microtek-Scanner sowie Scannersoftware, Vektorfilekonverter (kompatibel zu Campus, Calamus etc.) und Postscript-fähige Illustrationsprogramme.

Auch der Musikbereich kam in Hannover nicht zu kurz. Die beiden größten deutschen Musiksoftware-Hersteller, C-Lab und Steinberg zeigten ihre Produktpalette vom einfachen Editorprogramm bis zum superprofessionellen Sequenzer. C-Lab führte die neue Creator/Notator-Version 2.1 vor, die Ende März zur Auslieferung kommt.

Steinberg hatte gerade Ende Januar auf der Frankfurter Musikmesse ihr neues Betriebssystem M-ROS für den Atari ST vorgestellt, das mehrere Musikapplikationen im Multitasking-Betrieb auf dem Atari ST laufen läßt. In Hannover lag der Schwerpunkt auf der Präsentation des neuen MIDI-Recording-Systems »Cubit«. Das Konzept von Cubit beruht auf der totalen Kontrolle des Anwenders über alle notwendigen Einsatzformen des angeschlossenen MIDI-Equipments. Neben der Verwaltung von 16 x 64 Spuren und vier verschiedenen Editierformen enthält Cubit MIDI-Effekt-Prozessorfunktionen und Accessories zum Macro Sound Editing. Cubit ist voraussichtlich ab Mitte April lieferbar.

Die Firma Dr. Böhm verstärkt ebenfalls ihr Engagement im MIDI-Bereich. Vor allem kleinere Keyboards, der 4 x 9-Expander und das Double Key, ein Orgel-Keyboard mit zwei Manualen waren in Hannover zu sehen. Daneben zeigte Böhm ihr »Sequedit«, einen kombinierten Sequenzer und Editor für Rhythmusmaschinen. Da für Böhm in Hannover die Software im Mittelpunkt ihrer Präsentation steht, war auch eine Applikation zur EPROM-Programmierung zu sehen. Auf großes Interesse stieß auch der angebotene Workshop zum Thema MIDI.

Computerware Gerd Sender stellte die neue Version 2.02 von Neo Desk vor. Dieses Programm ersetzt das Desktop und bietet neben neuen Funktionen auch pfiffige Details. Beispielsweise legt man mit einer Maske fest, welche Dateien beim Listen des Inhalts eines Directorys angezeigt werden. Daneben stellt Neo Desk nützliche Hilfen zur Verfügung, die man im Original-Desktop vergeblich sucht. Dazu gehören Batch-Dateien und die Tastaturbedienung aller Menüs.

(hb/uh/wk)



Aus: ST-Magazin 04 / 1989, Seite 12

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