Auf Herz und Nieren Oder — Wo lassen Sie testen?

Tag der offenen Tür im ST-Testlabor: Schauen Sie unserem Software-Tester Uli Hofner (links) und unserem Hardware-Spezialisten Bernhard Reimann (rechts) über die Schulter

Es ist weit nach Mitternacht. Wolkenfetzen verdecken den Mond, irgendwo bellt ein Hund. In einem Bürohochhaus, im zweiten Stock ganz rechts, brennt noch Licht. Hier sitzt Uli Hofner, unser Software-Spezialist, vor seinem ST. Ein Software-Paket ganz ohne versteckten Bug? Er glaubt es nicht so schnell, er sucht so lange, bis er sich wirklich ganz sicher ist.

»Man sollte merken, daß sich die Programmierer etwas dabei gedacht haben«

Ulrich Hofner ist 30 Jahre alt, verheiratet und hat ein Kind. Nach der Ausbildung zum KFZ-Mechaniker hatte er sich entschlossen, über die Berufsaufbauschule und die Berufsoberschule das Abitur nachzuholen. Auf diesem mühevollen Weg kam er beim Informatikunterricht zum ersten Mal mit Computern in Berührung. Er war sofort fasziniert. Im Informatikstudium wollte er alles lernen, was es über Computer zu wissen gibt. Da die BAFöG-Quelle aber nur bescheiden tröpfelte, mußte er sich nach dem 4. Semester entschließen, das Studium aufzugeben. Im März 1987 kam er zur 68000er Redaktion, wo er Software für den ST, den Macintosh und den QL testet. Worauf achtet er besonders, wenn er Software testet? »Das Wichtigste ist natürlich, ob sie fehlerfrei läuft«, sagt er nachdenklich in gepflegtem Niederbayerisch. »Außerdem sollte man merken, daß sich die Programmierer bei der Benutzeroberfläche etwas gedacht haben. Und ob ein Handbuch mitgeliefert wird, mit dem man etwas anfangen kann, ohne erst einen Fremdsprachenkurs besuchen oder sich das Register selber schreiben zu müssen.« Andere wichtige Kriterien sind für ihn, ob die Software ihren Preis wert ist und ob sie ausreichend schnell läuft. Und was macht er, wenn er den Programmstapel auf seinem Schreibtisch einmal weggearbeitet hat? Er stutzt bei dieser Frage, so als ob er sich an etwas lange Zurückliegendes erinnern müßte. »Dann bleibe ich in Landau bei meiner Familie, oder ich mache mal wieder Discjockey in einer Diskothek.«

Wenn sich in der Redaktion leere Kartons stapeln, wenn Drucker, Monitore oder Laufwerke aufeinandergetürmt um einen Schreibtisch stehen und der Fußboden mit Schaltern und Kabeln übersät ist, dann kann man davon ausgehen, daß irgendwo in diesem geordneten Chaos Bernhard Reimann sitzt und an einem großen Hardware-Schwerpunkt arbeitet.

Bernhard Reimann ist 25 Jahre alt. Nach dem Abitur und der Ausbildung zum Fernmeldeelektroniker entwickelte er Prozessorkarten für Telefonanlagen (ISDN) und für IBM-kompatible PCs und ATs. Außerdem entwickelte er Schaltgeräte und Zusätze nach besonderen Kundenwünschen für EDV-Großanlagen. Seit November 1986 ist er Redakteur bei der 68000er. Hier betreut er die Hardware-Basteleien und testet Geräte für den ST, den Amiga und den QL. Daneben betreut er die Grundlagenartikel für alle Bereiche der Hardware und der Elektronik.

Auch ihn interessiert als erstes, ob ein Gerät fehlerfrei arbeitet und ob Handbuch und Benutzerführung gelungen sind. Besondere Aufmerksamkeit richtet er darauf, ob eine hohe Betriebssicherheit gewährleistet ist, und ob die Anschlüsse stabil und genormt sind.

»Die Unterschiede liegen oft im Detail«

Das Schwierige an seiner Aufgabe ist jedoch oft, aus einer großen Menge von geeigneten Geräten die besten herauszufinden. »Drucker oder Laufwerke gleichen sich oft wie ein Ei dem anderen. Die Unterschiede liegen dann im Detail.« Er redet schnell, in einem Hochdeutsch, in dem man den Rheinländer heraushört. »Und manchmal kommt es gar nicht darauf an, ob ein Gerät gut oder schlecht ist, sondern ob es sinnvoll ist. Die Frage ist dann, bringt mir ein Gerät so viel, daß es sich lohnt, das Geld dafür auszugeben«. Normalerweise hat Bernhard Reimann alle Hände voll zu tun, die vielen Zusätze zu testen, die laufend für den ST angeboten werden. An vier Tagen im Jahr jedoch kann ihn nichts und niemand in seine Testwerkstatt locken. Denn dann ist Karneval in Düsseldorf. (Paul Sieß)


Paul Sieß
Aus: ST-Magazin 04 / 1988, Seite 31

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