Falcon Scene - Fried Bits III ... die zweite

Großes Bild: DANs (LAZER) FB3-Beitrag

Heho, eigentlich hatte ich ja versprochen, in diesem Artikel nahtlos an den letzten anzuknüpfen, aber nach einem hektischen Monat kostet es etwas Konzentration, sich an verregnete Apriltage zu erinnern, noch dazu, wenn das Wetter mittlerweile schon zum Baden einlädt. Aber das Betrachten der mittlerweile releasten Demos macht es einem leichter, etwas Fried-Bits-Stimmung zurückzurufen.

Tatsächlich füllten die Ergebnisse der Grafik-, Musik-und Demowettbewerbe dann auch etliche Megabyte einer Festplatte, die sich aber bald erschöpft verabschiedete und so für eine kurze Panik und stundenlange DFÜ-Sessions bei mir sorgte. Als Ausgleich trudelten dann doch noch rechtzeitig die Demos von Avena und Lazer bei mir ein. Als Bonus gab es sogar noch ein Demo von AURA, das auf der Fried Bits gar nicht zu sehen war, da es erst ein paar Wochen später fertig wurde.

Das Ex-Illusion Demo ist (fast) ein Ein-Mann-Produkt und präsentiert sich sehr stilvoll, sogar ein wenig romantisch. Literaturbegeisterte können sich, erstmalig in einem Demo, an Gedichten von Heinrich Heine ergötzen ... Für die „anderen“ gibt’s interessant in Szene gesetzte Vektorgrafik, knallbunte Trancegrafiken von HERM (Mugwums) und eine DOMM(Animal Mine)-Musik mit etwas melancholischem Groove. Das Demo könnte auch Nichtfreaks gefallen, zumal es auch auf VGA-Monitoren läuft.

Wer Vektorgrafik satt sehen möchte, muß leider noch auf das EKO-Demo warten. Ihr „Werk“ war auf der FB3 noch recht weit von der Fertigstellung entfernt. EKO führen alle Vektorgrafikberechnungen mit dem DSP durch, der Prozessor dient nur noch als eine Art Blitter. Dadurch bekommt man nicht nur sehr komplexe Szenen geboten, offensichtlich ermöglicht der DSP auch präzisere Berechnungen, so daß alle Bewegungen sehr soft aussehen. Auf der FB3-Präsentation flog der Zuschauer also durch die Gänge einer Raumstation und einen großen Reaktorraum, überall standen Raumgleiter herum, die wie aus „Starwars“ entliehen wirkten. Nach weiteren beeindruckenden Effekten fand man sich in einer „Virtua Racer“-Landschaft wieder, die nicht nur durch Komplexität, sondern auch durch sehr flüssige Bewegung der fiktiven Kamera glänzte. Bleibt nur zu hoffen, daß EKO ihren „angedrohten“ „Virtua Racer“-Clone tatsächlich fertig programmieren. Hier läßt der Falcon richtig die DSP-Muskeln spielen. Es muß nicht immer Jaguar sein ...

1.Platz der 96-K-tro-Competition: „Terrorise your Soul“

Genug geschwärmt, schließlich gibt es auch schon releaste Demos der FB3. AVENA haben sich mal wieder mächtig ins Zeug gelegt, sie setzten auf die letzte Inter-Grafikmanipulationsorgie noch einen drauf und beeindrucken mit unaussprechlichen Zoomdistorting, tonnenweise Plasma, Feedbackeffekten und Glas- sowie Wassersimulationen. Ich freue mich schon, wenn ich mal wieder mit dem Falcon unterm Arm bei meinen Kumpels mit PCs vor der Tür stehe. Wie immer verleiht Tommy dem Demo mit einer exzellenten Soundkreation den richtigen Schmiß. Grafikmäßig habe ich diesmal auch einen kleinen Beitrag geleistet, und für einen längeren Vektorpart zeichnet TAT von Digital Chaos verantwortlich. Das schöne dabei ist, daß sich die AVENA-Demos noch immer auf einer einzigen HD-Diskette zu Hause fühlen. Die Tatsache, daß EKO den Hamburgern den zweiten Platz wegschnappte setzte nur noch mehr ungezügelte Programmierwut frei, auch AVENA erforschen jetzt die Potentiale des DSPs und rüsten zu einer Revanche.

... schönes FB3-Bild von Flan (Adrenaline)

Stories aus Österreich

Eine Story für sich ist „The LostBlubb“. Um dieses Demo ranken sich seit der Vorführung auf der FB3 die wildesten Gerüchte. So begann auch ich zu schwitzen, als ich es dann endlich in den Händen hielt - und die waren voll, mit 4 HD-Disketten. Meine interne 80-MB-Festplatte dann auch, dank bescheidenen 7,3 MB, die das Demo benötigt. Nun ja, dafür ist das Demo auch jedes Byte wert. Es ist einfach unglaublich, was mir die Österreicher über die Entstehung des Demos berichteten:

„SubStation“ - 3D-Action pur!

Mit „Autowaschen“ war fast alles erreicht, was man im konventionellen Demobereich machen konnte, diesmal sollte es anders werden. Also wurde geplant, MTV geschaut und schließlich die Idee ausgebrütet. Am Anfang war Musik, dazu erstellte Martina eine Tanzchoreografie, das Ganze sollte dann gefilmt werden. Nun stand Lazer ausnahmsweise kein Fernsehstudio zur Verfügung, aber ungebrochenen Mutes ging man das Projekt mit einer Videokamera und viel Experimentierfreude an. Viele Versuche waren nötig, um am Ende ca. 2 Stunden Videoband zur Verarbeitung zu tragen. Unter anderem wurde Martina komplett schwarz bemalt, da man sich einen besseren Kontrast versprach (hi,hi) ... leider zählte diese Aktion zu den Fehlversuchen (ohhhü! ... prust). Ok, das „Material“ verwandelte sich dann in 200 MB digitalisierte Daten und wurde von STAX mit einem speziellen Editor in Vektordaten verwandelt. Das Ergebnis bilden ca. 1000 Animationen für das Demo und 450 Animationsphasen in TrueColor. Jetzt wurden noch „kurzerhand“ 50 Backgroundeffekte kreiert, und nach 6 Monaten hatte man 4 Minuten und 9 Sekunden pure Demo. Nicht unerwähnt sollen zwei Gastsängerinnen (Rita und Katja) bleiben, welche die 8stimmige Musik begleiteten (Übrigens, der Text: „Join my cyber universe“). Für diesen Aufwand haben sich LAZER jetzt wirklich ein paar entspannte Stunden an der gewonnenen Playstation verdient, auf daß ihnen dabei neue Ideen kommen mögen.

JADEs mächtiges HiRes-Bild ... WOW!

Aber wer braucht eine Playstation, wenn er einen STE oder Falcon besitzt? Wieder kamen Neuigkeiten über das neue Projekt der Obsessionmaker bei mir an, sogar Screenshots des 3D-Action-Adventures können diesmal bewundert werden (Dank an WBW-Service!). Das Game hat jetzt schon Gestalt angenommen und sollte bei Erscheinen des Artikels bereits im Handel sein. Dank einer spielbaren Demoversion konnte ich auch schon mal einen Trip in die „SubStation“ wagen. Ich muß allerdings ehrlich sagen, daß 16 STE-Farben einem Falcon-verwöhnten Auge kein großes Erstaunen mehr entlocken können. Für die kleinen ATARIs ist das Spiel aber eine technische Meisterleistung, und die Falcon-Besitzer dürfen sich mal wieder auf eine grafisch aufgebohrte Version freuen. Das 3D-Soundsystem haut einem aber die Beine weg. Die akustische Atmosphäre ist fett und braucht sich nicht hinter Alien vs. Predator (Jaguar) zu verstecken. Eine unterschwellige Geräuschkulisse sorgt fürSpannung, und die anderen Geräusche verschaffen einem Gänsehaut (da knirscht doch etwas, hinten links?). Übrigens ist auch die Falcon-Version von Obsession für Ende Juni angekündigt.

Falcon auf Doom-Wegen

Wer immer noch nicht glaubt, daß der Falcon komplexe Texturemappingdungeons schnell darstellen kann, sollte sich sofort das Doomino-Demo, STAX-(die Crew, nicht der Lazer-Musiker!) Beitrag zur 96-Ktro-Competition der FB3, besorgen. Wieder mal hilft der DSP fleißig mit. Tatsächlich reicht die Komplexität der Räumlichkeiten an das Original heran und bietet eine ähnliche Auflösung wie Jaguar-Doom. Hoffentlich macht STAX tatsächlich eine Art MIDI-Maze-Variante aus dieser Technik. Apropos 96 K-tro: daß der erste Platz einfach Unglaubliches bot, habe ich schon erwähnt. Ich spreche hiermit den Mannen der noch relativ jungen Gruppe „The Chaos Engine“ ein „cool“ für ihren Beitrag aus. Es ist eine deutliche Entwicklung gegenüber früheren Releases zu beobachten und die Musik ist verdammt gut. Weiter so! (Übrigens auch GRUOR, deren Demo nicht rechtzeitig fertig wurde, und natürlich TNB, für den Witz ihres Beitrages)!

Doomino by STAX ... erstaunlich!

Am Ende möchte ich noch erwähnen, daß während der FB3 auch ein neues Scene-Grafikprogramm den Weg auf meine Festplatte fand. Die mittlerweile beachtliche Palette derartiger Tools wurde wieder durch ein TrueColor-Werkzeug erweitert. Neben den üblichen Funktionen zeichnet sich „GOD-Paint“ durch viele nette Spielereien aus und zahlreiche Einstellungen der einzelnen Funktionen. Die echte Stärke zeigt sich in der Vielzahl an unterstützten Grafikformaten.

WOW, das war’s, ich denke, die FB3 ist damit abgehakt, das nächste Highlight dürfte dann die Saturn-Party in Frankreich sein, welche aber erst für Oktober anberaumt wurde.

Ich werde jetzt den Turbogang einigen (40 MHz, mit Speed-Resolution-Card) und weiter die Tiefen von NeoN und Apex Media erforschen. Bis zum nächsten Mal bleiben ja nun zwei Monate, um Neuigkeiten für Euch zu sammeln. Macht Euch ein paar nette Sommertage, und ein dicker Gruß an Silli.

Ciao, euer A.-t- of CREAM


Kay Tennemann
Aus: ST-Computer 07 / 1995, Seite 102

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