Thronfolge Teil 2: NVDI 3.0 & SpeedoGDOS 5.0x

Nachdem wir Ihnen in der vorletzten Ausgabe, die beiden Probanden nur kurz vorgestellt haben, wollen wir diesmal doch etwas detaillierter auf die Eigenheiten der Betriebssystemerweiterungen eingehen. Einer der Schwerpunkte wird dabei ohne Zweifel ein Geschwindigkeitsvergleich sein, aber auch auf Speicheranforderung und Handhabung wollen wir einen Blick werfen. Einen kleinen Knackpunkt der vergangenen Jahre wollen wir dabei auch nicht aus den Augen verlieren: die Betriebssicherheit.

Noch eine Anmerkung zu Beginn. Damit keine Verwechslung zwischen den Begriffen stattfindet, achten sie bitte genau auf die jeweilige Schreibweise. Es gilt zwischen einem GDOS-System und SpeedoGDOS zu unterscheiden. Ersteres beschreibt das allgemeine Konzept eines ATARI (ST/TT/Falcon) zur geräteunabhängigen Ausgabe, während SpeedoGDOS, genau wie NVDI, eine mögliche Umsetzung dieses Konzeptes darstellt.

System-Upgrade

Das Aufspielen der Daten ist bei beiden Produkten nicht weiter kompliziert und sollte auch den unerfahrenen Benutzer vor keine größeren Probleme stellen. Grundsätzlich sind die Programme auf eine Erstinstallation zugeschnitten und gehen kaum auf schon bestehende GDOS-Systeme ein. Allenfalls der in der ASSIGN.SYS eingetragene Pfad wird ausgewertet und übernommen. Löblich ist jedoch, daß die alte Datei entweder auf Wunsch (SpeedoGDOS) oder automatisch (NVDI 3.0) in einer Backup-Datei gesichert wird. Dabei macht das Installationsprogramm von NVDI3.0den schlichteren, aber auch überschaubareren Eindruck.

Bei der Einrichtung der beiden Zeichensatzsysteme sind die mitgelieferten Anleitungen eine brauchbare Hilfe. Sie sind zwar nicht übermäßig mächtig, aber im allgemeinen gut verständlich und ausreichend mit Bildern ausgestattet, so daß eine fehlerfreie Installation auch von Laien zu bewerkstelligen sein sollte.

Administration ohne Aufwand?

Mit dem Einsatz der Vektorzeichensätze kommt eine neue Aufgabe auf den Benutzereines Rechners zu: die Verwaltung des Schriftsystems. Es sind im wesentlichen drei Bereiche zu bewältigen:

Die beiden Anwendungen gehen dabei durchaus unterschiedliche Wege, wobei sich je nach Lösung verschiedene Vor-und Nachteile gegenüberstehen.

In beiden Umgebungen wird das Schriftsystem über zwei Steuerdateien und einige kleine Tools verwaltet. Als Basis für die Druckertreiber und die alten Bitmap-Zeichensätze dient nach wie vor die ASSIGN.SYS-Datei. Weitergehende Informationen legt NVDI in der NVDI.INF, SpeedoGDOS 5.0x wie seine Vorläufer auch in der Datei EXTEND.SYS ab. Diese Dateien werden in ihren einfachen Möglichkeiten von mitgelieferten Tools manipuliert.

Unter NVDI finden sich diese Tools (3 an der Zahl) in ATARIs eigenem Kontrollfeld, wo sie in Einklang mit den anderen System-Tools, wenn auch etwas eingeengt, ihre Aufgabe erledigen sollen. SpeedoGDOS vertraut hingegen auf die beiden Programme DRIVERS und OUTLINE, die auch schon unter der 4er-Version bekannt waren. Eine Auffrischung des Erscheinungsbildes täte hier sicher gut, sind doch die amerikanischen Vorstellungen von Benutzerführung zuweilen sehr eigensinnig.

Zeigt her Eure Fonts

Gemeinsam ist beiden die Möglichkeit, die Zeichensätze auf mehrere Verzeichnisse zu verteilen. Einen (bei NVDI) bzw. drei (bei SpeedoGDOS) Pfade kann man mit den entsprechenden Tools via File-Selektor bestimmen. Für den einfachen Anwendungsfall ist das sicher ausreichend, will man aber weitere Pfade festlegen, muß man auf einen ASCII-Editor ausweichen und manuell nachsteuern.

Damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Während sich das OUTLINE-Tool von SpeedoGDOS damit begnügt, nur genau die angegebenen Pfade zu durchsuchen, erforscht NVDI auch die eine Ebene weiter verschachtelten Verzeichnisse. Das hat den Vorteil, daß man innerhalb eines Basisordners noch weiter strukturieren kann, ohne jedoch jeden einzelnen dieser Unterpfade anmelden zu müssen.

C:/
/FONTS
\BTFONTS
\DUTCH.801
\SWISS.721
\ZURICH
\HIDE
\EXOTIC.350
\TRUETYPE
\COURIER.10P
\LIFE
\SYMBOL

Unter NVDI müßten Sie bei obiger Ordnerkonstellation nur die Pfade bis BT-FONTS & TRUETYPE angeben, den Rest sucht sich das System selber zusammen. SpeedoGDOS benötigt, um dieselbe Masse an Zeichensätze zu aktivieren, hingegen die Angabe von 6 Verzeichnissen.

Das Anmelden von Zeichensätzen geschieht bei NVDI einfach durch das Hineinkopieren der entsprechenden Dateien in die angemeldeten Pfade. Abmelden kann man die Fonts entweder durch tatsächliches Löschen oder durch das Verschieben in einen Ordner namens Hide, der vom Laden der Zeichensätze ausgeklammert wird. Ein sehr komfortables Verfahren -mit zwei kleinen Schwächen. Auf Read-only-Medien (z.B. CDs) können aus einem angemeldeten Pfad keine Zeichensätze ausgeschlossen werden. Da es sich aber im allgemeinen sowieso nicht empfiehlt, Font-Verzeichnisse dauerhaft auf CDs zu legen, relativiert sich dieser Nachteil schnell wieder. Ein wenig lästiger dagegen ist der Umstand, daß die Dateinamen der Fonts meist recht kryptisch sind, weshalb nicht immer sofort erkennbar ist, um welchen Zeichensatz es sich bei der Datei handelt. Hier sollte man ein kleines Tool bereitstellen, das auf Bedarf die Eckdaten (Name, Typ etc.) eines Zeichensatzes ausgibt.

Klassenunterschiede in der Bildschirmausgabe

Auch unter SpeedoGDOS reicht es aus, die neuen Zeichensätze in die eingetragenen Verzeichnisse zu kopieren, da sie dann automatisch mit in die Liste aufgenommen werden. Nutzt man hierzu das OUTLINE.PRG, wird man auch über die Namen der Zeichensätze informiert. Beim Abmelden von Zeichensätzen (hier können dann auch einzelne Zeichensätze ausgeklammert werden) hilft einem das Tool ebenfalls. Nur wenn es an das Löschen von der Festplatte geht, steht man ähnlichen Lesbarkeitsproblemen gegenüber wie bei NVDI.

Um die angemeldeten Zeichensätze benutzen zu können, muß man unter SpeedoGDOS nun einen Reset auslösen. NVDI bietet hingegen die Möglichkeit, die Fonts neu zu laden. Es müssen zwar die Anwendungen verlassen werden, die die Vektorzeichensätze nutzen, aber das geht in der Regel immer noch schneller, als eine komplette Boot-Phase durchzuziehen.

Speed King

Time is money, und jede Computeranwendung muß sich den Blick auf die Stoppuhr gefallen lassen, vergleicht man sie mit anderen Produkten. Wir haben daher beide Systeme auf eine kleine Reise über einige Testroutinen geschickt. Sie können den Erfolg oder Mißerfolg der Konkurrenten an den nebenstehenden Grafiken ablesen, deren Resultate sich aus den folgenden Meßverfahren ergaben (alle Angaben in Sekunden):

  1. Ausgabe von Text mit Bitmap-Zeichensätzen via v_gtext(). (10000 Wiederholungen).
  2. Ausgabe eines einzeiligen Textes mit Vektorzeichensätzen via vftext(). (1000 Wiederholungen, kein Kerning, alle 16 Wiederholungen wurde die Punktgröße um 0.5 pt erhöht).
  3. Ausgabe eines einzeiligen Textes mit Vektorzeichensätzen via v_ftext(). (1000 Wiederholungen Track-Kerning - sehr schlank alle 16 Wiederholungen wurde die Punktgröße um 0.5 pt erhöht).
  4. Ausgabe eines einzeiligen Textes mit Vektorzeichensätzen via v_ftext(). (1000 Wiederholungen, Pair-Kerning - Zeichen weise alle 16 Wiederholungen wurde die Punktgröße um 0.5 pt erhöht).
  5. Ausgabe eines einzeiligen Textes mit Vektorzeichensätzen via v_ftext(). (100 Wiederholungen, Pair-Kerning - zeichenweise - bei jeder Wiederholung wurden die Punktgröße um 0.5 pt und die Rotation um 5 Grad erhöht).
  6. Ausgabe eines mehrzeiligen Dokumentes mit Vektorzeichensätzen via v_ftext(). (50 Wiederholungen, Pair-Kerning -zeichenweise bei jeder Wiederholung wurde die Punktgröße um 0.5 pt erhöht).

Eine der Ursachen für den deutlichen Geschwindigkeitsvorteil von NVDI läßt sich vermuten, wenn man die laufenden Tests betrachtet. Sobald NVDI erkennt, daß noch zu berechnende Zeichen sowieso nicht mehr angezeigt würden (Bsp.: Fenstergrenzen), bricht es die Aufbereitung der Daten sofort ab. SpeedoGDOS baut hingegen alle angegebenen Zeichen vollständig auf, um erst bei der jeweiligen Ausgabe durch das übrige Betriebssystem am Zeichnen gehindert zu werden.

SpeedoGDOS kann man noch etwas beschleunigen, stellt man ihm eine NVDI-Version <= 2.51 zur Seite. Die so erzielten Geschwindigkeitsgewinne liegen im Bereich um die 15%. Setzt man die Ausgabequalität von SpeedoGDOS manuell herauf (Outmode = 2), verliert das System hingegen wieder um 3.5%, bezogen auf obige Testreihen.

Die Druckausgabe im Vergleich

Auch im Bereich des Drucksystems zeigen sich zwischen NVDI 3.0 und SpeedoGDOS 5.0 einige Unterschiede. Letzteres setzt die Tradition seiner Vorgänger fort und bietet für jeden Drucker (oder dazu Kompatiblen) einen eigenen Treiber an. Die Anmeldung einer Ausgabeeinheit findet, wie in der Vergangenheit auch, durch das DRIVERS-Programm statt, das auch das Einstellen einiger Randparameter des Treibers zuläßt. In der Regel stehen dem Benutzer zwei Druckqualitäten sowie einige Papierformate zur Verfügung. Einige Treiber erlauben auch die Einstellung von Farbdruck, was z.Zt. für Programmierer aber noch nicht ausreichend dokumentiert ist und so noch keinen Einfluß auf die gängigen Applikationen hat. Für die wichtigsten Drucker finden sich im Lieferumfang von SpeedoGDOS brauchbare Treiber. Einen Einfluß auf die im Treiber benutzten Steuersequenzen hat der Benutzer aber nicht, was einer Anpassung an nicht ganz kompatible Drucker einen Riegel vorschiebt. Hier ist man voll darauf angewiesen, daß vom Hersteller ein passender Treiber entwickelt und zur Verfügung gestellt wird.

Im Bereich der Druckertreiber zeigt NVDI einen neuen und vielversprechenden Ansatz. Man nutzt hier die Tatsache, das sich viele Ausgabegeräte in ihrem grundsätzlichen Verhalten ähneln. So hat man bislang vier Basistreiber entwickelt, mit denen sich ein weites Spektrum verfügbarer Drucker abdecken läßt. Unterschieden wird zwischen seitenorientierten Geräten (Laserdrucker und einige Tintenstrahler), Nadel-/Tintenstrahldruckern, den ACSI-Druckern von ATARI und einem Treiber fürden Druck in Grafikdateien mit variabler Auflösung. Wie sich der Treiber konkret verhält, wird durch Konfigurationsdateien bestimmt, die man mit einem mitgelieferten Tool verändern kann. Dieses erlaubt sowohl die Manipulation der von Haus aus eingetragenen Konfigurationen als auch die Neuanlage von Informationen für bislang noch nicht bekannte Drucker. Neben der freien Konfigurierbarkeit zeichnen sich die Treiber aber auch durch ihre Kompaktheit aus.

Das Umschalten der Ausgabetreiber während des laufenden Betriebes wird von beiden Systemen hinreichend gut unterstützt. Da alle bekannten Anwendungen den Druckertreiber erst kurz vor dem tatsächlichen Drucken öffnen, ist es in diesem Fall auch nicht notwendig, die Programme zu verlassen.

Bei der Beurteilung der Druckgeschwindigkeit muß man zwei Bereiche unterscheiden: die Aufbereitungphase und die Übertragungszeit zum Drucker. Bei der benutzten Testseite handelt es sich um ein simples Textdokument, das mit mehreren verschiedenen Vektorzeichensätzen formatiert ist.

Aufgrund der Bildschirmtests lag die Vermutung nahe, daß auch bei der Druckaufbereitung NVDI in puncto Geschwindigkeit die Nase vorne haben würde, was sich dann auch im Test bestätigte. Daß die Zeitunterschiede in diesem Test nicht so klar ausfallen, liegt daran, daß die Ansprüche an die Caches niedriger waren und daß beim Drucken im allgemeinen die Beachtung von Clipping-Bereichen (Beschränkungen des Ausgabebereiches) keinen großen Einfluß hat.

Flexible Treiberkonfiguration bei NVDI 3.0

Mißt man die Übertragungszeiten, so zeigen sich zumindest auf den Laserdruckern beide Produkte etwa gleichstark (auf den original ATARl-SLM-Lasern darf sich aufgrund des Druckprinzips sowieso kein meßbarer Unterschied ergeben). Besonders schwer taten sich die bisherigen GDOS-Varianten aber immer beim Druck auf Nadel- oder Tintenstrahldruckern. Für denTesthaben wir einen Epson Stylus und einen Epson LQ-870 herangezogen. Hier ergab sich dann ein völlig anderes Bild als zuvor. Während sich SpeedoGDOS auf dem Stylus geschlagene 162 Sekunden mit dem Druck abmühte, lieferte NVDI bei gleicher Druckqualität die Seite schon nach 42 Sekunden beim Tester ab, was einer Geschwindigkeitssteigerung von fast Faktor 4 entspricht. Ähnlich sind die Verhältnisse auch auf dem LQ. Hier fiel aber auch auf. daß beim Druck in Entwurfsqualität (180dpi) unter SpeedoGDOS die Breiten der senkrechten Linien einiger Buchstaben (z.B. im ,h‘ oder ,n‘) nicht ganz korrekt berechnet wurden.

Alle derzeit verfügbaren Druckertreiber arbeiten auf grafischer Basis, d.h., daß in der Regel ei ne große Menge an Daten über die parallele Schnittstelle geschaufelt werden muß. Gerade beim Druck größerer Textdokumente brächte aber eine Umsetzung der Ausgabedaten auf druckerinterne Beschreibungssprachen (wie PCL, HPGL- oder PostScript) einen deutlichen Geschwindigkeitsvorteil. Hier liegt sicher noch interessantes Entwicklungspotential für beide Systeme.

Qualitätssiegel

Das von SpeedoGDOS 5.0 und das von NVDI 3.0 erzeugte Schriftbild sind von vergleichbarer Qualität, was auch nicht weiter verwundert, sind die Kernbereiche der Scaler doch aus dem gleichen Hause (Bitstream). Ab 9pt Größe kann man schon mit recht ansprechender Qualität auf dem Bildschirm rechnen. Kleinere Punktgrößen wirken je nach gesetzem Font schon einmal ein wenig schrumpelig; unter 5pt sind die Ergebnisse eigentlich nur noch für ein Preview tauglich. Auf den Druckern ergeben sich auch bei kleineren Schrifthöhen kaum merkliche Verschlechterungen, was sich durch die isg. höhere Auflösung erklären läßt.

Im Vergleich der verschiedenen Skalierungsverfahren zeichnet sich das Speedo-Format auf dem Bildschirm leicht gegenüber den True-Type- und Type-1-Fonts aus. Es ist ein klein wenig zügiger und scheint in den kleineren Schriftgrößen auch besser lesbar. In starken Vergrößerungen sind die hingegen die Type-1- und True-Type-Fonts etwas feiner, was sich in Schmuckschriften am stärksten bemerkbar macht.

Zwischenstation

Um aus der vektoriellen Darstellung Zeichen auf Bildschirm oder Drucker zu bringen, ist eine größere Zahl an Berechnungen nötig, die natürlich Verzögerungen im System bedeuten. Um diese Verzögerungen gering zu halten, bedienen sich die Probanden verschiedener Cache-Techniken, die die schon berechneten Zeichen möglichst lange speichern, um sie bei Bedarf schnell bereitzustellen.

Wieviel Cache man den Vektorinterpreten zur Verfügung stellt, ist sicher eine subjektive Angelegenheit. Hier muß man sich meist auf einen Kompromiß zwischen vorhandenen Ressourcen und Komfort einlassen, aber wer gibt schon gerne Speicher ab, wenn er auch noch ein (oder mehrere) Programm(e) damit versorgen muß. Weniger ist also besser. Um den Umgang mit Speicher zu testen, wurde beiden Systemen die komplette 500-Font-CD von Bitstream zugänglich gemacht- Das Anscannen (Ermitteln der Font-Informationen) wurde von beiden Systemen klaglos bewältigt.

Einige Applikationen führen zur Ermittlung der Zeichencharakteristik (unidistant oder proportional) einige Tests durch, die dazu führen, daß alle Zeichensätze wenigstens teilweise durch die Caches müssen. Während NVDI sich ohne zu Murren in sein Schicksal fügte, ging SpeedoGDOS mitten im Test der Cache aus und das, obwohl ihm etwa doppelt soviel Speicher für diese Aufgabe zur Verfügung stand (600 KB statt 300 KB bei NVDI). Um das etwas zu relativieren, muß man allerdings die unterschiedlichen Speichernutzungskonzepte betrachten. Während SpeedoGDOS sich einzig und allein auf die angemeldeten Ressourcen stützt, alloziert NVDI dynamisch Speicher für zusätzliche Informationen. Im oben aufgeführten Test muß man NVDI also noch ca. 150 KB zurechnen. und somit kommt man in etwa auf 450 KB Gesamtbedarf.

Betriebssicherheit

SpeedoGDOS hat gegenüber seinen Vorläufern aus dem Hause ATARI deutlich an Systemstabilität gewonnen. Problemkinder sind aber nach wie vor die Druckertreiber von SpeedoGDOS, die auf Speichermangel manchmal mit einem Systemabsturz reagieren. Vergleichbare Probleme ließen sich unter NVDI nicht feststellen, das auch sonst relativ klaglos seinen Dienst verrichtete.

Beide Systeme mögen es aber nicht sonderlich, wenn man Ihnen den Zugriff auf Ihre Zeichensatzpfade sperrt. SpeedoGDOS reagiert sogar sehr allergisch auf diesen Fall und verabschiedet sich mit einem Absturz. NVDI bemängelt hier einen Fehler im Scaler und stellt neu zu berechnende Zeichen nur noch als weiße Flächen dar. Sind die Ressourcen wieder verfügbar, kann man durch Löschen der Caches NVDI wieder zu einer korrekten Mitarbeit bewegen. Das obige Problem entsteht vor allem in Multitasking-Umgebungen, wenn bestimmte Anwendungen (z.B. Programme, die die FAT direkt bearbeiten) aus Sicherheitsgründen einzelne Laufwerke sperren müssen. Eine allgemeine Lösung dazu existiert z.Zt. noch nicht. Der Benutzer muß in eigener Regie dafür sorgen, daß es hier nicht zu Konflikten kommt.

Insgesamt machte NVDI die angenehmere Figur im Test. Zum einen spricht natürlich die deutlich höhere Ausgabegeschwindigkeit für das Produkt, zum anderen überzeugen die flexible Druckerverwaltung und der niedrige Speicherbedarf. Insgesamt macht das System trotz der neuen Möglichkeiten immer noch einen sehr flüssigen Eindruck. SpeedoGDOS hingegen ist vor allem für die ATARIaner interessant, die sich aufgrund anderer Applikationen schon mit einem Satz PostScript-Type-1 -Zeichensätzen eingedeckt haben.

NVDI 3.0

Preis: 129 —DM
Bezugsquelle: Behne & Behne Lindenkamp 2 31515 Wunstorf

SpeedoGDOS

Preis: 129,- DM Update von 4.X. 69. DM Bezugsquelle: Compo-Software Vaalser Str. 540 52074 Aachen

NVDI 3.0

Positiv:

Negativ:

SpeedoGDOS 5

Positiv:

Negativ:

Alte Geister

Vordem Hintergrund existierender Programme macht die Einbindung der getesteten Vektorzeichensatzerweiterungen ins GDOS-Konzept sicherlich einigen Sinn, doch muß man immer wieder kritisch anmerken, daß GDOS wie ein enger Flaschenhals wirkt. Sicher kann man hier einwenden, daß man zur Zeit fast noch alles auf dem ATARI machen kann, was auch auf anderen PC-Systemen möglich ist. Doch gerade die Programmierer stellen immer wieder fest, daß die Konzepte des GDOS nur noch wenig Entwicklungpotential für die Zukunft zulassen. Besonders für die Übertragung anspruchsvoller Software auf den ATARI wird es zunehmend schwieriger die Lücken des GDOS-Ausgabesystems zu umgehen.

Besonders einschränkend wirkt sich hier die in weiten Teilen des Betriebssystems verankerte Integer-Mentalität (statt Long-Integern oder gar Pointern) aus. Die Knausrigkeit der Entwickler des VDI zu Beginn der ATARI-Blüte ist zwar noch mit den damals hohen RAM-Preisen entschuldbar, aber sehr vorausschauend war dies sicher nicht. So reicht zum Beispiel auch die Problematik der Zeichensatz-IDs, die für jeden Zeichensatz zur Laufzeit eindeutig sein müssen, in diese Zeit zurück. Ursprünglich nur auf 16 Bit ausgelegt, müßten heute dort mindestens 32Bit zur Verfügung stehen, da jede der modernen Font-Arten (Speedo, TrueType und Type-1) alleine schon 32 Bit abdeckt. Eine 100% eindeutige und automatische Lösung scheint hier nicht in Sicht, auch wenn sich NVDI und SpeedoGDOS bemühen, den Problemen aus dem Weg zu gehen.

Die Liste ließe sich im Bereich der Textausgabe noch um einige Punkte erweitern, aber auch in anderen Bereich hat das existierende GDOS-Konzept noch einige Schwachstellen (Hintergrunddruck: hier fehlt vor allem eine AES-Schnittstelle.dok. Farbgrafikdruck/Durchreichen von Dateien: man denke an EPS-Grafiken im Text oder HP-GL/2 Daten). Hier muß sich die Programmiererschaft auf dem ATARI vielleicht doch einmal Gedanken um ein neues Ausgabesystem machen.


Erik Dick
Aus: ST-Computer 01 / 1995, Seite 14

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