Verrückt, verrückter ... CrazySounds II

Buntes wird noch bunter, Lautes noch lauter, verrücktes noch verrückter. So könnte man CrazySounds II durchaus charakterisieren. Bereits die Version 1 sorgte besonders in Geschäftsräumen und Großraumbüros dafür, daß Sekretärinnen und Chefs mit panisch verzerrtem Gesichtsausdruck in die Flucht geschlagen wurden, während sich die mit CrazySounds ausgestatteten Mitarbeiter mit Tränen in den Augen vor Lachen am Bürostuhl festhalten mußten.

Die Version II verspricht weitere Lachorgien, aber auch interessante und nützliche Funktionen, um allen ATARI-Computern das Sprechen, Quietschen, Dröhnen und Musizieren beizubringen. Für diejenigen, die unseren Testbericht über CrazySounds I (ST-Computer 6/93, Seite 30) nicht gelesen haben und auch sonst nicht wissen, was CrazySounds eigentlich macht, wollen wir noch einmal kurz wiederholen: CrazySounds kann fast allen Systemerereignissen, wie Fenster öffnen/schließen, Programme starten, Alert-, Dialog- und Fileselectorbox Ausgabe usw., beliebige digitale Klänge zuordnen, die sofort hörbar werden, wenn ein solches Ereignis auftritt. Das konnte bereits die erste Version von CrazySounds. Richard Kurz, Erfinder und Programmierer von CrazySounds, hat mit Unterstützung von diversen Betatestern so ziemlich alles in die neue Version 2 eingebaut, was noch sinnvoll und machbar erschien. Die Liste der zuweisbaren Ereignisse wurde stark erweitert. So kann das Programm nun auch die GEM-AES-Events, wie Fensterverschieben, Fenster toppen (nach oben klicken), Fenstergröße ändern, Slider und Scroll-Pfeile benutzen usw., abfangen und mit Soundsamples kommentieren. Das geht soweit, daß sogar auf das Anwählen eines Accessories in der Menüleiste reagiert werden kann. CrazySounds kann besonders bei den Fensterereignissen von dem PD-Utility "Winx 2.0" (ST PD 659) profitieren. Ist Winx installiert, ertönen die Klänge wirklich "während" der Ereignisse, also während und solange ein Fenster verschoben oder ein Slider bewegt wird.

Mit dem richtigen Sample belegt, ergibt das ein verblüffend realistisches Quietschen oder Knarren.

Klingende Knöpfe

Doch damit noch nicht genug. Auch beliebige Buttons in Dialog- oder Alert-Boxen können in Abhängigkeit von ihrem Textinhalt vertont werden. Stellen wir uns als Beispiel einmal eine typische Alert-Box vor, die einen Fehler meldet. Zunächst einmal kann das Auftauchen der Box schon mit einem Sample kommentiert werden. Dies ging bereits mit CrazySounds 1. Doch jetzt geht das noch weiter: Die meisten Alert-Boxen haben zwei Buttons, die oft mit "OK" und "Abbruch" belegt sind. Auf diesen Text innerhalb der Buttons läßt sich nun ebenfalls ein eigenes Sample legen.

Klickt der Anwender "OK", kommt in diesem Augenblick beispielsweise ein positiv klingendes "Ping", bei "Abbruch" hingegen eher eine warnende Tröte. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Alles bleibt weiterhin frei konfigurierbar, so daß der Benutzer selbst bestimmen kann, was bei welchem Ereignis erklingen soll.

Mittels des Oszilloskops kann man digitale Samples sehr exakt schneiden.
Auch auf das Betätigen von Buttons kann CrazySounds jetzt flexibel reagieren.

Zeitansage

Auch die Sound-Ausgabemöglichkeiten wurden erweitert. Neben dem Abspielen von einfachen Samples ist es nun auch möglich, auf ein beliebiges Ereignis eine Sprachausgabe zu legen, die die aktuelle Zeit in verständlichem Deutsch ausgibt. Dabei hat man auf einen einfachen Trick zurückgegriffen. Die gesprochene Uhrzeit besteht aus einer Anzahl von Einzel-Samples. die entsprechend der Uhrzeit nacheinander abgespielt werden. Alle diese separaten Samples liegen in einem speziellen Ordner innerhalb des Sample-Verzeichnisses auf der Festplatte. Crazy-Sounds erkennt einfach an dem Ordnernamen. daß es sich um die Uhrzeit-Samples handelt und gibt statt eines einzigen Klanges die gesamte Uhrzeit aus. Was jetzt folgt, können Sie sich denken: Jeder, der über die Möglichkeit verfügt, selbst Samples zu erzeugen (z.B. Falcon030-Besitzer), kann seine eigene oder eine beliebige andere Stimme aus seinem Bekanntenkreis für die Uhrzeitansage verwenden. Dazu muß man lediglich die einzelnen Samples erzeugen, zurechtschneiden, benennen und in den Spezialordner für die Uhrzeitansage kopieren. Es können sogar mehrere dieser Ordner existieren, so daß man beispielsweise verschiedene Sprachen oder gar deutsche Dialekte (wie wär's mit der Zeitansage auf Sächsisch?) gleichzeitig verwenden kann.

Oszilloskop

Das Werkzeug zum Schneiden und Bearbeiten von Samples wird mit Crazy Sounds II gleich mitgeliefert. Dazu existiert im Converter ein neuer Menüeintrag namens "Oszilloskop". Darunter verbirgt sich zunächst eine grafische Ausgabe der Sound-Samples, die sogar in Echtzeit stattfindet, und dies mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Sogar bei einer Farbauflösung auf dem Falcon030 findet die Grafikausgabe noch flüssig statt. Wird gerade kein Klang abgespielt, erkennt man in dem Grafikfenster den Amplitudenverlauf des gesamten Samples in einer Übersichtsdarstellung. Hier lassen sich zwei Marken setzen und durch Verschieben ausreichend genau positionieren. Der Teil zwischen den Marken läßt sich jederzeit als neues Sample abspeichern, kann aber zuvor noch etwas verändert werden. Dazu existieren Funktionen wie "lauter", "leiser", "einblenden", "ausblenden" und "umkehren", d.h. rückwärts abspielen. Aber auch die üblichen Funktionen wie Cut, Copy und Paste lassen sich verwenden. Damit erhält der Anwender ausreichende Möglichkeiten, um selbsterstellte Samples genau zu schneiden und nachzubearbeiten.

Kompatibilität

Nach wie vor arbeitet CrazySounds II auf allen ATARI-TOS-Computern. Bei STs findet die Sound-Ausgabe im Interrupt über den Sound-Chip statt, wobei das System während der Sound-Ausgabe etwas gebremst wird. Allerdings wurde diese Interrupt-Routine weiter stark optimiert, so daß der Performance-Verlust gegenüber der ersten Version wesentlich geringer ist. Schwierigkeiten im Zusammenspiel mit anderen Programmen und Anwendungen sind uns nicht aufgefallen. Lediglich Software, die ebenfalls Interrupt-Routinen installiert, könnte mit CrazySounds kollidieren, allerdings tritt das natürlich nur bei STs auf. STEs, TTs und Falcons sind davon nicht betroffen, da bei diesen Geräten die Sound-Ausgabe über die DMA-Sound-Hardware abläuft und somit keinerlei Beeinträchtigung der laufenden Programme zu befürchten ist.

Fazit

Wer CrazySounds bis jetzt noch nicht kennt, sollte dies schleunigst nachholen. Der Umgang mit dem Programm macht einen Riesenspaß und sorgt dauerhaft für gute Laune am Arbeitsplatz oder zu Hause. Die neu hinzugekommenen Funktionen machen ein Upgrade auf alle Fälle lohnenswert. Allein die Möglichkeit, Samples selbst grafisch zu schneiden und nachzubearbeiten, ist das Upgrade allemal wert. Nach wie vor gibt es auch sinnvolle Einsatzgebiete für CrazySounds. Besonders für Kinder oder in Anwenderschulungen läßt sich CrazySounds auch ernsthaft einsetzen. Ein laut erklingendes Warnzeichen ist auf alle Fälle einprägsamer als nichtssagende Fehlermeldungen. Es gibt eigentlich nur einen Grund, der gegen den Einsatz von CrazySounds spricht: schwache Nerven.

S. Wenzl

Bezugsquelle:
MAXON Computer GmbH
Industrie Straße 26
65760 Eschborn
Preis: 79.- DM
Upgrade: 39,-DM

CrazySounds II

Positiv:

neue Version mit vielen neuen Samples
Liste der Ereignisse stark erweitert
Sprachausgabe der Uhrzeit in verschiedenen Sprachen möglich
grafische Schnitt- und Bearbeitungsmoglichkeiten
schnelles Echtzeitoszilloskop

Negativ:

Nebenwirkungen auf das Zentralnervensystem der Anwender sind nicht auszuschließen



Aus: ST-Computer 06 / 1994, Seite 26

Links

Copyright-Bestimmungen: siehe Über diese Seite