Nachdem mw-Elektronik bisher auf der Software-Seite nur mit dem Programm "ECopy" vertreten war, kommt nun vom Autor dieses Programms eine zweite Entwicklung auf den ATARI-Markt. EBackup ist ein Festplatten-Backup-Programm, welches mit Disketten genauso gut umzugehen weiß wie mit Fest- oder Wechselplatten als Zielgeräte für die Datensicherung. EBackup liegt seit Anfang Dezember in einer auslieferungsfertigen Version vor und besitzt ein paar sehr interessante Funktionen, die es von anderen Programmen dieser Gattung deutlich abheben.
Zum einen arbeitet EBackup problemlos mit ECopy zusammen und kann dort die nötigen schnellen Unterroutinen für den Diskettenbetrieb ausleihen. Diese Routinen fehlen derzeit in EBackup selbst, werden aber in einer späteren Version noch implementiert werden. Wer also Wert auf schnelle Diskettenbehandlung legt sowie auf die Möglichkeit, Spezialformate beim Backup formatieren zu können (z.B. ED-Disketten oder Disketten mit erhöhten Sektorzahlen), der ist neben EBackup auch auf den Besitz von ECopy angewiesen, da EBackup selbst nur über GEMDOS Disketten bearbeiten kann, und hier ist mit einer normalen HD-Diskette das Ende des Machbaren erreicht. Unabhängig von ECopy sind hingegen die übrigen Funktionen von EBackup. So unterstützt das Programm sowohl Disketten als auch Fest- oder Wechselplatten als Zielgeräte für die zu sichernden Daten und kann somit, bis auf die Ansteuerung von Streamern, alle Backup-Zwecke problemlos erfüllen.
EBackup bietet dabei zwei verschiedene Backup-Methoden an: Einmal ein Filebackup, bei dem man für jede Datei entscheiden kann, ob sie nun gesichert werden soll oder nicht. Dies hat den Vorteil, dass nur die Dateien gesichert werden, die auch wirklich gesichert werden sollen. Ein Backup benötigt dadurch natürlich weniger Speicherplatz und kann, insbesonders bei Disketten, somit einiges an Zeit und auch Geld sparen. Schade hingegen ist, dass das Programm jede Datei einzeln nacheinander auf Diskette kopiert. Hierbei geht doch einiges an Zeit verloren, und der Diskettenwechsel kann nicht schon für andere Zwecke benutzt werden. Sinnvoll wäre es, die Dateien in einen Puffer einzulesen und dann in einem Durchgang auf die Diskette zu schreiben. Dies bringt, gerade wenn ausreichend freier Speicher zur Verfügung steht, doch eine nicht unerhebliche Beschleunigung des Backup-Vorgangs. Ärgerlich ist außerdem, dass EBackup beim Filebackup keine Möglichkeit der Komprimierung anbietet. Damit bietet das Programm in diesem Bereich nicht viel mehr als Programme aus dem Shareware- oder PD-Bereich, wenn auch die Auswahlkriterien für Dateien sehr umfangreich sind. Die gewünschten Dateien lassen sich hierbei nach ihrer Dateiendung oder einer frei definierbaren Dateimaske, dem Archiv-Bit und dem Datum auswählen, wobei diese Kriterien auch noch miteinander verknüpft werden können. Schließlich kann man sogar angeben, ob die so gefundenen Dateien ausschließlich oder zusätzlich zu den bereits vorhandene Dateien selektiert werden sollen, so dass man auch in mehreren Durchgängen umfangreichere Auswahlen treffen kann. Damit sind natürlich auch negative Kriterien möglich, um bestimmte Dateitypen vom Backup auszuschließen.
Die zweite Methode, mit der EBackup eine Datensicherung ermöglicht, ist auf ATARI-Computern bisher wenig verbreitet, da hierbei eine Menge nutzloser Daten mit abgespeichert wird. Die Rede ist vom Imagebackup, einer sektorweisen 1:1-Kopie der Daten auf dem zu sichernden Laufwerk. Dieses Verfahren, das bisher nur bei Streamern angewandt wurde, kopiert alle belegten Sektoren in ihrer logischen Folge und kann so vor allem eines erreichen: eine hohe Geschwindigkeit. Da hierbei keinerlei Verwaltungsinformationen aus der FAT berücksichtigt werden müssen, können die Daten "am Stück" gelesen und geschrieben werden, und so geht denn auch EBackup bei einer schnellen Festplatte mit geradezu rasender Geschwindigkeit zu Werke. Hinzu kommt bei dieser Backup-Methode ein sehr effizienter Komprimierungsalgorithmus, der neben einer sehr ordentlichen Komprimierungsrate vor allem eine hohe Geschwindigkeit bietet. Das geht soweit, dass auf einem TT die Verzögerung durch die Komprimierung nahezu unmerklich ist: Der verwendete LZRF-Algorithmus von Robert Federte packt mit geradezu unglaublichen 150 KB pro Sekunde (der ST-Zip als schnellster Dateikomprimierer schafft gerade mal 25 KB pro Sekunde). Selbst auf dem Falcon ohne weitere Beschleuniger ist das Programm mit Komprimierung immer noch nahezu genauso schnell wie ohne, lediglich auf STs muss man einen spürbaren Geschwindigkeitsverlust für die Komprimierung in Kauf nehmen, der aber durch die ersparte Zeit beim Diskettenwechsel und den weniger zu schreibenden Daten locker wieder aufgewogen wird. Diese Komprimierung erweist sich in der Praxis auch als sehr effizient und konnte bei einem bunt gemischten Test-Backup eine Komprimierungsrate von ungefähr 25-30% erzielen; ein Wert, der wohl nur noch durch speziellere Programme bei deutlich höherem Zeitaufwand geschlagen werden kann. Allerdings ist die Anzeige, wieviele Disketten für ein Backup benötigt werden, etwas zu optimistisch, geht sie doch von einer Komprimierungsrate von annähernd 40% aus, so dass man tunlichst ein paar Disketten mehr zur Verfügung halten sollte.
Von der Funktionalität her ist EBackup hingegen ein wahrer Musterknabe. Es läuft unter allen aktuellen TOS-Versionen, unter MagiX! und MultiTOS. In der Voreinstellung belegt EBackup allen verfügbaren Speicher, jedoch lässt sich dieses Verhalten durch einen Dialog einstellen. Dies ist aber grundsätzlich auch nicht zu vermeiden, da ja auf jedem Rechner unterschiedlich viel Speicher zur Verfügung steht. Der Autor hat beim Design der Benutzeroberfläche die Routinen aus ECopy recycelt, so dass EBackup wie dieses Programm auch völlig kompatibel zu Grafikkarten und sonstigen Grafikerweiterungen ist, sofern sie mindestens 640 * 200 Punkte zur Verfügung stellen. Ab 16 Farben steht außerdem ein 3D-Look zur Verfügung, der sich an den neuen Features von MultiTOS orientiert, dieses aber nicht voraussetzt. Durch diese optische Ähnlichkeit zu ECopy ist das Programm außerdem auch einfach zu bedienen und stellt seine Funktionen in einer übersichtlichen Dialogbox, die auf Wunsch nichtmodal ist, zur Verfügung. Alle wichtigen Aktionen lassen sich auch per Tastatur auslösen, so dass auch chronische Mausverweigerer mit dem Programm arbeiten können.
Etwas vermißt habe ich jedoch eine Funktion, mit der man ein einmal gesichertes Backup mit den vorhandenen Daten vergleichen kann, um bei wichtigen Daten sicherstellen zu können, dass das Backup fehlerfrei ist. Ansonsten leistet EBackup aber genau das, was man von einem Backup-Programm erwartet: Unabhängig vom Zielmedium lassen sich problemlos Sicherheitskopien des eigenen Datenbestands anlegen. EBackup ist dabei im Image-Backup-Modus nahezu unschlagbar schnell, und dank des speziellen Komprimierungsverfahrens wird der Disketten- oder Wechselplattenverbrauch dabei minimiert und trotzdem Zeit gespart. Die Bedienungsanleitung verdient aber noch ein Facelifting. Das Layout, insbesondere hinsichtlich der Verwendung der Schriftarten, ist doch alles andere als gelungen und macht das Lesen manchmal zur Tortur. Zudem finden sich immer wieder Fehler im Text, die den Lesefluß unnötig unterbrechen. Mit 32 Seiten ist es hingegen umfangreich genug, um alle Funktionen des Programms ausführlich zu erklären. Insgesamt kann man EBackup, nicht zuletzt auch wegen seines günstigen Preises, durchaus als chancenreiche Alternative zu den bislang bekannten Programmen ansehen.
DJ
Positiv:
kompatibel zu allen Auflösungen und Betriebssystemerweiterungen
im Image-Modus sehr schnell
einfache Bedienung
umfangreiche Selektionskriteien beim Filebackup
gutes Preis-Leistungs-Verhältnis Negativ:
keine Kompression beim Filebackup
keine Möglichkeit, ein Backup zu vergleichen