International - Grundlagen: Das nichtflüchtige RAM des Falcon

Obwohl jeder Falcon mit ein und derselben TOS-Version ausgeliefert wird, kann er sich der jeweiligen Landessprache seines Benutzers anpassen. Durch verschiedene Parameter im nichtflüchtigen RAM sind diese und einige andere Einstellungen festgelegt.

Den Falcon gibt es natürlich nicht nur in Deutschland. Auch andere Länder wie Frankreich oder England dürfen weiter hoffen. Natürlich erwartet der frankophone Käufer, daß der Computer sprachlich auf ihn abgestimmt ist. Bei der Einführung der ST-Reihe gab es hierfür zig verschiedene TOS-Versionen, die unter anderem auf die jeweilige Landessprache angepaßt waren, aber eben nur auf diese. Der Falcon löst dieses Problem eleganter. Sein Betriebssystem beherrscht mehrere Sprachen und Tastaturbelegungen.

Das Programm »NVM_CONF« auf der TOS-Diskette eröffnet dem Anwender die Möglichkeit, seinen Falcon 030 individuell zu konfigurieren. Neben der Landessprache und der Tastaturbelegung können Sie das Zeit- und Datumsformat, aber auch die Videomodi des Bootvorganges an Ihre Bedürfnisse anpassen. Diese Einstellungen trägt das Betriebssystem in das »Non Volatile Memory« des Rechners ein. Dieser Speicher ist Akku-gepuffert, d.h. sein Inhalt bleibt auch ohne Stromzufuhr erhalten. Beim nächsten Bootvorgang wertet der Falcon die Parameter aus und das Atari-Logo erscheint in neuer Pracht.

Die Konfiguration des nichtflüchtigen Speichers erfolgt in einer GEM-Dialogbox, die verschiebbar und vollständig über die Tastatur bedienbar ist. In der linken Dialoghälfte legen Sie die Bildschirmmodi des Falcon 030 fest. Diese Einstellungen bestimmen, in welcher Farbtiefe und Auflösung der Falke bootet. Es stehen 2, 4,16, 256 oder 65536 Farben zur Wahl. Diese lassen sich mit 40 bzw. 80 Spalten darstellen. Außerdem bestimmen Sie, ob das Videosignal für ein PAL-oder NTSC-Fernsehgerät gesendet wird. Da deutsche Geräte das PAL-Signal verwenden, sollte dieser Eintrag immer selektiert bleiben. Wenn Sie Ihren Falcon an einem Fernseher oder RGB-Monitor betreiben, sollte der TV-Eintrag selektiert sein, andernfalls der VGA-Button.

Durch eine Zeilenverdoppelung wird im VGA-Betrieb die vertikale Auflösung vermindert (240 statt 480 Bildpunkte), im TV-Betrieb aber durch ein Halbbildverfahren verdoppelt (400 statt 200 Bildpunkte). Falls dies noch nicht ausreicht, erhöht der Overscan-Modus die Auflösung um den Faktor 1,2. Dieser Eintrag ist aber nur selektierbar, wenn ein TV-Gerät oder ein RGB-Monitor angeschlossen ist, da der Overscan-Modus bei einem VGA- bzw. Monochrom-Monitor nicht verfügbar ist. Falls der Falcon in einer der drei ST-Auflösungen booten soll, muß der ST-Kompatibilitätsmodus selektiert sein.

Im „Non Volatile Memory" ist der Falcon individuell zu konfigurieren

Weitere Einstellungen finden Sie im rechten Teil der Dialogbox. Hier wählen Sie die Landessprache, die Sie getrennt für die Texte im Desktop und die Tastatur bestimmen. Somit ist es möglich, auf einem deutschen Desktop mit einer englischen Tastaturbelegung zu arbeiten. Für die Menütexte stehen zur Zeit die Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und Italienisch zu Verfügung. Die Tastaturbelegung kann nach den Ländern England, Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, USA, französische und deutsche Schweiz konfiguriert werden.

Auch die unterschiedlichen Zeitformate sind im nichtflüchtigen Speicher berücksichtigt. Sie wählen zwischen dem 12- oder 24-Stunden-Format und in welcher Reihenfolge Tag, Monat und Jahr beim Datumsformat erscheinen. Last but not least kann das ASCII-Zeichen eingestellt werden, das im Datumsformat Tag, Monat und Jahr voneinander trennt. Bei Geräten für den deutschsprachigen Raum ist dies der Punkt ».«, bei englischen Geräten findet der Schrägstrich »/«Verwendung.

Der Button »Ausführen« speichert die Einstellungen in das nichtflüchtige RAM. Diese Werte haben ab dem nächsten Warm- oder Kaltstart Gültigkeit. Falls die aktuellen Einträge nicht übernommen werden sollen, restaurieren Sie mit »Zurücksetzen« die ursprüngliche Konfiguration. Der Button »Werkkonfig.« setzt die Konfiguration »ab Werk«. Diesen Effekt erreichen Sie auch, indem Sie zum Programmstart die linke Shift-Taste gedrückt halten. Es erklingt kurz die Glocke und der Desktop erscheint sofort wieder. Sinn dieses Features ist der Umstand, daß auf einem VGA-Monitor bei eingestelltem Overscan-Modus der Desktop nicht mehr korrekt dargestellt wird. Ist dies der Fall, kann mit einem einfachen Doppelklick auf das Programm-Icon plus gedrückter »Shift«-Taste der nichtflüchtige Speicher neu konfiguriert werden. Auch das Programm »AUTO—NVM.PRG«, das sich ebenfalls auf der TOS-Diskette befindet, bringt den Falcon in seinen jungfräulichen Zustand zurück. Im AUTO-Ordner vorhanden, setzt es bei jedem Bootvorgang die Werkskonfiguration.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet...

Die beiden Programme wurden vollständig in GFA-BASIC entwickelt und verwenden eine leicht abgeänderte Form der »CreepDials«-Bibliothek aus [1].

»NVM_CONF.PRG« benötigt mindestens 640x400 Bildpunkte zur Darstellung des Dialoges. Das Programm testet anhand der Cookies »CPU« und » MCH«, ob es auf einem Falcon030 gestartet wurde. Ist dies nicht der Fall, wird eine Meldung ausgegeben, doch der Benutzer kann das Programm trotzdem fortsetzen. Dies ist deshalb möglich, da anzunehmen ist, daß auch zukünftige TOS-Versionen Informationen im nichtflüchtigen RAM ablegen und auch der TT ein solches besitzt. Falls eine TOS-Version den zum Setzen der Konfiguration benötigten Betriebssystemaufruf nicht unterstützt, wird das Programm wirkungslos verlassen.

Die XBIOS-Funktion zum Konfigurieren des nichtflüchtigen RAM ist von Atari nicht offiziell dokumentiert. Daher verzichten wir auf die Veröffentlichung des Quelltextes, der in ähnlicher Form bereits in einem anderen Magazin gedruckt wurde, aber mit unvertretbar vielen Fehler durchsetzt ist. (ah)

Literaturhinweis: [1] Kriechende Dialoge, TOS 12/92, S.64f.
Manuel Hermann



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