Singender Raubvogel - Entwicklung von Computer und Musik

Gerade zehn Jahre ist es her, da erblickte der C64 das Licht einer Welt, in der Computer vor allem in zwei Gebieten Faszination bewirkten: Grafik und Musik. Und dank seiner innovativen Technik löste das Commodore-Klangwunder Begeisterungsstürme des Auditoriums aus.

Etwa drei Jahre später saß eine neue Computergeneration in den Startlöchern. Bereits im Vorfeld sorgte ein Name für Euphorie und Erwartung: der MC68000, 16/32Bit-Prozessor von Motorola, galt als Garant für Geschwindigkeit und Leistung. Wieder rangen Atari und Commodore um die Gunst der Käufer.

Doch wehe, wie erbärmlich mußte sich der ST bei seiner Einführung artikulieren. Ein schnöder Port-Baustein, der zufällig den Ballast eines PSGs (Programable Sound Generator) mit sich trug, sollte im 520 ST und seinen nahen Verwandten für den guten Ton sorgen - jeder C64 konnte es besser. Und der ebenfalls neue Amiga 1000 posaunte mit 4-Spur- und 8-Bit-DMA-Sound. Aber trotz der scheinbaren Unfähigkeit zur Musik, etablierte sich der Atari als Musikcomputer dank MIDI. Aussagen seitens Atari wie: »Wenn schon der Computer keinen vernünftigen Klang erzeugen kann, dann wenigstens mit Synthesizern« bleiben bis dato unbestätigt.

Scheinbare Unfähigkeit? So ganz schien Hopfen und Malz nicht verloren, denn findige Programmierer entwickelten Routinen, mit denen sie dem schlaffen Soundchip erstaunliche Musik entlockten. Für den Heimanwender aber blieb die Trickkiste der Spiele- und Demo-Gurus verschlossen.

Bis zu Einführung des 1040 STE. Wie bereits der Amiga, bot der STE DMA-unterstützte Soundkanäle, mit denen sich zumindest Samples in ordentlicher Qualität wiedergeben ließen. Aber wieder hatte es Atari geschafft: Dank seiner vier festen Abspielfrequenzen war der STE für Spiele und Musiksoftware kaum zu gebrauchen. Und wieder waren die Programmierer gefragt, auf der Suche nach neuen Tricks in die Tiefe der Hardware hinabzusteigen. Leider mit weniger Erfolg als beim ersten Mal und so bleibt die Software-Unterstützung des DMA-Sounds bis heute bescheiden. Auch die Einführung des Mega STE und TT brachte keine Neuerungen in Sachen Musik. Die Haken blieben, die daraus resultierende miese Unterstützung ebenfalls. Jetzt liegt Atari mit dem Falcon 030 abermals im (Musik)-Rennen. Seine Fähigkeiten in diesem Bereich machen sich mehrere Entwickler erstaunlich früh zunutze. Der oft zitierte 16-Bit-Sound mit knapp 50 kHz Abtastrate befriedigt wohl auch das CD-verwöhnte Ohr. Diese Daten lassen aber nicht zwingend auf HiFi-Qualität aus dem Kopfhörerausgang schließen. Hierzu müßten Experten dessen Frequenzgang verfolgen. Zugegeben: Diese Überlegung ist in erster Linie für Profis interessant, der Heimanwender sorgt sich um derlei Feinheiten nicht. Außerdem bietet der DSP-Anschluß eine rein digitale Lösung, bei der das genannte Problem ohnehin nicht in Erscheinung tritt und die zugleich ein weiteres löst. Denn auch der Falcon030 kennt nur feste Abspielfrequenzen, die leider keinen der Standards wie 44,1 kHz (CD) oder 48 kHz (DAT) umfassen.

Diesmal hat Atari mit der externen DSP-Schnittstelle Spielraum für Erweiterungen gelassen, die dem Problem der passenden Abtastrate kostengünstig wie wirkungsvoll entgegentreten. Über einen kleinen Hardwarezusatz läßt sich die Musikhardware des Falcon extern takten. Geeignete Quarze liefern dann die gewünschte Frequenz.

Auf den folgenden Seiten finden Sie Grundlagen zum »Sound-Subsystem« des Falcon. Dabei geizen wir nicht mit praktischen Hinweisen zu den neuen Funktionen des Betriebssystems. Bleiben Sie dran, ich zähle nach.
Armin Hierstetter


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