Der heiße Stuhl - Diskussionsrunde: Falcon 030, Amiga und PC

Amiga: Fangen wir beim Kernproblem an - Ihrem Betriebssystem, das immer noch nicht Multitasking-fähig ist. Seit nunmehr sieben Jahren nenne ich ein solches mein eigen.

PC: Auch ich darf mich seit »Windows« als Mehrprozeß-Computer brüsten.

Falcon: In der Tat, Amiga, meine Entwickler arbeiten noch an meiner System software. Hut ab vor Ihrem Betriebssystem. Doch PC, Ihr Windows lernt erst ab einem 486-Prozessor das Laufen - sonst darf man höchstens von Humpeln reden. Hinzu kommt der enorme Speicherplatzbedarf von mindestens 4 MByte.

PC: Die Softwarepalette ist dafür exorbitant umfassender und leistungsfähiger und ...

Falcon: ... vor allem teurer.

Der Falcon030 behauptet: »Ich bin der erste Computer, der den Ansprüchen von persönlichem Multi-Media gerecht wird.« Damit sitzt er natürlich auf dem heißen Stuhl, denn ein PC und ein Amiga sind wie immer völlig anderer Meinung.

Daß Leistung nicht teuer sein muß, beweisen viele meiner Applikationen. Im übrigen sind PCs nicht die einzig kompatiblen Rechner, will heißen: Auch ich zeichne mich durch hohe Verträglichkeit mit bestehender Software aus. Und sollte mein Anwender wirklich in die verzweifelte Lage kommen, Anwendungen aus der DOS-Ecke nutzen zu müssen, laß ich auch mal einen INTEL-Prozessor in mir arbeiten.

Amiga: Ich habe eine Frage zum Thema Musik. Arbeiten Sie immer noch mit festen Abspielfrequenzen? Bei mir sorgt der Custom-Chip »Paula« für Samples in jeder Tonhöhe.

Falcon: Schön, aber wozu brauchen Sie das? Für Spiele und Demos ganz nett, aber Musiker basteln nicht aus kurzen Samples Musikstücke zusammen, sondern nehmen Spur für Spur die einzelnen Stimmen auf - direkt auf die Festplatte natürlich. Außerdem: Sie benötigen zur Aufnahme noch einen Soundsampler...

PC: Mit meiner Soundblaster-Karte schaff ich das auch!

Falcon: In 16-Bit-Stereo und 50 KHz Abtastrate?

PC: Ähh...

Falcon: Nebenbei bemerkt: Einer meiner Prozessoren, DSP, hält immer wieder Routinen zur Modifizierung von Samples bereit. Sehr effektvoll und in Echtzeit. Und mein Chef, MC68030, behält dabei sogar noch den Kopf für andere Termine frei.

Noch ein kleines Stichwort in Sachen Einsatz auf der Musik-Bühne: Ich verschwinde als 16-Bit-Sampler oder Sequenzer problemlos im 19-Zoll-Rack - und Sie, Mr.Tower?

Amiga: Aber wie steht's mit der Grafik - ein wichtiger Punkt für Multi-Media. Mit meinem neuen HAM8-Modus stelle ich über 260000 Farben gleichzeitig dar!

Falcon: Benachbarte Pixel dürfen sich aber in diesem Modus nur nach bestimmten Regeln im Farbwert unterscheiden. Ein Verfahren, das sich vielleicht noch für eine Dia-Show oder vorberechnete Animationen verwenden läßt. Wer fotorealistische Grafiken in aktzeptabler Zeit bearbeiten will, kommt an einer High-Color-Auflösung nicht vorbei.

PC: Ich kann mir nicht vorstellen, daß der Profi-Anwender sich zu diesem Zweck an einen Tastaturcomputer setzt, wie Sie einer sind. Wie erhaben fühle ich mich da in meinem Turm.

Falcon: Ich bin nicht die High-End-Lösung, die eine Ausbildung als Lithograph voraussetzt, um ein nausschöpfbares Funktionslabyrinth einzusetzen. Dem Heimanwender aber verhelfe ich zur einfachen Nachbearbeitung von Grafiken oder zur Vertonung und Betitelung seiner Videofilme - persönliches Multi-Media.

Meine Definition von persönlichem Multi-Media ist kein PC mit einer Soundblaster-Karte und kein Amiga mit einer True-Color-Erweiterung. Multi-Media ist das bessere Modell der wirklichen Welt, dargestellt auf einem dafür vorbereiteten Computer.


Armin Hierstetter
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