Flexibel durch Modularität: Module in Calamus SL

Für jeden Atari-Besitzer, der sich mit DTP beschäftigt, ist »Calamus« von DMC ein Begriff. Die lange Entwicklung von der ersten Version bis zum aktuellen Profi-Publisher »Calamus SL« hat ein Werkzeug hervorgebracht, das an Flexibilität, aber auch an Komplexität kaum noch zu uberbieten ist. Die neue Modularität nutzen wir diesmal zu einer Detailbetrachtung ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Calamus SL ist als Modulpaket aufgebaut. Das heißt, daß Sie ständig benötigte Module immer griffbereit halten. Andere hingegen lädt das Programm nur auf Wunsch nach. Bei den DTP-Anwendern hat sich die Benutzung eines Großbildschirms, ob Monochrom oder Farbe, weitgehend durchgesetzt. Da sich auf dieser Arbeitsfläche natürlich auch mehr darstellen läßt als auf einem kleinen Monitor, bietet Calamus SL dem DTPler die Möglichkeit, die Ordnung auf seinem »Schreibtisch« selbst zu bestimmen. Wichtige Module, die Sie häufig benutzen, lassen sich gleichzeitig auf dem Bildschirm darstellen.

Um ein Modul zu verschieben, klicken Sie mit dem Mauszeiger auf die linke obere Ecke der Modulbox und halten die Maustaste gedrückt. Jetzt läßt sich die Box nach Wunsch plazieren. Wollen Sie eine neue Modulbox positionieren, müssen Sie genau so verfahren wie beim Verschieben, aber die Shift-Taste gedrückt halten. Jetzt hängt eine neue Modulbox am Mauszeiger, die sich wieder frei ablegen läßt. Kopieren Sie den Modulrahmen so oft, wie Sie verschiedene Module auf einmal anzeigen wollen. Auf einem Monochrom-Großbildschirm ist es sinnvoll, drei Modulrahmen an der linken Seite untereinander zu legen, da die Fenstergröße beim Neuanlegen eines Dokuments immer die restliche Fläche des Bildschirms einnimmt und weitere Modulrahmen verdeckt.

Bestimmen Sie nun den Inhalt der einzelnen Modulboxen. Zunächst sind alle Module in den Boxen identisch. Aktivieren Sie jetzt durch Mausklick einen Modulrahmen und suchen sich in der Kommandozeile (am oberen Bildrand unter dem Pull-Down-Menü) das gewünschte Modul. Calamus SL zeigt es nun im aktiven Rahmen an. Für die anderen Boxen verfahren Sie genauso. Haben Sie ein Modul zu viel, so läßt sich dieses wieder löschen, indem Sie den nicht selektierten Modulrahmen (grau) bei gedrückter Control-Taste oben links anklicken. Haben Sie jetzt Ihre Arbeitsumgebung so eingestellt, daß sich gut damit arbeiten läßt, sichern Sie diese unter dem Menüpunkt »Einstellungen sichern«. Beim Start von Calamus meldet sich der Desktop später so, wie Sie ihn eingestellt haben (vgl. Bild 1).

Ist die individuelle Arbeitsumgebung eingestellt, steht als nächstes das Bearbeiten einer neuen Seite an. Hierfür wählen Sie mittels Maus oder der Tastenkombination Control+n den Menüpunkt »Neu anlegen«. Auf dem weißen Blatt, das Sie jetzt im Fensterrahmen sehen, sind an den Rändern gestrichelte Linien abgebildet. Diese Linien geben die Druckränder an. Da jeder Drucker je nach Blatt (Einzelblatt oder Endlos) verschiedene Ränder hat (z.B. Greifränder, um das Papier zu transportieren), läßt sich hieran wunderbar die effektive Arbeitsfläche erkennen. Die Druckränder orientieren sich an dem eingestellten Druckertreiber und der festgelegten Blattgröße und -art. Die Rändermarkierung druckt Calamus SL natürlich nicht mit aus. Jetzt lassen sich wie gewohnt entsprechende Rahmen für verschiedene Aktionen öffnen.

Wie Sie schon erkennen, existiert in Calamus SL nur noch ein Textrahmen. Der gedrehte Textrahmen ist entfallen. Dafür läßt sich die Funktion »Rahmen drehen« auf alle Rahmen-Typen anwenden, also nicht mehr nur Texte, sondern auch Rastergrafiken, Rasterflächen und Linien. Für die Vektorgrafik existiert ein entsprechender Menüpunkt im Vektormodul. Um diese Funktion auszulösen, klicken Sie das Menü mit dem Winkel im Modul Rahmenbearbeitung an.

Bild 1. So vielfältig kann der »Schreibtisch« aussehen

Neben der bekannten Einstellung für Winkelgröße und »Rahmen drehen« lassen sich alle Rahmen noch genauer bezeichnen. Für den Rahmennamen stehen Ihnen 32 Zeichen zur Verfügung. In dem Menü finden sich aber noch weitere sinnvolle Anwendungen. So lassen sich alle Rahmentypen noch horizontal und vertikal spiegeln.

Sehr von Vorteil ist auch die Einstellung des Verknüpfungsmodus zu anderen Rahmen. So stellen Sie hier ein, ob der Rahmen auf einen anderen transparent wirken soll.

Das heißt, es ist so, als ob Sie Ihre Zeichnung mit einer zweiten überdecken, die auf eine Folie gezeichnet ist. Die zweite Einstellung »Rahmen deckend« hat den Effekt, als ob Sie die zweite Zeichnung auf einem weißen Papier anfertigen und sie dann ausgeschnitten auf Ihre Grundzeichnung legen. Auch durch die Funktion »Rahmen invertiert« lassen sich schöne Darstellungen realisieren.

Neben der grafischen Darstellung ist im Desktop Publishing-Bereich die Texteingabe mit die wichtigste Sache. Deshalb findet bei Calamus SL der bewährte Texteditor PKS-Write Verwendung. Um das Ergebnis gleich auf dem Bildschirm zu sehen, läßt sich die Eingabe natürlich direkt im Textrahmen vornehmen. Wollen Sie ein Zeichen eingeben, das Sie nicht über Tastatur erreichen, hilft die Tastenkombination Control+Escape. Dabei erscheint eine Box, aus der Sie mit der Maus das gewünschte Zeichen auswählen (Bild 3). Natürlich lassen sich auch ganze Zeichenfolgen zusammenstellen. Nachdem Sie mit OK die Eingabe bestätigen, erscheinen die neuen Zeichen an der Stelle, an der zuvor der Cursor stand. Ist eine Seite sehr komplex, kann die neue Darstellung, z.ß. nach der Rückkehr vom Texteditor, einige Zeit in Anspruch nehmen. Da der Anwender das Ergebnis nicht immer sehen will oder muß, läßt sich der zeitraubende Seitenaufbau mit den Tasten Control+linke Shift-Taste+Alternate abbrechen.

Zeit wird beim neuen Calamus groß geschrieben. So war es den Entwicklern auch bewußt, daß der ewige Griff zur Maus und das Zurechtfinden auf dem Bildschirm mit dem Mauszeiger im Laufe einer ganzen Arbeit sehr zeitintensiv ist. Deshalb ist es dem Benutzer möglich, fast alle Funktionen auch über Tastatur aufzurufen. Einige Tastenkombinationen sind bereits eingegeben. Um eine neue Funktion auf eine bestimmte Taste zu legen, müssen Sie den »Tastenrecorder« im Pull-Down-Menü einschalten oder Alternate+Escape drücken. Hiernach führen Sie mit Hilfe der Maus oder bereits existierender Tastenkombinationen die gewünschten Funktion aus und beenden den Tastenrecorder in dem Sie erneut den Eintrag im Pull-Down-Menü oder Alternate+Escape wählen. Jetzt erhalten Sie die Möglichkeit, die neue Tastenkombination einzugeben, durch die Calamus die Funktion startet.

Um eine bereits bestehende Tastenkombination zu ändern, finden Sie im Pull-Down-Menü den Eintrag »Kommandotasten«. Wählen Sie durch Mausklick den gewünschten Eintrag an. Hierzu haben Sie jedoch zwei Möglichkeiten. Erfolgt Ihr Doppelklick in der rechten Hälfte der Zeile, läßt sich die Beschreibung der Funktion editieren. Klicken Sie in der linken Hälfte, erscheint eine Dialogbox (Bild 2). Hier ändern Sie z.B. nachträglich, ob die Funktion nur in Verbindung mit einer Umschalttaste startet.

Bild 2. Komfortable Änderung
Bild 3. Hilfe bei der Zeicheneingabe

Der Vorteil, eine Druckvorlage mit dem Computer herzustellen, liegt unter anderem darin, daß man sich ständig wiederholende Text- oder Grafikteile beliebig vervielfältigen kann. Hierfür steht das Modul »Klemmbrett« zur Verfügung. Es lassen sich alle Arten von Rahmen damit kopieren und Zwischenlagern. Auch wenn Sie ein Dokument neu anlegen oder verwerfen, bleiben die Daten im Klemmbrett erhalten. So lassen sich auf einfache Weise Rahmen aus mehreren Dokumenten oder Seiten auf einer neuen Seite zusammensetzen.

Um einen Rahmen auf der gleichen Seite zu kopieren, brauchen Sie den Umweg über das Klemmbrett nicht. Hierfür reicht die meist schnellere Art, einfach einen Rahmen zu kopieren. Doch was ist, wenn sich der Rahmeninhalt ändert? Dann müßten Sie im ungünstigen Fall auch alle anderen Rahmen »manuell« ändern. Diese Arbeit spart man mit der Kopierart »Virtuell«. Haben Sie mit dieser Einstellung einen Rahmen kopiert, dann fragt Calamus vor jeder Änderung des Rahmeninhalts, ob die Änderung auch auf die anderen Rahmen zutreffen soll. Dieses Verfahren ist aber sehr speicherintensiv und bringt auch schon mal einen 8-MByte-Rech-ner ins Schwitzen. In diesem Zusammenhang ist die Funktion »virtueller Speicher« sehr nützlich. Hat Calamus zuwenig RAM, um seine Funktionen ablaufen zu lassen, dann lagert es einfach Teile der Daten auf die Festplatte aus. Die Größe eines Dokuments ist dann nur vom freien Platz auf der Festplatte abhängig. Wo Calamus den virtuelle Speicher anlegt, bestimmen Sie im Formular »Suchpfade einstellen«.

Im Handbuch taucht häufig der Begriff »Stammseite« auf. Sie haben die Möglichkeit, im Seiten-Modul unter der Befehlsgruppe »Stammseiten« besondere Seiten zu definieren, auf denen Sie immer wiederkehrende Seitenlayouts wie die Schnittpunkte bei Briefbögen, Passermarken, Formulare, etc. festlegen. Die Stammseite läßt sich mit einem beliebigen Namen kenntlich machen. Legen Sie nun z.B. eine Seite an, um einen neuen Briefbogen zu entwerfen, wählen Sie aus Ihrer Stammseiten-Liste die Stammseite »Briefbogen leer« aus. Ihre neue Seite wartet direkt mit dem gewünschten Layout auf. So etwas ist auch sehr nützlich, wenn Sie Bücher und Broschüren entwerfen. Die richtigen Schnittmarken und Standardelemente des Layouts sind dann immer schon passend vorbereitet. Natürlich lassen sich in der Stammdaten-Verwaltung auch Doppelseiten definieren.

Das DTP-Paket Calamus SL ist zu umfangreich, um hier alle Module zu beschreiben. Wir meinen jedoch, daß Ihnen die eine oder andere Erläuterung hilft, den Einstieg in die Funktionsvielfalt von Calamus SL schneller zu schaffen. Und zu einem späteren Zeitpunkt beschäftigen wir uns mit weiteren Modulen wie z.B. »Speedline«. (wk)


Sandro Lucifora
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