Falcon030: Der Falke ist gelandet - Atari-Pressekonferenz in Frankfurt

Bild 1. Dr. Hans Riedl, Alwin Stumpf und Normen B. Kowalewski standen Rede und Antwort rund um die Themen Falcon und MultiTOS

»Wir sagen alles, was wir über den Falcon wissen«, so das Motto der Atari-Pressekonferenz am 8. Juli in Frankfurt« Nach den unbefriedigenden Äußerungen zur CeBIT brachte Atari jetzt mit detaillierten Informationen Licht ins Dunkel.

»Man ist froh, wieder etwas sagen zu dürfen«. Mit diesen Worten eröffnete Alwin Stumpf - Geschäftsführer von Atari Deutschland - die Pressekonferenz am 8. Juli in Frankfurt. Verständlich, denkt man an die Informationsschlappe zur CeBIT. Kernaussage zu Beginn: > Der Falcon ist eine TOS-Maschine«. Damit bleibt er Software-kompatibel zur gesamten ST/TT-Schiene. Doch auch beim Outfit bleibt die Neuentwicklung ST-kompatibel: Bei der Wahl des Gehäuses und dessen Farbe ist nun endgültig die Entscheidung gefallen. Der Falcon erhält ein Kleid à la 1040er und auch bei der Farbe besann man sich wieder auf das bewährte Atari-Grau.

Im Falcon arbeitet ein MC68030 mit 16 MHz, dem mehrere Coprozessoren unterstehen. Serienmäßig sorgt ein überarbeiteter Blitter für schnelle Grafikoperationen, ein Sockel erlaubt das problemlose Nachrüsten einer Fließkomma-Einheit vom Typ MC68881 '82. Ein absolutes Hardware-Highlight ist der digitale Signalprozessor DSP56001, der sich der Verarbeitung digitalisierter Signale widmen soll. Mit einer Taktrate von 32 MHz erreicht er 16 MIPS. Dank 1024 x 24 Bit On-Chip-RAM sowie 32K x 24 Bit externem RAM ist er auch für anspruchsvolle Anwendungen bestens gerüstet. Atari nennt unter anderem Voice-Mail-Systeme, Sprach- und Musiksynthesizer, Muster- und Zeichenerkennung sowie Bildkompression und -de-kompression als Anwendungsgebiete. Nicht zuletzt soll der DSP als Hochgeschwindigkeitsmodem mit Fax-Option dienen.

Bild 2. Mit hervorragender Grafik und Musik ist der Falcon für MultiMedia gerüstet

Bild 3. Die Platine des Falcon läßt Serienreife erkennen

Besonders in Sachen Grafik und Musik spielt der Falcon seine Stärken aus. Mit je acht digitalen 16-Bit-Tonkanälen für Aufnahme und Wiedergabe und einem A/D- bzw. D/A-Wandler (beide 16 Bit) drängt er in den Home-Recording-Be-reich wie kein zweiter Rechner. Zudem sind die Tonkanäle voneinander unabhängig und DMA-unterstützt. Das bedeutet: Sie spielen Musik und nehmen gleichzeitig weitere Sounds auf. Besonders interessant entwickelt sich das Zusammenspiel des leistungsfähigen Multiplexers mit dem DSP, dem D/ A- und A/D-Wandler sowie dem externen Ein- und Ausgang (siehe Bild 8). Datenquelle und Datenziel lassen sich beliebig verknüpfen. Die über den Mikrofoneingang aufgenommenen Samples unterlegt der DSP in seiner Eigenschaft als ultimatives Effektgerät mit Echo, Hall oder Choralklang und schickt seine Daten weiter an den D/A-Wandler, der sie letztendlich über DMA-Play in die Stereoanlage speist.

Bild 4. Bis zu 768 x 576 Punkte bei 32 768 Farben stellt der Falcon dar

Ebenso flexibel präsentiert sich das Grafiksystem. Neben den ST-Auf-lösungen läßt es drei weitere voneinander unabhängige und beliebig konfigurierbare Einstellungen zu:

  1. Die Anzahl der vertikalen Linien liegt zwischen 200 und 400 Pixel. Bei Anschluß eines RGB-Monitors oder Fernsehers verwendet der Falcon hierzu einen Interlace-Modus.
  2. Die horizontale Auflösung beträgt zwischen 320 und 640 Pixel.
  3. Die Anzahl der Farben beträgt wahlweise 2, 16 oder 256 aus 262144, bzw. 4 Farben aus einer Palette von 4096. Für alle Auflösungen - ausgenommen VGA -existiert ein True-Color-Modus, der 32768 Farben gleichzeitig bietet. Über ein »Overlay-Bit« lassen sich zusätzlich Stanzeffekte oder Bildüberlagerungen realisieren. Alle Auflösungen sind über das VDI zu erreichen.

Neben dem aus der STE-Reihe bekannten Hardware-Scrolling kommt erneut der DSP zum Einsatz. Dank seiner hohen Rechenleistung und seiner Sinus-Tabellen im ROM, ist er für die Berechnungen von Vektoren und Matrizen prädestiniert.

Bild 5. MIDI-, ROM- und die erweiterten Joystick-Ports sind wieder dabei

Bild 6. Schnittstellen en masse Neu: DSP und SCSI 2

An den Falcon finden sowohl ein VGA- bzw. RGB-Monitor als auch ein Fernseher Anschluß, jeweils über ein Adapterkabel. Betreiben Sie den Falcon an einem RGB-Monitor oder Fernseher, erhöhen Sie die Auflösung mittels eingebautem Overscan-Modus und erhalten bis zu 768 x 576 Punkte in 32768 Farben. Alle Betriebsarten unterstützen eine Genlock-Synchronisation und öffnen der Multimedia-Idee die Pforten.

Weitere Änderungen ergaben sich bei der Tastatur, die einen überarbeiteten Prozessor enthält. Dieser verarbeitet Tastendrücke schneller, unterstützt bis zu 300 dpi genaue Mäuse und verhindert Eingabe-Überlauf und -unterlauf. Eine Echtzeitu hr mit batteriegepuffertem RAM ist auch wieder mit dabei. Als Speichermedium dient ein serienmäßiges 1,44-M Byte-Diskettenlaufwerk, optional gibt es eine interne IDE-Bus-Festplatte in 2,5-Zoll-Ausführung.

MultiTOS

Das Betriebssystem des Falcon ist das in vieler Hinsicht verbesserte und erweiterte Multitasking-Betriebssystem MultiTOS. Seit Beginn des Jahres ist es bei den deutschen Entwicklern im Einsatz. »Alle zwei bis drei Wochen erschienen neue Releases mit gravierenden Änderungen« betonte Normen Kowalewski, Entwickler-Support Atari Deutschland. Für den Anwender eröffnen sich vor allem durch die gleichzeitige Nutzung mehrerer Programme neue Perspektiven. Entwickler und Vertriebspartner sind gefordert, ihre Produkte anzupassen und bei zukünftigen Projekten die Hardware des Falcon auszunutzen.

Bild 7. Das Memory-Expansion-Modul faßt bis zu 16 MByte

Zum Preis des Falcon will sich Atari erst zur Messe in Düsseldorf äußern, mit Aussagen zu Lieferterminen hält man sich ebenso bedeckt. Gemäß der Einschätzung des Geräts als Consumer-Produkt, ist ein Verkaufspreis von unter 2000 Mark zu erwarten. Mit der Einführung im Fachhandel und in Kaufhäusern will Atari auch das Verkaufspersonal schulen. Den Vertrieb beginnt ein Händlerstamm mit 50 bis 80 Vertretungen. Weitere »Falken-Horste« sollen mit steigenden Stückzahlen folgen.

»Das Fenster für die Einführung eines neuen Produkts stand in den letzten zwei bis drei Jahren nie so weit offen wie heute«, so Alwin Stumpf zu den Marktchancen des Falcon. Folgt dieser Kenntnis noch wie angekündigt massive Werbung in Rundfunk und Fernsehen sowie die intensive Betreuung der Entwickler und Händler, erlebt Atari vielleicht doch noch das langersehnte Comeback. (ah)

Bild 8. Datenquelle und Datenziel lassen sich beliebig verknüpfen

Technische Daten

Name: Falcon 030
Hersteller: Atari
Betriebssystem: MultiTOS
Prozessor: MC68030 mit 16 Mhz
FPU: 16 MHz MC68881/82 (optional)
Blitter: Grafischer Coprozessor mit 16 MHz
DSP: 32 MHz DSP56001 □ 512 x 24 Bit On-Chip-ROM □ 1024 x 24 Bit On-Chip-RAM □ 32K x 24 Bit SRAM (extern) □ 0 Waitstates
ROM: 512 KByte RAM: 1-14 MByte DRAM auf Modul
Tastatur: 94/95 Tasten
Massenspeicher: 1,44-MByte-Diskettenlaufwerk □ IDE-Bus Festplatte 2,5 Zoll (optional)

Video
Auflösungen: 320 x 200 x 4 (ST-gering) □ 640 x 200 x 2 (ST-mittel) □ 640 x 400 x 1 (ST-hoch) □ 640 x 480 x 8 (VGA) vertikal: 200 bis 400 Punkte horizontal: 320 bis 640 Punkte
Farben/Palette: 2,16, 256 aus 262144; 4 aus 4096
Besonderheiten: True-Color-Modi mit 32768 Farben □ Hardware-Scrolling (STE-kompatibel) □ Bildüberlagerungen und Stanzeffekte im True-Color-Modus □ Overscan-Modi

Audio
Aufnahme: 8-Spur 16-Bit-DMA □ 16 Bit Stereo A/D-Wandler
Wiedergabe: 8-Spur 16-Bit-DMA □ 16 Bit Stereo D/A-Wandler
Abtastrate: 6,25 KHz □ 12,5 KHz □ 25 KHz □ 50 KHz
Besonderheiten: Frei programmierbare Datenpfadmatrix zwischen DSP, DMA-Sound, D/A-A/D-Wandler und DSP/Audio-Schnittstelle □ ST- und STE-Sound

Schnittstellen

Typ | Anzahl | Beschreibung --- | ------ | ------------ DB25 | 1 | Parallel DB9 | 1 | Modem SCSI II | 1 | SCSI DB19 | 1 | Video Out/Genlock Klinke 3.5mm | 1 | Stereo-Kopfhörer Klinke 3.5mm | 1 | Stereo-Mikrofon DB26 | 1 | DSP/ Digital Audio RCA | 1 | HF-Modulator MiniDIN9 | 1 | LAN DIN5 | 1 | MIDI In DIN5 | 1 | MIDI Out/Through Atari | 1 | Cartridge (ROM-Port) DB15 | 2 | STE-Joysticks DB9 | 2 | Maus/Joystick IDE1 | 1 | Festplatte Atari1 | 1 | DRAM-Expansion Atari1 | 1 | Bus-Expansion 1 Interne Anschlüsse | |
Armin Hierstetter


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