Literaten-Daten: Review 2.0, Literaturarchiv und Recherche-System

Wer sich heute auf irgendeinem Gebiet wissenschaftlich betätigt, wird mit einer immer schneller anwachsenden Literaturflut konfrontiert. Um hier noch den Überblick xu behalten, sind schon kompetente Helfer nötig, so wie »Review 2.0«.

Das Programm eignet sich beispielsweise für wissenschaftliche Institute und Arbeitsgruppen, Bibliotheken und Archive, Dokumentationsbüros, Doktoranden - kurz für jeden, der ein umfangreiches Literaturwerk zu verwalten hat. Die Betonung liegt hier auf umfangreich, denn für das heimische Bücherregal ist Review eindeutig überdimensioniert. Vor der Erfassung der Werke gilt es, 32 Themenkreise anzugeben, mit deren Hilfe man die Publikationen später zuordnet. Wer TOS-Artikel archivieren will, verwendet beispielsweise »Drucker«, »Monitore«, »Grafikprogramme«, »Datenbanken« etc. Die Kunst liegt darin, von vornherein die richtigen Themenschwerpunkte zu setzen, so daß man sich spätere Umstrukturierungen (die Review natürlich zuläßt) erspart. 32 Themengebiete erscheinen allerdings etwas knapp bemessen. Der Inhalt der TOS läßt sich damit beispielsweise nur schwer erfassen. Als Ausweg legt man für verschiedene Gebiete mehrere Datenbanken an, etwa durch Trennung von Software und Hardware.

Unter dem Menüpunkt »Neues Zitat« starten Sie die Eingabe Ihrer Literaturbestände. Der freie Platz für den Titel ist mit 250 Zeichen für die meisten Fachbereiche ausreichend bemessen. Die Namen der Autoren übernimmt Review in eine Liste. Ist ein Autor mit mehreren Werken zu erfassen, wählen Sie ihn ab dem zweiten Titel bequem mit der Maus an. Natürlich dürfen Sie einer Veröffentlichung auch mehrere Autoren zuweisen. Darüberhinaus sorgt eine zuschaltbare Rechtschreib-Automatik dafür, daß Sie nicht versehentlich einen Autor falsch schreiben: Bei verdächtig ähnlichen Namen schlägt Review Alarm.

Bild 1. Was Sie schon immer über doppelt und dreifach funktionalisierte, enantiomerenreine C4-Synthesebausteine wissen wollten - Review findet es

In der gleichen Dialogbox geben Sie die Themenkreise an, die das Werk behandelt. Auch der Publikationstyp (Aufsatz, Artikel, Buch etc.) darf nicht fehlen. Auf einer Extra-Seite haben Sie schließlich Gelegenheit, eigene Notizen oder eine kurze Inhaltsangabe der Veröffentlichung abzulegen. Hierfür ist der Platz keinesfalls reichlich bemessen. Alle Menüs und Dialogboxen lassen sich größtenteils auch über die Tastatur bedienen.

Ein Ändern der Einträge im Nachhinein ist theoretisch kein Problem. Hier hat sich jedoch ein kleiner Bug eingeschlichen: Beim Wählen des Abbruch-Buttons wird der Inhalt des betreffenden Dialogs gelöscht.

Das Wiederauffinden der Daten erfolgt über Selektionen. Hierbei wählt Review alle Datensätze aus, die gewissen Bedingungen entsprechen. Meistens wird dieses Kriterium ein bestimmter Themenkreis sein: Möchten Sie aus der TOS-Datenbank alle Artikel aus-sortieren, in denen PD-DFÜ-Programme besprochen wurden, wählen Sie demzufolge als Themen »Software«, »PD« und »DFÜ«. Die Suche darf sich aber auch auf alle anderen Eigenheiten der Veröffentlichung erstrecken, etwa den Autor oder die Zeitschrift, in der sie erschienen ist. Review bietet hier eine Volltextrecherche: Sie geben ein Schlagwort ein und das Programm findet alle Dateien, die das Wort enthalten. Dabei können Sie sich entweder auf bestimmte Felder beziehen (beispielsweise nur die Texte im Feld »Notizen« untersuchen), oder Sie lassen Review alle Eintragungen durchforsten. Leider ist es nicht möglich, automatisch die Veröffentlichungen zu selektieren, die bis zu oder ab einem bestimmten Jahr erschienen sind: Review erlaubt als Vergleichsoperator nämlich nur das —'-Zeichen.

Eine logische »Und«-Verknüpfung über mehrere Felder hinweg ist in einem Durchlauf möglich. Wünschen Sie darüber hinausgehende Verknüpfungen, müssen Sie die Selektionsroutine mehrmals hintereinander aufrufen. Damit dies bei häufiger Anwendung nicht zu stressig wird, protokolliert Review auf Wunsch die Auswahl Vorgänge. Diese Batches lassen sich speichern und per Mausklick wieder aufrufen - praktisch, wenn man die gleiche Selektion auf mehrere Datenbanken anwenden will. Wem das alles zu umständlich ist, der läßt sich den Datenbestand in einer nach Autoren geordneten Liste anzeigen und trifft daraus per Mausklick seine Wahl. Leider ist nur eine Selektionsliste vorgesehen - es ist also nicht möglich, mit mehreren verschiedenen Auswahllisten gleichzeitig zu arbeiten. Haben Sie alle gesuchten Literaturangaben beisammen, müssen Sie diese nur noch ausdrucken, und dem gezielten Griff ins Bücherregal steht nichts mehr im Wege.

Bild 2. Zur Kommunikation mit der Außenwelt bietet Review einen komfortablen Report-Editor

Die Suche nach den richtigen Datensätzen erfolgt sehr schnell und hält sich auch auf einem ungetuneten ST meist im Bereich von wenigen Sekunden. Hier zeigt sich der Vorteil, daß der Datenbestand komplett im Speicher steckt und kein zeitraubender Zugriff auf die Platte nötig ist. Review gibt sich beim Speicherbedarf übrigens durchaus genügsam. Selbst mit nur 1 MByte RAM kommt man noch einige hundert Dokumente weit. Eine große Stärke von Review ist der Datenaustausch. So lassen sich problemlos vorhandene Datenbanken importieren. Das Programm versteht die wichtigsten in der Wissenschaft gebräuchlichen Formate. Sollte man dennoch einmal mit einem Exoten konfrontiert werden, ist es kein Problem, sich die entsprechende Formatierungsdatei selbst anzulegen. Review hilft hier mit einem komfortablen Editor. Genauso flexibel zeigt sich das Programm auch beim Export.

Wer Review zur Aufwertung seiner Doktorarbeit benutzen will, freut sich über die Report-Funktion. Damit exportieren Sie die Literaturliste in Ihre Textverarbeitung. Nachdem es fast so viele wissenschaftliche Zitierarten gibt wie Wissenschaftler, zeigt sich Review wieder flexibel. Zum Lieferumfang gehören die bei den wichtigsten Verlagen geforderten Zitierweisen. Daneben steht für alle Fälle ein Editor zur Verfügung, um eigene Formate zu definieren. Sie dürfen Export und Report auch auf die selektierten Datensätze beschränken. Ausgegeben wird das Ganze wahlweise als ASCII- oder 1st Word Plus-Datei. Eine Erweiterung der Formate bleibt wohl späteren Versionen Vorbehalten.

Erfreulich umfangreich fällt die Online-Hilfe aus, die fast das ganze Handbuch ersetzt. Aber auch die Anleitung ist gut gelungen und hilft dem Benutzer, schnell mit dem Programm zurecht zu kommen. Darüberhinaus enthält sie viele Tips für den täglichen Umgang. Hier merkt man, daß Review aus der Praxis kommt - entwickelt wurde es von Angehörigen der Hochschulen Köln und Düsseldorf.

Review ist sicher kein Jedermann-Programm. Es wendet sich an ein sehr begrenztes Marktsegment, in dem sich die Fähigkeiten des Programms bei der täglichen Arbeit sinnvoll einsetzen lassen. Dafür sind 248 Mark ein akzeptabler Preis. Verblüffend ist allerdings die Update-Politik: Die letzte Version von Review kostete noch einen ganzen Hunderter weniger. Inzwischen wurde das Programm zwar überarbeitet, betrachtet man jedoch nur die neu hinzugekommenen Features, so fällt der Aufschlag zu happig aus. (wk)

Heim Verlag, Heidelberger Landstr 194, 6100 Darmstadt-Eberstadt

WERTUNG

Name: Review 2.0
Preis: 248 Mark
Hersteller: Heim Verlag

Stärken: schnell □ flexibler Datenaustausch □ komfortable Reports □ auch über Tastatur bedienbar □ umfangreiche Online-Hilfe

Schwächen: Fehler beim Ändern von Datensätzen □ teures Update

Fazit: Für die Verwaltung umfangreicher wissenschaftlicher Literaturbestände eine wertvolle Hilfe.
Marc Kowalsky


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