Cogito ergo sum: Entwicklungsumgebung ergo! für GFA-BASIC

Als schnell und einfach zu erlernende Programmiersprache hat GFA-BASIC seinen festen Platz bei den Atarianern. Obwohl der Beiname immer noch »BASIC« lautet, hat GFA-BASIC den Mantel der Anfängersprache abgeworfen. Dieser Dialekt hat sicher mehr Ähnlichkeit zu C und Pascal als zum Ur-BASIC. Nur die Oberflächen von C und Pascal weisen bisweilen mehr Komfort auf. Hier setzt die neue Entwicklungsumgebung »Ergo« für GFA-BASIC von Columbus Soft an.

Ergo erleichtert die Entwicklung von GFA-BASIC-Programmen

Gestützt auf die von GFA mitgelieferte »XSHELL«, zeigt sich Ergo nach dem Start von seiner informativen Seite. Links unten auf dem Bildschirm, wartet es mit einer Infobox auf. Unter der Bezeichnung »Job-name« zeigt sich der Name des Source-Code, der gerade in der Entwicklung steht. Diesen Namen speichert Ergo auf Wunsch, so daß das ewige Neu-Anwählen entfällt. Neben dem Namen stehen einige Endungen, die, sofern eine entsprechende Datei vorhanden ist, schwarz dargestellt sind. Leider vermissen wir hier die Endung »RSC«. Somit ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen, ob bereits eine Resource-Datei für das aktuelle Programm vorhanden ist. Die Tastaturbedienung von Ergo ist etwas ungewöhnlich. Um z.B. den Interpreter aufzurufen, müssen Sie zunächst »S« für Shell (Menü Titel) und dann »I« für den Menü Eintrag Interpreter drücken. So lassen sich alle Menüpunkte der Pull-Down-Menüs anwählen. Für diejenigen, die bisher mit »MENUX« von GFA gearbeitet haben, fällt der Umstieg dennoch leicht. Parallel bietet Ergo auch die vom MENUX gewohnte Tastasturbelegung an. Natürlich lassen sich aus Ergo auch ein Texteditor und ein Resource Construction Set starten. Ist ein Jobname angegeben, übergibt Ergo dem Texteditor den Pfadnamen der »LST«-Datei und dem RCS den Pfad für die entsprechende Resource-Datei. Dies ist sehr sinnvoll in Verbindung mit »INTERFACE«. Auch die Compiler- und Linkereinstellungen sind übersichtlich gelöst. Selektieren Sie beim Linker die Zeile »Objektdatei löschen«, löscht Ergo nach dem Linkvorgang die »*.O«-Datei, die dann meist nicht mehr gebraucht wird. Auf Wunsch zeigt Ergo den Status des Compiler- und Linkvorgang durch Balken oder Zeilennummern an. Somit sind Sie immer über den aktuellen Stand informiert.

Ergo unterscheidet sich von MENUX nicht nur durch eine komfortablere Bedienung und die eine oder «andere Pfiffigkeit. Es bietet auch ein Online-Handbuch und darüber hinaus noch einen Crossreference-Teil.

Da bei GFA-BASIC Typenvereinbarungen, Funktionsdeklarationen oder Strukturdiagramme entfallen, legt man schnell neue Variablen an oder schreibt neue Prozeduren. Ab einer gewissen Größe der Sourcen vergißt man auch mal eine Variable. Außerdem schleichen sich häufig Schreibfehler ein. Hier bietet GFA-BASIC die Möglichkeit, sich nach jeder neuen Variablen fragen zu lassen. Doch dies ist eher störend. Dabei tauchen auch oft Fragen wie »Wo erscheint die Variable ‚x‘ ?« oder »Brauche ich den noch die Variable ‚y‘ ?« auf. Hier hilft nur eine Crossreference-Liste (XRef-Liste).

Ergo verfolgt bei seiner Crossreference-Liste ein durchdachtes Konzept. Unter anderem verweist es nicht auf Zeilen, d.h. es erscheint nicht die Aussage »Variable Y erscheint in Zeile 'y'«. Ergo formuliert diese Meldung so: »Variable Y wird in Procedure 'xyz' verwendet«. Dadurch besitzt die XRef-Liste auch nach einer Programmänderung noch ihre Gültigkeit bzw. Aktualität.

Ebenfalls als sehr hilfreich erweist sich, daß Ergo nicht nur die Zugehörigkeit der Variablen zu einer Prozedur ausgibt, sondern darüber hinaus mitteilt, wie oft eine Variable in einer Prozedur auftaucht. Lobenswert ist auch die Kürze der Ergo-Informationen im Vergleich zu einer Zeilenreference. Da ein Merkmal vernünftiger Programmierarbeit die Aufteilung einzelner Aufgaben in verschiedene Prozeduren ist, reichen die Informationen der Xref-Liste von Ergo aus. Durch die Xref-Liste von Ergo erfahren Sie aber noch einiges mehr, beispielsweise daß Sie besser eine Variable local definieren oder daß Sie eine Prozedur nicht mehr benötigen. Die Xref-Liste erscheint dann wahlweise auf dem Bildschirm, in einer Datei oder auf dem Drucker.

Dafür stehen mehrere Druckertreiber zur Verfügung. Leider fehlt bisher die direkte Anpassung an den Atari-Laser. Ergo druckt nur über den Diabolo-Treiber. Nach Rücksprache mit dem Autor ist eine Anpassung jedoch in Planung und wird mit einer der nächsten Versionen ausgeliefert.

Für Entwickler, die auch im PC-Bereich arbeiten, ist der Präprozessor (kurz: PP) eine wichtige Sache. Hiermit läßt sich der auf dem Atari ST/STE/TT entwickelte Quelltext ohne viel Eigenarbeit für den PC übersetzen. Auch wenn einige Befehle oder die Syntax auf dem PC anders sind, stellt dies Ergo nicht vor Probleme. Fügen Sie einfach hinter der betreffenden Befehlszeile, die es auf dem PC nicht gibt, den Kommentar »!-!PP« hinzu. Dies bedeutet, daß diese Zeile gelöscht wird. In der nächsten Zeile schreiben Sie als Kommentar mit einem »'« davor den entsprechenden PC-Befehl mit »!+!PP«. Dann fügt Ergo diese Zeile bei der Konvertierung ein.

Das Online-Handbuch bietet gegenüber dem GFA-Handbuch einige Vorteile. Hier geben Sie Befehle direkt ein und schon erscheint die benötigte Erklärung. Fehlerhafte Erklärungen aus dem Original wurden nicht übernommen, sondern erscheinen bei Ergo richtig.

Wissen Sie beispielsweise nicht, ob sich »SHEL_WRITE« mit Doppel-L und Tiefstrich schreibt, reicht es, nur »SHEL« einzugeben. Ergo listet dann alle passenden Befehle auf. Den gesuchten wählen Sie aus der Liste aus.

Auch ein Inhaltsverzeichnis fehlt nicht. Mit »HELP« klappen Sie die einzelnen Kapitel auf und wählen den gewünschten Befehl aus. Weiter läßt sich über das Online-Handbuch die zuvor in Ergo erzeugte Crossreference-Liste anzeigen. Auch bei Fragen nach ASCII- oder Scan-Code einer Taste und nach Werten für Füllmuster und Linienattribute hilft das Online-Handbuch schnell weiter.

Der Preis von 148 Mark ist für »mehr als nur eine Programmier-Shell« angemessen. Ergo ist jedem, der mit GFA-BASIC arbeitet, zu empfehlen und hat durchaus das Zeug, sich nach Bereinigung einiger kleinerer Fehler zu einer Standard-Umgebung zu entwickeln. (uh)

Heim Verlag, Heidelberger Landstraße 194, 6100 Darmstadt

Compileroptionen stellen Sie bequem per Maus ein

WERTUNG

Name: Ergo
Preis: 148 Mark
Hersteller: Columbus Soft

Stärken: Tastaturbelegung wie MENUX □ fester Job-Pfad □ Online-Handbuch □ Crossreference-Teil □ Online-Hilfe der Shell zu jedem Dialog

Schwächen: Beim Verlassen von Accessories kein Redraw □ Probleme beim gleichzeitigen Einsatz der Grafikkarte M128 von Matrix und MultiDesk Deluxe

Fazit: Eine Shell, die sich zum Standard entwickeln kann.


Sandro Lucifora
Links

Copyright-Bestimmungen: siehe Über diese Seite
Classic Computer Magazines
[ Join Now | Ring Hub | Random | << Prev | Next >> ]