FAXen einmal anders: Junior Office, neue FAX-Software von TKR

Bild 1. So sieht Junior Office im vollen Betrieb aus

Wer sich schon einmal mit Telefax auf dem Atari beschäftigt hat, kennt TKR. Die Kieler haben sich bereits mit »ST-FAX II« und »CalFax« sowie entsprechenden Modems einen Namen bei den Anwendern gemacht. Mit der neuen Software »Junior Office« will TKR wieder einmal Maßstäbe setzen.

Zum Faxen mit dem Computer benötigt man neben der Software ein faxtaugliches Modem. Dieses muß im Fax-Betrieb mit bis zu 9600 Baud senden und empfangen. Die Ansteuerung sollte über den Class-2- oder dem Sierra-Standard möglich sein, ebenso das Faxen nach Gruppe 2 und Gruppe 3. Für unseren Test stand das ebenfalls von TKR gelieferte Modem »IM-24VF+« zur Verfügung. Dieses Daten modern arbeitet im reinen Datentransfer (BTX, Mailbox, etc.) mit einer Sendegeschwindigkeit von bis zu 2400 Baud, wobei eine Datenkomprimierung nach MNP5 sowie V42/V42bis erfolgt. Da TKR das Modem direkt vertreibt, bekommt man bei eventuellen

Fragen, die trotz des gut geschriebenen, deutschen Handbuch auf-treten, schnelle Hilfe. Der Anschluß des Modems erfolgt über ein normales Modem-Kabel, wobei beim STE und TT die volle Belegung geprüft werden sollte. Junior Office ist, wie das derzeit wohl im Trend liegt, als Shell aufgebaut (Bild 1). Damit lädt man die Module erst nach, wenn sie nötigt sind. Da Junior Office voll GEM-eingebunden ist, lassen sich mehrere Module, die im Fenster gestartet werden, gleichzeitig öffnen. So läßt sich einige Arbeit parallel erledigen. Junior Office läuft auch als Accessory. Dadurch fällt der Aufruf weiterer Programme wie Textverarbeitung, Grafikprogramm, etc., weg. Man kann aber umgekehrt von jedem Programm mit Accessory-Zugriff ein Fax senden.

Vor dem ersten Start benötigt Junior Office einige Definitionen. Neben den Zugriffspfaden für Text, Grafik etc. ist die Angabe des grundsätzlichen Formats (Briefkopf, Fußzeile, usw.) erforderlich (Bild 2). Neben speziellen Angaben für die erste Seite lassen sich auch Kopf- und Fußbereich für die nachfolgenden Seiten anders bestimmen. Dem Anwender stehen hierfür Synonyme wie Zeit, Datum, Empfänger etc. zur Verfügung, die Junior Office bei Bedarf durch die entsprechenden aktuellen Daten ersetzt. Sind alle Einstellungen durchgeführt, ist die Software faxbereit. Mit dem Menüpunkt »Fax Layout« öffnen Sie das View-Fenster (vgl. Bild 1, links). In diesem Fenster bauen Sie die Ausgangstexte und -grafiken zusammen. Dabei sperrt das Programm die definierten Kopf und Fußbereiche, sodaß dort kein weiterer Text oder eine neue Grafik erscheinen.

Bild 2. Im Seitenlayout sind unterschiedliche Einstellungen für die erste Seite und die Folgeseiten vorgesehen

Um Text oder Grafik zu ändern, reicht das Anwählen des entsprechenden Icon aus, um in das Textoder Grafikprogramm zu gelangen. Natürlich lassen sich die Rahmen auch verschieben oder löschen. Vor dem Versenden kontrollieren Sie das FAX mit dem WYSIWYG-Verfahren. Dazu stehen verschiedene Auflösungen zur Verfügung. Bereits hier erkennt man allerdings, daß die gewählte Schrift nicht so toll ist. Leider fehlt eine Auswahl aus verschiedenen Schriften. Zurück zum Faxen. Entspricht das Layout Ihren Vorstellungen, starten Sie die Übertragung. Dazu rufen Sie zunächst die Adressverwaltung (Bild 3) auf. Schon auf den ersten Blick erkennt man, daß der Begriff Tastaturbedienung für den Programmierer kein Fremdwort ist. Unverständlich bleibt dagegen, daß alle anderen Funktionen nur per Maus zu bedienen sind. Ein Ärgernis für Großbildschirmbenutzer. Zum Faxen wählen Sie nun den Empfänger und bestätigen mit ‹OK›. Nach einer Kontrollbestätigung erzeugt Junior Office das Faxlayout und sichert es auf der Festplatte. Danach übermittelt Junior Office dem Treiber, der als Accessory installiert ist, eine entsprechende Botschaft zum Start.

Treten während der Übertragung Fehler auf, bleibt der Anwender zunächst im Unklaren, da bei gestörtem Versand keine direkte Fehlermeldung erscheint. Ob der Versand nun erfolgreich war oder nicht, läßt sich erst in der geführten LOG-Datei nachsehen. Großes Erstaunen brachte beim Test die Inkompatibilität des Modem IM-24VF+ mit Empfänger-Faxgeräten der Firma Schneider. Nach Rücksprache mit TKR wurde dieses Problem schon in Angriff genommen und steht kurz vor der Lösung. Da hier der Fehler in der Firmware des Modem liegt, haben Betreiber anderer Daten übermittler keine Aussetzer. Bei Erscheinen dieser Ausgabe soll laut TKR schon eine neue Firmware in den eigenen Modems enthalten sein.

Bild 3. Nur in der Adressenauswahl gibt es Tastaturbedienung

Wie schon erwähnt, wird neben Junior Office der Treiber als Zusatzprogramm mitgeliefert und läuft normalerweise als Accessory. So läßt sich auch der automatische Empfang einstellen. Anwender mit Diskettenlaufwerk sollten den Empfang in eine RAM-Disk legen, da wegen der hohen Zugriffszeit der Floppys das Fax unleserlich wird. Für diejenigen, die das Fax noch schwarz auf weiß brauchen, steht auch eine Druck-Funktion per GDOS zur Verfügung.

Junior Office ist der kleine Bruder von »Tele Office«, einer funktionsmäßig stark erweiterten Version der Software, die demnächst erscheinen soll. Dort gibt es dann solche Annehmlichkeiten wie zeitversetztes Senden oder Serien-FAXe. Über diese eigenständige Software informieren wir Sie nach der Fertigstellung. (wk)

TKR. Stadtparkweg 2. 2300 Kiel 1

WERTUNG

Name: Junior Office / TKR IM-24VF1
Preise: Junior Office 128 Mark, Modem TKR IM-24VF1438 Mark, Software und Modem 498 Mark
Hersteller: TKR

Stärken: individuell einstellbares Blattformat ? GEM Oberfläche ? Großbildfähig ? leichte Bedienung ? Modulkonzept ? eingebaute Adressverwaltung ? Ausdruck über GDOS

Schwächen: nur wenige Funktionen Tastatur-bedienbar ? Schrift sieht nicht gut aus ? keine alternativen Schriften ? keine direkte Fehlermeldung beim Versenden

Fazit: Sowohl für Einsteiger in die FAX-Welt als auch für alle, die bereits ein FAX-Modem besitzen eine gute Empfehlung.


Sandro Lucifora
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