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Über Schaltungsmuster, Justagen und verquere Formatierfehler

WordPerfect für den Atari ST ist eine der umfangreichsten Textverarbeitungen für die Raunheimer Rechnerschar. Mit Ralf Blittkowskys »Praxisbuch für Einsteiger und Profis« liegt nun die erste begleitende Einführung in WordPerfect 4.1 vor. Das Buch orientiert sich in der Gliederung seiner 16 Kapitel weitgehend an der Anordnung der Pull-Down-Menüs. Schwierige Spezialfunktionen stellt der Autor sinnvollerweise in eigenen Abschnitten dar. Ungeachtet des Untertitels ist das Buch eine Einführung für den Anfänger. Abgesehen von einem Abschnitt über Serienbriefe mit 1st Address finden fortgeschrittene Anwender keine über das Originalhandbuch hinausgehenden Informationen.

Was dieses Buch jedoch zum Ärgernis macht, ist nicht nur Blittkowskys unscharfe Begrifflichkeit (»Schaltungsmuster« statt »Einstellungen«), sondern insbesondere die häufig fehlerhafte, von spätpubertärer Metaphorik durchzogene Sprache eines Schülerzeitungsredakteurs, der es z.B. unglaublich witzig findet, seinen Lesern ausführlich den Unterschied zwischen Haustürklingel und akustischem Rechnersignal zu erläutern: sonst würde man ja bei jedem Atari-Pling zur Haustür rennen. Weiterhin spricht der Verfasser von einem »Tunnel von Parameterangaben und Justagen, die das Layout als Irrgarten von verqueren Zeichensetzungen und Formatierfehlern erblicken lassen.« Alles klar? Überhaupt vergeudet der Autor viel Platz für Nebensächlichkeiten und Platitüden. So erfährt man, daß Textverarbeitung kein Horrorvideo ist (»Trotzdem haben Sie bitte keine Furcht. So schrecklich wird es nicht werden«) und die Hälfte einer Seite nimmt ein konfuses Referat über Vorzüge und Nachteile der Seitenzahl ein, das mit verwirrenden Ratschlägen endet: »Sie müssen immer die korrekte Paginierung des Textes einrichten und beibehalten«.

Dies alles sind leider keine Ausnahmen, über die man hinwegsehen könnte, sondern Beispiele für die durchgängig fehlende Präzision in Erklärung und Darstellung. Wer eine gute Einführung in WordPerfect sucht, sollte weiterhin die mitgelieferte Anleitung zu Rate ziehen. (Michael Spehr/uh)

Ralf Blittkowsky, »WordPerfect 4.1 auf dem Atari. Praxisbuch für Einsteiger und Profis«, 1991, Markt & Technik Verlag, München, ISBN 3-89090-943-4,374 Seiten, Preis 59 Mark

Der Stand der Dinge

Das »Atari Profibuch ST-STE-TT« aus dem Sybex-Verlag ist mit seinen 1492 Seiten wohl das umfangreichste Buch für die Computer des amerikanischen Herstellers. Wie seine Vorgänger ist auch dieser Band in zwei Abschnitte geteilt. Der erste schildert das Betriebssystem des Atari. Er enthält die überarbeiteten und an TT und STE angepaßten Referenzen zu den BIOS-, XBIOS-, GEMDOS-, AES-und VDI-Funktionen. Besonders gut gefällt uns die Schilderung der Programmierung von CPX-Modulen und die Festlegung eines Quasi-Standards für die Benutzeroberflächen von GEM-Programmen. Der zweite Teil des Buches widmet sich der Hardware. Besonders die Technik von Ataris Flaggschiff und dem etwa 1 Jahr alten Mega STE kam in anderen Publikationen bisher zu kurz. In besonderem Maße widmen sich die Autoren dem VME-Bus und der SCSI-Schnitt-stelle. Eine so genaue und doch leicht verständliche Erläuterung würde sogar einem speziellen SCSl-Buch alle Ehre machen. Wir wünschen uns in Zukunft aber noch eine Erörterung der höheren SCSI-Befehle, wie sie Streamer und andere Geräte erfordern.

Eigentlich steht es außer Frage, ob man dieses Buch kaufen soll. Als allgemein anerkannte Referenz zu den Atari-Computern ist es praktisch ohne Konkurrenz. Aber auch wenn Sie schon eine ältere Version des Profibuchs besitzen, ist es eine Überlegung wert, ob sich die Anschaffung der 10. Auflage nicht lohnt. (Gerhard Barei/uh)

Jankowski/Rabich/Reschke, »Atari Profibuch ST-STE-TT«, 1991, Sybex-Verlag, Düsseldorf, ISBN 3-88745-888-5, 1492 Seiten, 79 Mark



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