TOS Extension Card: Neues TOS 2.06 für alle alten ST verfügbar

Was sich auf der Atari-Messe schon abzeichnete, ist mittlerweile offiziell: Mit der neuen TOS-Version 2.06 von Atari und der TOS Extension Card von Artifex steht nun endlich ein aktuelles Betriebssystem für alle ST-Modelle zur Verfügung.

Bild 1. Der neue Desktop unter TOS 2.06 ist mit allen Schikanen ausgerüstet

Das TOS 2.06 bietet die Funktionen der Mega STE- und TT-Betriebssysteme und wurde von Atari in Zusammenarbeit mit den Entwicklern von Artifex so modifiziert, daß es auch auf sämtlichen alten ST-Modellen ersetzbar ist. Da das neue TOS jedoch in einem anderen Adreßbereich liegt als frühere TOS-Versionen, lassen sich die neuen ROMs nicht direkt in normale STs einsetzen. Man benötigt dazu eine Adapterplatine, die die Firma Artifex entwickelt hat.

Bild 2. Diverse Einstellungen für das Anmelden einer Applikation

Doch zunächst einmal zur neuen Funktionalität. Schon beim Starten fallen erhebliche Unterschiede zu früheren TOS-Versionen auf: Als erstes erscheint das Atari-Logo auf dem Bildschirm und es erfolgt ein Speichertest, der sich durch Tastendruck abbrechen läßt. Danach wartet der Rechner etwa eine Minute auf das Hochfahren der Festplatte. Ein schrumpfender Balken zeigt die verbleibende Restzeit. Ein Tastendruck stoppt diese Wartezeit. Der Druck auf <Control> während des Bootens verhindert das Laden der Accessories, Auto-Ordner-Programme und der »Newdesk.lnf«.

Der neue Desktop bietet auch eine Reihe von Funktionen, wie sie beispielsweise aus »Gemini« oder »Neodesk« bekannt sind. So lassen sich jetzt Programme und Dateien direkt auf dem Desktop ablegen und dort starten. Beim Anmelden lassen sich Parameter übergeben und auch der Verzeichnis- und Pfad-Parameter ist festzulegen.

Unter »Anmelden als : F__« läßt der Desktop den Start des Programms über die Funktionstasten zu. Hierbei gilt der Wert eins bis zehn für die Funktionstasten allein, mit elf bis zwanzig braucht man zusätzlich die <Shift>-Taste.

Auch der individuelle Geschmack des Anwenders kommt nicht zu kurz. So dürfen Sie für jedes Programm oder jede Datei ein eigenes Icon anmelden (Bild 3). Auch eine bestimmte Gruppe, z.B. »RSC« oder »GFA«, darf ein Icon erhalten. Der Icon-Name ist beliebig einzugegeben, so daß er nicht nur auf den Dateinamen beschränkt bleibt. Sollten die mitgelieferten Icons nicht ausreichen, entwerfen Sie neue Symbole mit einem Icon-Editor und fügen diese im Resource-Construction-Set an die bestehende RSC-Datei »DESKI-CON.RSC« an.

Jeder Menüpunkt im neuen TOS ist auch Tastatur-gesteuert, eine individuelle Zuordnung bestimmen Sie in der Dialogbox »Desktop Konfiguration« (Bild 4). Eine überarbeitete Fensterverwaltung mit bis zu sieben geöffneten Fenstern paßt sich auch den Erfordernissen von Großbildschirmen an. Das Scrollen, aufgrund eines neuen Algorithmus deutlich beschleunigt, funktioniert auch mit selektierten Einträgen. Ebenso erhielt das Dateihandling ein neues Outfit. Unter »intelligentes« Kopieren fällt nun das Verschieben von Dateien, Verschieben und Umbenennen, Kopieren und Umbenennen.

Ganz neu ist eine Such-Funktion, die eine Datei auf der Festplatte aufstöbert. Eine festzulegende Dateimaske zeigt nur bestimmte Dateien, Wildcards bieten dabei große Flexibilität. Endlich lassen sich außerdem über <Alternate> plus Ziffernblock Sonderzeichen per ASCII-Code eingeben.

Bild 3. Reiche Auswahl für Icon-Fans. Jede Datei darf ein eigenes Bild haben.

Wer seinen Computer programmiert, freut sich auch hier über einige Neuerungen. Neben dem reinen Bug fixing sind auch neue Funktionen hinzugekommen. Mit dem Cookie-Jar beispielsweise stellen Sie fest, auf welchem Prozessor der Rechner arbeitet oder ob ein ST-, STE- oder TT Grafik-und Soundsystem aktiviert ist. Der Cookie-Jar läßt auch das Ablegen eigener Informationen zu. Ein Tiefstrich als erstes Zeichen des Cookie-Namens kennzeichnet aber Atari-interne Informationen. Bei Benutzung der Funktion »appl__exit()« wartet das TOS nun darauf, daß alle Accessories die Meldung »AC__CLOSE« erhalten, bevor ein Programm schließt. Auch GEM-DOS und XBIOX wurden in punkto Betriebssicherheit und Funktionen überarbeitet und verbessert. Alle Neuerungen des TOS 2.06 sind übrigens in den »STE TOS Release Notes« dokumentiert.

Die »TOS Extension Card« zum Einbau der neuen ROMs ist eine kompakte, 6 x 6 cm kleine Zusatzplatine, die sich für alle ST-Modelle vom 260 und 520ST über den 1040ST(FM) bis hin zum Mega ST eignet. Das Layout wurde so angepaßt, daß die Karte in jeden ST einzubauen ist. Auch auf die Verträglichkeit mit weiteren Hardware-Erweiterungen, wie DOS-Emulatoren und Beschleuniger-Boards, haben die Entwickler geachtet.

Der Anschluß erfolgt über zwei Flachbandkabel, wobei man das eine nur mit einem Stecker in den ROM-Sockel stecken muß. Für die Befestigung des zweiten Kabels sind einige Lötkenntnisse erforderlich. Hier müssen Sie die einzelnen Leitungen an die CPU anlöten. Zwei zusätzliche Adapter sorgen aber in einem Mega ST für den lötfreien Einbau. Sollte im Rechner die CPU gesockelt oder ein Sockel aufgelötet sein, stecken Sie die »TECbridge CPU« hier auf. Das Flachbandkabel, das man normalerweise an die CPU löten muß, steckt dann in dem Adapter. Ist der Systembus noch frei, geht der Einbau mit der »TECbridge BUS« noch einfacher und ebenfalls lötfrei. Jeder Anwender mit TOS-Versionen unter 2.05 sollte einen Umstieg in Erwägung ziehen. Das neue TOS läuft auf allen STs, die Einbauanleitung ist sachlich geschrieben, gut verständlich und hilft beim Einbau in jede Computer-Version. Wer die Erweiterung nicht selbst einbauen möchte, der wendet sich an den Fachhandel oder an Artifex für einen Einbauservice. (wk)

Artifex Computer GmbH, Holbeinstr. 60, 6000 Frankfurt 70

WERTUNG

Name: TOS Extension Card + TOS 2.06
Preis: 198 Mark, TECbridge BUS / TECbridge CPU je 25 Mark
Vertrieb: Artifex Computer GmbH

Bild 4. In der »Desktop Konfiguration« basteln Sie Ihre eigene Tastaturbelegung

Sandro Lucifora
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