Die drei Musiketiere: Musik-Einsteigeiger-Paket von Atari, Kawai und Steinberg

Nicht Artos, Portos und Aramis reiten für Freiheit und Gerechtigkeit, sondern Atari, Kawai und Steinberg treten den gemeinsamen Kreuzzug mit Ziel »Musik für alle« an.

»Happy Music« heißt die Geheimwaffe, mit der das musische Dreigestirn im Kampf gegen unmusikalische Computerarbeitsplätze siegen möchte. Für nur 1498 Mark bieten die drei Firmen ein klangstarkes Triumvirat an, bestehend aus einem Atari 1040 STE mit SM 124, einem Kawai MS 710 Personal Keyboard und Steinbergs Recordingsoftware »Cubyte«, dem kleinsten Sproß des Profisystems »Cubase«.

Was tut ein Tester, wenn er sich von den Fähigkeiten eines Keyboard-Prüflings einen ersten Eindruck verschaffen möchte? Richtig, er startet den eingebauten Demo-Song. Bereits hier sammelt das Kawai MS 712 erste Pluspunkte. Was da aus den kleinen eingebauten Stereo-Lautsprechern swingt, läßt auch den hartgesottensten Musikmuffel nicht mehr ruhig auf seinem Schreibtischstuhl sitzen. Herzlichen Glückwunsch an Kawai: Verkaufsfördernder läßt sich ein Keyboard eigentlich kaum präsentieren. Bleibt nur die Frage offen, ob der Urheber dieses mitreißenden Jazz-Arrangements auch wirklich die vieroktavige Miniatur-Klaviatur des MS 710 zum Einspielen benutzt hat.

Neben dieser Klaviatur verfügt der kleine Kawai noch über vier frei belegbare, herrlich blaue Mini-Drumpads, die, wie auch die Klaviatur, nicht anschlagsdynamisch spielbar sind. Inwieweit sich diese Pads bei einer Anschlagsfläche von ca. 1 xl cm tatsächlich sinnvoll nutzen lassen, hängt sicherlich nicht zuletzt von der Fingergröße des entsprechenden Keyboarders ab. Dafür befinden sich im selben Design neben dem linken Lautsprecher die vier Taster für Chorus und Vibrato-Effekt, sowie für das Pitch-bending. Die Wirkung der Pitch Up-Down Tasten ist mit +-1 Ganzton fest vorgegeben.

Auf der Soundseite bietet das MS 710 zwanzig 16-Bit PCM Presets und vier mit eigenen Klangkreationen belegbare Speicherplätze. Ein MS 710 Sound setzt sich aus zwei Elementen zusammen, für die Sie jeweils die Wellenform, eine einfache Hüllkurve (Attack, Decay) sowie die Lautstärke bestimmen. Die Werksklänge sind gut gewählt und bieten von Piano bis E-Bass die gängigsten Instrumente in akzeptabler Qualität, wobei Instrumente dieser Klasse selbstverständlich den Vergleich mit einem CD-Spieler erst gar nicht antreten wollen. Um Ihren Stücken den nötigen Pep zu geben, spendierten die Kawaianer ihrem Schützling noch ein kleines aber feines Drum-Set.

Wie bei Personal- oder Portable-Keyboards üblich, unterhält auch das MS 710 eine private Begleitkapelle. Die in diesem Modell untergebrachte Band beherrscht 24 unterschiedliche Musikstile inklusive Fill-Ins und Endings aus dem Eff-Eff. Zwar gibt es auch Instrumente, deren Begleitautomaten etwas flexibler und vielseitiger agieren, doch kosten diese Kollegen schon alleine soviel wie das komplette Happy Music Paket.

So präsentiert sich der Sequenzer »Cubyte« von Steinberg

Eine Besonderheit der Kawai Keyboards bietet die »One Finger AdLib« Automatik: Mit aktiver Begleitband gibt das MS 710 bei Betätigung einer einzelnen Taste bereits ganze Melodiefragmente von sich, natürlich passend zu Stil und Harmonie. Je nach angeschlagener Taste erklingt entweder ein anderes Instrument oder eine andere musikalische Phrase. Dadurch »spielen« Sie komplette Stücke mit automatischer Begleitung, wechselnden Harmonien, flexibler Melodie und mitreißendem Schlagzeug, ohne mehr als nur einen einzigen Finger zu rühren. Einfacher geht es wirklich nicht mehr. Mit Hilfe des eingebauten Miniatursequenzers konservieren Sie besonders gelungene Werke für die Nachwelt. Doch Happy Music Besitzer müssen Gott sei Dank von diesem bescheidenen Aufnahmewerkzeug nur im Notfall Gebrauch machen, befindet sich doch im Lieferumfang auch das MIDI-Recording Programm »Cubyte«.

Wie sein ganz großer Bruder »Cu-base« arbeitet Cubyte unter dem professionellen MIDI-Multitas-king-System M-ROS und verfügt über das vielgelobte, übersichtliche Arrange-Window. Cubyte gestattet die Arbeit auf zwölf Spuren, ist also für den mit fünffachem Multimode ausgestatteten MS 710 bestens gerüstet.

Im Arrange-Window nehmen Sie Ihre Musik auf und arrangieren Sie mit Hilfe von Maus und »Toolbox«. Diese erscheint, wenn Sie die rechte Maustaste drücken, sobald sich der Mauszeiger innerhalb des Patternfensters befindet. Die sich daraufhin öffnende Box gibt eine Klebstofftube, einen Radiergummi und eine Schere zur Benutzung frei. Mit der Leimtube kleben Sie verschiedene Parts - in den Parts befindet sich Ihre aufgenommene Musik - aneinander, mit der Schere machen Sie durch Mausklick aus einem Part zwei. Die Funktion des Radiergummis erahnen Sie jetzt sicher schon. Wie genau diese »Werkzeuge« funktionieren, bestimmen Sie mit dem im Kasten »Snap« eingestellten Wert.

Als besonderes Bonbon besitzt Cubyte noch einen Notendruck-Teil, den Score-Editor. In ihm korrigieren Sie einerseits Ihre Aufnahmen, indem Sie beispielsweise falsche Töne löschen oder fehlende Noten hinzufügen, andererseits bereiten Sie hier Ihr komplettes Arrangement zum Ausdruck vor. Erfreulicherweise sind Cubyte-Songs Daten-kompatibel zu »Cubeat« und Cubase, so daß Aufsteiger ihr einmal eingespieltes Material problemlos weiterbenutzen.

Damit Sie am Anfang Ihrer musikalischen Karriere nicht ganz auf dem Trockenen sitzen, gehören noch sechs Cubyte Demo-Songs zum Lieferumfang, die von Beethoven bis hin zum »McDonalds«-Song eindrucksvoll demonstrieren, was Happy Music so alles leistet. An diesen Demos lernen Sie auch alle Cubyte Funktionen kennen, ohne Gefahr zu laufen, sich durch Fehlbedienung einen mühsam eingespielten Hit zu ruinieren.

Mit Happy Music ist es Atari, Kawai und Steinberg gelungen, MIDI-Musik für jedermann erschwinglich und erfahrbarzu machen. Die gekonnte Kombination von einfacher aber leistungsfähiger Soft-und Hardware zu einem unschlagbar günstigen Preis strafen alle die Lügen, die Musik mit dem Computer bislang für ein teures und unattraktives, weil kompliziertes Hobby hielten. Wer noch keinen Atari sein eigen nennt und sich auch nur ein wenig für Musik interessiert, sollte unbedingt zum Happy Music Paket greifen. Es überfordert weder den neugierigen Einsteiger noch läßt es den ambitionierten Aufsteiger später zu schnell im Stich. Fazit: eine tolle Truppe, unsere drei Musiketiere. (wk)

WERTUNG

Produkt: Happy Music
Hersteller: Atari, Kawai, Steinberg
Preis: 1498 Mark

Stärken: gnadenlos günstiger Preis □ ansprechende Sounds □ viele Automatiken im Keyboard □ gute Software
Schwächen: Mini-Tasten beim Keyboard

Fazit: Für Einsteiger unbedingt empfehlenswert.

Das Kawai MS 710 eignet sich durch viele Automatiken besonders für Einsteiger


Kai Schwirzke


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