Vorbericht: Spectre 3.0, Beschleunigungs-Board SST und Megatalk

Dave Small, Vater der Macintosh-Emulatoren Magic Sac und Spectre, läßt nicht locker. Er arbeitet gerade an zwei Produkten, die neue Leistungen aus dem ST herausholen: das 68030-Beschleuniger-Board SST und die Netzwerk-Hardware MegaTalk.

Auf der CeBIT waren bereits die ersten Prototypen von SST und MegaTalk zu sehen. Das SST ist eine Erweiterungskarte mit Motorolas 68030-Prozessor, die dem Mega ST eine atemberaubende Geschwindigkeit beschert. Außerdem läßt sich mit dem SST das RAM ohne Probleme um 8 MByte erweitern. Das SST-Board arbeitet mit 16 MHz, 33 MHz oder einer höheren Geschwindigkeit. Spielt der Preis eine untergeordnete Rolle, bestückt man die Karte beispielsweise mit einem 50 MHz-68030-Chip.

Der MC 68000 im ST läuft mit nur 8 MHz Systemtakt. Da die Video- und Memory-Bausteine des ST durch ihr Design an das 8 MHz-Limit gefesselt sind, mußte Dave Small eine eigene Speicherverwaltung entwickeln. Sonst hätten diese Bausteine die höhere Geschwindigkeit des 68030 wieder aufgefressen. Auf der SST-Karte sind acht SIMM-Sockel, die je 1 MByte RAM aufnehmen. Dieses Fast-RAM ist dem internen Speicherplatz des ST hinzuzurechnen. Ein Mega ST4 wird also zum Mega ST12. Schließlich sorgt ein mathematischer Coprozessor für Tempo.

Dave Small, der Spectre-Entwickler

Mit der SST-Karte liefert Gadgets by Small eine modifizierte Version des Mega STE-Betriebssystems unter dem Namen TOS 2.05. Small bekam von Atari eine generelle Lizenz-Zusage. Die letzten Gespräche mit der Atari-Chefetage, bei denen eventuell noch etwas an der »5« geändert und über eine Lizenzgebühr verhandelt wird, waren bei Redaktionsschluß noch nicht abgeschlossen. Das Design der SST-Karte erlaubt den stufenweisen Einstieg in die SST-Welt. Wer sich nicht sofort ein superschnelles Board leisten möchte, beginnt zunächst mit der 16-MHz-Version ohne zusätzliches FastRAM. Rüsten Sie später auf 32 MHz auf, ist nur der gesockelte 68030-Chip zu wechseln. In den USA kostet das Board ohne 68030-Chip 600 Dollar. Für einen 16 MHz 68030-Chip kommen 200 Dollar hinzu, der 16-MHz-Prozessor plus 4 MByte RAM kostet 460 Dollar. Das Profi-Paket (33 MHz 68030er, Coprozessor 68881 und 4 MByte RAM) ist für 800 Dollar zu haben. Die Preise in Deutschland standen zum Redaktionsschluß noch nicht fest. Programme sollen nach Dave Small auf dem SST-Board acht bis zehn mal schneller laufen als auf einem normalen ST. Von diesem Board profitieren aber besonders die Anwender des Macintosh-Emulators Spectre. Der Spectre läuft im FastRAM und schlägt in Sachen Geschwindigkeit damit sogar Apples zweitschnellste Maschine, den Macintosh llci. »Bei Apple stehen heute nur zwei Rechner, die schneller als unser SST sind: der Mac llfx und Apples Cray-Computer. Wir bauten bereits ein Board, das auch den Mac llfx abhängt«, verkündete Dave Small selbstbewußt.

Im Vergleich zum Mac SE (1.0) schneidet der Spectre sehr gut ab

Der Mac-Emulator Spectre wird zur Zeit mit der Treibersoftware der Version 3.0 angeboten. Die Spectre-Software ist für beide Spectre-Varianten identisch: Der »Ur-Spectre«, der Spectre 128, beherrscht nur sein eigenes Diskettenformat. Er arbeitet wie sein großer Bruder »GCR«, allerdings ist der Austausch der Daten und Programme mit einem Mac nur per Nullmodem möglich. Erst beim GCR ist der Datenaustausch mit dem Original ein Kinderspiel: Obwohl sich das Format der Macintosh-Laufwerke nicht am Diskettenformat des ST orientiert, verarbeitet das ST-Laufwerk unter Spectre GCR die 800 KByte Mac-Disketten. Nur 1,4-Mega-Byte-Disketten (»Superdrive«) lassen sich nach wie vor von keinem ST-Laufwerk lesen oder beschreiben.

Rag Time 3.1 läuft problemlos unter Spectre

Damit der GCR mit Mac-Disketten zurechtkommt, muß sich das Laufwerk in einem guten Zustand befinden. Bei verstelltem Lesekopf oder ungleichmäßig rotierenden Laufwerken gibt es Schwierigkeiten. Ärgerlich ist, daß bestimmte Fremdlaufwerke nicht ohne- weiteres mit den Mac-Disketten arbeiten. Spectre-Anwender sollten vor dem Kauf eines externen Laufwerks prüfen, ob dieses die Mac-Disketten korrekt verarbeitet.

Um den Mac-Emulator sinnvoll einzusetzen, sollte am ST eine Festplatte angeschlossen sein. Da beim Macintosh im Gegensatz zum Atari nicht das gesamte Betriebssystem im ROM zu finden ist, greifen Programme bei Bedarf auf die Dateien »System« und »Finder« zu. Im System befinden sich die verschiedenen Zeichensätze (Fonts) und die Accesories, die beim Mac »DA« heißen.

Inzwischen ist auch in Deutschland das hochgelobte Mac-System Version 7.0 eingetroffen, das unter anderem durch Multitasking, neue »TrueType«-Zeichensätze, Online-Hilfe und eine verbesserte Netzwerk-Architektur überzeugt. Spectre-Anwender in den USA, die schon einige Monate Zugriff auf das neue System 7.0 haben, mußten jedoch feststellen, daß der Spectre nicht mit diesem System läuft. Da aber keine prinzipiellen technischen Hindernisse den Einsatz des Systems 7.0 blockieren, müssen wir auf die von Dave Small zugesagte Spectre-Version 3.1 warten. Bei dieser sollten dann auch die Takt-Probleme beseitigt sein, die jetzt bei manchen TTs auftauchen. Diese neue Spectre-Version steht kurz vor der Auslieferung.

Word 4.0 von Microsoft auf dem Spectre

Doch zurück zu den schnellen Massenspeichern: Der Spectre (128 und GCR) arbeitet problemlos und flott mit den Atari-Festplatten. Wir testeten die Atari SH 205, die Megafile 30, die 30 MByte Platte der Firma Eickmann, eine 60 MByte Vortex-Platte und ein Vortex-Wechselplatten-Laufwerk. Die Funktion »Slow SCSI«der Spectre-Version 2.65, die einen langsameren Interleave-Faktor als 1:1 einstellt, wurde bei der Version 3.0 beseitigt, da der Plattentreiber inzwischen auch mit dem schnellen Interleave 1:1 stabil läuft. Neben dem normalen SCSI-Treiber finden Sie nun die Funktion »Turbo SCSI«, die den Festplatten Flügel macht. In diesem Modus laufen Festplatten am Spectre schneller als Apple-Festplatten am Mac SE. Neu bei der Version 3.0 ist auch das Spectre-eigene Festplatten-Format »OOP«, welches das »Parameter RAM«unterstützt. Hier sind die Einstellung ausgewählter Kontrollfelder, Seitenformate und Sounds abgelegt. Beim Original ist das »Parameter RAM« batteriegepuffert.

Bis jetzt läuft nur das System 6.07

Bislang arbeitet der Spectre mit den 128-KByte-ROMs. In Europa ist es nicht einfach, diese Chips zu besorgen. Anders ist die Situation in den USA. Der Hintergrund: Zwei verschiedene ROM-Versionen wurden wegen eines kleinen Fehlers im Festplatten-Treiber ausgetauscht. Diese ROM-Versionen A und B, arbeiten ohne Probleme im Spectre, da der Emulator über ein eigenständiges Festplatten-Interface verfügt. So haben viele Apple-Händler ein lukratives Geschäft entdeckt. Über den deutschen Spectre-Vertrieb Fearn & Music sind diese amerikanischen ROMs zu bekommen. Im »Gadgets by Small-Roundtable« in der amerikanischen Mailbox GEnie diskutiert Dave Small bereits, ob künftige Spectre-Versionen auch mit den 256K ROMs oder den 512K ROMs der großen neueren Macintosh-Modelle arbeiten sollten. Damit wäre auch der Farbbetrieb möglich.

HyperCard 2.0 unterstützt der Spectre ohne Probleme

Leider gibt es immer noch kein deutsches Handbuch für den Spectre, obwohl ein Großteil der Gadgets-Kundschaft in Deutschland wohnt.

Bei Fearn & Music erscheint zum Jahresende ein Spectre-Buch, das mehr sein soll, als nur ein Handbuch. Neben Tips und Tricks zum Emulator gibt auch eine Public-Domain-Diskette Hilfestellung.

Ein Problem beim Spectre stellt immer noch die Druckeransteuerung dar: Die in Atari-Kreisen verbreiteten Drucker, die sich gewöhnlich am Epson-Standard orientieren oder NEC P6-kompatibel sind, spricht Spectre nur mit Hilfe zusätzlicher Druckertreiber an. Sehr interessant für ST-Besitzer ist der Atari-Laserdrucker. Mit einer Macintosh-Systemerweiterung (»Init«) des Stuttgarter Programmierers Frank Siegert lassen sich unter Spectre volle 300 dpi mit diesem Laser erzielen.

Frank Siegert steht auch hinter »STalk«, einer Hardware-Emulation des Netzwerks »AppleTalk«, die serielle Kommunikation einschließlich MIDI unter dem Spectre unterstützt. Leider gab es in diesem Fall parallele Entwicklungen in Deutschland und den USA, die nicht aufeinander abgestimmt wurden. Auch Small bietet eine AppleTalk-Emulation an, die »MegaTalk«heißt. Während das Gadgets-Produkt noch nicht auf dem Markt ist, konnte man STalk schon im Frühjahr 1991 kaufen. Mega-Talk erweitert den ST um zwei serielle Schnittstellen. Im Macintosh-Modus läßt es sich in Mac-Netzwerke einbinden. Wie STalk unterstützt auch MegaTalk MIDI. Dave Small integrierte in MegaTalk eine SCSI-Schnittstelle. Bei STalk ist dies erst in einer späteren Version vorgesehen.

Fearn & Music, Römerstr. 21, 7000 Stuttgart

(uh)

Das neue System 7.0 soll ab Spectre 3.1 verfügbar sein


Christoph Dernbach


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