Alles eine Frage der Organisation: Wie Sie Festplatten richtig ein- und aufteilen

Wer seinen ST intensiv nutzt oder besonders aufwendige Anwendungen wie Datenbanken oder DTP fährt, der merkt es bald: Ohne Festplatte ist der beste Computer nur die Hälfte wert. Doch diese Speichergiganten gilt es richtig zu organisieren, sonst versinkt man schnell im Datenchaos.

Die Überlegungen beginnen bereits vor dem Kauf der Platte mit dem Thema »Speichergröße«. 30 bis 40 MByte sind für einen Privatanwender meist völlig ausreichend, wer ernsthafte DTP- und Grafikabsichten hat, für den dürfen es auch 60 bis 80 MByte sein. Was darüber hinausgeht, ist hauptsächlich für professionelle Anwender interessant. Im Zweifelsfalle sollte man sich aber lieber für eine etwas großzügiger dimensionierte Platte entscheiden - so erheblich sind die Preisunterschiede nicht mehr, und ein späteres Umsteigen kommt immer teurer.

Steht die harte Scheibe dann endlich auf dem Schreibtisch, muß sie der stolze Besitzer erst einmal, genau wie neue Disketten, durch »Formatieren« für ihren Einsatz vorbereiten. Dabei werden alle Daten auf der Platte, falls überhaupt schon welche drauf sind, unwiderruflich gelöscht. Einige Hersteller liefern ihre Harddisk bereits vorformatiert aus, hier entfällt dieser Arbeitsgang für Sie. Zum Lieferumfang jeder Festplatte gehört aber die nötige Software, um selbst die Platte zu formatieren und auch die folgenden Arbeitsschritte durchzuführen.

Als nächstes geht es an das Aufteilen der Platte, die sogenannte »Partitionierung«. Hier lohnt es, sich vorher ein paar Gedanken zu machen, um später optimal arbeiten zu können. TOS, das Betriebssystem des ST, spricht nämlich nicht die ganze Harddisk als ein einziges Laufwerk an. Bei 16 MByte ist Schluß. Deshalb müssen Sie Ihre Platte in verschiedene logische Laufwerke C: bis P:, sogenannte Partitionen, aufteilen. Diese dürfen unterschiedlich groß sein, aber wiederum keine größer als 16 MByte.

Wie partitioniert man am sinnvollsten? Grundsätzlich gilt: lieber mehrere kleine Partitionen als eine große. Mehr als sieben oder acht logische Laufwerke sollten es trotzdem nicht sein.

Kleinere Partitionen sind vorteilhaft, weil TOS schneller darauf zugreift.

Programme wie »Tune up« zeigen die Zersplitterung einer Partition

Aus diesem Grund empfehlen wir, ein eigenes Bootlaufwerk (meist C:) einzurichten. Dieses muß nicht einmal 2 MByte groß sein. Auf diese Partition gehört alles, was Sie, respektive Ihr Computer, zum Booten brauchen, also Auto-Ordner, Desktop.inf, Accessories, Harddisktreiber und eventuell einige Utilities, die Sie gelegentlich mitstarten lassen wollen. Die einzelnen Anwendungen bekommen dann jeweils eine eigene Partition. Arbeiten Sie beispielsweise viel mit verschiedenen Grafikprogrammen, empfiehlt es sich, diese -durch Ordner getrennt - auf einer Partition unterzubringen. So geht der Wechsel zwischen den Programmen schnell vonstatten. Das Abschätzen der richtigen Laufwerksgröße ist dabei meist das Hauptproblem. Grundsätzlich gilt: Den Platz, den die Programme auf Disketten belegen, plus etwa 20 bis 30 Prozent Spielraum für spätere Erweiterungen oder neue Versionen plus ausreichend Platz für Ihre Dateien wie beispielsweise Bilder. Benutzen Sie eine bestimmte Anwendung besonders intensiv, dann lohnt es sich, ihr eine eigene Partition zu widmen. Auf so eine Partition gehören dann auch alle Hilfsprogramme, die im direkten Zusammenhang mit der Anwendung stehen. Geben Sie diesen Partitionen einen aussagekräftigen Namen. Dazu brauchen Sie nicht unbedingt das Desktop-Icon umbenennen, auch beim Partitionieren läßt sich ein Laufwerk gleich mit einem entsprechenden Titel, »Volume Label«, versehen.

Ihre restlichen, weniger intensiv genutzten Anwendungen sollten Sie auf ein oder zwei Partitionen Zusammenlegen. Spiele, falls vorhanden und falls Harddisk-tauglich, gehören natürlich auf ein extra Laufwerk. Achten Sie aber darauf, daß die Harddisk nicht zu einem Sammelbecken für jedes kleine Progrämmchen verkommt, das Ihrer Floppy im Laufe ihres Lebens irgendwann unter den Lesekopf geraten ist. Nur die wirklich genutzten Anwendungen gehören auf die Platte, der Rest darf ruhig im Diskettenkasten vor sich hin stauben.

Damit Sie bei einer vollen Partition den Überblick nicht verlieren, empfiehlt es sich dringend, die Anwendungen sauber voneinander getrennt in Ordnern unterzubringen. Wer sein ganzes Wurzelverzeichnis mit hunderten von Dateien »zumüllt«, um sich die Klickerei durch den Verzeichnisbaum zu sparen, merkt sehr schnell, daß die Suche nach dem richtigen Programm dann viel länger dauert als die zwei, drei zusätzlichen Doppelklicks. Bis zu acht Ordnerebenen dürfen ST-Besitzer ineinander schachteln. Auch hier ist wieder ein aussagekräftiges Benennen der Verzeichnisse wichtig.

Sehr elegant ist die Bedienung übrigens, wenn Sie einen alternativen Desktop wie »Gemini«, »Neodesk« oder »CoCom« verwenden. Diese erlauben, Programmsymbole auf dem Desktop abzulegen. Durch Doppelklick darauf starten Sie damit auch Anwendungen, die in der Ordnerstruktur ganz hinten liegen.

Wie auch immer Sie Ihre Platte organisieren, an eines sollten Sie regelmäßig denken - an Backups. Ein Headcrash ist schnell passiert, und dann haben Ihre Daten nur noch Schrottwert. Streamer, die die Sicherungsaufgabe schnell und einfach erledigen, sind für den privaten Anbieter meist uninteressant, übertrifft ihr Preis den der Platte doch leicht um das Doppelte. Somit bleiben noch zwei Wege: Einmal gibt es spezielle Backup-Programme, auch im PD-Bereich. Unter anderem bietet »FCopy III« eine entsprechende Funktion. Dabei wird der Inhalt der Partition nacheinander auf Disketten geschrieben. Im Falle eines Unglücksfalles läßt sich der frühere Zustand der Platte leicht wieder herstellen -aber immer nur eine Partition als Ganzes.

Stattdessen können Sie die Dateien natürlich auch einzeln (ohne besondere Programme) auf Disketten kopieren. Das dauert zwar wesentlich länger und benötigt meist auch mehr Disketten, aber danach bleibt der Zugriff auf einzelne Dateien erhalten, ohne die ganze Partition wieder herstellen zu müssen. Auf diese Weise entledigen Sie sich übrigens auch gleich des Fragmentierungseffekts.

Um diese Fragmentierung zu umgehen, steht eine eigene Programmgattung bereit, die sogenannten »Tune-Up«-Utilities. Sie reihen die zerrissenen Dateien wieder aneinander und sorgen so für einen schnelleren Leseprozeß. Allerdings sollte sich jeder genau überlegen, ob einem die paar Millisekunden etwa 70 bis 100 Mark wert sind, die man für ein solches Programm bezahlen muß.

Eine andere Art Hilfsprogramm sei aber noch erwähnt: die Cache-Programme. Diese Utilities puffern die besonders häufig benutzten Sektoren der Platte im RAM, sodaß der Computer sie nicht jedesmal erst neu lesen muß, um die genaue Position einer Datei auf der Platte zu erfahren. Dadurch erhöht sich die Zugriffsgeschwindigkeit zum Teil beträchtlich. Das geht zu Lasten des Hauptspeichers, aber auch schon mit einer Puffergröße von 32 KByte erzielt man gute Resultate. Entsprechende Programme finden sich auch im PD-Bereich. So ausgerüstet und gut organisiert sollte dem fröhlichen Festplattein eigentlich nichts mehr im Wege stehen. (wk)

Literaturhinweise: Wolfgang Klemme, »Ordnung ist das halbe Leben«, TOS 8/90, S.52


Marc Kowalsky
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