Das neue TOS? Chaos durch KAOS

Normen Kowalewski, Mitentwickler des KAOS und neues Mitglied des Software-Support-Teams von Atari Raunheim

»KAOS«, ein überarbeitetes TOS aus deutschen Händen, bringt Unruhe in die Atari-Szene. Auf der Atari-Messe soll es bereits für Furore gesorgt haben und verantwortlich sein dafür, daß Atari-Softwareboß Leonard Tramiel mißmutig durch die Messegänge stapfte. Atari soll es bereits abgelehnt haben. Was ist so interessant an diesem überarbeiteten TOS? Mehr als 80 Fehler seien gegenüber dem bisherigen TOS berichtigt, behaupten die Entwickler, und es würde die Verarbeitungsgeschwindigkeit des ST deutlich erhöhen. Ataris vermeintliches Nein soll aber nicht das letzte Wort zum Chaos über KAOS gewesen sein, denn ein Interessent plant die Vermarktung. Das klingt gut. Darf man sich nun auf dieses »neue TOS« freuen? Nein, und das ist auch gut so. Erinnern wir uns an einen ähnlichen Fall mit »Turbo-DOS . Dieses überarbeitete TOS stammte aus Frankreich, wurde reich mit Vorschußlorbeeren bedacht, anschließend stellten sich große Probleme bei der Arbeit mit der Festplatte heraus. Heute spricht niemand mehr von Turbo-DOS. Nun zu den Fakten. Einer der Entwickler des KAOS, Normen Kowalewski, gehört seit kurzem zum Software-Support-Team von Atari Raunheim. Er nahm in den Räumen der TOS-Redaktion Stellung, genauso wie auf der Pressekonferenz am darauffolgenden Tag. Dabei entpuppte sich vieles als falsch was vorher zu hören war. Weder hat Atari in USA KAOS bisher offiziell übersandt bekommen, noch sieht Atari Notwendigkeit für das überarbeitete TOS. Daß Atari selbst an der hauseigenen Software arbeitet, zeigt der neue Desktop des TT und Mega STE.

Ein »fremdes« TOS wäre zweifellos schwieriger zu Supporten und weiterzuentwickeln. Vor allen Dingen, da dieses TOS in Assembler geschrieben ist. Die Portierbarkeit auf einen anderen Prozessor erschwert sich dadurch wesentlich. Bleibt also theoretisch noch der Weg, es in irgendeiner Form zu verteilen oder zu vermarkten. Interessenten scheint es zu geben. Zum einen stehen dem allerdings ganz massive Copyrightprobleme im Weg, zum anderen die Vernunft. Kein Softwarehaus mit Marktverständnis reagiert auf ein »zweites < TOS und riskiert eine Verunsicherung seiner Kunden. Atari selbst arbeitet an deutlichen Verbesserungen des TOS. Hoffen wir, daß man in die Zukunft blickt und nicht zu viele alte Sünden der Vergangenheit unterstützt, sprich: Programme, die nicht auf Kompatibilität achteten. Lassen wir es also bei einem Satz von Ataris neuem Betriebssystemexperten Normen Kowalewski bewenden: »Zu gegebener Zeit wird Atari auf die Anregungen reagieren«. (Hb)
Horst Brandl


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