Im Gespräch: Peter Melzer, der Entwickler von STAD

Er ist der Individualist unter den ST-Programmierern. In 1000 Meter Höhe grübelt Peter Melzer über den Tiefen der Assembler-Programmierung. Als Ergebnis bescherte er uns den Grafik-Klassiker STAD.

My own way

Unkonventionell, das ist er zweifellos. Fragen beantwortet er nur nach kurzen Pausen, während derer er sie mit seinem scharfen Verstand durchleuchtet. Doch die offene und jungendliche Ton seiner Stimme läßt kaum vermuten, daß der Gesprächspartner ein diplomierter Mathematiker von über 30 Jahren ist. Auch Peter Melzer findet über den C 64 in die Welt der Klein-Computer. Vorher kannte er Programmieren nur von der Uni, am Großrechner in Fortran. Interesse leitet ihn, der Vorsatz für ein Grafik-Programm existiert nicht. Das Experimentieren nimmt nach einem halben Jahr konkrete Formen an: Einzelne Routinen wachsen langsam zu einem Programm zusammen, das Application Systems Heidelberg 1986 erstmals auf der CeBIT vorstellt. Ein Jahr später ist STAD (»ST Aided Design«) fertig: »STAD war im Wesentlichen schon zur CeBIT' 86 fertig. Das Schlimmste war aber der Zusammenbau und Testen der vielen Assembler-Routinen«. Assembler ist Melzers »Leib und Magen-Sprache«. Grund des persönlichen Reinheitsgebotes: »In Assembler ist der Source identisch mit dem lauffähigem Code. Das erleichtert mir die Fehlersuche«. Ein gutes Grafikprogramm darf für Peter Melzer nicht mit Funktionen überladen sein. Es soll einen einfachen Einstieg bieten und gleichzeitig die nötige Tiefe besitzen, wenn es darauf ankommt. STAD verfügt auch heute noch über eine der konsequentesten Benutzerführungen, so schätzt Melzer.

Überschätzt findet er die Bedeutung von Desktop Publishing. Durch Apple kam es vor Jahren in aller Munde, um den Computerverkauf anzukurbeln. Wirklich interessant sei es nur für Layouter und Grafiker. Auch STAD bleibt nicht stehen. Drei Jahre nach STAD 1.0 bringt Melzer sein Programm einem universellen vektor- und pixelorientierten Grafikprogramm näher. Zwischendurch beschäftigen ihn neue Treiber und Versionen für andere Länder. Als Handwerkszeug findet er den ST »nach wie vor ideal«. Drei Stück hat er zu Hause stehen. Auf einem Mega ST4 mit Mathe-Co-Prozessor, Maxon-Grafikkarte und Wechselplatte programmiert Peter Melzer. Den TT würde er sich zur Zeit nicht kaufen: »Die UNIX-Version TT/X finde ich aber ganz interessant«. Großbildschirme findet Melzer noch nicht überzeugend: »Flackerfreies Arbeiten ist auf einem Großbildschirm ziemlich langsam und erfordert ein kompliziertes Redraw (Wiederaufbau des Bildschirms, Anm. d. Red.). Für spezielle Anwendungen wie die elektronische Bildverarbeitung sind Großbildschirme ganz interessant. Was soll der normale Anwender aber ohne Software damit?«. Lieber nimmt er konkrete Anregungen der großen STAD-Gemeinde auf, schaut sich Programme anderer Computer an und entwickelt daraus seine Vorstellungen für kommende Verbesserungen. Eine Trennung zwischen Arbeit und Beruf gibt es für Peter Melzer kaum: »Egal ob ich programmiere, im Garten arbeite oder musiziere. Ich versuche nur Dinge zu tun, die mir Spaß machen«. Vom Zeichnen hält er sich zurück, denn »dazu muß man begabt sein«.


Tarik Ahmia
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