MultiTOS - MiNT: Eric Smith über MiNT

Atari hat auf der CeBIT das Geheimnis gelüftet: MultiTOS besteht aus dem von Eric Smith lizenzierten Multitasking-Kernel MiNT sowie einem speziell dafür angepaßten AES.

Bereits in den letzten Ausgaben hat das ST-Magazin über MiNT berichtet — ganz einfach, weil wir MiNT auch ohne den Segen aus dem Atari-Hauptquartier für eine hochinteressante Sache gehalten haben.

Schön, daß Atari über seihen Schatten gesprungen ist, und eine bewährte und leistungsfähige Entwicklung von außerhalb übernommen hat. Der Hauptverdienst liegt aber bei Eric Smith, der Atari einen großen Teil der Vorarbeit abgenommen und damit MultiTOS in der nun angekündigten Form erst möglich gemacht hat. Lassen wir ihn also selbst zu Wort kommen:

Was ist MiNT?

MiNT ist ein multitaskingfähiger Betriebssystemkern, der die Prozeß- und Dateiverwaltungsfunktionen von GEMDOS weitestgehend ersetzt. Dabei bietet es Programmen neue, Unix-ähnliche Systemdienste wie Pipes oder Interprozeß-Kommunikation an. Im Gegensatz zu einigen anderen Multitaskern arbeitet MiNT präemptiv, das heißt, unter normalen Umständen kann kein Programm die Kontrolle über die CPU für längere Zeit behalten. Programmierer brauchen daher keine speziellen Aufrufe für Multitasking einzubauen, alles läuft völlig transparent ab.

Zur Entstehung

Tatsächlich ist MiNT das dritte Multitaskingsystem, das ich geschrieben habe. Das erste, das ich »MTOS« nannte, war ein relativ eingeschränkter Multitasker, der aber schon recht gut funktionierte. Ich schrieb ihn im Herbst 1987 und benutzte ihn ein Jahr lang hin und wieder. Der Programmtext war jedoch schrecklich unordentlich, und einige Eigenschaften waren noch nicht ganz »richtig«. Schlimmer noch: MTOS war sehr stark von der benutzten TOS-Version abhängig, so daß es für eine Veröffentlichung einfach nicht geeignet war. Daher beschloß ich, das System neu zu schreiben.

Der zweite Multitasker (geschrieben gegen Ende 1988) war rein technisch gesehen besser (beispielsweise war er nicht mehr von TOS-Interna abhängig). Leider enthielt er ziemlich viele Fehler, so daß ich die Arbeit an ihm im Januar 1989 aufgab.

Während des Jahres 1990 arbeitete ich an Teilen der »GNU-C«-Bibliothek. Dabei begannen mich einige der Einschränkungen von TOS zu frustrieren. Hinzu kam, daß keines der verfügbaren Multitasking-Systeme gleichzeitig TOS-kompatibel und Unix-ähnlich war (ich plante, Unix-Software, speziell das Fenstersystem »MGR«, zu portieren). Daher beschloß ich, meine vorhandenen Erfahrungen mit Multitasking zu nutzen, um einen kleinen Kernel zu entwickeln. Dieser sollte die Portierung von Unix-Programmen vereinfachen. In Anspielung auf GNU (»GNU’s Not Unix«) nannte ich ihn »MiNT is Not TOS«.

Die erste MiNT-Version 0.1 war am 18. Mai 1990 fertiggestellt. Anfang Herbst war mit Version 0.5 ein Grad an Stabilität erreicht, das MiNT auch für andere benutzbar machte. Schon bald wurde Version 0.6 für die Allgemeinheit freigegeben und erreichte unter den GNU-C-Benutzern innerhalb der UseNet-Gemeinde eine größere Beliebtheit. Da die Quelltexte von MiNT frei verfügbar sind, konnten mir Programmierer aus allen Teilen der Welt Korrekturen und Verbesserungen per Email (elektronischer Post) zusenden. Viele Programme sind für MiNT portiert worden, darunter verschiedene Unix-Shells, Texteditoren und sogar ein Fenstersystem (das oben erwähnte MGR-System).

Die Haupteinschränkung von MiNT blieb jedoch, daß GEM nichts von seiner Existenz wußte und daher immer nur ein GEM-Programm laufen konnte. Jetzt, da Atari eine MiNT-Lizenz erworben hat, dürfen wir auf neue GEM-Versionen mit unbegrenztem Multitasking von GEM-Programmen hoffen.

Zur Person

Ich bin 26 Jahre alt und arbeite zur Zeit an meinem »Ph.D.« der Mathematik an der University of Western Ontario (Kanada). Kurioserweise war mein Hauptstudiengebiet jedoch nicht die Computerwissenschaft, sondern abstrakte Algebra. Dennoch habe ich eine Veröffentlichung über theoretische Informatik und Anwendungen von Computern in der Mathematik verfaßt. An Computern bin ich schon lange interessiert, und meinen Atari besitze ich seit 1986.

Andere Softwareprojekte waren meist Freeware-Utilities für Programmierer. Außerhalb des UseNet kennt man mich wohl weniger, schließlich habe ich dort die meiste meiner Software veröffentlicht. Eine Ausnahme stellt das Adventure »Net-Hack« dar: ich bin eines der Mitglieder im Entwicklungsteam, und bin seit einigen Jahren für die Atari-Portierung des Programms zuständig. (uw)

Lizenzrechtliches

Jeder, der plant MiNT zu verkaufen (bis auf Benutzergruppen, die weniger als 10 US-$ pro Diskette verlangen) sollten bei Eric Smith nach einer Lizenz nachfragen.

Eric R. Smith
Dept. of Mathematics University of Western Ontario
London, Ont. Canada N6A 5B7
Kanada


Eric R. Smith
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