Mathematikprogramm Diskutant: Reizvolle Kurven

Auf den ersten Blick erinnert der Diskutant an ein Malprogramm

In den eingebauten Taschenrechner werden die Funktionen eingetippt

Ein Teilgebiet, mit dem Mathelehrer ihre Schützlinge besonders gerne quälen, ist die Kurvendiskussion. Wäs leistet der »Diskutant« in dieser Disziplin?

Der Test begann unkonventionell. Natürlich würde ein braver Benutzer niemals mit der Tür ins Haus fallen, die Anleitung ungelesen in eine Ecke verbannen, das Programm sofort in den Arbeitsspeicher laden und ihm ohne Umschweife auf den Zahn fühlen. Bei diesem schonungslosen (aber bewährten) Hauruckverfahren offenbarten sich gleich kleinere Mankos, so daß auch der Testbericht unüblich mit Schelte beginnt.

Beim Laden einer der Beispieldateien von Diskette nimmt das Programm keine Rücksicht auf die gerade vorhandene Grafikauflösung. Dadurch lassen sich beispielsweise in der hohen Auflösung mathematische Darstellungen laden, die eigentlich für die mittlere Auflösung bestimmt sind. Ergebnis: jede Menge Schrott auf dem Bildschirm und Verwirrung beim Benutzer.

Ein weiteres Negativum beim Versuch, das Bildfenster zu verkleinern: Zwar kann man mit den Pfeiltasten im Bild hin- und herscrollen, doch verweigert das Programm die korrekte Bedienung der Rollbalken.

Diskutant kann viel mehr als einer der zahlreichen Funktionsplotter, die ansonsten im Umlauf sind. Automatische Berechnung von Nullstellen, Extremwerten, Wendepunkten und Flächen zwischen zwei Funktionen bereiten dem Programm keine Probleme. Auch Definitionslücken umschifft das Mathetalent ohne Programmabsturz. Außerdem kann der Diskutant die gewünschte Funktion als Graph darstellen und statistische Auswertungen vornehmen.

Ins Programm integriert ist ein Taschenrechner, der gleichzeitig auch zur Eingabe der entsprechenden Funktionen benutzt wird. Dessen Bedienung ist allerdings gewöhnungsbedürftig: Wie die Abbildung zeigt, stellt der Taschenrechner scheinbar mehrere Zeilen zur Eingabe von Funktionen zur Verfügung. In Wirklichkeit besteht der Eingaberaum aus einer Endloszeile, der Text läuft in die nächste Zeile um. Außerdem ändert die Backspace-Taste je nach Modus (overwrite oder insert) ihr Verhalten, was ordentlich verwirrt.

Vom Funktionsumfang kann man eigentlich nichts Negatives sagen. Im Gegenteil: Sogar eine RND-Funktion (zum Erzeugen statistischer Fehler) fehlt nicht. Sehr schön wirkt auch die »df«-Taste: Beim Anklicken erzeugt diese Taste zur aktuellen Funktion die erste Ableitung analytisch, d.h. tatsächlich nicht nur als Wertemenge, sondern als neue Funktion. Auch das bestimmte Integral ist ein Feature, das in diesem Softwarebereich ziemlich einmalig sein dürfte.

Wer Berechnungen schnell überprüfen will, ist mit dem Programm gut bedient: Nullstellen findet der Diskutant mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie Extrema und Wendepunkte. Nicht nur Funktionen können dargestellt werden, auch (nahezu) beliebige Relationen innerhalb von R. In einem sog. Kinomodus kann man seine mathematischen Schöpfungen sogar noch animieren. Mit einem kleinen Grafikprogramm, das den Funktionsumfang ergänzt, lassen sich Schaubilder zusätzlich aufpeppen.

Der Gesamteindruck von Diskutant fällt durchaus positiv aus. Programmautor Friedemann Seebass sollte sein Werk aber noch einmal auf Ungereimtheiten in der Benutzerführung überarbeiten — am besten mit möglichst ahnungslosen Anwendern. Trotzdem: Kein Fehler ist so gravierend, daß er die Arbeit mit dem Programm unvertretbar macht. Wer sich mit der Materie beschäftigt, sollte sich den Diskutant auf jeden Fall einmal ansehen. (hu)

Diskutant 1.14

Hersteller: Seebass Soft

Preise: Deluxe 148 Mark, Standard 88 Mark, Schüler/Studenten 25 Mark Ermäßigung

Stärken: □ großer Funktionsumfang □ keine Berechnungsschwächen □ Grafik- und Animationsteil

Schwächen: □ Benutzerführung □ Dateiladefunktion

Fazit: empfehlenswert mit kleinen Schönheitsfehlern

Friedemann Seebass Software, Hüniger Str. 28, 1000 Berlin 33
Arnd Rosemeier



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