Farbmonitor BWG 1.0: Farbe im Sonderangebot

Für knapp 400 DM bietet eine Berliner Firma einen RGB-fähigen Farbmonitor an. Das ist verdächtig billig — wir gingen der Sache für Sie auf den Grund.

Die meisten der in Europa betriebenen Atari ST-Rechner sind mit einem Schwarzweißmonitor im Einsatz. Für viele Anwendungen — vor allem zum Spielen — eignet sich ein Farbmodell allemal besser. Das Original von Atari kann sich nicht jeder leisten. Bleibt anscheinend nur übrig, auf einen RGB-tauglichen Fernseher auszuweichen. Die Familie rebelliert? Dann geht die Suche nach einem eigenen Farbmonitor doch los. Aus den Beständen vieler Firmen der ehemaligen DDR ist inzwischen manch interessantes Angebot erhältlich. Der Berliner Computerhändler Hans Zegel (s. a. Beitrag auf Seite 140) bietet da z. B. den »BWG 1.0« an. Laut Händler sei dessen Elektronik westlichen Geräten weitgehend »nachempfunden«, als Bildröhre diene das Markenfabrikat einer namhaften Firma.

Das fernseherähnliche Gehäuse, dessen Frontseite neben der 42 cm großen Röhre (Bildschirmdiagonale) ein Lautsprechergitter sowie den Netzschalter zeigt, ist ziemlich voluminös. Dazu gab's eine zweiseitige Produktbeschreibung und ein ca. 130cm langes Kabel zum Anschluß an den Atari.

Das wuchtige, ca. 40 cm tiefe Gerät auf dem Schreibtisch unterzubringen — uns machte es Mühe! Ähnliches gilt für den Anschluß am Rechner: Das Infoblatt beschreibt eine Buchse auf der Rückseite des Monitors — finden konnte sie keiner! Ein Telefonat brachte Klarheit: Die Anschlußbuchse fand sich unter einer Klappe an der Gerätefront, beschriftet mit dem Symbol für den Tonbandanschluß (?!). In direkter Nachbarschaft — die Regler für die Lautstärke und der Helligkeit. Farben bzw. Kontraste einstellen kann man auf diesem Gerät anscheinend nicht — bei dem niedrigen Preis zu verschmerzen. Dafür ist auf der Rückseite ein Knopf für den Bildfang angeordnet; darunter versteckt sich hinter einem unscheinbaren Loch ein Poti zur Beeinflussung der Bildhöhe. Dieser ist allerdings nur mit einem Schraubenzieher bedienbar.

Es gab weiterhin Ungewöhnliches zu entdecken: Außer der bereits genannten Klappe (Anschlußbuchse) findet sich im unteren Teil des Lautsprechergitters eine weitere Klappe. Wer sie öffnet, blickt in eine offenbar für die Montage eines Abstimmungsautomaten vorgesehene Gehäuseaussparung. Eine schützende Abdeckung hielt man nicht für notwendig! Bei genauerer Inspektion des Gehäuses fanden wir noch Öffnungen, die anscheinend ursprünglich für eine ausziehbare Antenne oder weitere Einstellregler vorgesehen waren; auch sie gähnen dem Besitzer ohne jede Abdeckung entgegen. Auch hier wieder: fragwürdige Sicherheit eines Geräts, das im Innern gemäß Produktinformation etwa 24,2 kV führt. Da kann man eben nur noch per Eigenbau Abhilfe schaffen.

Die Inbetriebnahme des Monitors dagegen verlief problemlos. Seine Bildqualität überrascht angenehm. Die Farbwiedergabe ist ordentlich. Im Vergleich zu einem ca. 600 DM teureren Sony-Monitor wird es jetzt vielleicht zum ersten Mal klar, daß der Preis wirklich günstig ist. Ausnahme: Die Bildröhrensteuerung arbeitet in der vertikalen Ausrichtung nicht linear. Beispielsweise erscheint die Beschriftung einer Menüleiste (wie »Datei«, »Spezial« etc.) deutlich verzerrt. Ein kurzerhand gezeichnetes Testbild bewies die Schwäche: Ein Kreis ähnelte eher dem Umriß eines Apfels. Wer ernsthaft beabsichtigt, im Farbmodus des Atari Texte zu bearbeiten, sei grundsätzlich gewarnt: Dieser, wie auch andere preiswerte Monitore, sind für solche Anwendungen nicht geeignet. Deshalb unsere Empfehlung: der bewährte Schwarzweiß-Modus!

Der Gesamteindruck? Bildqualität, Ausstattung und Preis entsprechen einander durchaus. Die Sicherheitsmängel lassen sich durch Selbsthilfe ausgleichen. Vor diesem Hintergrund: Trotzdem nur eingeschränkt zu empfehlen, (uw)

Name: BWG 1.0
Anbieter: Hans Zegel GmbH, Berlin
Preis: 399 DM

Stärken: niedriger Preis, mit Overscan deutlich vergrößerbares Bild

Schwächen: Sicherheitsmängel, Bild nicht exakt einjustiert, Bildröhre spiegelt stark, keine Regler für Farbsättigung und Kontrast

Fazit: der Sicherheitsmängel wegen nur eingeschränkt zu empfehlen
Ulrich Hilgefort


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