Editor für Profiarbeit:»Edison« — Ein Editor setzt neue Maßstäbe

Sind Sie ein Vielschreiber? Programmieren Sie viel oder haben Sie sonst oft mit Texten aller Art zu tun? Dann sollten Sie vielleicht einmal einen Blick auf Edison riskieren.

Edison, ein neuer Fullscreen-GEM-Editor aus dem Hause Kniss Soft, bietet neben den obligaten Operationen eines jeden Editors weitere, äußerst nützliche Funktionen, die uns die tägliche Arbeit erleichtern. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie Edison zur Texterfassung (z.B. für Desktop Publishing), zum Programmieren oder einfach zur Verwaltung der hauseigenen CD-Sammlung verwenden.

Edison wird auf einer zweiseitigen, nicht kopiergeschützten Diskette geliefert und läßt sich somit auf jedem beliebigen Datenträger installieren. Dazu erhält man ein über 200 Seiten starkes Handbuch, das den raschen Einstieg in die neu erworbene Arbeitsumgebung leicht macht: zunächst erfolgt eine kleine Einführung in die Konzeption von Edison sowie den grundlegenden Zusammenhängen mit GEM. Anschließend wird der Anwender mit den Blockoperationen vertraut gemacht. Das ist sinnvoll, da andere Funktionen diese Kenntnisse voraussetzen.

»Der Wolf Im Schalspelz«, so zeigt sich Edison nach dem Aufruf

Die Erklärungen zu den einzelnen Eigenschaften von Edison sind in sich und in bezug auf weitere Erläuterungen logisch aufgebaut und werden mit anschaulichen Beispielen untermalt. Ein guter optischer Eindruck rundet die ganze Sache ab, so daß man von einem zweifellos gelungenen Handbuch sprechen kann.

Nun zum Programm: Noch vor dem Start fällt auf, daß eine etwaige Ressource-Datei (*.RSC), die von jedem GEM-Programm benötigt wird, fehlt. Sie ist bereits in »EDISON.PRG« integriert, welches die Ladezeit verkürzt. Diese Eigenschaft werden vor allem Diskettenbesitzer sehr zu schätzen wissen.

Nach Programmstart lädt Edison eine »JOB-Datei« (EDISON.JOB) nach, auf deren Funktionen ich später noch zu sprechen komme. Dann geht*s endlich los: Es erscheint eine gut durchdachte Fileselektorbox, die wirklich keine Wünsche offen läßt. Mit ihr können wir z.B. neue Ordner anlegen, Dateien (Ordner) umbenennen, kopieren, löschen und (!) vor Schreibzugriff schützen. Dadurch wird versehentliches Löschen unmöglich gemacht, solange es sich nicht um ein Neu-Formatieren der Diskette handelt. Das Auswählen eines Laufwerks geschieht über einen einfachen Mausklick auf das entsprechende Icon (A-P).

Funktionen zum Sortieren der angezeigten Files nach Datum, Zeit, Länge etc, sowie editier- und speicherbare Extender bilden das Tüpfelchen auf dem »i«. Zu den Dialogen gleich eine Bemerkung. Eine Dialogbox erscheint nicht zentriert in der Mitte, wie man es eigentlich von jedem GEM-Programm gewohnt ist, sondern immer genau da, wo man sie braucht — an der aktuellen Mausposition. Wer das Vergnügen hat, an einem Großbildschirm zu arbeiten, wird auf diese »Kleinigkeit« bald nicht mehr verzichten wollen...

Klicken wir nun eine Textdatei an, öffnet sich eines der insgesamt sechs möglichen Fenster. 1st eine Datei mit dem angegebenen Namen vorhanden, wird diese angezeigt, ansonsten entsprechend neu geöffnet.

Kommen wir nun zu den wichtigsten Eigenschaften von Edison. Zunächst ein paar Worte zu der für Textverarbeitung allgemein wohl wichtigsten Funktion: die Blockoperationen. Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, einen Textbereich als Block zu markieren: Zum einen könnten wir mit Hilfe der Maus einen Block »aufspannen« oder aber über die lästatur Blockanfang und Blockende festlegen, wobei in beiden Fällen die Richtung keine Rolle spielt.

Klingt alles ziemlich bekannt, wenn da nicht noch ein paar Kleinigkeiten wären, die eben wieder alles ein bißchen einfacher machen. Nehmen wir einmal an, wir wollten nur ein Wort markieren, so lief folgende Prozedur ab: Mauszeiger auf das Wort, Maustaste drücken (und vor allem gedrückt halten), Block bis zum letzten Buchstaben aufziehen und fertig.

Sechs Fenster sind für Edison eine Kleinigkeit
Auch die verschiedenen Druck-Optionen sind klar und verständlich aufgebaut

Markierung mit Doppelklick

Nicht so bei Edison — ein Doppelklick auf das betreffende Wort (für Tastatur fans erspart ein Druck auf die Insert-Taste den Weg zur Maus) und schon ist’s passiert. Führen wir dieses Blockspiel doch etwas weiter aus. Wir haben einen Block markiert und stellen fest, daß eine Zeile zuviel oder zuwenig vorhanden ist. Früher hieß das: alles noch mal von vorne. Mit Edison ist es möglich, den Blockbereich nachträglich zu erweitern oder verkürzen. Für Mausspezialisten gibt es noch einen weiteren Trick, einen bestimmten Block zu definieren: Mit einem Dreifachklick auf der Maus können wir die aktuelle Zeile markieren. Wem diese Technik nicht zusagt, erreicht das gleiche über einen Doppelklick am physikalischen Ende einer Zeile (also hinter dem Carriage Return).

Für den Programmierer findet sich noch ein ganz spezieller Leckerbissen. Programmstrukturen, die einen festen Anfangs-und Endpunkt besitzen, wie z.B. »IF« und »Endif« in Basic (Pascal) oder »(« und »)« in C, kann man durch einen Doppelklick auf den Anfangspunkt markieren. Edison sucht selbständig das Gegenstück und markiert so den Block. Da die Schlüsselwörter (If, Endif, For, Next etc.) vom Anwender selbst festgelegt werden können, ist diese Funktion sehr vielfältig. Zu guter Letzt kann man mittels »Alles auswählen« im Menü »Bearbeiten« den gesamten Text als Block markieren. Wem das nicht reicht...

Was läßt sich jetzt mit so einem Block alles anfangen? Hier bietet Edison eine große Auswahl an sehr nützlichen Funktionen. Neben den Standards wie Ausschneiden, Kopieren, Einsetzen finden wir hier Optionen, die es erlauben, den gesamten Block links oder rechts zu verschieben, wobei die Schrittweite durch ein verstellbares Lineal bestimmt wird. Die Funktion »Reformatieren« formatiert den Block linksbündig in Abhängigkeit der Einstellung der Zeilenlänge. Diese Funktion ist vor allem für Fließtexte sehr praktisch. Hinzu kommen Möglichkeiten des Kapitalisierens, des Vertauschens von Groß- und Kleinschreibung bis hin zur Umwandlung von Buchstaben und Zahlencodes (Binär, Hexadezimal, Oktal, frei definierbare Zahlenbasis) in jeder möglichen Kombination, die vor allem für Programmierer von Bedeutung sein dürfte. Fast alle Funktionen der Menüleiste sind auch über Shortcuts (Tastaturkombinationen) aufrufbar und ersparen somit den Griff zur Maus. Dabei wurde in bezug auf die Verteilung der Kombinationen auf möglichst hohe Einprägsamkeit geachtet.

Die Dateiauswahlbox kenn nicht über ein Makro auf gerufen werden

Ein weiteres markantes Attribut von Edison ist der eingebaute Makro-Recorder. Diese Funktion bietet ein weitläufiges Anwendungsspektrum. Oft benötigte Abfolgen verschiedener Funktionen, Befehle oder Textpassagen (z.B. Anredeformeln) können vom Anwender aufgenommen und beliebig oft abgespielt werden. Dabei gestaltet sich das Aufnehmen eines Makros sehr einfach. Menüpunkt »Makro aufnehmen« anklicken (äquivalent dazu Control+ »M«), gewünschte Tastenkombination angeben — Alternate + a(A)-z(Z) ist möglich — und schon geht's los.

Auch zu den Makros wieder ein paar Besonderheiten: Makros können rekursiv sein, d.h. ein Makro kann sich selbst immer wieder aufrufen. Damit es jedoch nicht zu einer Endlosschleife kommt, ist es möglich, die Makroverarbeitung jederzeit abzubrechen. Des weiteren läßt sich jede Dialogbox in einem Makro aufrufen (einzige Ausnahme bildet die Dateiauswahlbox). Selbst komplexe Makrodefinitionen stellen somit kein Problem dar. Beim Verlassen von Edison werden diese dann auf Wunsch gespeichert, so daß sie für zukünftiges Arbeiten weiterhin zur Verfügung stehen.

Programm-Bibliothek und Makros

Eine weitere Kette mächtiger Funktion bilden die Kommandos im Shell-Menü. Hier ist es uns u.a. möglich, Programme zu starten. Das große »Ahhh« wird dem Anwender aber erst beim Betrachten der batchfähigen Jobs entlockt. Unter Jobs versteht Edison kleine, frei gestaltbare Programme, die von einem integrierten Interpreter abgearbeitet werden und zusammengefaßt in der Datei »EDISON. JOB« jederzeit zur Verfügung stehen. Der Befehlsumfang bildet mit seinen rund 40 Worten genügend Spielraum, um einen sinnvollen Einsatz zu gewährleisten. Die einzelnen Jobs (bis zu 40 an der Zahl) können entweder über die Funktionstasten oder über die Menüleiste erreicht werden. Da in der Menüleiste nur acht Jobs gleichzeitig angezeigt werden, ist es möglich die einzelnen Einträge nach oben bzw. unten zu scrollen, bis man den gewünschten Eintrag erreicht.

Was läßt sich mit solchen Jobs nun alles anstellen? Beispielsweise ist es möglich, Compilier- und Link-Vorgänge genauestem zu steuern, ohne Edison verlassen zu müssen. Durch bedingte Compilierung — für Freunde von C höchst interessant — werden nur Module compiliert, an denen eine Änderung stattfand. Ein ganz besonderer Punkt ist in dieser Hinsicht die Möglichkeit der vollautomatischen Fehlersuche, die an sehr viele Compiler anpaßbar ist. Dabei wird Edison zunächst ein Muster einer Fehlermeldung des Compilers übergeben. Da eine solche Meldung sinnvollerweise auch die fehlerhafte Zeile beinhaltet, kann Edison das betreffende Sourcefile laden und den Cursor in die vom Compiler bemängelte Zeile positionieren. Es ist nun leicht, nach und nach eventuell vorhandene Fehler auszumerzen, ohne Zeit mit deren Suche im Quelltext zu verlieren. Bequemer geht's nun wirklich nicht...

Natürlich beschränken sich die Möglichkeiten der Jobs nicht auf die alltägliche Programmierarbeit. Mit ein bißchen Fantasie ist eine Arbeitsumgebung für Bereiche wie DTP, Datenbanken und vieles andere mehr schnell geschaffen. Um unnötiges Blättern im Handbuch zu ersparen, gibt Edison auch eine kleine Hilfestellung zu den einzelnen Befehlen.

Abschließend zur Besprechung der Funktionen noch ein kurzer Überblick der bislang nicht erwähnten Fähigkeiten von Edison. Einzigartig ist das »Synchronscrolling«, bei dem mit der Maus durch den gesamten Text gescrollt werden kann. Dabei steht die momentan angezeigte Textpassage in direktem Bezug zur vertikalen Mausposition. Hinzu kommt, daß die Scrollroutinen in allen Modi rasend schnell sind (auch ohne Blitter), was sich vor allem bei langen Texten sehr positiv auswirkt. Ein kleines Kapitel für sich bildet auch das Lineal, mit dem die Zeilenlänge (bis 32000 Zeichen) sowie die Positionen der echten (!) Tabulatoren bestimmt werden. Laden wir jetzt einen Quelltext (Assembler, C, Datenbanken etc.), paßt sich das Lineal automatisch diesem an, d.h. alle Tabulatoren werden entsprechend dem Quelltext gesetzt. Umgekehrt werden Veränderungen am Lineal sofort im Text sichtbar, wodurch eine komplett neue Formatierung zum Kinderspiel wird.

...fast eine Textverarbeitung

Tabulatoren können im übrigen jederzeit in eine entsprechende Anzahl von Leerzeichen umgewandelt (auch umgekehrt möglich), sowie eventuell vorhandene Leerzeichen am Zeilenende eliminiert werden. Funktionen wie Suchen und Ersetzen, automatisches Einrücken oder etwa die Positionierung des Cursors auf eine der letzten zehn besuchten Textstellen verstehen sich fast schon von selbst. Ganz zu schweigen von einer hierarchischen Sortier-Routine (bis zu drei Kriterien können vorgegeben werden), die in Sekundenbruchteilen Ihre gesamten Datensätze auf Vordermann bringt.

Gut, nachdem wir jetzt über die Fähigkeiten Edisons auf dem Bildschirm Bescheid wissen, ist es nun an der Zeit, weitere Qualitäten mehr oder minder schwarz auf weiß zu prüfen — die Ansteuerung des Druckers. Ganz Macintosh-Like (mehr darüber etwas später) sind vor allem zwei Menüpunkte für den Druck verantwortlich: Über »Druckformat« sind wir in der Lage, generelle Dinge, wie z.B. Seitenformat, Schriftart, Ränder und Zeilenabstand festzulegen. Sehr nützlich sind die Kopf- bzw. Fußzeilen, die neben anwenderspezifischen Informationen auch Standards wie Zeit, Datum, Seite oder Name des Dokuments beinhalten können. Als Druckertreiber verwendet Edison eine Anpassung für Epson-kompatible 9- und 24-Nadel-Drucker, die sich jedoch leicht auf andere Druckertypen abstimmen läßt. Dazu ist kein eigenes Installationsprogramm erforderlich, sondern dies geschieht direkt in Edison. Im Dialog »Drucken« können weitere Einstellungen vorgenommen werden. Neben der Papierzuführung (Einzelblatt, Seitenvorschub etc.) kann die Ausgabe der Druckdaten auf die serielle Schnittstelle sowie in eine Datei umgelenkt werden. Somit gestaltet sich auch der Druckvorgang als vielseitig, ohne jedoch dem Anwender den Überblick verlieren zu lassen.

Zum Abschluß möchten wir noch ein paar Worte über die Arbeitsumgebung von Edison verlieren, wobei wir besonders auf Dialogboxen und deren Aufbau zu sprechen kommen. Wenn wir uns einige dieser Spezies genauer betrachten, fällt den Kundigen unter Ihnen eine gewisse Ähnlichkeit zu den Dialogboxen eines Macintosh auf. In der Tat wurden die Dialoge von Edison denen des Macs nachgebildet. Nicht ohne Grund, denn sie sind in ihrer Übersichtlichkeit und Optik herkömmlichen GEM-Dialogen in mancherlei Beziehung eindeutig überlegen. Dies zeigt wiederum, daß die Programmierer mit Liebe zum Detail gearbeitet haben, um eine optimale Arbeitsumgebung zu schaffen. Der Preis von 169 Mark wird von der Qualität vollkommen gerechtfertigt. Edison läuft mit jeder bekannten Konfiguration, also auch mit einem Atari TT oder einem Großbildschirm. Auch Freunde von Hyperscreen werden nicht enttäuscht — Edison unterstützt diesen »Großbildschirm für den kleinen Geldbeutel«. Während der gesamten Testphase arbeitete Edison zuverlässig und fehlerfrei. Viele Programme könnten sich vor allem in bezug auf sauberes Programmieren eine dicke Scheibe von Edison abschneiden, dessen Programmierer sich strikt an die von Atari vorgegebenen Konventionen hielten.

Fazit: Die große Vielfalt an Möglichkeiten in Verbindung mit einer bediener-freundlichen Benutzerführung machen Edison zu einem wertvollen Textverarbeitungssystem. (mb)

Kniis Soft. Adalbert Tratte 44. 5100 Aachen

Wertung

Name: Edison

Preis: 169 Mark

Hersteller: Kniss Soft

Stärken: hohe Bedienerfreundlichkeit, hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit, automatische Fehlersuche, batchfähige Shell, großbildschirmfähig, sehr gutes Handbuch

Schwächen: keine

Fazit: leistungsstarker Editor für Programmierer und Vielschreiber


Armin Hierstetter
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