Love the Machine: Atari TT

Begehrtes 32-Bit-Arbeitspferd

Der Atari TT war schon Monate vor seinem Erscheinen Objekt von Gerüchten und Mythen. Das erst als "Super ST" gehandelte Gerät war Ataris direktester Angriff auf den professionellen Publishing-Markt, der traditionell von Apple dominiert wurde. Der TT war für das Computerunternehmen ein riesiger Sprung nach vorn und ebenso innovativ wie für seine Zeit leistungsstark. Als CPU kam zum ersten Mal der MC68030 zum Einsatz. Der Einführungspreis lag deutlich niedriger als der jedes Apple Macintosh, besonders in Kombination mit dem Layout-Boliden Calamus SL war der TT weitaus attraktiver als jeder Mac. Lange vor den heutigen Zeiten des Gehäuse-Designs verpackte Atari seinen TT in ein attraktives Äußeres: Der eigentliche Rechner und die Festplatte steckten in unterschiedlichen Blöcken, das Lösen einer einzigen Schraube machte die Festplatte hochklappbar wie eine Motorhaube.

Der TT wurde in Ataris Entwicklungslaboratorien in Dallas, Texas entworfen. Hier entstand auch das Betriebssystem TOS 3.06. Während der fast vierjährigen Entwicklungszeit hat Atari soviel Geld wie in keinen anderen Computer vor wie nach dem TT investiert.

Die erste öffentliche Präsentation des TT erfolgte 1989 in Deutschland. Fünf streng behütetet Exemplare erreichten erst kurz vor der Eröffnung die Atari-Messe in Düsseldorf. 1989 kamen auch bereits erste Geräte in den europäischen Handel, der amerikanische Markt musste weitere 12 Monate warten.

Seinen Namen verdankt der Atari TT der Abkürzung für "Thirty-two/Thirty-two", was die Breite von Adress- und Datenbus des Rechners bezeichnet. Erste Experimente mit einer vollständigen 32-Bit-Architektur wagte Atari bereits unmittelbar nach der Präsentation des ST (Sixteen/Thirty-two) im Jahre 1986 mit dem MC68020-Prozessor. Erste TT-Prototypen verfügten über diese schwächere CPU. In den drei Jahren seiner Entwicklung inkarnierte der TT in verschiedenen Formen, zumeist wurde die Geschwindigkeit des Systems erhöht. Erste Modelle in den Labors liefen wie der ST mit 8 MHz, später wurde der Takt auf 16 MHz erhöht. Als Reaktion auf schnellere Maschinen von Apple und Commodore wurde der CPU-Takt kurz vor der Auslieferung nochmals auf 32 MHz erhöht. Der Rest des Systems wird allerdings weiter mit 16 MHz getaktet. Zur selben Zeit machte sich Ataris Design-Abteilung unter Leitung von Ira Velinsky an das ästhetische Äußere des TT. Ziel war es, auch optisch zu signalisieren, dass der TT das neue Flaggschiff der Atari-Linie wäre. Ganz bewusst wollte Velinsky dabei das bisherige Design der "grauen Boxen" des ST und Mega ST hinter sich lassen. Schon sehr frühe Entwürfe des TT-Designs waren klar darauf ausgerichtet, den Käufer und Anwender auch emotional anzusprechen und an klassische Architektur-Designs angelehnt.

eBay-Kurs: Der Atari TT ist nach wie vor eine äußerst beliebte Maschine. Er gilt als das Arbeitspferd der Atari-Linie und ist für Schwarzweiß-Layouts oftmals immer noch leistungsfähig genug. Üppig ausgestattete Geräte erreichen nicht selten Preise von über € 250.-. Unter € 100.- einen TT zu ergattern, ist praktisch unmöglich.

Steckbrief: CPU MC68030, 32 MHz, Coprozessor MC68882 optional, maximal 16 MBytes ST-RAM, maximal 4 GBytes TT-(Fast-)RAM, TOS 3.06, GEM, ROM-Port, zwei Joystick bzw. Maus-Ports, vier serielle RS232C-Schnittstellen bis 115.200 Baud), Centronics-Port, LAN, AAIDI, Floppy-Port, DMA-/ACSI-Port, SCSI intern und extern, VGA-Adapater, VME-Erweiterungsbus, Audio-Ausgänge, internes Diskettenlaufwerk (DD oder HD~, interne SCSI-Festplatte, Grafik bis 1280 X 960, YM-Soundchip, 8-Bit-DMA-Stereo-Sound, Keyboard mit 94 Tasten, 10 Funktionstasten, Ankündigung 1989,Veröffentlichung 1990, Einführungspreis ca. DEM 8000.

Aufrüstungen: Beschleunigerkarten (zum Beispiel CaTTamaran) mit 48 MHz, alternative RAM-Karten, OverScan TT, VME-Grafikkarten, STartrack-DSP-Audio-Karte


Thomas Raukamp


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