Editorial

Irgendwann erwischt es alle, oder: Die Zukunft der st-computer.

Einmal musste es ja soweit kommen. Und glauben Sie mir, es fällt mir wirklich schwer, es Ihnen zu sagen: Sie halten heute die vorletzte Ausgabe der st-computer in altbewährter Form in ihren Händen. Ok, wenn Sie bisher noch nicht gesessen haben, dann sicher jetzt. Also nochmals Klartext: Die st-computer stellt ihre eigenständige Publikation mit der Ausgabe 06/07-2003 ein.

Die Gründe für diesen Schritt liegen auf der Hand: Die Atari-Gemeinde, mit über 350.000 installierten Systemen einst eine der stärksten Computer-Bastionen im deutschsprachigen Raum, ist in den letzten zehn Jahren auf ein Grüppchen zusammengeschrumpft, das mittlerweile nicht viel größer ist als der harte Kern der C64- und Atari XL-/XE-Anwender. Ernsthafte Anwender sind rar, engagierte Fans und Freaks halten die Atari-Fahne aufrecht, rechtfertigen aber weder den finanziellen Aufwand noch ein im Hinblick auf das für ein aktuelles Monatsmagazin notwendige Nachrichtenaufkommen mehr. Und das ist kein Wunder: Nunmehr ist es zehn Jahre her, dass Atari mit dem Wundervogel Falcon 030 das letzte Computerprodukt aus der ruhmreichen Mutterfirma auslieferte. Nachfolgende Clones und Emulationen hauchten dem Markt immer noch einmal wieder ein paar Jahre ein, bis dann einfach kein „Markt“ mehr vorhanden war, der mit Lebenszeichen auf diesen Hauch reagiert hätte.

Auch an der st-computer ist diese Entwicklung natürlich nicht spurlos vorbeigegangen. Nachdem große Verlage mit klarem Fokus auf hohen finanziellen Gewinnen ihre Atari-Publikationen innerhalb des letzten Jahrzehnts eine nach der anderen verkauften, war es falkemedia unter Leitung von Kassian A. Goukassian gelungen, Deutschlands größtes Atari-Magazin durch ein kleines, schlagkräftiges Team noch über Jahre inklusive Nachrichten, Tests und Berichte zu veröffentlichen. Dieses Team war sowohl für Artikel, als auch für das Layout der st-Computer verantwortlich - alles kam in den letzten Jahren quasi aus einer, oder in der Regel zwei bis drei Händen. Das Ergebnis war Jahr um Jahr eine st-computer, die das Aushängeschild des deutschen Atari-Markts blieb.

Doch nun ist ganz ehrlich gesagt das Ende der Fahnenstange erreicht. Wir haben hin- und hergerechnet, verschiedene Publikationsmodelle durchgespielt, doch das Ergebnis war immer dasselbe: In einem „Markt“, in dem mittlerweile praktisch keine Werbeträger mehr existieren, ist eine stetig schrumpfende Anwenderschaft zumindest für ein professionelles Magazin zu irgendeinem Zeitpunkt der Todesstoß - und dieser Zeitpunkt wurde immer wieder hinausgeschoben, bis es nun einfach nicht mehr ging.

Ich will Ihnen einen ehrlichen Einblick gewähren: Alle Jahre wieder, wenn Aldi und Lidl zu Weihnachten ihre immer schneller und immer günstiger werdenden PCs an den Mann bzw. an die Frau gebracht hatten, bekamen wir dies an den Abonnentenzahlen deutlich zu spüren. Einige fette Jahre macht es nichts aus, wenn pünktlich zu Weihnachten wieder 200 bis 400 Leser abspringen, dann aber wird die Luft zu dünn. Und Weihnachten 2003/2004 wären wir dann endgültig erstickt - Personal und Produktionskosten der st-computer wären für falkemedia in den defizitären Bereich abgerutscht, wovon niemand profitiert hätte, am wenigsten die Qualität der st-computer.

Ganz ohne Atari-Neuigkeiten und -Berichte müssen Sie aber nun keinesfalls bleiben: Es bahnt sich derzeit eine Zusammenarbeit mit einem professionellen und angesehene PC-Magazin an, das Abonnenten der st-computer die Möglichkeit einräumen will, in einem Kombiabo neben fundierten PC-Artikeln auch eine (wahrscheinlich) 16-seitige st-computer unter der Führung von Matthias Jaap und mir zu beziehen. Warum wir als Publikationshaus von Macintosh-, Amiga- und Kameramagazinen den Weg über ein externes PC-Magazin gewählt haben? Nun, ganz einfach: Nach allen uns vorliegenden Informationen und Erfahrungen zum Beispiel aus Leserumfragen wissen wir, dass die meisten Atari-Anwender mittlerweile auf den PC umgestiegen sind, diesen einträchtig neben ihrem Atari stehen haben oder gar Atari-Software „nur“ noch unter einer Emulation betreiben. Wir möchten daher zum Abschluss unseres gemeinsamen Weges so fair sein, Ihnen die Informationen anzubieten, die Sie auch wirklich benötigen - ein Macintosh-Magazin hätte dem Großteil der Anwender eben rein gar nichts genützt...

Ach ja: Der Webservice st-computer.net wird selbstverständlich weiter geführt und endgültig zur besten deutschen Informationsquelle rund um Atari-Neuigkeiten ausgebaut. Sie dürfen gespannt sein...

Weitere Informationen über die Integration der st-computer in das angesprochene PC-Magazin kann ich ihnen erst in der kommenden Ausgabe geben, wenn alle Verträge in Ihrem Sinne in trockenen Tüchern lagern.

Magazin des Jahres

Gerade in dieser doch schweren Zeit freut sich unser Team besonders über die Auszeichnung, die die weltweite Atari-Internet-Gemeinde uns zukommen ließ: wir sind zum besten Atari-Magazin 2003 gewählt worden, eine nette Anerkennung unserer langjährigen Arbeit. das Ziel, die stc wieder zu dem Atari-Magazin zu machen, scheint also schlussendlich erreicht worden zu sein...

Damit nicht genug: Unser Webservice stcomputer.net ist zur besten Atari-Webseite 2003 gewählt worden, unser zweiter Chefredakteur Matthias Jaap bekam den Preis für besondere Leistungen. Ein ganz herzliches Dankeschön an alle, die uns Ihr Vertrauen auf diesem Wege ausgesprochen haben.


Thomas Raukamp


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