Editorial

«Ich habe einen Traum». Dieser Ausspruch von Dr. Martin Luther King beflügelte Generationen von schwarzen und weißen Amerikanern auf ihrem Weg zu mehr Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit. Und einen Traum träumte und lebte auch das deutsche Volk, als es von der Knechtschaft der Armut in den Nachkriegsjahren freimachte und zu Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit aufbrach - noch heute können wir unseren Eltern und Großeltern für diese unvergleichliche Leistung danken, von der wir und unsere Kinder heute profitieren und die wir uns von keinen kahlrasierten Spinnern entehren lassen werden.

Und an dem Tag, an dem ich diese Zeilen am Sie schreibe, ist es genau zehn Jahre her, dass sich unsere Mitbürger aus den östlichen Bundesländern von einer 40-jährigen Knechtschaft unter der Diktatur einer als Kommunismus getarnten Militärherrschaft freimachten - still und ohne Gewalt, als leuchtendes Beispiel für die ganze Welt.

Aber nicht nur auf völkerpolitischer Ebene gibt es Träume von Freiheit. Fundamentaler ist das Recht des Individuums auf Freiheit. Hier ist der gebildete Computer-Benutzer zunehmend eine wichtige Triebfeder. Er lässt sich nicht mehr vorschreiben, aus welcher Quelle er seine Informationen bezieht und aus welchem Blickwinkel er diese betrachtet - beide Aspekte bestimmt er selbst. Er lässt sich von keinen Mega-Konzernen vorschreiben, welches Betriebssystem er nutzt und wählt das Produkt, das die höchste Leistung und Stabilität bei dem gleichzeitig geringsten Preis bietet -und genau das ist der Grund für den Siegeszug des Linux-Systems. Und er definiert auch ein neues Verhältnis zum Nutzungsrecht an einer Sache - frei erhältliche Musikstücke und Service-Angebote wie Napster sind erst der Anfang einer noch weitreichender werdenden Bewusstseins-Revolution, die das Konsumenten-Verhalten ändert.

Auch Atari-Anwender haben einen Traum. Ihr Traum ist nicht aus dem Stoff, aus dem die Träume in den antikreativen Großraum-Büro-Knästen in Redmond gemacht sind. Sie streben nicht nach Weltherrschaft, sondern nach Pluralismus und nach dem Recht auf freie Entscheidung für das Produkt ihrer Wahl und damit letztendlich die Lebensweise, die ihnen am besten erscheint. Und sie fordern dieses Recht nicht nur für sich selbst, sondern ebenso für andere. Mit ihrer Vernunft und ihrem Sachverstand fordern sie althergebrachte Denkmuster und vorgefertigte Meinungen heraus. Sie stellen intelligente Fragen wie «Muss ein Betriebssystem mehrere CD-ROMs füllen?» oder «Kann ein Programm schlank im Umfang und großzügig in seinen Leistungen zugleich sein?». Und Atari-Anwender fragen nicht nur, sondern wissen in ihren elitären Reihen Visionäre, die ihnen motivierende Antworten auf ihre Fragen geben - Visionäre und gleichzeitig Praktiker wie Ulf Dunkel, Ulli Ramps, Richard Gordon Faika, Ali Goukassian und, und, und... Sie vereinen Eleganz und Simplizität in ihrer Arbeit, und wir können stolz darauf sein, dass all diese außergewöhnlichen Entwickler und Köpfe für unsere - und nur für unsere - Plattform denken und gestalten.

Die deutsche Musikerin Anette Humpe hat einmal gesagt, dass die Menschen in Zukunft nur noch das kaufen werden, zu dem sie das meiste Vertrauen haben. Und eben dies ist die Revolution der individuellen Möglichkeiten, die uns das Internet bringt. Ich vertraue keinem machtbesessenen Unternehmen aus Redmond, keiner in ihrem Elitedenken selbst gefangenen Firma aus Cupertino. Ich vertraue Kreativität, Eleganz, Engagement und Vernunft. Und Sie?

Ihr


Thomas Raukamp
Links

Copyright-Bestimmungen: siehe Über diese Seite
Classic Computer Magazines
[ Join Now | Ring Hub | Random | << Prev | Next >> ]