Luna 1.46 - Der Stern leuchtet noch heller

Atari-Programme werden heutzutage in erster Linie von Entwicklern gestaltet, die ihre Werke in ihrer Freizeit programmieren. Umso erfreulicher ist es, wenn ein Programm wirklich kontinuierlich weiterentwickelt wird. Auf den Texteditor Luna trifft dieses Attribut mit Sicherheit zu: In Ausgabe 05/99 zum ersten Mal vorgestellt, konnten wir in Ausgabe 01/2000 einen ersten Eindruck von der in Hannover vorgestellten neuen Version liefern. Cenau diese wollen wir nun noch etwas genauer unter die Lupe nehmen.


Luna garantiert Multi-Spaß durch Multi-Dokumentverwaltung im Multitasking.

Lieferumfang

Ein Texteditor sollte ein kleines Tool darstellen, das neben anderen Applikationen läuft und für sich selbst nicht allzu viel Speicher beansprucht. An diesen Grundsatz hält sich auch Luna: Auch entpackt findet das Programm zusammen mit seinen Erweiterungen komfortabel auf einer einzigen HD-Diskette Platz. Im Programmverzeichnis ist außerdem eine Online-Anleitung im ST-Guide-Format enthalten, die in das Programm einführt. Leider ist diese Online-Elilfe in der uns vorliegenden Version nicht ganz auf dem neuesten Stand und beschäftigt sich mit der Version 1.42.

Luna ist seit einiger Zeit Shareware, die Registrierung kostet DM 29.-.

Wozu Luna?

Der Atari ist seit jeher mit Programmen zur Erfassung und Gestaltung von Texten bestens gesegnet. Diese Popularität geht zurück bis auf die allerersten STs, die von Anfang an mit augenschonenden Grafikmodi sowie einem hochauflösenden Bildschirm ausgerüstet waren. In der Folgezeit haben sich drei verschiedene Programmklassen zur Erfassung von Texten herausgebildet, die sich in erster Linie in ihren Zielsetzungen unterscheiden. Die wohl gebräuchlichste Anwendung dürfte dabei die Textverarbeitung sein: Standard ist heute eine WYSIWYG-Darstellung am Bildschirm, damit die Ergebnisse auf dem Drucker denen auf dem Monitor entsprechen. Zwar können die meisten Textverarbeitungen heute auch zumeist Textblöcke frei plazieren, jedoch arbeiten die Programme grundsätzlich zeilenorientiert. Gänzlich mit frei verschiebbaren Rahmen arbeiten DTP-Programme, die zur Gestaltung hochwertiger Druckvorlagen genutzt werden. Auf dem Atari ist mit Sicherheit Calamus der bekannteste Vertreter dieser Gattung. Die dritte Programmsparte stellen in diesem Bereich die Texteditoren dar. Diese weitaus schlankeren Programmen werden in erster Linie zum schnellen Erfassen von allen Arten von Texten genutzt, um diese entweder direkt auszudrucken oder (was häufiger der Fall sein dürfte) sie in einer Textverarbeitung bzw. einem DTP-Programm weiterzuverarbeiten. Aber auch Entwickler von Programmen und z.B. Webseiten nutzen die flinken Programme für ihre Arbeit, da sich Texteditoren vielfach durch umfangreichere Blockfunktionen z., B. von kompletten Textverarbeitungen abheben.


Filtern ganz ohne Kaffee: Luna bietet die verschiedensten Filtermodule, die auf einen Text beim Laden und auch nachträglich angewendet werden können.

Auch im Bereich der Texteditoren ist der Atari erstaunlich gut versorgt: Neben JanE und Everest dürfte wohl qed der beliebteste Vertreter dieser Gattung sein. Seit dem letzten Jahr hat Luna den Reigen der Texteditorprogramme ergänzt. Die Applikation von dem Berliner Entwickler Richard Gordon Faika erfreut sich einer kontinuierlichen Weiterentwicklung, die aktuelle Version trägt die Nummer 1.46.

Der erste Eindruck

Wer bisher mit einer der Freeware-Versionen von Luna arbeitet, wird den augenfälligsten Unterschied gleich nach dem ersten Programmstart wahrnehmen: Unter der programmeigenen Menüleiste (GEM-untypisch im Programmfenster untergebracht) findet sich nun eine (abschaltbare) Iconleiste, die die wichtigsten Programmoptionen darstellt. Der Anwender muss sich nun also nicht mehr durch die Menüs wühlen, um z.B. so elementare Funktionen wie das Sichern, das Speichern oder das Einfügen von Texten zu veranlassen. In einem Gespräch verriet mir der Programmautor Richard Gordon Faika, dass er sich (nicht nur) in dieser Hinsicht an einem Äquivalent aus der Amiga-Welt orientierte: GoldED dürfte auch systemübergreifend einige Bekanntheit erreicht haben. Im Gegensatz zum großen Vorbild ist die Iconleiste jedoch nicht frei definierbar, Icons sind also gewünschten Funktionen nicht frei zuordnerbar. Zwar reicht eine Begrenzung auf die wichtigsten Funktionen völlig aus, eine Individualisierung wäre jedoch für zukünftige Updates eine tolle Sache, die das Programm noch sympathischer machen würden. Wer übrigens eines der Piktogramme in der Leiste nicht sofort versteht, sollte es einmal mit der rechten Maustaste anwählen: Bei installiertem BubbleGEM öffnet sich eine erklärende Sprechblase.


Luna bietet nun die wichtigsten Funktionen in einer Piktogrammleiste zusammengefasst. Mit dem Karteireiter darunter kann der Anwender gezielt in ein anderes Dokumentenfenster wechseln.

Aber nicht nur die Piktogrammleiste ist neu seit unserem letzten ausführlichen Test hinzugekommen: Wer sich etwas im Menü Flags umschaut, wird z.B. auf die Karteireiter stoßen. Für jeden geöffneten Text wird unter der Iconleiste nun ein eigener Eintrag vorgenommen, damit der Anwender zwischen mehreren geöffneten Editorfenstern schnell und unkompliziert wechseln kann, was besonders für Programmierer recht hilfreich sein sollte. Außerdem findet sich ein zuschaltbares Textlineal, das Luna schon fast das Äußere einer Textverarbeitung verleiht.


Ein Blockfilter bei der Arbeit: Der angewählte Text wird in Großbuchstaben gewandelt.

Once you popped...

Luna bietet dem Anwender kontextsensitive Popup-Menüs, die durch die Betätigung der rechten Maustaste aufgerufen werden. Grundsätzlich werden auch hier die wichtigsten Funktionen stets bereitgehalten. Ergänzt wird diese Möglichkeit jedoch um die frei definierbaren Userpop-ups, mit denen sich jeder Anwender die von ihm am häufigsten benutzten Funktionen auf die rechte Maustaste legen kann. Aufgerufen werden die Userpopups, indem man beim Druck auf die rechte Maustaste die Shift-Taste gedrückt hält. Auf Wunsch kann das Userpopup die normale Popup-Funktion auch ersetzen. Die eigenen Popups werden innerhalb einer Steuerdatei definiert, die Syntax ist auch für Nicht-Programmierer recht einfach zu erlernen.

Drag & Drop

Als modernes Atari-Programm ist Luna zu großen Teilen direkt per Drag & Drop bedienbar. Ist ein zweites Editorfenster geöffnet, kann ein selektierter Textblock problemlos von einem Fenster auf das andere gezogen werden. Diese Technik funktioniert natürlich nicht nur innerhalb von Luna: Zieht der Anwender eine Textdatei aus einem Verzeichnis auf ein geöffnetes Luna-Fenster, wird der Text automatisch übernommen. Dieses Prinzip funktioniert unter einem AV-fähigen Desktop wie z.B. jinnee auch in die andere Richtung: Zieht man einen Block aus dem Editor auf den Desktop, wird dieser hier automatisch in einen Notizzettel verwandelt und entsprechend dargestellt. Warum also nicht den nächsten Einkaufszettel bequem in Luna erstellen?

Aktuell: Luna 1.50

Wenn sie dieses Heft in den Händen halten, hat Luna 1.46 vielleicht schon eine Nachfolgeversion gefunden. Freundlicherweise ließ uns der Programmautor Richard Gordon Faika schon einmal einen ersten Blick in die interne Beta-Version 1.49 werfen. Die nächste offizielle Veröffentlichung wird die Nummer 1.50 tragen.

In erster Linie wurden eine Vielzahl von Fehlerkorrekturen vorgenommen. Was sich vielleicht unscheinbar anhört, hat erhebliche Vorteile: Ich habe diesen Zusatztext z. B. auf einem Hades 040 verfasst. Was lehrt uns das? Richtig, Luna läuft nun auch unter N.AES 2.0. Auch auf meinem Falcon030 gibt es nun keinerlei Probleme mehr.

Aber auch einige echte Neuerungen hält die neue Version für Sie bereit: Die Fensterpositionierung kann nun gestaffelt, nebeneinander-, untereinander- oder hintereinanderliegend bestimmt werden. Die Fenstergröße beim Öffnen eines Fensters ist vordefinierbar. Innerhalb von Blöcken gibt es nun auch Funktionen zur Wandlung von Zahlenwerten innerhalb verschiedener Zahlensysteme. Darüber hinaus sind die Tabulatorgrößen frei einstellbar. Für schnelle Notizen ist sicherlich auch interessant, dass Luna ab sofort auch als Accessory lauffähig ist.

Luna verspricht auch mit dem neuen Update um einige wichtige Funktionen ergänzt zu werden und seinen Vorsprung gegenüber anderen Texteditoren weiter auszubauen. Besonders N.AES-Benutzer können sich auf die Version 1.50 freuen.

Blockfunktionen

Wie bereits erwähnt, liegen die Stärken eines Texteditors in erster Linie in seinen Blockfunktionen. Luna unterscheidet hier grundsätzlich drei verschiedene Blockarten: Am praktischsten ist hierbei sicherlich der Spaltenblock: Diese Blockselektion entspricht einem aufgezogenem Rechteck. Dabei ist es egal, ob in Reihenfolge der Spalten oder der Zeichen (also zeilenweise) selektiert wird. Dies ist immer dann hilfreich, wenn bestimmte Bereiche unabhängig von einer Zeile markiert werden sollen, wie z.B. innerhalb von Tabellen.

Mindestens ebenso interessant ist der Gruppenblock: Diese Blockselektion muss nicht durchgängig sein, es können also mehrere Blöcke gleichzeitig aufgezogen und per Drag & Drop verschoben werden. Dabei kann es sich durchaus auch um Spaltenblöcke handeln. Eine Sondergattung stellen die Objektblöcke dar, bei denen es sich streng genommen gar nicht um eigenständige Blockarten handelt. Ist die Funktion im Menü Flags aktiviert (Standardeinstellung), so kann der Anwender durch einen Rechtsklick in den Blockbereich ein Popupmenü aufrufen, dass wichtige Bearbeitungsmöglichkeiten bereithält. Dazu gehören z.B. so grundsätzliche Funktionen wie das Kopieren und das Einfügen wie auch verschiedene Filterfunktionen. Allerdings stehen auch einige Rechenfunktionen bereit, die Luna ein weiteres Mal in die Leistungsklasse einer Textverarbeitung katapultieren.

Filterfunktionen

Wie schon erwähnt, bietet Luna für Objektblöcke verschiedene Filterfunktionen, die entweder durch die rechte Maustaste oder über das Menü aufgerufen werden. Bevor Sie diese Funktion zum ersten Mal starten, sollten Sie allerdings im Menüpfad Flags/Module den Pfad zum Modulordner (sollte sich im Programmverzeichnis finden) definieren, damit alle bereits zur Verfügung stehenden Module auch genutzt werden können. Bisher stehen folgende Funktionen bereit:

Da sehr viele Atari-Anwender MagiC auch auf einem Macintosh nutzen, sollte diese Liste um einen Wandler von Umlauten von und nach dem Mac-Format ergänzt werden. Außerdem sollte auch eine Wandlung von HTML nach Atari möglich sein - hier hat qed also nach wie vor die Nase vorn.

In erster Linie für Programmierer dürfte ein Filtermodul interessant sein, das einem Block am Satzanfang ein Semikolon hinzufügt und die Zeile somit als Kommentar innerhalb des Assembler-Codes definiert.

Selbstverständlich ist diese Liste auch durch eigene Blockfilter erweiterbar, eine Beispieldatei liegt Luna ebenfalls bei. Wer einen Filter erklärt haben möchte, braucht lediglich die Shift-Taste bei der Anwahl gedrückt zu halten: Es öffnet sich ein Fenster, in dem weitere Informationen zur Funktion und dem Entwickler enthalten sind.


Einstellungen soweit das Auge reicht: Richard Gordon Faika versteht es, seinen Applikationen eine moderne Optik zu verleihen.

Zeilen- und Wortfunktionen

Die obigen Textbearbeitungsfunktionen werden durch einige Möglichkeiten für Zeilen und Wörter ergänzt. So können Zeilen komplett ausgeschnitten und eingefügt werden. Auch Leerzeilen können eingefügt werden. Sowohl Wörter als auch Zeilen und sogar das gesamte Fenster kann mittels spezieller Funktionen schnell selektiert werden. Etwas ungewöhnlich ist bisher noch das Verhalten bei Doppelklicks auf ein Wort: Zwar wird dieses dann markiert, ein weiterer Klick deselektiert es jedoch wieder. Intelligenter wäre es, wenn bei einem dreifachen Klick der gesamte Absatz, bei einem vierfachen Klick der ganze Text selektiert würde. Auch über die Menüzeile scheint die vereinfachte Anwahl eines Absatzes bisher nicht möglich zu sein, der Anwender muss also selbst per Maus ran.

Sprünge

Zeilensprünge sind in Luna dagegen sehr umfangreich möglich: Sowohl auf den Fensteranfang wie auch auf den Textanfang bzw. das Textende kann gezielt gesprungen werden. Auch bestimmte Absätze, Zeichen und Zeilen können angesteuert werden. Natürlich ist auch das Setzen gezielter Sprungmarken ohne weiteres möglich.

Skripte

Eine weitere Möglichkeit von Luna ist die der praktischen Automatisierung des Programms. Was bei Calamus als Tastatur-Recorder bezeichnet wird, sind bei Luna die Skripte. Häufig wiederkehrende Arbeitsschritte können auf Wunsch aufgezeichnet und von Luna „nachgeäfft" werden. Im Luna-Verzeichnis finden sich auch schon eine Reihe von Skripten, die das Programm teilweise erheblich erweitern. So ist hier auch die oben vermisste Funktion zum Wandeln von HTML-Codes in ASCII-Texte vorhanden. Wer die Arbeit am eigenen Text nicht ganz so ernst nimmt, sollte auch einmal das Skript Badisch.lus starten: Dieses verwandelt den gesamten dargestellten Text in die badische Mundart - recht unterhaltsam.

HTML

In der aktuellen Version ist Luna auch für Webdesigner prädestiniert. Zwar wird bisher kein Wizard geboten, jedoch stehen verschiedene Beispieldefinitionen für die oben erwähnten Userpopups bereit, die Luna in ein praktisches Tool für die Webgestaltung verwandeln. So stehen z.B. über die Datei Home.pop (einzustellen unter Flags/Userpopups) eine Vielzahl von HTML-Befehlen bereit, die nach der Anwahl an der Cursorposition eingefügt werden. Der Entwickler einer Webseite erspart sich auf diesem Wege einen Haufen Arbeit. Wer einmal mit diesen Funktionen gearbeitet hat, wird sie schon bald nicht mehr missen mögen. Luna stellt also in der aktuellen Version 1.46 eine interessante Wahl für alle Anwender dar, die entweder Teile ihres Dokuments im Web präsentieren möchten oder sogar Homepages komplett erstellen möchten. Für die Zukunft wäre es interessant, wenn immer wiederkehrende HTML-Befehle auch automatisch innerhalb der Iconleiste dargestellt würden, sobald ein HTML-Dokument geladen würde.

Vorstellungen

Eine weitere große Stärke von Luna ist die Vielzahl an Voreinstellungsmöglichkeiten, mit denen das Programm weitestgehend an die eigenen Erfordernisse und Bedürfnisse angepasst werden kann. Sowohl das optische Erscheinungsbild als auch Programmfunktionen sind komfortabel veränderbar. Besonders interessant ist hier z.B. die Möglichkeit, das Zeilenende nach Atari-, Unix- oder Apple-Manier zu definieren, was eine Austauschbarkeit von Texten unterstützt. Aber auch Text- und Hintergrundfarbe und die Cursorform bieten eine Vielzahl von Optionsmöglichkeiten. Selbstverständlich müssen Texte auch nicht im Systemfont dargestellt, sondern können frei ausgewählt werden. Wenn möglich, wird der MagiC-eigene Fontselektor genutzt. Interessant sind auch die definierbaren Importfilter, die den Blockfiltern entsprechen: So können Texte schon beim Laden in das gewünschte Format (z. B. HTML) gewandelt werden.

»Luna hat es endgültig geschafft, sich als eigenständige Applikation auf dem Atari ein individuelles Gesicht zu verleihen und stellt meiner Ansicht nach den zur Zeit leistungsfähigsten und modernsten Texteditor auf dieser Plattform dar.«


Die Userpopups können auch anstelle der Standard-Popups erscheinen.

Kritikpunkte

Luna ist schon in der Version 1.46 so ausgereift, dass man sich fast anstrengen muss, um Kritikpunkte zu finden. Von einigen GEM-Puristen wird bemängelt, dass Luna sich nicht an sämtliche Konventionen hielte (z.B. Drag-Menüleiste im Programmfenster) und somit den schon überwunden geglaubten „Oberflächen-Wildwuchs" fördere. Hin und wieder wird auch bemerkt, dass Richard Gordon Faika in seinen Dialogboxen ein recht eigenwilliges Design bevorzugt, dass bei der ersten Nutzung zusätzlich verwirren könnte. Ich persönlich empfinde die vom Autor vorgenommene Individualisierung bestimmter optischer Elemente als nicht störend und kann z.B. der im Programmfenster untergebrachten Menüleiste sogar einige Vorteile bei der täglichen Arbeit abgewinnen. Trotzdem wäre es vielleicht ein Entgegenkommen, wenn es alternativ möglich wäre, auf ein herkömmliches Standard-Atari-Aussehen umzuschalten.


Das poppt: Die Userpopups sind grün markiert. die Standardpopups haben einen roten Balken. Durch die Popups wird Luna zum HTML-Editor.

Gravierender als diese „Oberflächlichkeiten" ist aber das Verhalten von Luna beim Einfügen von Texten: Trotz eingeschaltetem und korrekt definiertem automatischen Wortumbruch werden die Zeilen innerhalb eines Absatzes nicht intelligent verschoben. Wenn z.B. Worte in eine Zeile eingefügt werden, bricht Luna den Text nicht neu (und damit korrekt) um, sondern verschiebt die Zeile bis über den Umbruch hinaus. Noch störender ist, dass hin und wieder scheinbar Buchstaben aus dem vorhergehenden oder nachfolgenden Wort mit in eine Zeile übernommen werden, obwohl der Cursor vorher korrekt plaziert wurde. Hier ist Nacharbeit gefragt.

Nicht verschwiegen werden darf auch, dass Luna 1.46 auf meinem Hades unter N.AES aufgrund fehlender AES-Funktionen nicht startet und auch auf meinem Falcon030 unter MagiC 6.1 partout nicht zu einer Arbeit bereit war. Da andere Falcon-Besitzer dieses Problem jedoch nicht zu haben scheinen, sollte dies an meiner Konfiguration liegen. Ich muss zugeben, dass ich bisher noch nicht allzu viel Zeit auf eine Fehlersuche verwandt habe. Auf einem Powerbook 180c lief Luna unter MagiCMac jedoch völlig problemlos.

Ansonsten gibt es nicht viel zu bemängeln. Ein Wunsch für die Zukunft ist nach wie vor die Möglichkeit, selektierte Textstellen in unabhängige Zwischenspeicher zu kopieren, so dass mehr als ein Text im Clipboard gehalten werden kann, was besonders für Programmierer interessant sein dürfte. Ausserdem prädestiniert Luna für eine optimierte Zusammenarbeit mit den aus demselben Haus stammenden Übersetzungstools Arthur und Berta.

Fazit

Luna hat es endgültig geschafft, sich als eigenständige Applikation auf dem Atari ein individuelles Gesicht zu verleihen und stellt meiner Ansicht nach den zur Zeit leistungsfähigsten und modernsten Texteditor auf dieser Plattform dar. GEM-Puristen mögen weiter das Freeware-Tool qed bevorzugen, jedoch bietet Luna schon heute eine weitaus größere Flexibilität bei höheren Individualisierungsmöglichkeiten. Auch Webdesigner haben ein neues Standard-Editor gefunden. Wir dürfen uns schon heute auf neue Versionen freuen.


Die Zeilenenden können nach Atari-, UNIX-oder Mac-Manier behandelt werden.

Literatur:

[1] Testbericht Luna 1.11, STC 05/99, Seite 56
[2] Testbericht Lina 1.20, STC 09/99, Seite 9
[3] Erste Eindrücke von Luna 1.46, STC 01/2000, Seite 1 7

Richard Gordon Faika, Richard-Sorge-Straße 24, D-10249 Berlin, rgfaika@snafu.de, http://www.atari-computer.de/rgfaika
Thomas Raukamp


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