Kaufentscheidung und Übersicht: Betriebssysteme auf dem Atari - Multitasking im Vergleich

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Hand aufs Herz: Wie lange ist es her, dass Sie zum letzten Mal den grünen oder grauen Desktop des Atari-TOS gesehen haben? Ohne Zweifel werden viele Anwender bei dieser Frage erst einmal etwas länger nachdenken müssen. Im Laufe der 90er Jahre haben sich Multitasking-Systeme auch auf den Atari-Plattformen durchsetzen können. Die großen Namen in diesem Sektor sind ganz klar MagiC und N.AES. Besonders im amerikanischen Markt ist auch die Alternative Geneva sehr beliebt. Bevor wir allerdings richtig loslegen, sollten wir uns einen kleinen Trip in die Vergangenheit gönnen:

Evolution der Betriebssysteme

Anfang der 80er Jahre fanden Computer ihren Weg aus den Büros und Rechenzentren in die Wohn- und Kinderzimmer der Welt. Atari hatte nicht zuletzt mit seinen Spielkonsolen und ersten Heimcomputern maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung, die später viele Aspekte unserer Welt verändern sollte. Möglich wurde dieser Vormarsch aber erst durch die fortschreitende Miniaturisierung und die fallenden Kosten im Markt der elektronischen Bauteile. Waren bei so legendären Rechnern wie dem Atari 800XL oder dem Commodore 64 in erster Linie Fragen nach der Anzahl der darstellbaren Sprites und der Fähigkeit des Soundchips wichtig, trat die Beschaffenheit oder gar der Komfort des Betriebssystems weitestgehend in den Hintergrund. Viele Computerbesitzer wussten nicht einmal genau, was genau ein Betriebssystem ist. Fragen nach der aktuellen Version überforderten gänzlich, auch Updates oder gar Service-Packs waren völlig unbekannt. Die meisten Heimgeräte ließen sich meist über mehr oder minder umfangreiche BASIC-Dialekte bedienen, wer in der Verwaltung oder auf der Uni etwas professioneller arbeitete, hackte kryptische Befehlsfolgen in DOS- oder UNIX-Systeme. Erst der Apple Macintosh lenkte zum ersten Mal den Fokus einer breiten Masse auf einen anderen Aspekt als die Hardware: Dieser Rechner fiel in erster Linie durch eine einfachere Bedienung auf, die durch ein neuartiges

Betriebssystem und die damit verbundene Benutzerschnittstelle ermöglicht wurde. Bald nach der Präsentation des ersten Mac traten andere Unternehmen auf den Plan, um ihre Rechner mit einem ähnlichen Komfort auszustatten. Der vielleicht erste ernstzunehmende Konkurrent des Mac wurden der Atari ST und der Commodore Amiga, die fast zeitgleich auf den Markt kamen und ebenfalls mit grafischen Benutzeroberflächen um die Gunst der Käufer buhlten. Später trat dann auch Microsoft in den Wettbewerb ein, indem man IBM-kompatible Rechner mit einem Fenster-System ausstattete. Apple hatte also nicht unbedingt eine Revolution einer stärkeren Hardware in Gang gesetzt (obwohl die 68k-Systeme von Apple, Atari und Amiga natürlich erst die technische Grundlage für die grafischen Oberflächen lieferten), sondern vielmehr die Revolution durch Benutzerschnittstellen geschafft, die das darunterliegende Betriebssystem erst transparent machten. Die Frage nach dem Betriebssystem wurde erst jetzt für jedermann wichtig.

Der Anfang allen Multitaskings auf dem Atari: MultTOS wurde 1992 vorgestellt.
Das Betriebssystem TOS war einer der Hauptgründe für den Erfolg des Atari ST In den 80er und frühen 90er Jahren.

Multitasking auf dem Atari

ACCs und CPX-Module sind ebenfalls parallel laufende Applikationen. Allerdings dürfen sie über keine eigenen Menüleisten verfügen. Sie eignen sich hauptsächlich für kleinere Tools und Kontrollfelder.

Wie erwähnt wirkte auch Atari an dieser Neuorientierung des Markts mit und ist durchaus als wichtiger Bestandteil der angesprochenen Revolution zu betrachten, da man diese auch Durchschnittsverdienern durch günstige Preise erst zugänglich machte. Das Betriebssystem der Atari-Rechner war das TOS, ein Singletasking-System, das mit der grafischen Benutzeroberfläche GEM aus dem Hause Digital Research kombiniert wurde. Genügte das TOS bis Ende der 80er Jahre durchaus allen Ansprüchen, wurden die Rufe nach einer multitaskingfähigen Variante spätestens mit der Einführung des TT immer lauter - immerhin konnten die Systeme von Apple, Microsoft oder Amiga schon lange mehrere Programme parallel laufen lassen.

Aber auch das Standard-TOS ist begrenzt multitaskingfähig: Ein wichtiges Merkmal sind die Accessories, die in der Menüleiste installiert werden und parallel zu den Hauptanwendungen laufen. Bis heute erweist sich diese Möglichkeit für kleinere Systemtools und Kontrollfelder als durchaus sinnvoll, jedoch ist der entscheidende Nachteil der ACCs, dass sie unter Single-TOS nur beim Systemstart installiert werden können, dann permanent im System bleiben und keine eigene Menüleiste beanspruchen können. Ein weiterer Nachteil ist, dass eine Anwendung bei dieser sehr eingeschränkten Multitasking-Variante das gesamte restliche System lahmlegen kann, wenn sie z. B. umfangreiche Berechnungen durchführen muss. Ausserdem ist die Anzahl der zu installierenden ACCs stark begrenzt.

Atari ließ den Wunsch nach einem echten Multitasking-System nicht ungehört verhallen. Anfang der 90er Jahre wurde neben dem Atari Falcon030 auch ein neues Betriebssystem angekündigt, das den Namen MultiTOS tragen und zum Start der Wundermaschine erhältlich sein sollte. Wie von Atari gewohnt, verzögerte sich die Auslieferung jedoch und erst im Jahre 1993 war MultiTOS tatsächlich lieferbar. Die Begeisterung hielt sich zunächst in Grenzen: Hauptkritikpunkte waren eine teilweise Inkompatibilität mit den Geräten der ST- und STE-Serie, häufige Abstürze und vor allem eine etwas zähe Arbeitsgeschwindigkeit auch auf vergleichbar schnellen Maschinen wie TT und Falcon. Zwar wurde MultiTOS von der deutschen Firma Compo stabilisiert und teilweise auch weiterentwickelt, konnte sich allerdings nie richtig durchsetzen.

Atari war jedoch nicht das einzige Unternehmen, das Multitasking auf seine Maschine bringen sollte, auch andere Entwickler versuchten ihr Glück. Erwähnenswert ist z.B. MultiGEM von der Firma Maxon, das das Accessory-Prinzip weiterspann, aber auf diesem Wege nie wirklich multitaskingfähig war und die Anzahl der parallel laufenden Programme weiterhin begrenzte. Im Jahre 1993 sollte dann aber ein Stern aufgehen, der bis heute die Atari-Welt mit seinem Licht bescheint:

MagiC

MagiC (oder MagiX!, wie es anfangs genannt wurde) wurde 1993 entwickelt und in der Version 1 .x von der Firma BELA vertrieben, bevor es im Januar 1994 zu Application Systems Heidelberg wechselte. Machten die ersten Versionen noch vom kooperativen Multitasking Gebrauch, bietet MagiC ab der Version 2.0 ein moderneres, präemptives Konzept an. MagiC konnte sich sehr schnell unter Atari-Anwendern durchsetzen, denn im Gegensatz z.B. zum MultiTOS läuft es auch auf relativ kleinen Systemen wie ST und STE hervorragend und verlangsamt diese nicht etwa, sondern sorgt noch für einen erheblichen Geschwindigkeitszuwachs.

Kompatibilität

Das komplette Betriebssystem wird mit einigen Zusatzprogrammen auf 2 HD-Disketten ausgeliefert und beweist so wieder einmal, dass auch moderne Multitasking-Systeme nicht ganze CDs belegen müssen wie so manches Produkt aus dem Hause Microsoft und Apple. Zwar tut MagiC auch bereits auf Systemen mit wenig RAM seinen Dienst, ein sinnvolles Arbeiten mit mehreren parallel laufenden Programmen ist aber erst ab 4 MB aufwärts möglich und empfehlenswert. MagiC läuft grundsätzlich auf allen Atari-Rechnern (also ST, STE, TT und Falcon). Für den Milan ist eine spezielle Version erhältlich, die entgegen allen anderen Versionen auf das eingebaute TOS aufsetzt und nicht unabhängig betrieben werden kann. Auch für den Hades ist eine MagiC-Variante erhältlich. Entgegen unserer Aussage in der letzten Ausgabe wurde auch die aktuelle Version 6.1 auf diesen Atari-Clone umgesetzt, und so müssen sich Hades-Besitzer nicht mit der Version 5.2 des Betriebssystems begnügen. Unterstützt wird aber nur der Hades 060. Da MagiC sehr hardwarenah programmiert ist, machen Ataris mit Hardwarebeschleunigern grundsätzlich einigen Ärger. Relativ sicher läuft MagiC auf STs bzw. STEs mit PAK-Beschleuniger und Falcons mit Centurbo-II-Karte. Wer seinen Falcon mit einem Afterburner zu einem 68040-Rechner gestaltet hat, braucht in jedem Fall einen Patch für den korrekten Betrieb. Interessant ist übrigens auch, dass MagiC mittels eines frei erhältlichen Programms auch in einen ROM-Baustein gebrannt werden kann, um so das Original-TOS vollständig zu ersetzen. Zwar wird dadurch ein weiterer Geschwindigkeitsvorteil möglich, aus Kompatibilitätsgründen ist aber das Belassen eines TOS-ROMs im System durchaus nützlich.

Durch MagiCMac besteht für Atari-Anwender die Möglichkeit, ihre Software auf hoch moderner Hardware in Höchstgeschwindigkeit laufen zu lassen.

MagiC ist jedoch nicht nur auf Ataris und deren Kompatiblen lauffähig. Mittels Emulationen läuft es auch auf heutigen Mac- und PC-Systemen. Die Umsetzung auf den Macintosh scheint dabei besonders gelungen, da ältere Macs über eine 68k-CPU verfügen und eine entsprechende Emulation auf den PowerMacs bereits mitgeliefert wird. Hinzu kommt, dass viele Routinen bereits nativ auf den PowerPC eines Mac portiert wurde. Es sollte also nicht erstaunen, dass MagiC auf den heutigen Macs in Höchstgeschwindigkeit läuft und durchaus eine ernstzunehmende Alternative zum MacOS darstellt. Etwas problematischer ist natürlich die Emulation auf einem Intel-PC. Durch die hohe Geschwindigkeit heutiger PCs ist aber auch hier eine Emulation mit vielfacher TT-Geschwindigkeit möglich. Durch eine speziellen Cache-Modus brauchen wichtige Systembefehle außerdem nur einmalig kompiliert zu werden, um dann in einem schnellen Speicher für neue Zugriffe zwischengespeichert zu werden. MagiC PC wird also umso schneller, je länger man damit arbeitet.

Installation

Die Installation auf dem Atari erfolgt mittels eines eigenen Installers, schöner und komfortabler wäre in jedem Fall die Verwendung von GEMSetup, dem neuen Standard-Installer für Atari-Systeme, der z.B. von Programmen wie Calamus, AniPlayer und Chatter bereits verwandt wird. Die Installation fügt dem Auto-Ordner das Programm MAGXBOOT hinzu, das beim Systemstart einen Reset durchführt, das eigentliche MagiC lädt und erneut bootet. MagiC wird übrigens systemfest installiert, so dass bei einem Reset nicht noch einmal diese gesamte Prozedur durchgeführt wird. Achten Sie bei Ihrer Konfiguration darauf, dass MAGXBOOT möglichst an erster Stelle in Ihrem Auto-Ordner steht, damit der Rechner auch bei einem Kaltstart möglichst schnell hochfährt.

Ausstattung

Bereits nach dem ersten Booten fallen einige optische Veränderungen zum Standard-TOS optisch positiv ins Auge: Die Oberfläche wirkt modern und elegant, die Anleihen von der Mac-Oberfläche tun dem Äußeren durchaus gut. Standardmäßig wird MagiC mit dem Desktop MagiC Desk ausgeliefert, der zwar nicht den Leistungsumfang von kompletten Desktop-Paketen wie jinnee und THING erreicht (und dies auch nicht soll), aber eine durchaus komfortable und zeitgemäße Bedienung des Systems zulässt. Aktuell ist die Version 5, die z.B. Rücksprungpfeile in übergelagerte Verzeichnisfenster bietet. Auch sonst werden fast alle Features geboten, die von einem modernen Desktop erwartet werden können. Auch optische Details wie die Bestimmung von Hintergrundbildern werden geboten. Alles in allem ist MagiC Desk bereits optimal auf die Zusammenarbeit mit MagiC ausgerichtet. Wer nicht besonders häufig mit seinem Atari-System arbeitet und auf Luxus verzichten kann, wird mit dem Standard-Desktop bestens auskommen.

Ähnliches lässt sich über die Standard-Dateiauswahlbox sagen: Zwar kommt sie nicht an den Funktionsumfang von Tools wie Boxkite oder Freedom heran, ist aber für die tägliche Arbeit durchaus ausreichend - wer mehr will, kann sich ja einen anderen Fileselector installieren.

Auch sonst erscheint das Oberflächen-System sehr ausgereift: Grundsätzlich sind alle Fenster ikonifizerbar, in Echtzeit zu verschieben, zu vergrößern und zu scrollen (nur auf schnelleren Systemen empfehlenswert). Seit MagiC 6.0 ist das Aussehen der Fensterränder und Bedienelemente außerdem frei konfigurierbar, dem gesamten Fenstersystem kann also ein individuelleres Aussehen gegeben werden. Auch das vom Mac bekannte Windowshading wird von MagiC systemtransparent geboten: Ein Doppelklick in die Titelleiste eines Fensters reduziert das Fenster auf selbige. Dies ist besonders auf kleineren Bildschirmen und bei Programmen, die permanent im Hintergrund arbeiten (Faxprogramme etc.) sehr praktisch. Alle Systemfonts sind zudem frei wählbar, selbstverständlich kann es sich dabei auch um Vektorschriftarten handeln, sofern NVDI installiert ist. Außerdem liefert MagiC eine komfortable Zeichensatzauswahlbox gleich mit, die auch von Programmen genutzt werden kann.

Nach wie vor gibt es auf dem Atari Programme, die nicht über eine eigene Oberfläche verfügen. Damit auch diese im Multitaskingbetrieb laufen, ist MagiC mit dem Programm VT52 ausgestattet, das automatisch sämtliche Ausgaben von TOS-Programmen in ein GEM-Fenster umleitet.

Seit der Version 5.0 bietet MagiC lange Dateinamen. Ab der Version 6.1 wird das VFAT32-Dateisystem unterstützt, wie es von Windows 95 und Windows 98 verwandt wird. Somit können also alle entsprechenden Medien auch unter MagiC Verwendung finden.

Zusatzprogramme

MagiC wird standardmäßig mit einigen Zusatzprogrammen ausgeliefert, die das System noch praktischer machen. Einige werden bereits bei der Installation vorkonfiguriert, andere kann sich der Anwender nach Belieben selbst installieren. Zu den installierten Tools gehört das Programm MGVIEW, das ASCII-Texte im DOS- und UNIX-Format darstellt. Ein eigener Bilderanzeiger liegt allerdings nicht bei. MGEDIT ist dagegen ein sehr einfacher Texteditor, der von den meisten Anwendern wahrscheinlich nie gebraucht wird, da sich auch Systemdateien mit Tools wie Luna und qed weitaus besser editieren lassen. Interessanter ist dagegen das Programm MGNOTIGE, mit dem Notizzettel auf dem Desktop abgelegt und verwaltet werden, wie man dies z. B. auch vom MacOS kennt. Aber auch viele der Applikationen, die der Anwender auf Wunsch selbst installieren muss, wird man schon bald nicht mehr missen mögen. Dazu gehört z.B. die Taskleiste und der Startbutton.

Konfiguration

Wie schon vom TOS bekannt, wird auch MagiC weitestgehend über CPX-Module konfiguriert. Standardmäßig wird MagiC mit dem erweiterten Kontrollfeld COPS ausgeliefert, das im alle enthaltenen Module innerhalb eines Fensters weitaus übersichtlicher als z.B. XControl darstellt. Im grundlegenden MagiC-Konfig-Modul wird das Verhalten der Oberfläche und der Diskzugriff kontrolliert. Die Zeitverteilung zwischen den Vorder- und Hintergrundprozessen wird im Modul Magic Timeslice eingestellt. Hinzu kommt noch ein CPX-Modul, das diverse Eigenschaften der Konfigurationsdatei MAGX.INF einstellt. Natürlich kann diese Datei auch per Hand verändert werden. Wer dies allerdings mit einer weitaus komfortableren Oberfläche erledigen möchte, sollte sich aus dem Internet das Programm MagiCCfg besorgen.

Einige Programme wie z. B. der ASH EMailer setzen MagiC für ihren Betrieb bindend voraus.
Besonders im Zusammenhang mit dem Desktop jinnee bietet MagiC eine äußerst attraktive Oberfläche.
Wer MagiC über eine moderne Oberfläche konfigurieren möchte, sollte sich die aktuelle Version von MagiCCfg besorgen.

Shared Librairies

Besonders für Programmierer ist das Konzept der Shared Libraries interessant. Dabei handelt es sich um Funktionsbibliotheken, auf die mehrere Programme gleichzeitig zugreifen können, ohne dass die Bibliothek mehrfach geladen werden muss. Durch dieses moderne Konzept ist eine Platzersparnis auf der Festplatte und im Speicher möglich - je mehr Programme auf eine Library zugreifen, umso größer wird die Ersparnis. Programmierer können hingegen jederzeit auf vorhandene Libraries zurückgreifen, ohne jedesmal eigene Routinen entwickeln zu müssen. Hinzu kommt, dass bei einem Update einer Bibliothek alle Programme profitieren, die diese nutzen.

Dokumentation

MagiC wird mit einem 60-seitigen Handbuch ausgeliefert, das neben den Atari-Versionen auch MagiCMac und MagiC PC behandelt. Zwar geht das Handbuch nicht sonderlich in die Tiefe, wird aber zumindest für reine Anwender völlig ausreichend sein. Entwickler mögen die fehlende Dokumentation des Betriebssystems beklagen. Das Handbuch ist reichlich mit Screenshots ausgestattet und erläutert auch die Oberfläche zufriedenstellend. Einzig auf die Konfiguration von MagiC könnte nach meinem Geschmack etwas näher eingegangen werden, zumindest der Aufbau der MAGX.INF-Datei könnte erläutert werden. Glücklicherweise findet sich dazu eine Textdatei auf der Festplatte. Nicht auf dem neuesten Stand ist die Online-Hilfe, die weitaus umfangreicher sein könnte.

Fazit

Bei der Entwicklung von MagiC hat man sich optisch und funktionell sehr an das Betriebssystem des Apple Macintosh angelehnt. Trotzdem wurde dafür nicht die schon sprichwörtliche Schlankheit des Atari-Systems geopfert. MagiC wirkt in keiner Funktion überproportioniert oder gar aufgebläht und vermittelt ein äußerst angenehmes Arbeitsgefühl bei einer auch auf kleinen Systemen hohen Geschwindigkeit. Es hat sich also völlig zu Recht als Quasi-Standard auf allen Plattformen, auf dem Atari-Computing stattfindet, durchgesetzt.

Hauptkritikpunkt ist aber nach wie vor die fehlende Netzwerkeinbindung. Gerüchten zufolge ist ASH aber derzeit damit beschäftigt, diesen Punkt auszumerzen und einen TCP-/IP-Stack systemtransparent einzusetzen, auf den dann z. B. auch die schon bestehenden Internet-Applikationen zurückgreifen können. Apropos Internet: Nicht vergessen werden darf auch, dass bestimmte Programme wie der ASH EMailer oder der Chatter bindend MagiC für ihren Betrieb voraussetzen. Dass dies nicht gerade der Atari-Plattform an sich nutzt, steht außer Frage.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass MagiC ein modernes Multitasking-Betriebssystem ist, das der Konkurrenz aus der Windows- und Macwelt durchaus das Wasser reichen kann und in einigen Punkten sogar überlegen ist. Die Zielgruppe liegt aber ganz klar bei den Atari-Besitzern, die ihren Computer in erster Linie für Anwendungen nutzen und nicht allzu viel „unter der Oberfläche" konfigurieren möchten. Insofern setzt es den Ansatz des originalen TOS perfekt fort. MagiC ist ein Aushängeschild für modernes Atari-Computing.

MagiC für den Atari kostet derzeit DM 199.- und ist direkt bei ASH zu beziehen. Die Versionen für Mac und PC kommen auf DM 299.-. Die Hades-Version beziehen Sie am besten von ag Computer oder mw electronic.

Application Systems Heidelberg, Pleikartsförsterhof 4/1, D-69124 Heidelberg, http://www.ash-software.de

N.AES

Die aktuelle Version 2.0 des MultiTOS-Nachfolgers N.AES haben wir auf Seite 28 dieser Ausgabe ausführlich getestet. Um jedoch nicht den Eindruck zu erwecken, dass wir dieses Betriebssystem in dieser Auflistung übergehen und um es in einen Vergleich zu setzen, seien hier noch einmal die wichtigsten Merkmale aufgezählt. Für weitere Informationen (speziell zur aktuellen Version) bitten wir Sie, den Testbericht zu lesen.

Der Ansatz

Obwohl die Umsetzung seitens Atari nicht gerade gelungen war, kann der generelle Ansatz hinter dem MultiTOS doch als äußerst fortschrittlich und flexibel angesehen werden: Anstatt wie z.B. Windows oder MacOS wählte Atari die Trennung zwischen einem schlanken multitaskingfähigen Kernel und einem darauf aufsetzenden AES. Der MiNT-Kernel ist dabei frei erhältlich und kann ähnlich wie Linux weitestgehend offen weiterentwickelt werden. N.AES setzt genau auf diesem Konzept auf, führt den Ansatz von Atari in optimierter Form fort und wird somit zu Recht als „das schnelle MultiTOS" bezeichnet.

Die Vorteile der Trennung zwischen MiNT und N.AES liegen auf der Hand: Aufgrund der strengen Trennung bietet das System zahlreiche Konfigurations- und Eingriffsmöglichkeiten, außerdem arbeitet N.AES gänzlich hardwareunabhängig, da es nur darauf ankommt, dass auf einem System der MiNT-Kernel läuft. Der Nachteil dieser Variante ist, dass das AES und MiNT zusammen kein eigenständiges Betriebssystem bilden und nach wie vor auf das TOS von Atari angewiesen sind.

Kompatibilität

N.AES ist grundsätzlich auf allen Ataris und Kompatiblen mit mindestens 2 MB Arbeitsspeicher lauffähig. Genau wie bei MagiC gilt jedoch, dass für einen sinnvollen Betrieb mit mehreren Programmen mindestens 4 MB notwendig sind, wobei bedacht werden muss, dass N.AES keinen wirklichen Desktop bietet und diesen nachladen muss. Die aktuelle Version 2.0 wird zusammen mit optimierten MiNT-Distributionen für Atari-Systeme mit 68000-, 68020-/68030- und 68040/68060-CPU ausgeliefert, unterstützt also auch optimal kompatible Rechner wie den Milan und den Hades. Besitzer eines Hades 040 sind sogar bindend auf N.AES angewiesen, wenn sie ein multitaskingfähiges System haben möchten, da MagiC auf Ihrem Rechner nicht zum Laufen zu bewegen ist. Keine Probleme sollten auch Besitzer etwas exotischerer Atari-Systeme haben. Eines unserer Redaktionsmitglieder fährt N.AES sogar auf einem Falcon mit Afterburner und hatte bisher keine gravierenden Probleme zu vermelden.

Aber nicht nur MagiC macht Atari-Computing auf anderen Systemen möglich: Im Paket mit dem STEmulator wird es auch für PC-Systeme ausgeliefert und bietet hier eine kostengünstige Emulation bei hoher Kompatibilität durch die Beilage des Original-TOS-ROM-Inhalts. Sogar alte ST-Spiele arbeiten erstaunlich häufig unter dieser Konfiguration. Allerdings bietet auch MagiC PC mittlerweile die Möglichkeit des Einlesens eines TOS-Image-Files und ist mittlerweile noch deutlich schneller.

Installation

N.AES ist auf Disketten und CD-ROM erhältlich. Die Installation erfolgt komfortabel mittels GEMSetup. Beim Booten startet der Rechner MiNT aus dem Autoordner. Da viele Programme (meist älteren Datums) mit dem unter MiNT möglichen Speicherschutz nicht zurechtkommen, wird MiNT automatisch in Mintnp umbenannt, was den Speicherschutz deaktiviert. Außerdem kann der Anwender schon bei der Installation die für sein System passende Distribution aussuchen, so dass er z.B. optimierte MiNT-Versionen nicht per Hand nachinstallieren muss. Ganz nach alter Atari-Manier ist auch N.AES übrigens äußerst ressourcenschonend: Ca. 6 MB reichen für eine Komplettinstallation auf der Festplatte aus.

Ausstattung

N.AES selbst wird nur mit einem sehr einfachen Desktop ausgeliefert, der fast ausschließlich für das einfache Starten von Programmen bzw. eines kompletten Desktops dient und z.B. keine Fenster bietet. Standardmäßig wird N.AES 2.0 aber mit der aktuellen Version der äußerst leistungsfähigen Oberfläche THING ausgeliefert, die z.B. dem MagiC Desk weit überlegen ist und optimal an das MiNT-System angepasst ist. Der Desktop wirkt modern und funktionell und erinnert auf den ersten Blick etwas an den Look des Betriebssystems OS/2. Die Icons sind dagegen zu großen Teilen dem BeOS-System entliehen. Auch ambitionierte Anwender werden an THING ihre Freude haben. Wer es noch komfortabler mag, kann wie unter MagiC natürlich auch jinnee als Standarddesktop festlegen.

Wirkte N.AES in früheren Version gegenüber MagiC ein klein wenig wie ein hässliches Entlein, hat sich das Team um Rainer Mannigel für die Version 2.0 an die komplette Überarbeitung aller Fensterroutinen gemacht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Das Aussehen der Fensterrahmen und der Bedienungselemente kommt nun standardmäßig im MagiC-Look daher und ist ebenfalls durch eigene Themes veränderbar. Allerdings muss für eine optische Veränderung immer noch ein Texteditor genutzt werden, da die N_AES.CNF-Datei per Hand editiert werden muss. Da aber die Pfade für die beiliegenden Themes bereits eingetragen sind, ist ein Auswahl trotzdem auch für Laien recht einfach.

Aber auch sonst braucht sich N.AES nicht mehr hinter MagiC zu verstecken: Alle Fenster sind ikonifizierbar, Systemalerts werden elegant in eigenen Fenstern untergebracht. Damit auch TOS-Programm im Multitaskingbetrieb mitfeiern können, werden deren Ausgaben mittel TOSWIN2 in ein GEM-Fenster umgelenkt.

N.AES wird mit dem Desktop N.THING ausgeliefert, der eine komfortable und zeitgemäße Bedienung erlaubt.
N.AES bietet ein modernes Arbeitsgefühl.
Mittels GEMSetup wird die für Ihr System passende Konfiguration eingerichtet.

Da sich N.AES auf MiNT stützt, sind die verwendeten Filesysteme grundsätzlich nachladbar. N.AES und der mitgelieferte Desktop THING können daher auch Systeme mit langen Filenamen verwalten. Unterstützt werden u.a. VFAT, VFAT32 und EXT2. Die Konfiguration ist allerdings nicht ganz so einfach wie unter MagiC: Wählt man bei letzterem System einfach in einer Auswahlbox die Partitionen bzw. Datenträger aus, die z. B. eine VFAT-Unterstützung bekommen sollen, muss unter N.AES die MiNT-Konfigurationsdatei verändert werden. Woller Systeme arbeiten hier allerdings bereits an Abhilfe und umfangreichen Dokumentationen.

Zusatzprogramme

Ähnlich wie MagiG wird auch N.AES mit einem Satz von Zusatzprogrammen ausgeliefert, die das System weiter verbessern und zu einem modernen Betriebssystem einfach dazugehören. In erster Linie sind hier z.B. die Taskleiste MultiStrip oder der Workspacemanager TWSM zu nennen.

Ein Handbuch zu N.AES 2.0 wird in Kürze als Dokument für die Textverarbeitung Papyrus erhältlich sein.

Programmierung

Besonders Entwickler ziehen oftmals N.AES anderen Multitasking-Systemen vor, weil es ihnen sehr viele Möglichkeiten bietet, die z. B. auch von Systemen wie UNIX, Windows NT und OS/2 bekannt sind: Pipes, Shared Memory, Demons, Links usw. Durch die Nähe des MiNT zu UNIX sind viele Tools recht einfach zu portieren, was z. B. dem MiNTnet zugute gekommen ist. Da MiNT ähnlich Linux frei erhältlich ist, schätzen Entwickler außerdem die gute Dokumentation des Systems.

Netzwerke. Die fehlende Netzwerkfähigkeit hat dem Atari den Weg in viele Büros verwehrt. Zwar stattete man die neueren Modelle mit einem LAN-Port aus, versäumte aber die Entwicklung transparenter Netzwerktreiber. Durch den MiNT-Kernel ist N.AES jedoch über das MiNTnet netzwerk- und sogar multibenutzerfähig und somit für alle diejenigen Atari-Anwender nahezu unersetzlich, die ihren Rechner im- Verbund mit anderen Rechnern nutzen möchten.

Konfiguration

Wie weiter oben erwähnt, bietet N.AES zwar den Vorteil eines guten Zugriffs auf viele Teile des Systems, ist aber besonders für Laien nach wie vor schwerer zu konfigurieren bzw. optimieren als z.B. MagiC. Zwar sind einige Bestandteile der Konfigurationsdatei auch mittels eines CPX-Moduls editierbar, z.B. für die Veränderung der Optik muss allerdings weiterhin selbst Hand angelegt werden. Ähnliches gilt für das MiNT, obwohl mit dem MiNT Setter eine recht komfortable Oberfläche zum Einstellen vieler Konfigurationen mitgeliefert wird. Heiss erwartet wird jedoch das Zusatzprogramm N-Tool, das bereits mit der Version 2.0 des N.AES erscheinen sollte und eine einfachere Konfiguration verspricht. Sobald es lieferbar ist, können registrierte Anwender es von der N.AES-Homepage von Woller Systeme kostenfrei herunterladen.

Dokumentation

N.AES wird mit einer Online-Hilfe im ST-Guide-Format ausgeliefert, die recht gut in die Arbeit mit dem Betriebssystem einführt. Ebenso zufriedenstellend sind der Desktop THING und die meisten Zusatztools dokumentiert. Auf der N.AES-CD befindet sich auch das gesamte MiNT-Archiv, das Handbücher über den Kernel bereithält. In Kürze wird Woller Systeme auch ein Handbuch zum zusätzlichen Preis von DM 10.- anbieten. Das Papyrus-Dokument wird allerdings auch frei im Internet erhältlich sein.

Fazit

N.AES braucht sich in seiner Leistung, Funktionalität und Optik nicht mehr hinter MagiC zu verstecken - mit der aktuellen Version 2.0 wurde weiterer Boden gut gemacht. Besonders Anwender, die einen möglichst weitreichenden Zugriff auf ihr System wünschen, sind mit dem MultiTOS-Nachfolger sehr zufrieden. Auch Netzwerk-Anwender greifen zu N.AES.

Nicht verschwiegen werden darf jedoch, dass es einige Programme gibt, die bindend einige AES-Funktionen von MagiC voraussetzen und daher nicht unter N.AES lauffähig sind. Dazu gehören in erster Linie einige Internet-Programme von ASH. Ansonsten gibt es im täglichen Betrieb keine weiteren Probleme. Die derzeitige Version läuft äußerst stabil.

N.AES ist also genau das richtige Betriebssystem für Atari-Anwender, die etwas mehr verlangen als einen hohen Komfort und auch gern einmal „unter der Oberfläche wühlen". Das moderne Konzept macht es hochgradig kompatibel zu allen Systemen. N.AES setzt eine Tradition und Vision von Atari im Sinne aller Anwender in die Praxis um.

Der Preis liegt inkl. dem Desktop THING und der aktuellen MiNT-Distribution bei DM 129.-.

Woller Systeme, Crunewaldstraße 9, D-10823 Berlin, http://www.woller.com

Geneva

Geneva wird gern im Konzert der Multitasking-Betriebssysteme für den Atari vergessen. Während sich in Deutschland vornehmlich MagiC und N.AES durchsetzen konnten, verschaffte sich Geneva besonders in den Vereinigten Staaten einige Anhänger. Das Programm ist seit den 90er Jahren auf dem Markt, wird aber wahrscheinlich derzeit nicht mehr weiterentwickelt. Da die amerikanischen Atari-Anwender ihre Maschinen in der Regel nicht so umfangreich ausgebaut haben wie ihre europäischen Kollegen und den Atari hauptsächlich als reinen Heimcomputer einsetzen, lag das Hauptaugenmerk bei der Entwicklung von Geneva auf der Lauffähigkeit auf kleinen Konfigurationen.

Im Gegensatz zu N.AES und MagiC macht Geneva vom kooperativen Multitasking Gebrauch, alle laufenden Programme haben also gleichberechtigten Zugriff auf die Rechenzeit der CPU. Diese Methode lässt zwar weniger Kontrollen zu, ist jedoch recht ressourcenschonend und wird übrigens auch von Systemen wie Windows oder MacOS genutzt.

Kompatibilität

Geneva ist äußerst sparsam in der Verwendung des zur Verfügung stehenden Arbeitsspeichers und sollte daher auf jedem Atari ST, STE, TT und Falcon arbeiten. Laut Handbuch ist sogar der Betrieb auf einem 520 ST mit nur 512 kB RAM möglich, allerdings ist hier natürlich kein sinnvolles Arbeiten mehr möglich. Einen Test auf Atari-kompatiblen Maschinen haben wir nicht vorgenommen, da aber der Hades in den USA einige Zeit lang mit Geneva vorinstalliert ausgeliefert wurde, ist davon auszugehen, dass das Betriebssystem zumindest auf dieser Maschine läuft.

Der Geneva-Entwickler im Kurzinterview

Mia Jaap unterhielt sich mit dem Geneva-Entwickler Dan Wilga über die Pläne für dessen Betriebssystem.

st-computer: Wird es neue Versionen von Geneva geben?

Dan Wilga: Es gibt die englische Version 007 von Geneva, die sich nur durch leichte Bugfixes von der 006 unterscheidet. Andere, lukrativere Projekte haben derzeit Vorrang. Auch, wenn es nicht unmöglich ist, dass es eine Geneva-Version nach der 007 geben wird, ist dies bei dem derzeitigen Zustand des Atari-Markts doch nicht sehr wahrscheinlich. Wir müssen auch unsere Rechnungen irgendwie bezahlen.

stc: Planen Sie, MagiC-/N.AES-Features in Geneva einzubauen (AES-Aufrufe, erweiterte Objekte)?

Wilga: Persönlich habe ich es immer für wichtiger befunden, kompatibel zum Atari-AES zu sein, als zum MagiC-AES. Ich denke, ich würde eher die verbleibenden AES-4.1-Aufrufe, die von Geneva derzeit nicht nachgebildet werden, einbauen, bevor ich eine der Erweiterungen des MagiC-AES einbaue.

stc: Wie startete die Geneva-Entwicklung?

Wilga: Es fing an mit dem FormDoIt!-Utility, das ich vor einiger Zeit geschrieben habe. Das Programm verbessert die Dialoge in vielen Programmen, z.B. die Navigation per Keyboard und die Zeichenauswahl. Dann wollte ich die Grenze von sieben Fenstern des Atari-GEM durchbrechen. Ich habe ziemlich schnell herausgefunden, dass viele Teile des AES dazu neu programmiert werden mussten, so dass man genausogut das ganze AES neu schreiben konnte. Also begann ich, ein neues AES zu schreiben und band die Features von FormDoIt! gleich mit ein. Schließlich wurden im neuen AES noch viele Einschränkungen und Bugs vermieden, die ich im Atari-AES über die Jahre entdeckt hatte.

stc: Was denken Sie über den Milan I/II? Gibt es Chancen für ein Geneva-Milan?

Wilga: Leider habe ich noch keinen Milan benutzt, so dass ich dazu keinen Kommentar abgeben kann.

stc: Welche Features stehen für zukünftige Geneva-Versionen an?

Wilga: Zuviel möchte ich da nicht verraten. Die meisten der Features, die ich gerne in neuen Geneva-Versionen sehen möchte, haben mit neuen Objekt-Typen und einem verbessertem Task-Manager zu tun.

st-computer: Wie groß ist die Anwendergemeinde von Geneva?

Dan Wilga: Darüber kann ich leider keine Auskunft geben, da wir die Verkaufszahlen grundsätzlich nicht veröffentlichen.

Installation

Geneva wird in der aktuellen Version 7 auf zwei DD-Disketten ausgeliefert. Die Installation wird durch einen eigenen Installer vorgenommen, so dass keine weiteren Konfigurationen nötig sind und Geneva nach einen Reset bereitsteht. Folgende Dateien werden bei der Installation in den Autoordner kopiert: /ARIO.PRG (zuständig für die Erzeugung und Verwendung des Cookie-Jars) und GENEVA.PRG. Interessanterweise lässt sich Geneva auch durch einen Doppelklick auf das entsprechende Icon unter Single-TOS nachträglich starten.

Ausstattung

Ähnlich wie N.AES bietet auch Geneva keinen „eingebauten" Desktop, wie dies z. B. bei MagiC oder TOS der Fall ist. Nach dem Starten bietet Geneva lediglich eine Menüleiste, die das Starten von Programmen zulässt. Das erste Programm, was wohl nahezu jeder Anwender hier hochfahren wird, ist ein alternativer Desktop. Hier muss aber leider eine Auswahl getroffen werden: jinnee lässt sich zwar starten, quittiert aber ungewöhnlich viele Operationen mit Fehlermeldungen aufgrund fehlender AES-Funktionen. THING testeten wir nicht unter Geneva. Für die Zusammenarbeit optimiert ist der alternative Desktop Neodesk, der von denselben Entwicklern stammt und auch in Deutschland zum Preis von DM 49.- erhältlich ist. Außerdem arbeitet der etwas angestaubte Shareware-Ersatzdesktop Gemini hervorragend mit Geneva zusammen, zumal er ebenfalls recht speicherschonend agiert und auch auf kleinen Systemen einsetzbar ist.

Das amerikanische Multitasking-Betriebssystem Geneva ist besonders für kleinere Atari-Systeme interessant.

Das „Look & Feel" von Geneva erinnert etwas an späte Versionen des Atari-TOS oder an frühe Versionen des MultiTOS. Die Fensterrahmen bzw. Bedienelemente kommen für moderne Verhältnisse recht klobig daher. Alle Fenster bieten aber einen Button zur Ikonifizierung. Etwas ungewöhnlich für Atari-Verhältnisse ist die Verwendung von Pull-Down-Menüs, die also erst öffnen, nachdem man sie bei gehaltener linker Maustaste anwählt. Wer sich jedoch so gar nicht an dieses neue Arbeitsgefühl gewöhnen kann, schaltet es einfach ab. Apropos Menü: Halten Sie bei der Anwahl der Menüs die Control-Taste gedrückt, reißen sie die Einträge (Tear-Off-Menüs) ab. Diese bleiben dann innerhalb eigener Fenster auf dem Desktop liegen, was z.B. innerhalb von Bildbearbeitungen recht hilfreich ist, da man sich so die am häufigsten genutzten Funktionen zurechtlegen kann. Leider lassen sich die Fenster nicht in Echtzeit verschieben, verändern oder scrollen. TOS-Programme werden mittels des Programms Geneva TOS in einem GEM-Fenster ausgegeben, das weitaus komfortabler ist als andere Ansätze.

Geneva ist mit einer eigenen Dateiauswahlbox ausgestattet, die recht gelungen ist. Auf Wunsch kann der Inhalt zweispaltig angezeigt werden, wobei im linken Fensterteil die Verzeichnisse und im rechten Abschnitt die enthaltenen Dateien angezeigt werden.

Konfiguration

Eine weitere wichtige Komponente von Geneva ist der Taskmanager. Dieser verwaltet nicht nur die laufenden Prozesse, sondern bietet auch Einträge für die Konfiguration des Systems. Geneva bietet auch in dieser Hinsicht erfreulich vielfältige Möglichkeiten: Eingestellt werden kann alles vom Aussehen der Oberfläche und der Auswahl der Systemzeichensätze bis hin zur Belegung der Funktionstasten und dem Aussehen des Mauspfeils. Das oben erwähnte „Look & Feel" ist hier also nahezu komplett den eigenen Vorstellungen anzupassen. Eigene Themes wie unter MagiC und N.AES können allerdings nicht verwaltet werden.

Wer noch mehr in die Tiefe gehen will, kann auch die Konfigurationsdatei von Geneva per Hand mit einem Texteditor verändern. Hier ergeben sich durchaus interessante Optionen, die im Handbuch ausführlich dokumentiert werden.

Dokumentation

Ausgerechnet das günstigste Multitasking-Betriebssystem für den Atari ist mit den brauchbarsten Dokumentationen ausgestattet. Das Handbuch beschäftigt sich zwar noch mit der Version 6, geht aber auf 80 Seiten äußerst umfangreich auf die verschiedensten Punkte ein. Es liegt komplett in Deutsch vor. Eine Online-Hilfe ist nicht vorhanden. Entwickler finden eine komplette Beschreibung aller Betriebssystemfunktionen auf einer Extra-Diskette vor.

Fazit

Es ist immer wieder erstaunlich, was Geneva für seinen Preis von DM 49,- alles bietet. Besonders befriedigend ist die Schonung der Speicherressourcen - auf einem MegaSTE mit 4 MB RAM und Grafikkarte waren bei einer Auflösung von 800 x 600 Bildpunkten immer noch 2.5 MB RAM für Anwendungen frei -wahrlich kein schlechter Wert. Nach dem Booten von Gemini waren immerhin noch 1.5 MB frei. Die Geschwindigkeit kann als durchaus zufriedenstellend bezeichnet werden, die Zusammenarbeit mit NVDI klappt problemlos.

Hauptkritikpunkt ist die fehlende Unterstützung langer Dateinamen. Hier sind MagiC und N.AES einfach professioneller ausgelegt. Sowieso wirken einige Punkte bei den beiden großen Konkurrenten einfach eleganter gelöst. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass sowohl MagiC wie auch N.AES weiterentwickelt werden, während dies von Geneva wohl nicht zu erwarten ist (siehe Interview). Interessant ist dagegen, dass laut Handbuch auch MiNT mit Geneva betrieben werden kann. Ob sich das System deshalb in Netzwerke einbinden lässt, konnten wir jedoch nicht testen.

Geneva ist für Besitzer kleiner Atari-Systeme durchaus zu empfehlen und stellt eine günstige Alternative dar. Rechnen Sie in Ihre Investition aber in jedem Fall noch einen Desktop mit ein.

Literatur:

[1] Geneva-006-Testbericht, stc 05/97, Seite 10
[2] Geneva-007-Testbericht, stc 11/98, Seite 16

Software Service Seidel, Heikendorfer Weg 43, 24149 Kiel, http://www4.pair.com/gribnif

Kaufentscheidung: Multitasking-Betriebssysteme

Wenn Sie einen Atari ST/STE mit 4 MB RAM besitzen... ...dann Geneva oder MagiC
Wenn Sie ein möglichst schnelles System suchen... ...dann MagiC
Wenn Sie einen Hades040 besitzen... ...dann N.AES.
Wenn Sie einen Milan besitzen... ...dann MagiC Milan oder N.AES
Wenn Sie Ihren Rechner hauptsächlich für das Internet benutzen... ...dann MagiC
Wenn Sie Ihren Rechner ins Netzwerkeinbinden möchten... ...dann N.AES
Wenn Sie modernste Hardware für Ihre Atari-Programme nutzen möchten... ...dann MagiCMac


Thomas Raukamp
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